Ist der Krieg in Syrien ein Stellvertreterkrieg wie Korea/Vietnam/afganistan?

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10 Antworten

In gewissen Maßen schon. Jedoch nicht (nur) zwischen den zwei Blockstaaten USA und Russland/Sowjetunion sondern zwischen mehr Parteien.

Zunächst ist da der Hauptkonflikt im arabischen Raum: Sunniten vs Schiiten bzw. der Machtkampf zwischen Saudi.Arabien und Iran als Hauptvertreter dieser "Konfessionen" des Islams.

Dabei wird die Regierung Syriens durch die Hisbollah und Iranische Milizen unterstützt und einige der sunnitischen (Terror) Milizen (wie Al-Qaida, die Islamische Front oder Daesh/IS) durch Saudi-Arabien sowie andere sunnitische Staaten.

Dann werden die starken,zumeist sunnitischen, (Terror) Milizen die gegen die Syrische Regierung kämpfen von verschiedenen Parteien unterstützt mit dem Ziel diese Regierung zu stürzen. Zunächst waren da die USA die vorgeblich die sgn. FSA und später "gemäßigte Rebellen" unterstützt haben mit Waffen und Ausbildung, das ist (Oh Wunder!) aber hauptsächlich beim IS gelandet.
Dann unterstützt die Türkische Regierung und Geheimdienst den IS und einige andere Rebellenmilizen mit Waffen, offenen Grenzen für Rückzug und Nachschub und medizinische Versorgung etc.

Auch andere westliche Staaten unterstützten oder unterstützen sgn. gemäßigte Rebellen und vorgeblich die FSA.

Russland auf der anderen Seite unterstützt offen die syrische Regierung und die iranischen/schiitischen Kräfte.

Das sind so die Hauptverstrickungen...

Hilfreich ist auch diese Grafik:
https://www.thinglink.com/scene/558983569414815746

Nicht ganz aktuell aber doch ausreichend um einen gewissen Überblick zu gewinnen.

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Es ist AUCH ein Stellvertreterkrieg - wenn man die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte incl. Korea-, Vietnam- und Afghanistankrieg als Vorläufer begreift. Es ist aber NICHT ein Stellvertreterkrieg WIE in diesen drei Ländern, da die Machblöcke der damaligen Zeit so nicht mehr existieren.

Russland hat in Syrien noch immer einen Marinestützpunkt am Mittelmeer, den es bewahren will - neben seinem generellen Einfluss in der Region, der noch aus Sowjetzeiten stammt, als viele arabische Länder sich von der Sowjetunion haben inspirieren und finanzieren lassen. Dafür setzen sie auf den alten Verbündeten Assad. Die USA verfolgen weiter ihre Strategie vom kompletten Umbau des Nahen Ostens - weg von den Resten des zumindest sowjetisch beeinflussten Panarabismus (Irak, Syrien, Libyen) hin zum Kapitalimus westlicher Prägung, den sie mit der faktischen Irrsinnsidee vom Krieg gegen den Terror zu verschleiern versuchen. Dass sie dabei die ganze Region vor allem destabilisieren und nicht zuletzt durch die Zerstörung des irakischen Staates und seiner alten Institutionen die ISIS faktisch mit aufgebaut und ausgerüstet haben, ist wahrscheinlich nicht gewollt gewesen - aber es wurde offenbar in Kauf genommen. Mit tödlichem Chaos irgendwo auf der Welt kann die Weltmacht USA scheinbar mehr anfangen, als mit stabilen, den USA nicht gewogenen Regierungen; was machtpolitisch leider nachvollziehbar ist.

Größter militärischer Unterschied ist wohl, dass weder die USA noch Russland mit einer nennenswerten Anzahl von Bodentrumppen vor Ort sind.

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cherskiy 19.12.2015, 10:48

Marinestützpunkt

Das ist zuviel gesagt, es handelt sich bei dem sog. пункт материально-технического обеспечения lediglich um Module, die man innerhalb weniger Stunden abbauen kann und nicht um einen Stützpunkt im klassischen Sinne mit immobilen Infrastrukturobjekten und entsprechender personeller Ausstattung.

neben seinem generellen Einfluss in der Region, der noch aus Sowjetzeiten stammt

Dass dem nicht so ist, erklärt das relativ späte Eingreifen Russlands in den seit Jahren andauernden Konflikt, nämlich erst Ende September dieses Jahres. Russland geht es in erter Linie darum, die über 7000 auf IS-Seite kämpfenden Staatsbürger der RF, die jederzeit unbehelligt über die transparente syrisch-türkische Grenze nach Russland zurückkehren können, zu liquidieren.

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borriquito 19.12.2015, 10:57
@cherskiy

Kann man so sehen, greift aber eindeutig zu kurz. Russland geht es natürlich auch darum, nicht von US-treuen Ländern umzingelt zu sein...

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cherskiy 19.12.2015, 11:05
@borriquito

Richtig, das betrifft aber neben den NATO-Neophyten in erster Linie Staaten wie die Ukraine, Georgien, Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, denen NATO-Beitrittsgespräche angeboten werden. Darüber, dass die US-Treue einiger Länder des Nahen und Mitlleren Ostens teuer erkauft und "wackelig" ist, sind sich wohl die meisten Politiker in Russland einig.

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In diesem Konflikt geht es in Wesentlichen um Partikularinteressen der Anrainerstaaten, den USA geht es vornehmlich um wirtschaftliche Interessen und darum, mögliche Konkurrenten in der Region, aber auch in Europa, zu eliminieren bzw. zu schwächen.

Stichpunktartig kurz zusammengefasst, ohne näher auf Details einzugehen, nimmt der Konflikt im nahen Osten, der jetzt in den Syrien/Irak-Konflikt gemündet ist, 1953 mit dem Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Persiens, Mohammad Mossadeghs,seinen Anfang. Dieser wurde von US-amerikanischen und britischen Geheimdiensten durch Bestechung der Presse und Abgeordneter des Parlaments, den Kauf von Gangsterbanden, die das Land in Chaos versetzten bis die Armee geputscht hat, gestürzt.

Der Grund war, dass er die Ölfelder, die sich die Briten unter den Nagel gerissen hatten, wieder unter die Jurisdiktion seines Landes bringen wollte. Als Randnotiz sei angemerkt, dass das Establishment des Westens sich aus gleichem Grund an Russlands Politik aufgeilt, da Putin, nach dem der dauerbesoffene Tanzbär Jelzin 1999 abgetreten war, nach und nach die zu Dumpingpreisen verschleuderten Reichtümer Russlands wieder unter russische Jurisdiktion zurückführte.

1953 haben die USA "ihren" Mann, den Schah, eingesetzt, der im Iran eine stabile Diktatur installiert hat, die den Briten und US-Amerikanern die Ölquellen sicherte. Radikale Islamisten unter Ajatollah Khomeini zwangen 1978 den Schah zur Emigration und bauten ein religiöses Terrorregime auf

Nachdem Khomeni die Macht übernommen hatte, setzten die USA und ihre Vasallen auf Saddam Hussein, den sie im Iran einmaschieren ließen und in großem Stil mit Waffen belieferten. Das damals existente Waffenembargo gegen den Irak wurde umgangen, indem man keine fertigen Waffen sondern Bauteile/Baugruppen u.a. aus Deutschland lieferte.Der Einsatz von Giftgas in diesem Krieg erfolgte übrigens mit dem Wissen des Westens.

Als es 1979 zum Sowjetisch-Afghanischen Krieg kam, haben die USA radikale Islamisten unter ihrem Anführer Usama ben Laden aufgerüstet mit dem Ziel der Sowjetunion ein "2. Vietnam" zu bereiten.

Als Saddam Hussein in die absolutistische Monarchie Kuweit, in der es
bspw. kein Frauenwahlrecht dafür aber Sklavenhandel gab,
einmarschierte, stationierten die USA Soldaten im Kuweit, was den ehemaligen Verbündeten der USA, Usama ben Laden, und Al-Kaida, die sich von den USA Verraten fühlten, auf den Plan rief.

9/11 wurde von den USA zum Anlass genommen, einen 2. Afghanistankrieg, der bis heute andauert, vom Zaun zu brechen. Die Terroristen in Afghanistan
erhielten nicht nur von den USA Unterstützung in Form von Geld und Waffen
sondern auch von ihren Verbündeten wie Saudi Arabien, Qatar und Kuweit. Da die USA ihre Verbündeten nicht angreifen konnten, verlegten
sie sich erneut auf den Irak (2. Irakkrieg) und erfanden die Story mit den Massenvernichtungswaffen, die sich im Nachhinein als Waschpulver
herausstellten.

Nun kommt die eigentliche Antwort auf deine Frage. Der sogenannte islamische Staat nutzte das von den USA und ihren Verbündeten hinterlassene Chaos in Form arbeitslos gewordener irakischer Soldaten und von der irakischen Armee hinterlassenen Waffen, um einen terroristischen Gottestaat zu errichten, der von den USA und ihren Verbündeten mit Waffenlieferungen und anderem Kriegsgerät an die sog. gemäßigten Rebellen, die prakisch allesamt zum IS übergelaufen sind, unterstützt wurde.

Nicht zu vergessen sind die wirtschaftlichen Interessen der Nachbarn, z.B. die Tatsache, dass das NATO-Land Türkei an dem vom IS geklauten Öl verdient. Die Einkünfte des Islamischen Staates aus den illegalen Ölgeschäften mit der Türkei betrugen vor den russischen Bomardements von Infrastrukturobjekten des IS ca. 3 Mio. Dollar pro Tag. Nun hat man diese Einkünfte etwa  halbiert. Nichtsdestotrotz werden zur Zeit täglich 200 000 Barrel Rohöl aus dem IS in die Türkei zu einem Preis, der weit unter dem Rohöl-Marktpreis liegt, geliefert. Von einem klassischen Stellvertreterkrieg Russland-USA kann in diesem Fall also nicht die Rede sein, obgleich die USA auch hier bestrebt sind, Interessen Russlands in der Region zu torpedieren.

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PeVau 19.12.2015, 12:38

Sehr gute Antwort!

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WDHWDH 19.12.2015, 14:28

Woher haben die Russen (Oligarchen)die Milliardenvermögen in Jachten, Grund, Firmen und Gold angelegt-mit dzt. etwa 30 Jahren. Durch Arbeit?

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PeVau 19.12.2015, 15:04
@WDHWDH

Mit der Umwandlung der Wirtschaftsweise in eine kapitalistische traten auch in Russland Typen auf den Plan, die sich zu Herzen nahmen, was François Guizot der französischen Bourgeoisie Mitte des 19. Jahrhunderts als kapitalistisches Credo empfahl - Enrichissez-vous (bereichert euch!).

Diese Oligarchen sind keine exklusiv russische Erscheinung. Die gibt es auch anderswo, wo Kapitalismus Ersatzreligion ist, nur heißen sie dort nicht Oligarchen, sondern "selfmade-Milliardäre", "Tycoons" oder werden mit anderen, freundlicheren Titeln benannt.

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cherskiy 19.12.2015, 19:20
@cherskiy

Meine Frage war WOHER`?

Das kann man sich leicht erschließen wenn man die Biographien dieser Personen googelt. Nur ein Beispiel. Das Novokuznetsker Aluminiumwerk, dessen Aktiva sich auf mindestens 1 Milliarde USD beliefen, wurde für 10 Mio Rubel verscherbelt. ein Bekannter meines Freundes hatte damals einen Kredit über 100 000 sowjetische Rubel aufgenommen, um ein Hotel zu bauen. Als er den Kredit zurückzahlen musste, war der Umtauschkurs USD - RUR 1:5000.

Im Kommitee für Staatliches Eigentum saßen 36 Ausländer, darunter US-amerikanische Berater, die unter sich und für sich geschlossene Versteigerungen, Ausschreibungen und Auktionen durchgeführt haben.

Manche "rote" Direktoren von Industriebetrieben haben bei der Belegschaft für ein Appel und ein Ei z.B. für eine Flasche Wodka Anteilsscheine, die jeder Mitarbeiter bekam, aufgekauft. Googel mal den Fall Yukos und Norilskiy Nickel u.a. Dann erfährst Du WOHER die Oligarchen, die man übrigens nach wie vor im Westen hofiert, kamen.

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WDHWDH 20.12.2015, 04:27
@cherskiy

Ich wollte von Dir in diesem Gremium eine Darstellung. Die hast du in deiner russophilen Art gegeben. Der informierte Leser kann sich jetzt ein Bild dank deiner Antwort machen. Nochmals Danke.

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palzbu 20.12.2015, 11:11
@WDHWDH

Ein Beispiel von vielen: Die Stadtverordneten der Stadt Baku am Kaspischen Meer haben vor 2 Jahren an Shell eine Ölförderlizenz für 23 Millionen Dollar verkauft. Das Geld haben die 18 Stadtverordneten unter sich aufgeteilt. Noch eine Beispiel. In der Ukraine sollte eine Schokoladenfabrik privatisiert werden. Der Geschäftsführer hat die Fabrik  innerhalb eines Jahres heruntergewirtschaftet, dann den Wert schätzen lassen, Wert 1,3 Million. Mit 2 Geldgebern hat er die Fabrik dann gekauft. Nach 3 Jahren für 30 Millionen dann an einen amerikanischen Konzern verkauft. Wert heute ca. 50 Millionen.

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palzbu 20.12.2015, 11:16
@cherskiy

Russland war nach Jelzin "der wilde Osten". Die westlichen Kapital-Banditen hatten Russland schon unter sich aufgeteilt.  Putin hat diesen Machenschaften zum großen Teil einen Riegel vorgeschoben. Darum lieben ihn die Amis so abgöttisch.

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Ein Stellvertreterkrieg schon irgendwie - ein Vergleich mit Korea, Vietnam oder selbst mir Afghanistan hingt aber stark. Die Ursachen liegen ganz woanders.

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Das glaube ich eigentlich nicht - nicht im traditiobellen Sinn USA - Russland.

Ich glaube vielmehr, dass es bei den Nahostkriegen primär um die Interessen der Amerikaner geht.

Und zwar einerseits, was den Konflikt zwischen Israel und Palästina angeht, um die Interessen der Juden. In Amerika gibt es viele finanzstarke und einflussreiche Juden.

Was die Kriege im Irak und in Syrien anbetraf und anbetrifft, ging und geht es wohl unzweifelhaft um's Erdöl.

Und die durch den IS ausgelöste Flüchtlingswelle kommt den Amerikanern - sofern sie nicht ohnehin strategisch selbst dahinter stecken - gerade recht, um die Wirtschaftsmacht Europas und speziell Deutschlands zu schwächen und die eigene Weltmarktposition auszubauen.

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Herb3472 19.12.2015, 06:37

Korr. traditionellen

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Ja, weil Russland und der Iran durch Assad, die USA und Europa durch Al-Nusra & andere und die arabischen Länder& die Türkei durch den IS vertreten werden, obwohl sie es nicht so direkt zugeben und so tuen, als würde es sie kümmern, dass es den Syrern gut geht.

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In Syrien-Machtkampf ums Öl 230 verschiedene Rebellengruppen gegeneinander und natürlich -die USA wollen Öl wie im Irak,......In Korea war es ein Alleingang von Kim Il,wobei China und Russland es peinlichst vermieden, einzugreifen..  In Vietnam war es ein Bürgerkrieg in Südvietnam, wo die USA dem Unterdrückenden (Südv. Regierung) halfen,-Chinesischer-Vietnamesischer Krieg 1979! In Afghanistan ging es Russland um den Weg zum Indischen Ozean wo die USA dann die Taliban ausbildeten und ausrüsteten!!!. Alle unter dem jeweiligen Mäntelchen .......wie sag ich es den Bürgern für sie verständlich KOMMUNISMUS..Hat mit einem Stellvertreterkrieg überhaupt nichts zu tun!

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Nein, es ist ein Bürgerkrieg

Das sich andere dort einmischen ist wie bei jedem anderen Bürgerkrieg auch. Die einen unterstützen die Regierung, die anderen die Opposition.

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Ja, .... 

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Äh nein. Weil alle gegen is kämpfen

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SaadiQ19 19.12.2015, 06:32

aber diejenigen die das öl von is kaufen sind deren sponsor und DE hat ja vorher nur Waffen geliefert

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borriquito 19.12.2015, 09:35

Der IS ist nur ein Teil diese Krieges - es geht in der Frage um Syrien; nicht um eine religiös-faschistische Organisation mit Weltherrschaftsanspruch.

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FooBar1 19.12.2015, 12:25

Das wird sich bei den Wahlen in 2 Jahren klären. Sollen die abstimmen die bis dahin noch da sind.

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