Ist der Buddhismus von Naivität geprägt?

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9 Antworten

Der Buddhismus ist keine "Licht und Liebe"-Religion und es geht auch nicht darum, eine "rosa Brille" zu entwickeln, die alles Negative weichzeichnet.

Es geht vielmehr darum, sich von konditionierten Denkmustern und vorgefassten Meinungen, also den Projektionen des eigenen Geistes, zu befreien.

Manche Geisteszustände sind sehr tiefsitzend, weil sie beispielsweise auf seelischen Verletzungen und traumatischen Erfahrungen basieren.

In diesen Fällen kann eine Methode wie die Metta-Meditation sinnvoll sein, um die Verhaftung an diese negativen Zustände des Geistes zu lösen.

Affirmationen, die dem aktuellen Geisteszustand entgegen stehen, haben den Zweck, eben diese Verhaftung zu lösen.

Jemand der sich immer wieder einredet "mein Leben ist so schwer", wird gar nicht auf die Idee kommen, dass es auch leicht gehen könnte.

Bereits wenn er sich also selbst wünscht "Möge ich mehr Leichtigkeit haben" oder "Ich spüre Leichtigkeit", ändert er in diesem Moment sein Denken.

In der Hirnforschungen gibt es Untersuchungen dazu, dass, wenn man irgendetwas neues erlernt, auch neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen.

Wer also seinen Geist positiv gebraucht, ändert damit langfristig Vorgänge in seinem Gehirn und führt damit eine Änderung herbei.

Heilung von Leiden

Heilung bedeutet nicht immer die Abwesenheit von Leiden - denn mit manchen Folgen wird man sein Leben lang konfrontiert - sondern das man seine Beziehung zu diesem Leiden ändert.

Als Leidender sieht man sich oft als Opfer äußerer Umstände, denn man ist sich nicht bewusst, worauf dieses Leiden beruht.

Wenn man aber die Achtsamkeit entwickelt hat "ah, ich reagiere wieder nach Schema X weil es mich an Ereignis Y erinnert" (Trigger), dann kann man den eigenen Umgang damit ändern.

Anstatt also zB einen Wutausbruchzu bekommen, weil man gerade zurückgewiesen wurde, ist man sich der Ursache bewusst, und muss das Leiden so nicht mehr ausagieren.

Wenn ich zB achtsam genug bin, um mir in diesem Augenblick bewusst zu sein, dass das Gefühl der Zurückweisung auf eine Erfahrung mit X basiert, dann weiß man, dass die Person, die da gerade vor einem steht, gar nichts mit der Wut zu tun hat.

Wir fühlen uns durch das Verhalten der Person getriggert, weil es die leidvolle Erfahrung in uns wach ruft -  möglicherweise sogar ohne böse Absicht.

Anstatt also das eigene Leiden durch Wut gegen diese Person abzureagieren, erkennen wir, dass wir selbst es sind, der hier die Ursache ist.

Diese Achtsamkeit, verbunden mit bewusster Ausatmung, Entspannung und dem Loslassen, deeskaliert die Situation.

Für diese Achtsamkeit benötigt man jedoch genug geistige Klarheit, um die emotionalen Muster zu erkennen, in denen man festhängt - und hier hilft dann etwa Achtsamkeitsmeditation.

Metta-Meditation ist dann ein zusätzliches Mittel, um die emotionale Belastung durch dieses Leiden zu lindern und sich mit diesem inneren Konflikt, diesem Leidensprozess, auszusöhnen.

Ich kann hierzu folgendes Buch empfehlen:

https://www.amazon.de/Am-Tor-zur-H%C3%B6lle-Zen-M%C3%B6nch/dp/3783195322/

Der Autor ist Vietnam-Veteran, dessen Kriegstrauma es ihm unmöglich machte,normal zu leben. Er erzählt von den Folgen, wie er drogenabhängig wird und schließlich obdachlos.

Erst, als er sich mit der Wurzel des Leidens in sich selbst befasst, findet er einen Weg, wieder ein bejahendes Leben zu führen.

Meiner Meinung nach eines der wichtigen Bücher zum Thema "die Gewaltspirale durchbrechen".

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Hallo TaoEnergy,

ich meine du solltest vor der Diskussion solcher Fragen zunächst den Kontext sehen, und dazu gehört das buddhistische Weltbild mit Karma und Wiedergeburt.

Unter diesem Aspekt geschieht nichts zufällig, sondern die Geschnisse werden auch vom Karma eines Menschen beeinflusst, das als Bedingung in alles Geschehen hineinwirkt.

Deshalb ist die Vergebung eigentlich kein Verzeihen in dem Sinn, dass ein Guter einem Bösen verzeiht, sondern der "Gute" erkennt an, dass er Zeuge eines karmisch bedingten Geschehens ist, das er in seinem ganzen Umfang wegen seiner Begrenztheit als Mensch nicht endgültig fassen oder erklären kann. Er bleibt in demütiger Liebe zum Leben und verzichtet auf Groll, Hass und Rache, weil er weiß, dass er nur einen begrenzten Ausschnitt sieht.

Nicht umsonst sagt man auch im Christentum: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.

Deine Gedanken zu Affirmationen sind nachvollziehbar, doch schau mal genauer hin, was passiert, wenn ein Mensch, der bisher nur das Schlechteste von sich glaubte, einen positiven Satz über sich ausspricht. Es ist genau diese Differenz zwischen seiner bisherigen Wahrheit und dem Neuen, das bei ihm eine Verwirrung bewirkt, die Voraussetzung dafür ist, dass das Neue entstehen kann.

Jeder Mensch wird mit einer bestimmten Bewusstheit geboren. Wenn keine Bewusstmachung und damit Wachstum passiert, bleibt diese Ebene erhalten, so dass nicht die Erlebnisse der Kindheit die Ursache für sein heutiges Leid sind, sondern die unveränderte immer noch gleiche Ebene.

Man kann sich zwar nicht verändern, aber entwickeln. Und wenn ein Mensch durch Therapie, Meditation, Gebet, Andacht oder sonstige spirituelle Praxis seine bisherige Bewusstseinsebene verlässt, indem er sie anhebt, kommen andere Erlebnisse in sein Leben, die dann der jeweils gelebten neuen Ebene entsprechen.

Ich wünsche dir den Frieden, nach dem du suchst..

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Naja, in erster Linie hat das vieles mit Pschologie, eigene Haltung, Esotherik wie ein Mensch letzten Endes etwas sieht oder welche Meinung dieser vertritt. Auch die eigene Erziehung spielt immer eine Rolle.

Wenn du Wut, Hass oder Trauer empfindest, dann empfindest DU dieses Gefühl, nicht deine Mitmenschen. Und deine Psyche tut sich nicht gut mit solchen Gefühlen, letzten endes wird es DIR schaden und nicht deinen Mitmenschen, weil du der jenige bist, der das fühlt und niemand anderes. Mit "vergeben" ist oft gemeint die Wut, Trauer oder den Hass los zu lassen. Sich selbst von diesen Negativen Gefühlen die einen runter ziehen zu befreien, damit man selbst unter dieser Belastung nicht leidet. Vergeben bedeutet nicht, dass du mit dem Mörder einen Kaffe trinken gehen musst. Überhaupt nicht. 

Klar, es ist schwer solchen Gefühlen abzusagen, wenn man doch weiß, dass ein Mord unrecht ist. Es ist schon witzig, dass es kaltherzig klingt, einer Person den Mord an einem geliebten Menschen zu vergeben. Als ob es okay wäre, dass dem geliebte Mensch zu unrecht das Leben genommen wurde. Und doch wird Vergebung immer mit etwas positiven Verbunden und als befreiung von einer Last empfunden. Aber ob ein Mord tatsächlich unrecht ist, ist eine Frage der Erziehungssache.

Wenn wir ganz ehrlich sind, unterscheidet die Natur von Gut und Böse nicht. Tiere morden, auch wenn sie einen Grund haben (hunger), sie tun es trotzdem. Menschen morden Tiere. Ist das töten den was böses, oder wurde uns das so gelehrt? Das wirft zu einem philosophische Fragen auf zum anderen pschologische-> Je nach dem wie das Individuum erzogen wurde, welche Haltung er zu Mord und Vergebung einnimmt. Nach meiner Meinung ist mit Vergebung gemeint, dass man die eigenen Belastenden Gefühle verarbeitet und sich von ihnen befreit. 

Mit unpragmatisch meinst du, wenn man das Töten vergeben würde, würde die Mordsrate steigen und somit eine unsichere/gefährliche Gesellschaft entwickeln. Die Frage ist hier, würde man von Kindheit aus so erzogen werden, dass man soviel Liebe empfindet und seelisches Gleichgewicht, dass man die Fähigkeit hätte zu vergeben, würde man dann überhaupt zu Mord neigen? Viele Mörder haben seelischen und körperlichen Missbrauch in der Kindheit erfahren oder in der Gesellschaft. Der Charakter ist labil. Mörder betrachten das Opfer in dem Moment als einer Art Objekt. Emotionen werden komplett ausgeschaltet. In der Psyche stimmt was von vorne bis hinten nicht. Doch wie würde es in einer gut erzogenen, liebevollen Gesellschaft aussehen. Würde überhaupt jemand zu Mord neigen? Und angenommen nur einer aus der Gesellschaft würde einen Mord begehen, würden die anderen liebevoll erzogenen Menschen ihm diese Tat verzeihen? Wenn ja, warum? Weil sie so gelehrt wurden? Ist es dann nicht auch eine Sache der Erziehung, wenn du behauptest du könntest einen Mord nicht verzeihen?.. verstehst du worauf ich hinaus willl..

Das Thema ist sehr umfangreich und es spielen sehr viele Faktoren mit. Zuweilen kann man nicht so einfach bestimmen, ob diese Sichtweise Naiv ist, denn Morden kann auch als Ritual angesehen werden. Kommt also auf die Gesellschaft, die Bräuche, die Erziehungsmassen, die glaubensrichtung an usw. Denn wie gesagt Gut und Böse gibt es nicht, es gibt aber eine Glaubensrichtung, eine Haltung die ein Individuum annimmt, geprägt durch das was ihm beigebracht wurde zu glauben. Wirst du erzogen, dass Mord zum Ritual gehört, wirst du nie was dran aussetzen. Wirst du so erzogen, dass dir Vergeben leicht fällt, wirst du wohl vergeben. Oder eben nicht. Es ist schwer zu sagen, ob sich dahinter eine Naivität befindet, da es was mit dem eigenen glauben zutun hat (nicht religiös gemeint).

Genau wie Selbstbewusstsein eine glaubenssache ist. In der Psychologie heisst es, dass der Mensch sich seine eigene Welt kreiiert. Glaubst du daran, dass du etwas schaffst? Das du gut bist? Dass du stark bist? - dann wirst du dich auch so fühlen. Glaubst du das komplette Gegenteil und redest dich selber schlecht? - Dann wirst du dich auch so fühlen!. Letztenendes ist alles nur eine Einstellungssache. Und das Gehirn manipuliert sich selbst leicht. Du wirst immer an das glauben, was du dir einredest, ohne es zu hinterfragen. Du wirst es nichtmal merken. Und nein einer Person der man was " einredet" wird nicht geholfen, da ihre Einstellung zu sich selbst (gernges Selbswertgefühl in diesem Fall) fest im Kopf verankert ist. Wenn die Person sich aber selbst anfängt etwas einzureden, sieht die Sache schon anders aus. Man kann seine innere Einstellung umkonstruieren. Das ist möglich. Hängt natürlich davon ab, wie schwer diese im Kopf verankert ist. Oberflächliche Angelegenheiten lassen sich natürlich viel leichter überdenken, als traumatische Ereignisse die einen geprägt haben. Letzten endes bedeutet "information aus der Umwelt aufnehmen und wie man diese Beurteilt " nichts anderes, als dass sich, diese Informationen entweder mit einem guten oder schelchten Gefühlen verbindet. Bzw sich Nervsenzellen und stränge so verbinden, dass so bald man an diese Information denkt, automatisch das jeweilige Gefühl ausgelöst wird und damit auch die Erinnerung und die Prägung. Und das lässt sich mit training oder manipulation umändern. Erziehung ist nichts anderes als Manipulation (damit muss nichts negatives gemeint sein).

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Kommentar von Darkvictory
06.03.2017, 11:39

Was ich mit dem Text saen möchte, ob Morden gut ist oder böse, ob es eine geliebte Person oder eine fremde war, welche Einstellung man auch hegt, wie man nun erzogen wurde, oder welchen Glauben man vertritt. <- ist alles Betrachtungsweise 

und eine individuelle Betrachtungsweisen wurden durch Intepreation, Prägung, Erfahrung usw. erschaffen. Je nach dem was du im Leben erlebt hast und wie du diese Erfahrung beurteilst, projezierst du diese auf Theorien wie in deiner Frage. 

Daher kann jeder eine andere Meinung zu solchen Themen vertretten. Ob diese Sichtweise also Naiv ist, ist eine glaubenssache und kein Fakt.

Was Fakt ist, ist das negative Gefühle die Psyche belasten. Und mit Vergebung befreist du dich von dieser Last. Das bedeutet nicht, dass du dich mit dem Mörder anfreunden musst. 

Das ist meine Interpretation.

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Das Ziel besteht darin bei sich selber unheilsame Geisteszustände nicht aufkommen zu lassen. Allen voran der Hass. 

Gutes Beispiel ist “Das Gleichnis von der Säge” (vorletzter Abschnitt). Das findest du im Palikanon in der Mittleren Sammlung.

"Ihr Bhikkhus, sogar wenn Banditen euch barbarisch Glied für Glied mit einer Doppelgriffsäge in Stücke teilen würden, würde derjenige, der einen verdorbenen Geist ihnen gegenüber entstehen ließe, meine Lehre nicht befolgen. Darin, ihr Bhikkhus, solltet ihr euch so üben: 'Unser Geist wird unbeeinträchtigt bleiben, und wir werden keine bösen Worte äußern; wir werden in Mitgefühl für ihr Wohlergehen verweilen, mit einem Geist voll Liebender Güte, ohne inneren Haß. Wir werden verweilen, indem wir sie mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist; und mit ihnen als Objekt werden wir verweilen, indem wir die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.' Auf solche Weise solltet ihr euch üben, ihr Bhikkhus."

In der Bibel steht das mit der Backe hinhalten. Das ist im Prinzip dasselbe. Interessant, kurz davor steht irgendwie sowas wie: Keinen Widerstand zu leisten. Das ist wohl der Punkt. Wenn jemand Widerstand leistet kommt automatisch der unheilsame Geisteszustand.  

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Kommentar von NewKemroy
06.03.2017, 13:35

Es handelt sich bei Metta auf jedenfall nicht um eine verschrobene Moral, die von gesellschaftlichen Erfordernissen herrührt. Sondern es ist eine Art Geistes-Training. Daher finde ich auch den Begriff Pazifismus nicht so sehr passend. Weil es eben nicht so sehr um eine gesellschaftliche Angelegenheit geht, wie z.B. bei der allgemeinen Rechtsprechung, sondern im Mittelpunkt steht zunächst mal der Übende.

Die Liebende Güte ist eigentlich auch nur ein Konzept, was man konstruiert, fördert und wachsen lässt, um es als Meditatonsobjekt zu benutzen und hierauf seine Konzentration zu vertiefen. 

Es ist häufig einfacher, wenn man sich eine ganz “praktische” Sichtweise angewöhnt.

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Hmm...interessanter Ansatz, aber ich versuche meine meine Gedanken hier aufzuschreiben.

1. Den Feind vergeben und sogar lieben:

Wenn man es schafft den Feind zu vergeben, kann man weiteres Blutvergiessen verhindern. Das ist wie, er rächt sich und tötet meine Frau und Kind. Nun räche ich mich und vergewaltige seine Tochter und verpass ihr viele Narben. Der Freund seiner Tochter und er rächen sich und töten mich. Mein Bruder wird daraufhin den Vater töten usw... ist das besser? Man sollte die Kette durchbrechen und nicht mit noch mehr Hass erfüllen. Und wenn es nicht zur Rache kommt, kann man nicht im Frieden glücklich leben, wenn einem sowas ständig im Kopf durchgeht. Man ist sozusagen instabil und eher schlecht für sich selbst und eventuell andere. Wieso sollte man ihn aber auch lieben? Du sollst ihn jetzt nicht lieben wie deine Freundin oder Freund. Sondern ich denke eher so wie Jesus bzw Gott. Da heißt es ja auch immer er liebt alle seine Kinder und vergibt ihn usw.

Und zu dem anderen Punkt.

Wenn alle zu dir sagen "du bist anschaum" wirst du irgendwann zu dir das selbe sagen und dich wirklich für anschaulich halten und das kann sein Charakter formen.

Warum sollte es nicht umgekehrt genauso gehen? Bei mir war es so und ich bin wirklich Selbstbewusster geworden :P

Sorry, kann mich aber nicht deutlich ausdrücken, weil ich leider zu wenig Zeit habe, aber hoffe du weißt worauf ich ungefähr hinauswollte.

Und nein...ich habe mich mit dem Buddhismus nicht beschäftigt, weshalb ich jetzt nur auf deine Fragen eingegangen bin, die man auch ohne das Wissen beantworten konnte.

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Kommentar von deepshit
06.03.2017, 11:27

Abschaum *

0

Ich finde das alles nicht naiv, allenfalls idealistisch. Würden tatsächlich alle Menschen so leben, gäbe es weder Krieg noch Straftaten.

Leider sind die meisten Menschen aber dazu nicht in der Lage. Trotzdem bewundere ich diejenigen, die es wenigstens versuchen.

So hat halt jeder eine andere Sicht der Dinge.

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Kommentar von TaoEnergy
06.03.2017, 11:15


Ich finde das alles nicht naiv, allenfalls idealistisch. Würden
tatsächlich alle Menschen so leben, gäbe es weder Krieg noch Straftaten.


Es geht nicht ja nicht, darum andere zu hassen. Sondern um Egoismus. Seine Ziele als Essenz von allem betrachten. Dabei seine eigenen Prioritäten bevorzugen.
Diese Sicht wird im Buddhismus nicht verfolgt. Eine Haltung die auch die Interessen der anderen Menschen einbezieht. Das Fundamentalistische ist "Nie auf Kosten anderer". Ist das wirklich schlau? Es ist ja nicht falsch, die eigenen Prioritäten in die Essenz zu setzen.

Diese liebvolle Haltung führt dazu da, dass man nicht nach Glück lebt. Sondern die Abhängigkeit von anderem das Leben bestimmt.






















0

Jedoch was ist, wenn die gehasste Person die eigene Familie ermodet hat.
Kann man dieser Person vergeben? Nachdem Buddishmus sollte man sogar
vergeben. Ich finde diese Sicht sehr naiv und unpragmatisch(gewissen
Bereichen).

Dazu möchte ich etwas sagen. Ich kenne nämlich genau solche Geschichten, die nach dem Völkermord von Ruanda passiert sind - wo Menschen genau das gemacht haben und sich mit den Leuten getroffen haben, die ihre Familien umgebracht haben, und ihnen vergeben haben. Ein Ruander sagte Anno 1998 zu mir "Wenn wir jetzt nicht anfangen, einander zu vergeben, wird es irgendwann keine Ruander mehr geben". Man hat dort die alte Dorfgerichtsbarkeit (Gacaca) wieder ins Leben gerufen, um genau diese Versöhnungs- und Vergebungs-Prozesse zu befördern.

In vielen anderen Ländern hat man Ähnliches nach Militärdiktaturen, Bürgerkriegen und anderen Geschehnissen gemacht. Zum Beispiel in Südafrika nach der Apartheid mit der Wahrheits-und Versöhnungskommission (alles im Internet zu finden).

Ich finde so etwas absolut vorbildlich - und keinesfalls naiv oder unpragmatisch. Im Gegenteil: Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte man so etwas auch in Deutschland machen sollen - dann wären uns vielleicht manche Probleme erspart geblieben!

Jetzt mal als grundsätzliche Gedanken zu Versöhnung und Vergebung - ganz abgesehen vom Buddhismus.

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Kommentar von TaoEnergy
06.03.2017, 11:02

Aber lieben nicht? Nach Budda sollte man den größten Feind lieben. vergebung kann nachvollziehbar sein, aber Liebe? Würdest du einen Mörder lieben?

1

Kenne mich mit Buddhismus nicht aus. Aber der Sache mit dem vergeben kann ich zustimmen. 

Folgendes hab ich irgendwann mal gehört:

nach vielen Jahren treffen sich zwei ehemalige KZ Insassen und kommen ins Gespräch. Der eine hat ein Glückliches leben, Familie, Freunde usw.
der andere ist tot unglücklich und einsam. 

Auf die Frage, wie er denn so Glücklich und zufrieden sein kann, meinte er nur "ich habe ihnen vergeben"

Darauf der andere natürlich ganz entsetzt "Waaas, wie kannst du ihnen vergeben, hast du vergessen was sie uns angetan haben"

Die Antwort: "hätte ich es nicht, wär ich noch immer ihr Gefangener"
_______

Und das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen

:)

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Es handelt sich dabei nicht um Naivität, sondern um Idealismus. Doch für den Buddhismus gilt das gleiche wie für den Kommunismus, der Mensch ist geistig einfach nicht für solch eine Perfektion des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht gemacht. 

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