Ist der menschliche Körper nur eine Hülle?

26 Antworten

Hallo CillianAurel,

die Formulierung, der menschliche Körper sei nur eine Hülle, kann man immer wieder, oft in Verbindung mit dem Tod, hören. Wenn der Körper nur eine Hülle ist, wäre zu fragen, was dann in dieser Hülle steckt. Viele würden darauf antworten, es sei unsere Seele, die sozusagen in dieser Hülle, unserem Körper, gefangen ist und diese dann beim Tod verlässt. Ist die Seele also ein unsterblicher Teil in uns?

In vielen Religionen genau das gelehrt. Auch in der Bibel ist das Wort "Seele" zu finden und zwar als Übersetzung des hebräischen Wortes "néphesch" und griechisch "psyché". Wörtlich stehen diese Begriffe für "atmendes Geschöpf" bzw. "Lebewesen". Mit Seele ist somit das gesamte lebende Geschöpf gemeint und nicht ein Teil von ihm. Durch folgenden Bibeltext wird dies bestätigt: "Da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele" (1. Mose 2:7 Elberfelder Bibel). Beachte bitte, dass es hier heißt, dass der Mensch eine Seele wurde und nicht, dass er eine Seele bekam. Oder denke z. B. auch an folgende Aussage: "Was irgendeine Seele betrifft, die an ebendiesem Tag Arbeit von irgendwelcher Art tun wird, diese Seele muss ich aus den Reihen ihres Volkes vernichten." (3. Mose 23:30) Aus diesem Text geht klar hervor, dass mit Seele die ganze Person gemeint ist. Die Bibel lehrt also keine Zweiteilung von Körper und Seele.

Die Seele ist auch nicht unsterblich, wie viele denken. Deswegen steht in Hesekiel 18:4: "Siehe! Alle Seelen — mir gehören sie. Wie die Seele des Vaters, ebenso die Seele des Sohnes — mir gehören sie. Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben." Mehrmals ist in der Bibel auch zu lesen, dass eine Seele unter bestimmten Umständen "vom Volk [Israel] abgeschnitten" werden soll (siehe 3. Mose 7:20, 21; 3. Mose 19:8). Hiermit ist gemeint, dass eine schwere Sünde mit dem Tod bestraft werden sollte. Das Wort "Seele" wird in der Bibel nicht immer nur auf die Person als Ganzes angewandt, sondern steht manchmal als Synonym für das Leben. So heißt es beispielsweise im Buch Hiob, Kapitel 33, Vers 22: "Und seine Seele nähert sich der Grube Und sein Leben denen, die den Tod zufügen." (Andere Beispiele sind in 2. Mose 4:19 und Richter 9:17 zu finden)

Warum aber wird in so vielen Glaubensgemeinschaften gelehrt, die Seele sei unsterblich? Wenn diese Lehre nicht aus der Bibel stammt, woher kommt sie dann? In einem Bibellexikon steht unter dem Stichwort "Seele" folgendes: "Als S[eele] ist der Mensch sterblich ... Das hängt mit der ganzheitlichen Sicht der Bibel vom Menschen zusammen. Die griech. von Plato bestimmte Trennung von unvergänglichem Leib und unsterblicher S[eele] ... ist dem bibl. Denken fremd." (Calwer Bibellexikon). Die Vorstellung einer unsterblichen Seele entstammt demnach der griechischen Philosophie und nicht der Bibel. Jeder kann für sich selbst entscheiden, was er für glaubwürdiger hält.

LG Philipp

Ich sehe darin etwas ähnliches. Um es mit einem etwas bekannten Wort zu bezeichen, würde ich es einen Avatar nennen. Das eigentliche Bewusstsein, von welchem nur ein mehr oder weniger großer Teil ins irdische Dasein gelangt, hat seinen eigentlichen "Sitz" in einem ewigen Dasein in einem ewigen, wie die Bibel es nennt unsterblichen, vollkommenen Körper, während der irdische Körper in seiner Sterblichkeit und Unvollkommenheit diesem ewigen Körper möglichst nahe kommt, aber auch da mag es wohl Ausnahmen mit unterschiedlichen Auswirkungen geben. Das ist zumindest das, woran ich glaube. Mit der Religion, der ich angehöre, hat das so nichts zu tun.

Ich meine, der wirkliche Mensch ist die Persönlichkeit, nicht der Körper.

Die Persönlichkeit ist aber eine strukturierte Menge an Information und selbst nur Teil einer noch größeren Menge weiterer Information. Gemäß neueren Überlegungen aus der Quantenphysik und der Daseinsforschung deutet es sich zunehmend an, daß auch Materie letztlich ebenfalls nichts anderes als strukturierte Informtion ist.

Will man diese Überlegungen weiter verfolgen, dann geht das wohl nur mit einer drastischen Korrektur des bisher üblichen Weltbilds. Ein physikalisches Weltbild ist ein anderer Bereich, aus dem heraus eine nur aus Information bestehende Welt nicht gut beschreibbar ist. Information braucht weder Zeit noch Raum noch physikalische Masse. Wenn 1+1=2 immer ist, dann ist es das auch unabhängig von Zeit und Raum.

Jedoch verwischen sich bei dem Gedanken "alles ist nur Information" auch weitere Grenzen, z. B. die zwischen Glauben und Wissen, weil Information nicht nur das ist, was man real vor Augen haben kann, sondern auch das, was unabhängig vom gegenwärtigen Vorhandensein auch noch denkbar ist und nur als Möglichkeit existiert.

Demgegenüber gibt es aber noch eine andere rein physikalische Betrachtungsweise aus der Evolution heraus.

Von den angenommenen Ursprüngen des Lebens her ist Evolution auch die Verbindung des Lebendigen zu Höherem, also Symbiose (Einzeller verbinden sich zu Vielzellern).

Aus dem beobachteten menschlichen Verhalten herus auf Primitivformen des Lebens (Bakterien) rückschließend läßt sich auch die Vermutung aufbauen, daß auch Bakterien untereinander kommunizieren könnten, miteinander vernetzt sein könnten und aus ihrem eigenen "Weltbild" heraus der Art nützende Wege schaffen, die auch außerhalb von Bakterienkulturen liegen.

Be der Annahme, daß es so wäre, könnte weiter geschlußfolgert werden, daß der menschliche Körper ein über Symbiosemethoden von Bakterien geschaffenes Vehikel ist, in welchem viele Arten von Bakterien ihre optimalen Lebens- und Überlebensbedingungen vorfinden und willentlich diese Vehikel erhalten und steuern.

Tatsächlich sind es auch Bakterien (z. B. im Darm), die über ihren Stoffwechsel massiv den gesamten menschlichen Körper beeinflussen und über diverse produzierte Stoffe mindestens mitbestimmen, wie man sich in Teilen als Mensch verhält.

Diese Vorstellung stellt bereits wieder die freie Willensentscheidung des Menschen mit in Frage und verwirrt die Überlegungen, ob wir als Mensch das Bedeutsame sind oder ob es die Bakterien sind und der menschliche Körper nur deren biologische komplexe Maschine ist.

Ein m. E. geeigneter Vergleich wäre vielleicht die Gruppenbildung unter Menschen. In Gruppen herrscht (dem Anschein nach) ein Gruppengeist vor, dem sich die einzelnen Mitglieder der Gruppe unterordnen. Umgekehrt sind es aber die einzelnen Mitglieder, die sich untereinander abgleichen (die miteinander vernetzt sind) und so in ihrer Gesamtheit den Gruppengeist bilden, den man aus einem entsprechend gewolltem Blickwinkel heraus bereits wieder als so etwas wie ein eigenständiges Lebewesen ansehen kann.

Eine wirkliche präzise Abgrenzung zwischen dem, was unser eigenes "Ich" ausmacht, und dem, was einem anderen höheren Bereich zugehört und von uns mit benutzt wird, wird uns mit unseren gegebenen geistigen Werkzeugen wohl nicht möglich sein.

Übrig bleibt deshalb nur, daß wir uns entscheiden, worin wir das Wesentliche sehen wollen, das wir dann als den eigentlichen Menschen bezeichnen. Zur Auswahl stehen dabei zwei Möglichkeiten:

Entweder, wir betrachten das rein Materielle inklusive der Gene usw. (was in manchen wissenschaftlichen Bereichen zunehmend hinterfragt wird) als den Menschen und behaupten, daß tote Materie lebendiges Denken und Wahrnehmen produzieren kann, oder wir definieren den wirklichen Menschen als Wesensart in einer Daseinsform als Informationen und Teil von etwas Größerem, aus dem am Ende einer langen Kette auch das Materielle hervorgegangen ist bzw. die besondere Art und Weise, mittels der wir Existierendes unter besonderen Bedingungen auch als materiell wahrnehmen können.

sag mal, hast du den Schwarm gelesen? :D klingt auf jeden Fall so :')

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@Skyscraper23

Gelesen habe ich in früheren Zeiten vieles, überwiegend wissenschaftliche Bücher über Medizin, Psychologie, Physik u. a.

Doch seit vielen Jahren bin ich davon abgekommen (schon aufrund der vielen Irrtumskorrekturen, die innerhalb der Wissenschaften vorgenommen wurden) und habe mir angewöhnt, selbst über die Dinge nachzudenken.

Wenn meine Gedanken mit schon vorhandenen anderen veröffentlichten Dingen übereinstimmen, dann ist das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nur ein Zufall, der mit der Entstehung meines Meinungsbildes nicht im Zusammenhang steht.

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Meinen Respekt ! Das passt meiner Ansicht nach im Prinzip alles zusammen und bringt auch mich wieder ein kleines, aber wichtiges Stück an neuen Erkenntnissen weiter. 

Ich sehe es übrigens im Prinzip genauso, dass man letztlich seinen eigenen Weg zur Findung von wahren Erkenntnissen gehen sollte. Dazu gehört es auch mal "über den Tellerrand" hinaus zu schauen um eine gewisses Maß an flexiblem Denken erzielen und letztlich auch für sich erkenntnisfördernd anwenden zu können.

Es gibt leider viele zu viele "geistige Tiefflieger" welche es NICHT so machen und sich lieber NUR in den größtenteils wirren tlw. sogar widersprüchlichen bzw. zerstrittenen Theorien der - ach so seriösen - Wissenschaften irgendwo verlieren und sich dort regelrecht "festbeissen" und von diesem Weg nicht mehr loslassen können.

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