Ist das Ziel des Buddhismus, das Selbst loszuwerden?

5 Antworten

Nein, das wäre doch fatal, denn ein Mensch "ohne Selbst" wäre quasi geisteskrank oder nicht überlebensfähig.

Es geht nicht darum, ein "Selbst loszuwerden", sondern darum, zu erkennen, wie dieses Selbst ( oder "Ich" ) wirklich beschaffen ist. Bzw. dass es so, wie wir uns es vorstellen, gar nicht existiert.

Das ist nicht das Gleiche, wie es "loswerden" zu wollen. Und auch nicht das Gleiche wie "Es gibt mich nicht wirklich"...

Hier ein Kurzer Ausschnitt, in dem es um diese Begriffsverwirrungen geht ( 3 Minuten ):

https://www.youtube.com/watch?v=2_55aYJECk4

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit gut 40 Jahren praktizierender Buddhist ( Theravada )...

Gleich vor ab:

Nun es gibt im Buddhismus viele Terminologien für das individuelle Sein einer Person (oder eines Tieres). Ihre Unterscheidung ist zentrales Thema der buddhistischen Philosophie. Allerdings werden sie in das deutsche viel zu ambivalent übersetzt mit Begriffen wie Ich, Ego, Bewusstsein oder Selbst. Einen einheitlichen roten Faden gibt es da leider nicht, weshalb der Buddhismus diesbezüglich oft sehr schwer zu verstehen ist. Erschwerend hinzu kommt, dass es anders wie im Islam (Arabisch) oder im Hinduismus (Sanskrit) keine einheitliche Ursprache dieser Religion gibt. Wenn dir also jemand etwas zum Thema "Selbst" im Buddhismus erklärt, dann schaue immer hinter die Begriffe auf ihre Bedeutung.

Bedenke auch, dass man viel erst so richtig in der meditativen Erfahrung anfängt zu verstehen. Es ist immer ein Unterschied über ein Phänomen nur zu hören oder es (zumindest rudimentär) erlebt zu haben.

Nun zur eigentlichen Frage:

Die "Geistige Wirklichkeit eines Menschen (Tieres)" lässt sich in mehrere Kategorien unterteilen. Ich werde diese Kategorien im weiteren als Bewusstseinskategorien bezeichnen. Davon ausgehend versteht man auch, wie sich der Buddhismus zum individuellen Sein eines Lebewesens & seiner eigenen Wahrnehmung verhält. Die Bewusstseinkategorien sind das:

  1. HörBewusstsein
  2. RiechBewusstsein
  3. SehBewusstsein
  4. SchmeckBewusstsein
  5. TastBewusstsein
  6. GeistBewusstsein
  7. SpeicherBewusstsein
  8. EgoBewusstsein

Im Buddhismus wird davon ausgegangen, dass es keine geschlossene Einheiten gibt. Alle von uns verifizierten Dinge sind mehr oder weniger mit der Außenwelt Verbunden. Jedoch sind die Bewusstseinsarten 1-7 so nah bei einander & der Bezug zur Außenwelt ist so geringfügig wahrnehmbar, dass sie wie eine isolierte Einheit wahrgenommen werden. Die Folge ist das die anderen Kategorien überspannende EgoBewusstsein. Jenes existiert eigentlich gar nicht & ist aus dieser Illusion heraus entstanden. Diese Illusion ist dann der Ursprung aller Verblendung, welche das Leid unter den Menschen verursacht.

Das Ziel der Buddhisten ist es & das ist auch im wesentlichen der Zustand von Erleuchtung (Buddhaschaft), dass EgoBewusstsein zu überwinden. Übrig bleibt der klar rational mitfühlende Geist. Seine Besonderheit ist die Unabhängigkeit von egoistischen Willensakten, welche anderen Menschen & im Grunde sogar einem selber schaden. Deshalb muss der Mensch das Ego auflösen, in dem er versucht weniger daran anzuhaften. Die Verlockung zum eigenen Ego ist dann jenes Hindernis, was das ganze nicht immer ganz einfach macht.

Sehr wichtig ist dabei folgendes: Das Ego lässt sich nur auflösen, wenn das Selbstbewusstsein auf einem gesunden Level ist. Ist eine Person mit sich selber nicht im Reinen funktioniert die Auflösung des Egos noch nicht. Es wäre in diesem Fall sogar destruktiv das zu versuchen. Das ist dann der fall, wenn das Selbstbild unrealistisch pessimistisch ist oder man sich narzisstisch selbst überbewertet. Es muss erst ein mehr oder minder stabiles Ego hergestellt werden, bevor man sich von diesem lösen kann. In der Buddhistischen Psychotherapie (BPT) gilt daher der Grundsatz: "Erst stärken, dann abbauen."

Woher ich das weiß:Hobby – aktiv praktizierender Buddhist & belesen

Gute Darlegung!

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Es gibt zahlreiche Äußerungen darüber (insbesondere im Zen-Buddhismus), dass es gilt, das "Ego" zu überwinden.
Damit ist eine eingeschränkte Sicht der Welt gemeint, in der man sich als von anderen Menschen und Wesen getrenntes Individuum erlebt. Stattdessen könne man durch Meditation und dadurch geförderte "Erleuchtung" ERFAHREN, dass in Wirklichkeit alle Wesen miteinander in einer Verbindung stehen.

Andere Richtungen des Buddhismus betonen stärker die Entwicklung von "Mitgefühl für alle lebenden Wesen".

Das Ziel kannst du auch selber googeln, macht jetzt keinen Sinn dir hier einen Dreiseiter zu schreiben.

Nein, das hat absolut nichts damit zu tun 'das Selbst' loszuwerden.

Die Überwindung des "Ego" (sozusagen das "falsche Selbst") ist schon ein Thema in einigen Schulen des Buddhismus.

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Gemäß Nichiren-Buddhismus ist es das genau NICHT, sondern

a) selbst-bewusst und

b) glücklich zu werden!

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