Ist der Pantheismus überhaupt etwas anderes als der ultimative Atheismus?

4 Antworten

Über die Begrifflichkeit besteht offensichtlich, wie auch die Antworten hier und von Gläubigen im Allgemeinen zeigen, einige Verwirrung und Missverständnisse.

Theismus und Atheismus sind keine Begriffe, die einen Glauben beschreiben, sondern es sind Kategoriebegriffe, um diverse Glaubensvorstellungen bestimmten Kategorien zuordnen zu können. Daher ist eine oft zu lesende Behauptung "Atheismus ist auch nur ein Glauben" von vornherein unsinnig. Da werden die Bezeichnung einer Kategorie und der Inhalt einer Kategorie durcheinander gewürfelt.

Die Kategorie des Theismus fasst alle Glaubensvorstellungen zusammen, in deren Zentrum ein personaler Gott steht. Ein personaler Gott stellt eine Entität dar, die innerhalb oder außerhalb des Universums existieren kann. Entität meint in diesem Zusammenhang, es handelt sich um ein abgegrenztes Etwas (Person), das nicht eins ist mit dem Universum oder der Natur. Dieser persönliche Gott oder auch Götter haben praktisch immer die Angewohnheit, uns zu beobachten und den ihnen zugeschriebenen Maßstäben entsprechend individuell in das Leben auf der Erde einzugreifen.

Typischerweise können diesen göttlichen Personen auch Namen gegeben werden. In der Antike gab es überwiegend theistische Religionen. Die zugehörigen personalen Götter trugen je nach Region und Zeit ganz unterschiedliche Namen wie z.B. JHWH, Allah, Zeus, Jupiter, Wotan, Quetzalcoatl, Wiraqucha, Shiva etc. pp.

Nur innerhalb dieser Kategorie macht es überhaupt Sinn, den Begriff „Gott“ zu verwenden, der vom griechischen Theos kommt.

Die Kategorie des Atheismus beschreibt alle Glaubensvorstellungen, die keinen personalen Gott kennen.

Zu den atheistischen Religionen gehörten der Konfuzianismus in China oder der ursprüngliche Buddhismus, die beide keine personalen Götter kennen. In der Neuzeit sind die bekanntesten und verbreitetsten atheistischen Glaubensvorstellung Pantheismus, Materialismus, Physikalismus oder Naturalismus, die alle einen personalen Gott ablehnen, aber unterschiedlich stark wirkende transzendete Mechanismen akzeptieren.

Hier ist auch nicht mehr unbedingt der Begriff „Religion“ treffend (Religion = Bekenntnis), sondern eher treffend wären bisweilen Philosophie oder Weltbild.

Typisch für alle diese Glaubensvorstellungen ist, dass dem Göttlichen kein Namen sondern nur Eigenschaften zugeschrieben werden.

Dass Gläubige häufig nicht zwischen den beiden Kategorien unterscheiden können und die durcheinanderwerfen, hatte Einstein schon bemängelt, indem er feststellte:

„Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Häufig, auch hier im Forum, ist zu beobachten, dass Gläubige sich selber als Theisten bezeichnen, die an Gott glauben würden, dann aber diesen Gott atheistisch beschreiben, indem sie ihn als „Kosmos“, Natur“ oder „Energie“ beschreiben.

Selbst die katholische Kirche, die den Begriff Atheismus in der Neuzeit als Kampfbegriff gegen die Ungläubigen geprägt hat, bemängelt dies. So haben Umfragen ergeben, dass „Damit liegen die Westdeutschen im Trend, denn auch in den meisten anderen westeuropäischen Lдndern verschiebt sich das Gottesbild von einer konkret-personalen hin zu einer abstrakt-apersonalen Vorstellung. Im Osten Deutschlands macht der Anteil der Gottesgläubigen nur 28% (Allbus 2012) beziehungsweise 26% (EVS 2008) aus. Und auch dort bevorzugen die wenigen, die überhaupt noch an Gott glauben, die Vorstellung eines unpersönlichen höheren Wesens gegenüber der Idee eines persönlichen Gottes.“

(aus http://www.pfarrerverband.de/print/artikel.php?id=4141)

Vielen, die sich selber als Gottgläubig im Sinne des Theismus bezeichnen, ist selber gar nicht bewusst, dass sie eine atheistische Glaubensvorstellung entwickelt haben.

Nun konkret zu deiner Frage:

Was wäre denn eine ultimative Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kategorie? Definitiv ist der Pantheismus eine weit verbreitete und eindeutig atheistische Glaubensvorstellung, sowohl bei sich selbst gottgläubig nennenden als auch bei sich selbst ungläubig bzw. unreligiös nennenden. Er tritt sowohl bei Kirchenmitgliedern als auch bei Konfessionsfreien auf. Er tritt bei Christen, Moslems und eigentlich weltweit auf. Insofern könnte man ihn durchaus auch ultimativ nennen.

Andererseits könnte man auch Materialisten bzw. Antitheisten als extremste Form des Atheismus als ultimativ bezeichnen.

Letztlich läuft es dann wohl auf eine subjektive Beurteilung und Wertung hinaus.

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Der Atheismus hat als gemeinsames Kennzeichen, dass er allen Theismus und außerweltliche höhere Instanz ablehnt, auch den Pantheismus. Innerhalb der Glaubenshaltung an die Macht einer höheren Instanz allerdings gibt es keine einheitliche Haltung. Das kann so weit gehen, dass Vertreter eines personalen Gottes den Pantheismus als gottlos ablehnen. So ist es z.B. Baruch Spinoza mit seinem Pantheismus gegangen, der von der jüdischen Gemeinde als Gottloser gebannt wurde. Anfängliche stoische Einstellungen in jungen christlichen Gemeinden sind von der sich später verfestigenden Orthodoxie als Irrlehre abgelehnt worden. Das gilt auch für den Kirchenlehrer Origines (184-253 n.Chr.), der in seiner Theologie noch Elemente der Stoa hatte. Doch auch bei der Stoa, vor allem der späteren, gab es einen Logos außerhalb der Welt und einen in der Welt. Selbst da sind die Vorstellungen bei weitem nicht einheitlich. Die Fantasie des Menschen ist halt unendlich vielfältig.

Man sollte vielleicht nicht nur die Vielfalt der Meinungen und Denkweisen sortieren, man sollte genau sehen, nach was die Vorstellung am Ende führt. Pantheismus selber hat verschiedene Formen, es gibt der Ideale Pantheismus, Pandeismus, der Pantheismus der asiatischen Religionen und der Pantheismus der Sufis. Aber alle behaupten, dass Gott nicht außer der Welt oder der Natur erkennbar ist, und manche behaupten, Es sei nichts außer Gott(also alles ist Gott) . Nicht nur die Gläubiger haben das als gottlos abgelehnt, viele Agnostiker und Skeptiker Philosophen haben das als atheistisch gesehen.

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So wie ich es verstanden habe sieht der Pantheismus in allem etwas Göttliches und der Atheismus in nichts etwas Göttliches. Ohne Erklärung, wie du meinst, würde ich sagen, dass es genau das Gegenteil ist.

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