Ist das Unternehmen laut das Utilitaristische Nutzenkalkül am System schuld?

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3 Antworten

Es ist wohl die Überheblichkeit des Eurozentrismus, dass wir europäische Unternehmen auch verantwortlich machen für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in anderen Ländern. Wenn europäische Unternehmen Arbeit in Länder bringen, in denen Armut herrscht und keine Arbeitsangebote, dann ist das zunächst einmal eine gute Sache. Es ist eine interne Verantwortung der jeweiligen Gesellschaften, sich selbst zu organisieren. Was gibt uns in Europa das Recht, uns moralisch über andere Gesellschaften zu stellen? Was heißt "benachteiligte Arbeiter" bei Leuten, die vorher überhaupt keine Arbeit hatten? Das kann doch nicht mit europäischen Verhältnissen verglichen werden. Was geschieht denn dort, wenn sich europäische Unternehmen zurückziehen? Armut und eine neue Völkerwanderung nach Europa!

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Snanifo 12.11.2015, 12:13

Ich stelle mir das ungefähr so vor, dass Unternehmen sich die Welt anschauen und feststellen, dass da überall Arbeitsplätze fehlen. Dann investieren sie aus diesen Gründen in Fabriken und anderen Geschäften, um den Menschen in diesen Ländern Arbeitsplätze zu stiften. Ich frage mich dann nur noch, warum denn die Arbeitslosigkeit dort noch wesentlich höher ist als bei uns.

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Kratz dir mal nicht mit der linken Hand über dem Kopf am rechten Ohr, daher sag doch lieber gleich statt Utilarismus Profitmaximierung. Auf der Erscheinungsebene mag man das als Utilarismus bezeichnen, doch steckt in einer solchen Draperie auch eine gewisse Verschämtheit drin verborgen, nämlich den Kapitalismus mehr moralisch als ökonomisch betrachten zu wollen. Angelinkte Leute gehen oftmalsd den eher moralischen Weg, wo sie Handlungsbedarf herauswittern.

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Ein Unternehmen geht doch nicht wegen der Kalmotten für Verbraucher nach Indien, sondern weil dort die Kosten der Produktion durch die billigen Arbeitkräfte und die laxeren = billigeren Umweltbedingungen mehr Gewinn zu erzielen ist. Betroffen sind übrigens nicht nur die Arbeiter, die zu Hungerlöhnen arbeiten, sondern die gesamte Bevölkerung, deren bisher vorhandener ökonomischer Zusammenhang zerstört wird. Dies drückt sich aus in Arbeitslosigkeitszahlen +- 50 Prozent bei nur geringer oder gar keiner Grundversorgung durch den Staat. Das ist keine Frage der Schuld von Unternehmen, sondern die normale Vogehensweise von Unternehmen im Kapitalismus, auch bei uns.

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berkersheim 12.11.2015, 16:21

Ein Klamotten-Unternehmen geht rein der billigen Arbeitskräfte wegen nach Indien, um dort Blechscheren und Schraubenzieher herzustellen, rein des Gewinns wegen. Das liegt ja auch direkt neben der Haustüre und hat keine logistischen Probleme, die gelöst werden müssen. Und die Klamottenkunden machen einen großen Bogen um C&A und KiK und andere Billigheimer, weil die ihnen zu billig sind und suchen händeringend nach Klamotten zu angemessenem Preis, hauptsache mit den höheren deutschen Löhnen hergestellt! Selbst in China wandern die Firmen in Regionen mit den günstigeren Löhnen und es findet eine Umschichtung statt, im Zweifel gehen chinesische Firmen nach Afrika. Auch die sozialistischen Chinesen brauchen Gewinne in ihrem Plan und keine Verluste. Triebfeder ist der Preiskampf in den Kundenmärkten, wo der Billigere den Teureren verdrängt. Und jetzt frag mal die Kunden von C&A, ob sie sich der Wirkung ihres Strebens nach günstigen Klamotten bewusst sind. Andererseits treibt das die Industrie um die Welt und schafft Arbeitsplätze, wo die Menschen sonst keine Arbeit haben. Und mit einem Kooperationspartner einen Vertrag machen, einschließlich Mindeststandards ist eine Sache, und eine andere, ob sich der daran hält, wenn die eigene Regierung nicht daran interessiert ist, da müssen sich die Inder schon selbst kümmern, was ihre Ökonomie und Regierung angeht.

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Snanifo 14.11.2015, 13:37
@berkersheim

Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann sind deiner Meinung nach die Billig-Klamotten-Sucher bzw. -Käufer die Ursache dafür, dass die Firmen sich nach immer billigeren Arbeitskräften suchen müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Das Problem wäre leicht zu lösen, müssten doch einfach die Gewerkschaften mehr Lohn bei ihren Tarifrunden herausholen, dann könnten sich auch die normalen Arbeiter diese teureren aber auch ev. qualitativ besseren Klamotten leisten. Aber dann würden ja auch die Firmen mit qualitativ besseren Klamotten unter denselben "Druck" kommen, auch sie müssten (und tun es schon heute) nach billigeren Arbeitskosten Ausschau halten, wieder, um auf dem Markt bestehen zu können. Übrigens machen das nicht nur im Klamottenbereich auch Premium-Marken wie Mercedes, dass sie Teil-Produktionen in Billiglohnländer z. B. nach Osteuropa verlagern bzw. auch in Deutschland "Hungerlöhne" (per Werksvertrag) bezahlen, um den Gewinn konstant zu halten. Sie nehmen dabei sogar in Kauf, dass ihre Löhne über die Zuzahlung des Staates subventioniert werden. Wie sollen denn diese Geringverdiener nach den teureren (deutschen oder europäischen) Waren greifen können?

Zum 2. Problem, das du ansprichtst:
"Mindeststandards ist eine Sache, und eine andere, ob sich der daran hält, wenn die eigene Regierung nicht daran interessiert ist, da müssen sich die Inder schon selbst kümmern, was ihre Ökonomie und Regierung angeht."                                                                          Die deutschen (und andere) Firmen gehen ja gerade deshalb in diese Länder, weil die Regierungen dort solche Bedingungen schafft, dass sie billig produzieren können. Das geht von billigen Löhnen über geringere Steuern bis zu laxeren bzw. fast gar keinen Umwelts- und Arbeitsbedingungen. Und wenn das nicht zur Verfügung gestellt würde, hätten die Firmen ja gar keinen Grund, ihre Arbeitsplätze dorthin zu verlagern, also dort zu investieren.                                        Dies ist ja von den Firmen keine soziale Tat, wie du andeutetst: "Schafft Arbeitsplätze, wo die Menschen sonst keine Arbeit haben" und ich verlängere, keinen Lohn. Abgesehen davon, dass durch diese "Schaffung von Arbeitsplätzen" die zugegeben ärmliche aber immerhin bestehende Struktur zersört (Resultate Armutsflüchtlinge, ich meine damit nicht die Kriegsflüchtlinge), machen sies nicht wegen der Leute dort, um die in Lohn und Brot zu bringen, sondern um sich auf dem Weltmarkt gegen andere Firmen durchzusetzen. So lange, bis wieder mal eine der Konkurrenzfirmen pleite geht oder sie zumindest dazu zwingt, bestehende Arbeitsplätze abzubauen.. Statement dann, um die Arbeitsplätze zu sichern. Ja aber welche denn?

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