Ist der Heilpraktiker für Psychotherapie wirklich ein anerkanntes Berufsbild?

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6 Antworten

Ist zwiegespalten: Von Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten eher belächelt, aber auch da gibt es "schwarze Schafe". Auf der anderen Seite sorgt gerade die mündliche Überprüfung dafür, dass eine gewisse Auswahl getroffen wird, siehe http://www.norman-ehlert.de/heilpraktikerausbildung/psychotherapie/infos/muendlicheueberpruefung.html.

Hallo, wer Psychotherapie anbieten möchte, braucht dazu eine Zulassung.

Eine solche Zulassung kann durch die Gesundheitsämter aufgrund des Heilpraktikergesetzes erfolgen. Dazu überprüft das Gesundheitsamt, ob von dieser Person keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht und ob Grundkentnisse in der Behandlung von psychischen Störungen vorhanden sind.

Personen mit einer solchen Zulassung werden fälschlicherweise auch als Heilpraktiker für Psychotherapie bezeichnet (fälschlich, weil sie eigentlich keine Heilpraktiker sind).

Es gibt viele Therapeuten, die mit dieser Zuslassung arbeiten. Oftmals bieten sie Therapieformen an, die wissenschaftlich nicht unbedingt als anerkannt gelten.

Mehr Infos dazu findest Du hier: http://www.psychomeda.de/lexikon/heilpraktiker-psychotherapie.html

Von Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten wird man eher belächelt bis verachtet. Das hat auch gute Gründe: Ich bin selbst HPPsych und finde den Berufsstand eine Katastrophe!

Je nach Gesundheitsamt sind die Anforderungen für die Überprüfung unterschiedlich. Bei meinem Gesundheitsamt konntest Du die Prüfung bestehen, wenn Du mind. 25 Jahre alt bist, den Hauptschulabschluss, ein Gesundheitszeugnis und polizeiliches Führungszeugnis hast sowie Dir das theoretische Wissen über Psychiatrie und Psychotherapie zu Hause angelesen hast. Das wars! Damit bekommst Du die Erlaubnis kranke Menschen zu behandeln!!

In meinem Prüfungs-Vorbereitungskurs saßen Hausfrauen und Kosmetikerinnen, die meinten, ein gutes Händchen für den Umgang mit Menschen zu haben. Eine sagte mal: "Ich habe mir überlegt, dass ich jetzt auch mal 2-3 Therapiestunden nehme. Kann ja nicht schaden, wenn man das selbst auch mal erlebt hat." Eine Therapie-Ausbildung hatte in meinem Kurs niemand. Die Therapie-Kenntnisse bewegten sich zwischen dreijähriger Gestalttherapie-Ausbildung und neun Abenden "Methoden der Gesprächsführung". Besonders letztere Teilnehmerinnen waren sehr von sich und ihrem Können überzeugt, wohingegen die Akademikerinnen eher zu Selbstzweifeln neigten und weitere Fortbildungen anstrebten. Wirklich gewappnet für die erfolgreiche Behandlung psychischer Störungen sind die allermeisten HPPsych`s aus meiner Sicht nicht. Mir ist es geradezu peinlich, den gleichen Titel zu tragen wie diese Leute und ich kann gut verstehen, dass Ärzte und Psychologen auf uns herab blicken.

Aber (jetzt kommt die gute Nachricht): Oftmals sind die "Kunden" ja auch nicht krank. Da die HP-Leistung ohnehin nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen wird, kommen viele Leute auch schon mit "normalen" Problemen und Lebenskrisen zur Therapie. Und da können Empathie und rudimentäre Therapie-Kenntnisse schon viel helfen.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass bei jeder amtsärztlichen Überprüfung der Nachweis einer Psychotherapie-Ausbildung über mind. 600 Stunden in Theorie und Selbsterfahrung verlangt wird. Das wäre auch für die Anerkennung in Fachkreisen zuträglich.

Hallo, also aus meiner Erfahrung wird Dich kaum ein Mediziner zu einem Psychologen nur mit HP-Schein schicken! Außer besitzt einen ausgezeichneten Ruf?! Und vor allem müsstest Du die Kosten selber tragen. Und ich muß ehrlich sagen, ich habe mal in so eine Ausbildung "reingeschnuppert", also da muß man schon eine wirklich gute und anerkannte Schule auswählen, denn was da teilweise als Ausbildung verzapft wird.....aber wie gesagt, daß gilt nicht für alle! LG Achim

Sorry Leute aber ich glaube Ihr redet etwas an der Frage vorbei.

Also, wenn Du den Titel möchtest um in den psychologischen Fachkreisen annerkannt zu werden ist der kleine Heilpraktikerschein das falsche für Dich.

Wenn es allerdings Deine Wahl ist: Entweder gar kein Titel oder den kl. HP. Dann ist der immer noch besser als gar kein Titel ist doch klar.

Alleine der Fakt, dass Du Dich ja ohne Titel nicht über Seminare und Veranstaltungen weiterbilden darfst, ist ein wichtiger Faktor.

Und das mit der harten Prüfung stimmt. Aber ich weiß von einer Schule, an der die meisten bestehen und die Vorbereitung nur wenige Wochen dauert.

Google mal: Heilpraktiker Intensivschule

Der sogenannte kleine HP-Schein berechtigt nur zu einer "berührungslosen", nichtmedizinischen Behandlung.

Eingeführt wurde er ursprünglich, um therapeutisch tätigen Psychologen eine rechtliche Basis zur Behandlung ihrer Patienten zu verschaffen.

Grundsätzlich waren zur "Behandlung" von Patienten schon seit vielen Jahrzehnten ausschliesslich Ärzte und Heilpraktiker befugt.

Ein Gerichtsurteil in den 80er Jahren zeigte dann auf, dass die vielen nichtmedizinischen Psychotherapeuten bis dahin praktisch in einem rechtsfreien Raum behandelt hatten.

Daraufhin wurde der "kleine" HP-Schein geschaffen.

Es ist also kein Berufsbild, sondern nur eine Prüfung, die es erlaubt, andere Menschen psychotherapeutisch zu behandeln.

Die Ausbildung bereitet auch ausschliesslich auf die Prüfung vor, lehrt aber keineswegs Methoden der Psychotherapie.

hallo demosthenes... so weit weiss ich auch bescheid, es interessiert mich wie Fachkreise - Psychologen, Mediziner, Beratungsstellen mit diesem Titel umgehen... wie schon gesagt - ob es in diesen Fachkreisen anerkannt ist, ob zb ein Allgemeinmediziner einen "Heilpraktiker der Psychotherapie" überhaupt in Erwägung ziehen würde - für zb eine Weiterüberweisung... etc.

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@sospeedy

Die entscheidende Frage ist doch, ob Du Psychologe bist?

  • Wenn ja, dann darfst Du mit dem kleinen HP behandeln.

  • Wenn nein, dann nützt Dir der kleine HP auch (fast) nichts.

Ein Arzt könnte Dir einen Kassenpatienten nur dann überweisen, wenn Du eine Kassenzulassung hättest.

Die bekommen aber auch normale Psychologen nicht, sondern ausschliesslich solche mit einer psychoanalytischen Zusatzausbildung, die Jahre dauert und locker 100.000 € kostet.

Auch dann sind die meisten Ärzte sehr zögerlich mit der Überweisung an einen Nichtmediziner - es gibt ja auch medizinisch vorgebildete Psychoanalytiker.

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@demosthenes

so viel ich weiss darf man als gesprächstherapeut mit kl. heilpraktiker zb eine praxis aufmachen... man muss kein psychologe sein, HP-Schein soll übrigens ganz knackig sein, kommt nur ein kl. prozentsatz durch - ginge mir allerdings nur um anerkennung des titels in fachkreisen... ja oder nein

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@sospeedy

Die Prüfung ist gar nicht "knackig". Durchfallquote laut Gesundheitsamt Wuppertal liegt in der mündlichen Prüfung bei 5%. Vorher war schon die schriftliche Prüfung, wo wahrscheinlich die Spreu vom Weizen getrennt wird. Zum Vergleich: bei der Prüfung zum "normalen" Heilpraktiker fallen 85% durch!

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