Ist der Buddhismus eine Flucht vor dem Leben?

9 Antworten

Nun, Flucht ist nicht die richtige Bezeichnung für unsere Bemühungen!

Es ergibt sich als logische Konsequenz aus tiefergehender Einsicht in die Gesetze der Natur.

Als banales Beispiel könnte man bringen: Du schläfst in deinem Haus. Plötzlich erwachst du und noch schlaftrunken verspürst du Helligkeit und Wärme. Mit einem mal wird dir bewußt: mein Haus steht lichterloh in Flammen. Muß ich noch weiter ausmalen? Klar könnte man sagen, daß, wenn du dich und deine Angehörigen jetzt ins Freie rettest, das auch eine Art "Flucht" ist, aber ich würde meinen, daß da vorwiegend auch eine gewisse "Intelligenz" hinter dieser Handlung steht.

Die buddhistische Weltsicht geht weit über unsere "normale" Sichtweise hinaus. Bei dem Gedanken an "Wesen und Leidhaftigkeit" denken wir nicht nur an Menschen und Tiere, die Zeitrechnung beginnt nicht erst mit dem Erscheinen "unseres" Universums.

Fast jeder hat schon mal was von den "4 edlen Wahrheiten" gehört - missversteht diese allerdings, weil er die weiteren Lehren wie vom Tilakkhaṇa oder Paṭicca Samuppada - wenn überhaupt - nur sehr oberflächlich kennt.

Ich bin Soto-Zen-Buddhist und möchte mich dazu äußern.

Im Mahayana-Buddhismus, zu dem auch Zen zählt, ist das höchste Ziel nicht die reine Selbsterlösung, sondern es geht sogar bis zur Selbstverpflichtung, freiwillig im Kreislauf der Wiedergeburten zu bleiben, um allen fühlenden Weisen zu helfen und sie zu befreien.

Damit ist das Mahayana ("große Fahrzeug") das absolute Gegenteil einer egozentrischen Lehre, denn selbst das eigene Streben nach Erwachen dient letztlich nur dazu, den anderen Wesen durch Entwicklung von Weisheit und Mitgefühl zu helfen (ohne diese Qualität zu entwickeln wäre es nur blinder Aktionismus).

Somit besteht auch meine buddhistische Praxis nicht allein in stiller Sitzmeditation, sondern im Idealfall soll mein gesamtes Handeln eine Unterstützung für andere Wesen sein. Dazu habe ich mich mit dem Bodhisattva-Gelübde verpflichtet.

Der eher konservative Theravada-Buddhismus sieht sich schon eher mit dieser Kritik konfrontiert, doch auch dort soll man zumindest durch seinen eigenen Lebenswandel ein Vorbild für andere sein, also als Beispiel für Disziplin und ethische Lebensführung dienen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Ich mit kein Buddhist und kann Dir damit Deine Frage nicht beantworten.

Ich finde es nur äußerst faszinierend, wie viele Buddhisten hier bei der Beantwortung Deiner Kernfrage komplett ausweichend antworten.

Zumal sich ja die einzelnen Lehren schon irgendwie widersprechen - aus dem Brockhaus zitiert:

Das Endziel der Mönche des Hinayana ist es, in dieser oder in einer späteren Verkörperung ein Heiliger (Arhat) zu werden, der sich der Versenkung hingibt, um schließlich in das Nirvana einzugehen. Dem Mahayana erschien die Selbsterlösung ein zu niedriges, weil egoistisches Ziel. Nach seiner Lehre soll der Mensch danach streben, ein Bodhisattva, ein Erleuchtungswesen, zu werden, der darum bemüht ist, anderen Wesen zu helfen und sie zur Erleuchtung zu führen.

Also entweder "Verlöschen" bzw. "Vergehen" ins mysthische Nirvana.
Oder durch sich zu einem mystischen "Erleuchtungswesen" entwickeln.

Irgendwie beides Formen der Selbsterlösung.... 🤷‍♂️

Das Problem dabei ist nur die physikalische Tatsache, dass das Universum irgendwann mal Enden wird: Irgendwie blöd für Reinkarnationen. 😅

Daher: Frage berechtigt - bisherige Antworten irgendwie enttäuschend ausweichend. 😐

Ein Buddhist versucht bewusst & glücklich zu leben, also es ist sogar lebensbejahend.

Woher ich das weiß:Hobby – aktiv praktizierender Buddhist & belesen

Warum will man dann aus dem Dasein raus und "erlöschen"?

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@TheQuestionGuy2

Man erlischt nicht ganz, sondern nur das Ego. Ohne Ego kommt es automatisch nicht zu einer Wiedergeburt.

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@Bodhgaya

Ok, das klingt interessant. Aber das scheint keine einheitliche Meinung zu sein. Viele Buddhisten sagen, dass man dann ganz weg ist, auch der Geist etc.

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Der Buddhist, oder Achtsame und innen Art Meditative, hängt nicht im Haben wollen, Begehren, im unbewussten Ego fest. Er verurteilt auch nichts in Nocebo für sich innen. Er ist damit erlöst vom Leiden der Welt. Er hat sein Glücklichsein, in sich, durch sich und seine Art zu leben, gefunden. Er erreicht damit Nirvana, Erleuchtung. Er lebt intensiver, erwartet wenig, gibt, gönnt zum Gelingen.

Er zieht seine Freude aus dem Sein und Gebenkönner, Lernenwoller zu sein, statt Gier nach immer mehr Materiellem. Was an Glück nie lang anhält, weil das Ego ständig neues braucht.

Der Achtsame liebt Werte und Sein, nicht den Schein. Er lebt intensiver.

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