Ist der Atheismus auch irgendwie eine Glaubensform, oder ist er eher das Gegenteil eines Glaubens?

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20 Antworten

Es ist so: Alle Gläubigen sind Atheisten im Bezug auf Götter, deren Existenz sie nicht anerkennen. Sogar innerhalb des Christentums sind gegenseitige Atheismen möglich: Der christliche Gott des einen Christen lehnt Homosexuelle ab, woraufhin der andere Christ sagt, dass sei der falsche Gott, denn sein Gott akzeptiere Homosexualität.....

Die echten Atheisten, die um ihren Atheismus wissen, sehen sich die Streitigkeiten, die Gläubige untereinnder austragen an, wundern sich, wie Menschen so arrogant sein können, zu behaupten, sie wüssten haargenau, was Gott ist und was er gesagt hat, und lassen sich beim Nachdenken und beim neugierig auf die Welt sein nicht stören.

Atheisten wissen, dass jedes Wissen vorläufig und falsifizierbar ist, und wissen im Gegensatz zu den Gläubigen, dass sie sich auch irren können. Sich bewusst zu sein, dass man jederzeit irren kann und die Sicherheit, dass der eigene Glaube immer richtig ist schließen sich gegenseitig aus. Deswegen können echte Atheisten niemals gläubig sein.

Das Wort "glauben" wird in einer riesigen Bandbreite, teils als Allerweltsausdruck benutzt. Das zeigt sich allein schon daran, dass die Liste der synonym verwendbaren Begriffe gewaltig ist (laut synonyme.woxikon 24 Bedeutungen und 310 Synonyme). Da sind Deine beiden Beispiele nur ein kleiner Ausschnitt. Ein gern zu Glauben gebrauchter Gegenbegriff, Wissen, kann eine ähnliche Bandbreite aufweisen.

Wenn wir uns auf das letzte, A: "an einen Gott glauben" oder B: "nicht an einen Gott glauben" beschränken, dann ist für beide A und B die Bandbreite der Lebenskonsequenzen, die Angehörige beider Gruppen je für sich ziehen, ebenso breit. Da ist gut möglich, dass ein Angehöriger von Gruppe A im praktischen Leben ein Verhalten an den Tag legt, das dem Verhalten einer Person aus Gruppe B näher kommt als dem Verhalten einer anderen Person aus Gruppe A.

Nach Kant ist sowieso nicht sicher zu entscheiden, wer richtig liegt, denn beide Einstellungen sind uns wissenschaftlich nicht zugänglich. Sie gehören zu den metaphysischen Grundannahmen, die letztlich nicht beweisbar sind. Ein bornierter Atheist kann einem genauso auf den Keks gehen wie ein. Sogar Marx war weniger borniert als viele seiner Anhänger. Jeder sollte seine Gründe (nicht Beweise!) haben, warum er bestimmten Grundannahmen folgt. Für die Mitmenschen ist bedeutsamer, welche Lebenskonsequenzen er daraus zieht, ob er tolerant ist, welche mitmenschlichen Werte er vertritt und ob er ein verlässlicher Mitbürger ist. Ein Atheist, der sich nur als Mainstremschwätzer herausstellt ohne die nötige Selbstdisziplin, überhaupt Werte zu leben, der nach vorne den Moralischen gibt und hintenherum lügt und betrügt, den kann man genauso verbrennen, wie die Sonntagschristen, die nur in die Kirche rennen, um die neuesten Klamotten zur Schau zu tragen. Da lob ich mir den guten Jesus, der gesagt hat (und zwar für alle): An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Schwätzer gibt es im Netz genug.

berkersheim 05.07.2011, 14:34

Ein bornierter Atheist kann einem genauso auf den Keks gehen wie ein.

soll weitergehen: wie ein ununterbrochen bibelzitierender Evangelikaler.

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babulja 05.07.2011, 15:51
@berkersheim

Berkersheim - definiere bitte "bornierter Atheist"!

Ich wette, ich finde mehr Christen, die (Zitat) "nach vorne den Moralischen gibt und hintenherum lügt und betrügt"!

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babulja 10.07.2011, 03:54
@babulja

Berkersheim - Also Fazit - keine Ahnung und/oder dümmliche Behauptungen.

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Atheismus hat zwei Bedeutungen. 1. "ohne Gott", 2. "gegen Gott". Die erste Bedeutung ist die geläufigere. Bezüglich des Glaubens besagt Atheismus im letzteren Sinne nicht mehr oder weniger, als dass er außerhalb (ggfs. auch gegen den) des Gottesglaubens steht, nicht mehr oder weniger. Der Atheist kann also z.B. Buddhist sein, Satanist, Maoist oder Humanist, er kann religiös sein oder schlicht ohne jeden Glauben. Das ist alles völlig offen.

Der Atheismus bedarf grundsätzlich keiner Argumentation. Ich kann ja auch ohne Glauben an Zeus oder Athene, ohne Glauben an Aliens oder Osterhasen leben, ohne mir dazu irgendeine Argumentation zurechtzulegen. Solange ich den Glauben anderer Leute ignoriere, brauche ich schließlich keine Argumente.

Theismus hat etwas mit Gott zu tun. Atheismus besagt, man akzeptiert eine Existenz Gottes nicht. In jedem Fall hat es zunächst etwas mit Religion zu tun. Das Wort >Glaube< in der Bibel hat aber eine etwas andere Bedeutung. Es ist von dem altdeutschen Wort >geloben< abgeleitet. Das besagt dann, das ein an den Gott der Bibel glaubender Jude oder Christ, von der Existenz Gottes überzeugt ist. Jemand der von der Existenz Gottes nicht überzeugt, ist glaubt im biblischen Sinn dann eben nicht. Anders verhält es sich mit dem Begriff >glauben< im Sinne von „ich halte für Wahr“. Beides ist eine Frage der eigenen Sichtweise. Da geht es nicht um Überzeugt sein von Dingen die man nicht sieht, sondern um eine Wahrscheinlichkeitsannahme. Hier ist eine Frage der eigenen Sichtweise, bzw. Annahme oder was ich für möglich halte.

Wenn man es so sieht ist es natuerlich eine Art glaube. Da ja weder Existenz noch Nichtexistenz eines Gottes bewiesen wurde oder beweisbar ist, kann man nur 2 Sachen machen, dran glauben oder nicht dran glauben. Also ist beides ein Glaube.

Aber Atheismus ist eben kein religiöser Glaube sondern lediglich die Ablehnung an einen Glauben oder die Existenz eines Gottes oder höheren Mächten, man kann es nicht mit den Glauben die Religionen haben gleichsetzen.

DarkSepia 05.07.2011, 14:41

Nicht Glauben, ist kein Glaube.

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und wie auch und sind doch unterschiedliche Begriffe und Ebenen: Ein Mensch kann doch durchaus Glaube haben, aber Atheist sein. kannst Du alles, was Du für wahr hälst, aber nicht mit Bestimmtheit weißt (materiell siehst, unmittelbar oder an den folgen). Was Du weißt, brauchst Du nicht zu glauben. Dein Beispiel mit Machmud würde ich eher der Kategorie zuordnen "Ich denke, Machmud geht nicht zur Schule, obwohl er in Deutschland lebt, weil ich logische Gründe dafür habe...." - hättest Du diese Gründe nicht, würdest Du es doch nicht denken, weil Du weißt, dass jedes Kind in Deutschland zur Schule muss, oder ? ist weder das Gegenteil noch eine Form des Glaubens: Wer Atheist ist, denkt, dass es keinen Gott gibt. Er kann aber an Freundschaft, Glück, Zufall, Liebe usw. glauben bzw. sie sogar kennen, wenn er sie erlebt. Dann weiß er um deren Existenz. Also glaubt er - wie der Theist an Gott - an Wichtiges, aber eben nicht an die Existenz einer gewissen Macht.

Du darfst Glauben im religiösen Sinne nicht mit Glauben im normalsprachlichen Sinne verwechseln. Darin liegt der Fehler, wenn man Atheismus unterstellt, dass es eine Glaubensart ist. Glauben im religiösen Sinne ist ein anerzogenes, gruppenpsychologisches Phänomen, wärend Glaube daran, dass z.B. jemand auf dem Flur steht, eine Art Vermutung anhand von Wahrnehmungen ist, also etwa dass man von dort Stimmen gehört hat. Atheisten beschäftigen sich meist mit dem Thema Gott und kommen zu dem Schluss, dass seine Existenz so unwahrscheinlich ist, dass sie nicht anzunehmen sei. Man kann sich theoretisch aber auch vorstellen, dass jemand nur allein aufgrund der Erziehung zum unreflektierten Atheismus an eine Nicht-Existenz Gottes glaubt. In diesem unwahrscheinlichen Falle, wäre diese Art von Atheismus ein Glaube im religiösen Sinne. Im Normalfall ist es das aber nicht.

Weder das eine, noch das andere. Atheismus auf Menschen bezogen ist das Nichtvorhandensein eines bestimmtne Glaubens, nämlich des Glaubens an einen, oder mehrere Götter. Atheismus auf Themen bezogen (methodischer Atheismus), bedeutet, dass kein Gott in das Thema involviert wird.

Um dir das mal verständlich darzustellen: Zur Behauptung, es gäbe einen Gott, kann man folgendermaßen stellung nehmen:

a) Zustimmung (ich glaube, dass es einen Gott gibt)

b) Enthaltung (ich glaube weder, dass es einen gibt, noch, dass es keinen gibt)

c) Annahme des Gegenteils (ich glaube, dass es keinen Gott gibt)

Theismus beinhaltet nur a), Atheismus als alles, was übrig bleibt, b) und c), was aber nicht heißt, dass Atheismusein Glaube sein knn, nur weil c) ein Glaube ist, sondern, dass sich Atheismus und Bestimmte Arten von Glauben nicht ausschließen. b) ist agnostischer Atheismus, negativer Atheismus oder schwacher Atheismus, c) ist positiver, doer starker Atheismus.

Wenn ich glaube, dass der 12-Jährige Machmud, obwohl er in Deutschland lebt, auf keine Schule geht, dann ist das für mich auch irgendwie eine Glaubensform.

Aber zu glauben, dass er auf keine Schule geht, ist etwas anderes, als nicht zu glauben, dass er auf eine Schule geht.

Bedarf also der Atheismus im selben Maße der Argumentation wie der Theismus (Monotheismus, Polytheismus, Pantheismus, Panentheismus, ...)

Nein, denn Atheismus macht keine zu beweisenden Aussagen.

DarkSepia 05.07.2011, 15:08

Eine sehr ausführliche Analyse über den Gebrauch des wortes Atheismus findet sich hier:

http://www.thedivineconspiracy.org/athart3.htm

Im Kapitel Historical Usage of Atheism

Im Laufe der Zeit wurde Atheismus immer entweder als der glaube definiert, dass es keinen Gott gibt, oder als simples Nichtvorhandensein von Theismus. Lässt man beides gelten, was sich semantisch mit dem Wort Theismus und der griechischen Vorsilbe A vereine lässt, so kommt man zu dem, was ich oben geschrieben habe.

Ein gutes Zitat ist folgendes:

…we need to give a new and much more comprehensive meaning to the term "atheist." Whereas it is currently construed as referring to a person who positively disbelieves that there is an object corresponding to what is thus tacitly taken to be a or the legitimate concept of God, I would now urge that the word be hereafter understood not positively but negatively. Let the originally Greek prefix "a" be read in the same way in "atheist" as it customarily is read in such other Greco-English words as "amoral," atypical," and "asymmetrical." In this interpretation an atheist becomes not someone who positively asserts the nonexistence of God, but someone who is simply not a theist.

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Ich danke allen die mir geantwortet haben, und ich denke, ich bin ein Stück weiter gekommen. Es geht hier letztlich um Aktivität und Passivität.

BlackDracula hat mir geantwortet: „genausowenig ein glauben wie keinbriefmarkensammeln ein hobby.“

Meine Erkenntnis: Ein Hobby ist stets mit Aktivität verbunden. „Keinbriefmarkensammeln“ ist mit Passivität verbunden und deshalb kein Hobby.

DarkSepia hat mir geantwortet: „Aber zu glauben, dass er [der 12-Jährige Machmud] auf keine Schule geht, ist etwas anderes, als nicht zu glauben, dass er auf eine Schule geht.“

Meine Erkenntnis: Zu glauben, dass er auf keine Schule geht, ist mit Aktivität verbunden und deshalb ein Glauben; nicht zu glauben, dass er auf eine Schule geht, ist mit Passivität verbunden und deshalb kein Glauben.

Ich will meine Liste der Beispiele (Lokomotive im Garten, Schule von Machmud) um ein weiteres erweitern. Wenn Deutschland noch einen Kaiser hätte, würde der dann einen Bart tragen? Über diese Frage ließe sich unter Berücksichtigung von Modeerscheinungen, deutscher Lebensart und Vergleich mit der Haar- und Barttracht anderer gekrönter Häupter trefflich debattieren. Die Annahme er hätte einen Bart, wäre dann ein Glauben. Ebenso wäre die Annahme ein Glauben, er hätte keinen Bart. Man könnte es auch bewusst ablehnen, sich darüber Gedanken zu machen. Dann würde man nicht glauben, dass der Kaiser einen Bart hätte und wir hätten es mit der Abwesenheit eines Glaubens zu tun.

Beziehen wir obige Erkenntnis auf den Atheismus. Da müssen wir wohl zwischen dem „natürlichen Atheismus“ und dem „erworbenen Atheismus“ unterscheiden. Ein Kind, das nicht religiös erzogen wird, würde wohl nie von sich aus auf die Idee kommen, dass es einen Gott (oder mehrere Götter) geben könnte. Das Kind vertritt dann aus meiner Sicht einen „natürlichen Atheismus“. Dieser ist mit Passivität verbunden und deshalb kein Glauben. Dagegen würde ein Erwachsener, der sich durch Überlegungen und Beobachtungen des Lebens bewusst von seiner religiösen Erziehung abwendet, einen „erworbenen Atheismus“ vertreten. Dieser ist mit Aktivität verbunden und deshalb ein Glauben.

Viele der hier versammelten Atheisten werden nun fragen, was mit meinem dritten Beispiel los ist. Sie verstehen ihren Atheismus vermutlich analog zu oben genannter Verweigerungshaltung in die eine oder andere Richtung zu spekulieren, also der Atheismus als Abwesenheit eines Glaubens. Für die meisten Atheisten ist der Begriff „Glaube“ mit einer negativen Konnotation verbunden. Kann man das so sehen? Ich meine nein. Begründung: Im oben genannten dritten Beispiel wird von einer fiktiven Voraussetzung ausgegangen (wenn Deutschland noch einen Kaiser hätte), von der wir wissen, dass sie unwahr ist. Da ist es legitim diese Voraussetzung zu negieren. Aber die Frage, ob das Universum durch ein irgendwie geartetes Bewusstsein erschaffen worden ist, enthält keine Voraussetzung die unstrittig unwahr ist. Meines Erachtens bleibt dem bewusst denkenden Menschen hier nur der eine oder andere Glaube. Beide Glauben (im Sinne von Fürwahrhalten) bedürfen der Aktivität, sowie der Argumentation, Kritik und Hinterfragung.

Meine Sichtweise schließt nicht aus, dass ich hier im Forum auf alle mir bekannten logischen Brüche und unwahren Aussagen verschiedener Religionen hinweise. Ich empfehle allen religionsgläubigen sich einmal die Videos von „UnsichtbarerGeist“ anzusehen. Und ich empfehle allen Atheisten zwischen Metaphysik und Religion zu differenzieren und ihre negativen Konnotationen des Begriffs „Glauben“ einmal zu hinterfragen.

strandparty 05.07.2011, 19:40

Als im antiken Griechenland die ersten Atomtheorien entwickelt wurden, da war das reine Metaphysik. Heute ist Atomtheorie ein Teil der Physik und wir wissen, dass einige der antiken Philosophen erstaunliche Einblicke in die Wahrheit hatten. Warum also sollte es einem Atheisten verboten sein, sich im Rahmen der Metaphysik Gedanken zu machen, ob das Universum durch Bewusstsein entstanden ist, oder ob Materie Bewusstsein nicht erzeugen, sondern nur verformen kann?

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BlackDracula 05.07.2011, 20:58
@strandparty

du verwechelst glauben im sinne von religion und glauben im sinne von ich vermute, dass es so ist bzw. denke dass es so ist obwohl ich es nicht weiß.

wieder also mal das kleine wortspielchen. dabei ist der unterschied ein entscheidener. der glauben an den urknall unterscheidet sich nämlich gravierend zu dem einer religion. während man den urknall vermutlich irgendwann beweisen oder widerlgen kann (bzw. ist das rein theoretisch möglich), spielen solche dinge bei religion keine rolle. religiöse menschen haben zwar ebenfalls keinen beweis für ihren gott, sie gehen aber fest davon aus, dass sie von ihm wissen. sie tuen so als ob sie wüssten und nicht glaubten. beim urknall kann man glauben also durch "für wahrscheinlich halten" ersetzen, bei religion durch "wissen ohne beweise".

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DarkSepia 05.07.2011, 21:34
@strandparty

Warum also sollte es einem Atheisten verboten sein, sich im Rahmen der Metaphysik Gedanken zu machen, ob das Universum durch Bewusstsein entstanden ist, oder ob Materie Bewusstsein nicht erzeugen, sondern nur verformen kann

Es ist atheisten nicht verboten und ich kenne Atheisten, die sich damit auseinandersetzen. Aber aus wissenschftlicher macht diese Annahme keinen Sinn, weil sie keinen Erkenntnisgewinn über unsere Welt bringt. Die Atomtheorie hingegen schon.

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DarkSepia 05.07.2011, 21:33

Beziehen wir obige Erkenntnis auf den Atheismus. Da müssen wir wohl zwischen dem „natürlichen Atheismus“ und dem „erworbenen Atheismus“ unterscheiden. Ein Kind, das nicht religiös erzogen wird, würde wohl nie von sich aus auf die Idee kommen, dass es einen Gott (oder mehrere Götter) geben könnte. Das Kind vertritt dann aus meiner Sicht einen „natürlichen Atheismus“. Dieser ist mit Passivität verbunden und deshalb kein Glauben. Dagegen würde ein Erwachsener, der sich durch Überlegungen und Beobachtungen des Lebens bewusst von seiner religiösen Erziehung abwendet, einen „erworbenen Atheismus“ vertreten. Dieser ist mit Aktivität verbunden und deshalb ein Glauben.

Hier machst du ein paar Fehler:

1) Auch Kinder, die nicht religiös erzogen wurden, können einen religiösen Glauben entwickeln.

2) Der Erwachsene in deinem Beispiel legt nur seinen ehemaligen religiösen Glauben ab, was aber nicht heißt, dass er einen Alternativglauben annimmt. Er kann sich, wie das Kind, enthalten.

Und ich empfehle allen Atheisten zwischen Metaphysik und Religion zu differenzieren und ihre negativen Konnotationen des Begriffs „Glauben“ einmal zu hinterfragen.

Für mich ist Glaube kein negativ besetzter Begriff.

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Ich gehe die ganze Sache mal von den Hypothesen an:
Bei Glauben hat man die Alternativhypothese von der Existenz eines höheren Wesens.
Bei Atheismus akzeptiert man die Alternativhypothese nicht und bleibt bei der Nullhypothese "Es gibt keinen Gott".
Das Problem ist jetzt, dass es kein Mittel gibt die Hypothesen zu prüfen, deswegen sind sie nicht konsistent. Man kann also auch von der Alternativhypothese "es gibt keinen Gott" ausgehen, das wäre in deinem 2. Beispiel der Fall. Doch auch hier lässt sich nicht zwischen den beiden Hypothesen entscheiden.
Die Konsequenz ist: Wer behauptet es gäbe einen und wer behauptet es gebe keinen, der glaubt. Und wer sich nicht entscheidet, der glaubt nicht, aber er weiss auch nicht mehr als wir.
Für mich ist nur jegliche Abstinenz von Glauben "nicht Glaube", also kein Atheismus, denn er beruht auf Annahmen. Agnostizismus beruht allerdings auch auf der Annahme es gebe kein Mittel Gott zu überprüfen.... da befinden wir uns also zwangsmässig im Teufelskreis....Man kann nichts wissen, daher kann man nur glauben. Und selbst das glaube ich nur....:)

Charlyweisswas 06.07.2011, 10:03

Wenn ich also behaupte, unter meinem Fußabtreter wohne ein kleiner grüner Troll mit roten Haaren, der für Fremde unsichtbar ist. Jeden Morgen singt er mir die französische Nationalhymne vor.

Deinen nicht-Glauben an meinen Troll würdest Du also ebenfalls als "Glaube" definieren, ja? Du bist also nach Deiner Logik ebenfalls ein Gläubiger, da Du nicht an meinen Troll glaubst.

Findest Du das nicht ziemlich absurd?

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Deine Frage ist mehr als merkwürdig. Denn du stellst Beispiele in den Raum, die mit Glauben nichts zu tun haben, sondern es handelt sich lediglich um Vermutungen, die ganz einfach nachzuprüfen sind. Damit stellt sich für mich die Frage, ob du überhaupt weißt, was Glauben eigentlich bedeutet. Wohl nicht.

Wenn ich glaube, dass in meinem Garten eine Lokomotive steht, schau ich einfach mal nach. Aber auch nur wenn ich glaube, dass ich einen Garten habe. Da ich aber weiß, dass ich keinen Garten habe, weiß ich auch, dass in diesem nicht vorhandenen Garten keine Lokomotive steht. Und wenn ich wissen will, welche Schule Machmud besucht, frag ich ihn einfach.

Im übrigen gehört deine Frage ins Forum.

strandparty 05.07.2011, 19:35

Hmm, Sonnenlady, hab ich was überlesen, oder kommt deine Antwort einfach nicht über eine Beleidigung hinaus?

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Hi strandparty.

Atheismus im religiösen Sinn bedeutet ja grundlegend, dass man an nichts höheres Glaubt. Inbegriffen nicht an den Zufall, nicht an das Schicksal etc. Ich vermute jedenfalls, dass dies auch ein Glaube ist, weil man glaubt ja das da nichts ist.

Lg Alphastier

BlackDracula 05.07.2011, 14:43

es ist nur die abwesenheit von göttern. ein atheist kann gleichzeitig buddhist, esoteriker oder schicksalsgläubiger sein.

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Naja, letztendlich ist es für mich auch ein Glaube, man glaubt daran, dass da nichts ist.

Das Gegenteil von glaube ist für mich persnönlich wissen.

Cptawesome 05.07.2011, 14:03

Es gibt immer noch den Agnostizismus, quasi als Gegenteil von "Glaube"

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kayo1548 05.07.2011, 14:06
@Cptawesome

stimmt, das ist ja dann die "Wissensbetonung" , mit der Folge es ist unerkläbrar, weil man es nicht weiß.

Das ist dann genau das worauf ich hinaus wollte, wussste jedoch nicht mehr das es Agnostizismus heißt - danke fürs erklären ;)

Das wäre ja dann das Gegenteil von Glauben, weil ich mich aufs Wissen stütte und als Resultat heruaskommt "ich weiß es nicht"

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Alphastier 05.07.2011, 14:07
@Cptawesome

Der Agnostizismus ist nicht das Gegenteil von Glaube. Ein Agnostiker glaubt, dass er niemals wissen kann ob es etwas höheres gibt. Andere Agnostiker glauben an etwas höheres, glauben jedoch auch, dass sie nie erfahren werden was diese Höhere ist an welches sie glauben.

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kayo1548 05.07.2011, 14:13
@Alphastier

das man es nicht weiß ist meiner Meinung nach wissenschaftlicher Fakt und somit Gegenteil von Glaube. zukunftsbezogene Aussagen (ich werde es nie wissen) wären imo natürlich wieder eine Form des Glaubens.

Ech philosophische Disskusion hier - ist glaube ich eine der besten Fragen/Disskusiionen in letzter Zeit ;=)

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Liebe Strandparty (Mann, bei dem Wetter wäre das wirklich eine gute Sache...zurückschweif),

die Sache mit der Lokomotive hinkt etwas, weil Fall 3 fehlt:

  1. ich glaube, in meinem Garten steht eine Lokomotive...
  2. ich glaube, in meinem Garten steht keine Lokomotive...
  3. es ist mir eigentlich völlig egal, ob oder ob nicht, weil dies für mein Leben irrelevant ist. Wenn ich es wirklich wissen will, gehe ich in den Garten und schaue nach ...

Fall 1 und 2 sind beidermaßen Aspekte des Glaubens; Fall 3 kommt dem Atheismus nahe. Für mich unterscheiden sich Atheisten und Theisten eigentlich nur in dem einen Punkt, daß der Atheist seinen geistigen Überbau nicht von der Existenz Gottes ableitet, der Theist hingegen schon. Witzigerweise entbrennen die meisten Diskussionen daran, daß die Relevanz eines Gottes oder Ideals eigentlich ein Axiom darstellt. Eine Begründung ist meist nicht eindeutig; ein Beweis immer nur auf die eigene Person bezogen möglich.

Allerdings hat dies zur Folge, daß der Atheismus bei der Erstellung gesellschaftlicher Normen erhöhten Begründungsbedarf hat, da er sich nicht auf eine höhere Instanz berufen kann...

strandparty 06.07.2011, 21:46

3.es ist mir eigentlich völlig egal, ob oder ob nicht, weil dies für mein Leben irrelevant ist. Wenn ich es wirklich wissen will, gehe ich in den Garten und schaue nach ...

Es ist für die objektive Wahrheit völlig egal, ob jemand an ihr interessiert ist oder nicht. O.k. wenn ich es wirklich wissen wollte, ob nach dem Tod noch was kommt, nichts einfacher als das ... Aber wie find ich den Weg zurück? Was ist, wenn du wüsstest dass es aus dem Garten keinen Weg zurück ins Haus gäbe?

P.S. Auch wenn ich deine Illusion zerstören muss, aber ich bin ein ER. Ich mag nun mal Strandpartys, deshalb der Link, wenn und wenn wir uns im Paradies treffen wollen, ich bin auf der Strandparty :-))

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andisazi 06.07.2011, 22:19
@strandparty

schmunzel Das größere Problem ist wahrscheinlich, daß dir niemand glaubt, daß du im Garten warst. Wenn ich wüßte, daß es keinen Weg zurück gibt und wollte es immer noch wissen, würde ich gehen. Aber da sind wir schon wieder bei der Person, ohne die eine Beobachtung nicht funktioniert... Und dies ist auch der Schwachpunkt der "objektiven" Wahrheit. Denn wer bitte ist denn objektiv?

Ob du ein Sie oder eine Er bist, ist doch nicht so wichtig - aber ich kann ja nicht sagen: Ich gehe auf den Strandparty..." ;-))

Oder kann isch dem doch?

andisazi

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strandparty 07.07.2011, 20:29
@strandparty

Upps, hab ich verwechselt mit dem von Spaemann

http://kamenin.wordpress.com/2007/11/20/der-gottesbeweis-des-robert-spaemann-was-heutzutage-als-philosophie-durchgeht/

Von etwas sagen, es sei jetzt, ist gleichbedeutend damit zu sagen, es sei in Zukunft gewesen. In diesem Sinne ist jede Wahrheit ewig. (…) Solange Vergangenes erinnert wird, ist es nicht schwer, die Frage nach seiner Seinsart zu beantworten. Es hat seine Wirklichkeit eben im Erinnertwerden. Aber die Erinnerung hört irgendwann auf, und irgendwann wird es keine Menschen mehr auf der Erde geben. Schließlich wird die Erde selbst verschwinden. Da zur Vergangenheit immer eine Gegenwart gehört, deren Vergangenheit sie ist, müßten wir also sagen: mit der bewußten Gegenwart – und Gegenwart ist immer nur als bewußte – verschwindet auch die Vergangenheit (…) Von welcher Art ist diese Wirklichkeit des Vergangenen, das ewige Wahrsein jeder Wahrheit? Die einzige Antwort kann lauten: Wir müssen ein Bewußtsein denken, in dem alles, was geschieht, aufgehoben [im Sinne von aufbewaren] ist, ein absolutes Bewußtsein.

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andisazi 07.07.2011, 21:05
@strandparty

Sorry, strandparty, ich kenne beide und ihre Schriften nicht. Aber schon der zweite Satz, daß jede Wahrheit ewig sein soll, ist für mich falsch. Wahrheiten bedürfen immer jemandem, der sie ausspricht und der sie anhört; sie stehen in einem Kontext und können nicht ewig sein. Da ich nie Philosophie studiert habe, kann ich das nicht derart dezidiert auseinanderklabustern; aber die Wunsch des Menschen nach immerwährenden und unveränderlichen Wahrheiten ist für mich grundwidersprüchlich zu seiner sich entwickelnden, komplexer werdenden und sich vernetzenden Natur.

Ich stehe dem Vergessen nicht negativ gegenüber; wir sind endliche Wesen mit endlichem Fassungsvermögen. Um die Realität zu begreifen, schufen wir uns Begriffe wie Zeit und Raum - und jetzt wollen wir mit diesen Hilfskonstrukten etwas beweisen, was am allertiefsten Grund liegt? Das klingt nach Ratlosigkeit.

Mein Statement, wer denn bitte objektiv sei, sollte die subjektive Einschätzung der Realität durch das Individuum beleuchten. Je älter wir werden, desto stärken bewerten wir alle Vorgänge um uns herum durch die Filter unserer Erinnerungen und Erfahrungen. Diese aber sind nur uns selbst zugänglich und persönlich. Und somit werden wir, schon zu Beginn durch erziehende Prägung nicht ganz objektiv, mit den Jahren subjektiver ...

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Glaube die erste:

Bekenntnis zu einer Religion, zu einem Gott, der vermeintlich höher, mächtiger, außerhalb meiner selbst zu suchen ist.

Glaube die zweite:

Ich glaube etwas, sprich ich beherberge bestimmte Gedankenkonstrukte in meinem Geist.

Atheismus steht nicht in Zusammenhang mit "Glaube die erste".

Atheismus steht aber sehr wohl in Zusammenhang mit "Glaube die zweite". Denn Atheismus beherbergt bestimmte Glaubenskonstrukte, die ihn als Atheisten definieren.

Charlyweisswas 06.07.2011, 09:55

Einspruch.

"Glaube die erste": Atheismus steht sehr wohl in einem Zusammenhang hiermit, nämlich in dessen Ablehnung.

"Glaube die zweite": wenn Du "Glaube" im umgangssprachlichen Sinne definierst, also im Sinne von "ich glaube es wird gleich regnen", dann steht Atheismus hier in keinem Zusammenhang.

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Wenn man annimmt, dass Atheismus eine "Glaubensform" (im Sinne von "Theismus (Monotheismus, Polytheismus, Pantheismus, Panentheismus...)" sei, und einer "Argumentation" wie selbige bedürfe, dann muss man logischerweise auch anerkennen, dass z. B. alle Christen Anhänger vieler "Glaubensformen" sind (trifft für alle anderen Glaubenskonstrukte ebenso zu):

  • Glauben an ihren Gott in seiner Dreifaltigkeit;

  • Nicht-Glauben an Allah;

  • Nicht-Glauben an Vishnu;

  • Nicht-Glauben an Ammun;

  • Nicht-Glauben an Zeus;

  • Nicht-Glauben an Wotan......................

(Ich habe leider nicht genug Zeichen zur Verfügung)

DarkSepia 05.07.2011, 15:58

Christen glauben nicht einfach nicht an andere Götter, sie glauben, dass diese Götter tatsächlich nicht existieren.

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babulja 05.07.2011, 19:40
@DarkSepia

Das ist für mich eigentlich reine Tautologie. Wenn sie nicht an ihre "tatsächliche Existenz" glauben, dann glauben sie auch nicht an sie selbst.

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Zu 99,9 Prozent ist Atheismus eine materialistische Kritik am Christentum.

Eine interessante Frage auf die ich spontan auch keine Antwort weiß - möchte sie deshalb hiermit an meine klugen GF-Freunde und -Innen weiterreichen...:)! Mich interessiert daran, ob die, die sich als Atheisten bezeichnen auch keinerlei spirituellen Glauben haben, abseits der Religionen, bzw. Kirchen !?

atheismus ist die abwesenheit von theismus/religion. demzufolge ist es genausowenig ein glauben wie keinbriefmarkensammeln ein hobby.

strandparty 05.07.2011, 17:26

Ein Hobby ist eine Tätigkeit. "Keinbriefmarkensammeln" ist keine Tätigkeit und damit kein Hobby. Ein Glaube ist ein Fürwahrhalten. Zu glauben, dass das Universum ohne einen Gott entstanden ist oder schon immer war (dass das Sein keiner Ursache bedarf) ist doch auch ein Fürwahrhalten, oder? Wer fragt, wie Materie Bewusstsein erschaffen kann, muss sich erst einmal fragen, ob vorherige Frage nicht einen Kategorienfehler enthält.

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DarkSepia 05.07.2011, 18:57
@strandparty

glauben, dass das Universum ohne einen Gott entstanden ist oder schon immer war (dass das Sein keiner Ursache bedarf) ist doch auch ein Fürwahrhalten, oder?

Richtig. Aber nicht zu glauben, dass es einen Gott gibt, ist kein Glaube. Wie heißen Leute, die an einen Gott glauben? Theisten! Wie heißen demnach Leute, die an keinen Gott glauben? Atheisten. Wie heißt die fundamentale Eigenschaft, die Atheisten ausmacht? Atheismus! -----> Atheismus ist kein Glaube, weil Atheisten nicht darüber definiert sind, was sie glauben.

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BlackDracula 05.07.2011, 20:48
@strandparty

eben. atheisten müssen nicht davon ausgehen, dass das univesum schon immer war oder dass es ohne gott entstanden ist. sie könnten sich zum beispiel auch einer meinung enthalten.

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Atheismus kann nur reiner Glaube sein.

strandparty 05.07.2011, 18:32

Atheismus kann nur reiner Glaube sein.

Und Ihr wahrer Name ist vermutlich Reiner Hohn.

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