Ist das XAVC-S Sony Format ausreichend für TV-Produktionen?

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1 Antwort

Erst mal zum Objektiv: Sicher keine schlechte Wahl, aber auch nicht die beste. 50mm ist schon ziemlich "telig" bei APS-C. Das Äquivalent zur Normalbrennweite (so wie das Auge sieht) 50mm bei Kleinbild ist ca. 30mm bei APS-C. Eine gute Sammlung von Festbrennweiten ist für Produktionen sicher nicht verkehrt. Schließlich ist die natürlich wirkende Normalbrennweite nicht immer das, was man will. Tele und Weitwinkel sind beliebte Stilelemente bekannter Filmemacher, jeder Kameramann und Regisseur hat seine eigene Patent-Brennweite für seine ganz eigene Wirkung. Zoom ist aufgrund der oftmals kleineren Blenden meist Fehl am Platz, außer evtl. für Naturdokumentationen wo man schnell auf andere Brennweiten wechseln muss und nicht die Zeit hat, Objektive zu tauschen. Das sind aber auch Trümmer mit großer Offenblende und festem Blendverhältnis über alle Brennweiten.

XAVC-S ist ein Interframe/Long-GOP Codec (also mit langen GOPs mit Differenzbildern). Das ist erst mal kein Hindernis, viele Sendeanstalten nutzen XDCAM50 als Hausformat für HD, was auch Long-GOP ist. Als Hindernis sehe ich die Farb-Unterabtastung von 4:2:0 (zwei nebeneinander und zwei untereinander liegende S/W-Pixel teilen sich eine Farbinformation), während XDCAM 4:2:2 (zwei nebeneinander liegende Pixel teilen sich eine Farbinformation) hat. Dafür ist XAVC-S progressiv und XDCAM50 Interlaced (mit psf aber nur mit 25 Vollbildern). Außerdem ist der Ton bei XAVC-S komprimiert, bei XCAM50 unkomprimiert. Eine gewisse Vorurteils-Behaftung wird auch beim MP4-Container von XAVC-S liegen, da die Profi-Versionen von XAVC und XDCAM das im TV-Umfeld lieber gesehene MXF nutzen, das mit mehr Vorgaben spezifiziert und somit betriebssicherer ist.

Es wird also nicht reichen, um ins TV-Geschäft einzusteigen. Als Youtuber bist du aber sicher schon weit besser als die Meisten ausgestattet.

Außerdem ist das kreative Medienbusiness ziemlich hart und es gibt jetzt schon viele unterbeschäftigte Freelancer die sich die Preise gegenseitig kaputt dumpen, aber besser ausgestattet sind. Ohne Referenzen abseits eines Youtube-Kanals, viel "Vitamin B" und wirklich professionelle Kameras mit XDCAM oder AVC-Intra wird da kaum was passieren.

Danke für die umfassende Info ! Wäre denn die Pocket Cinama Cam von Blackmagic ausreichend da sie 10 Bit kann ? Und welche Kameras bis 1300€ bieten sendefähige Codecs?

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@user45453

Tja, während ich die Codecs aus Workflow-Implementierungen von Sendeanstalten kenne und bei Kameras fotoseitig bewandert bin, hört es bei Videokameras auf.

Die Blackmagic Pocket liefert auf jeden Fall die richtigen Codecs. Hier wäre zu beachten:

  • Blackmagic wird im Allgemeinen nicht als qualitatives Wunder gehandelt. Zumindest was Haltbarkeit, Verarbeitung und Stabilität der Firmware angeht. Dafür halt unschlagbar günstig gemessen an der Konkurrenz. Zum Resultat des Sensors kann ich dir nichts sagen.
  • Der Codec Cinema-DNG Raw ist zwar nirgends Hausformat aber verlustfrei. Daher als Anlieferformat sicher eine Alternative. Große, leistungsstarke (muss viel wegschreiben können) Speicherkarten und ein Schnittprogramm, das es beherrscht, sind nötig. ProRes wird zähneknirschend auch recht weiträumig akzeptiert, allerdings muss man bei Bearbeitung am PC den berüchtigten Apple Gamma-Shift mit berücksichtigen, was nur wenige Programme machen (im Nicht-Mac-Segment soweit ich weiß nur Adobe).
  • Bei kleineren Sensoren fällt die Schärfetiefe kleiner aus, als bei APS-C oder Kleinbild. Das Schärfetieferesultat der Blende bei gleicher äquivalenter Blendgröße skaliert mit dem Cropfaktor. Deshalb produziert ein iPhone mit Blende 2.8 (kleinbild-äquivalente Blendzahl deutlich größer/Blende kleiner) durchweg scharfe Fotos, während eine APS-C Kamera mit einer Optik der gleichen Blende ein gutes, eine Kleinbildkamera ein nahezu fabulöses Bokeh produziert, man aber für einen großen Schärfebereich massiv abblenden muss. Die Lichtstärke eigentlich aus (bei gleicher Pixelanzahl skaliert die Lichtstärke der Blende in Etwa mit dem Cropfaktor), was aufgrund der größeren Pixel auf dem Videosensor aber nicht so ins Gewicht fällt. Das mit der Schärfetiefe kann ein Vorteil (mehr scharfer Bereich) sein, aber auch ein Nachteil da man das beliebte Stilelement Schärfetiefe und Bokeh nicht mehr so intensiv einsetzten kann.
  • Die Micro Four Third Objektive kannst du auch flexibel an einer Fotokamera (spiegellose Systemkamera mit MFT) einsetzen. Zu beachten wäre, dass der Super 16 (16mm) Sensor wieder eine andere Crop hat, als MFT (21mm) und einen ganz anderen als APS-C oder Kleinbild. Was da "Normalbrennweite", also 50mm Kleinbild-Äquivalent ist, musst du für eine MFT-Kamera und die Pocket Cam separat berechnen und brauchst unterschiedliche Objektive. Von 50mm als Allzweckwaffe darfst du dich verabschieden, das ist bei MFT fast schon ein Super-Tele.
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@volker79

Und ich sehe gerade die Pocket kann nur 1080p bis max. 30fps, das immer stärker kommende 1080p50 geht damit nicht. Ist die Liste vollständig, geht p50 garnicht, da man nicht mal auf das kleine HD 1280x720 drosseln kann sondern nur 1920x1080 geht.

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