Ist das schon Beihilfe zur Steuerhinterziehung?

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6 Antworten

Wegschauen ist keine Beihilfe.

Hinschauen und schweigen ist auch keine Beihilfe.

Nur bei wenigen Verbrechen ist, wer davon weiß, verpflichtet, die Behörden zu informieren. Steuerhinterziehung zählt nicht dazu.

Ansonsten gibt es auch noch die Möglichkeit, das Finanzamt anonym zu informieren, so einen das Gewissen oder die Rachsucht zum Handeln drängt.

Made4More 17.07.2016, 23:28

Sind Sie sich absolut sicher, dass man sich nicht selbst strafbar macht, wenn man das eine Zeit lang beobachtet hat und dann erst meldet? Und außerdem: Wie kann man das anonym melden? Einfachc mit unterdrückter Nummer beim Finanzamt anrufen oder wie?

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TomRichter 17.07.2016, 23:33
@Made4More

Für Rechtsberatung gibt es Rechtsanwälte. Die dürfen das, die haben für den Fall, dass sie falsch beraten, eine Versicherung, und die können im Gespräch die relevanten Details klären.

Anonyme Anzeigen kann man auch per Brief schicken. Ohne Absenderangabe ;-)

Üblicherweise wird, wer seinen Chef anzeigt, gekündigt. Die Arbeitsgerichte sagen, zu Recht. Gilt natürlich nur, wenn der Chef weiß, wer ihn angezeigt hat.

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Du kannst gar nicht wissen, ob die Chefin das Geld nicht doch nur anders verbuchen lässt. Du brauchst doch nicht gegen Dein Umfeld zu ermitteln.

Bei der Größenordnung wird die schon irgendwann auffallen und für drei, fünf oder zehn Jahre nachzahlen müssen.

Schon wenn die mal Urlaub macht gehen die Umsätze zwangsläufig hoch. Das fällt bei einer Betriebsprüfung schon auf.

Und das Finanzamt guckt auch, wie jemand lebt. Hobbys, Urlaubsziele und solche Dinge, aber auch Schmuck und Kleidung.

Dazu kommen die Erfahrungswerte. Sicher habt Ihr einen Terminkalender. Und im Durchschnitt bezahlen Kunden mit Termin einen bestimmten Durchschnittsbetrag.

Jeder Salon hat aber auch seine Laufkundschaft. Die Kasse zählt in der Regel auch die Einnahmen. Also nicht nur den jeweiligen Betrag, sondern sagt auch wie viele Bons erfasst wurden.

Wenn drei Leute in einem Frisör arbeiten kann man daher ganz einfach sehen was da an Umsätzen laufen müsste. Wenn da aber nur die Einnahmen für 2,5 Personen in der Kasse landen, auch dieses fällt auf.

Wenn die Frau grob gesagt 20 Tage im Monat arbeitet und dabei täglich 50 Euro hinterzieht, dann sind das  12.000 Euro pro Jahr. Umsatzsteuer, Einkommensteuer und vielleicht sogar noch Gewerbesteuer - Schnell kommen da 50% zusammen.

Das ist schon richtig auffällig. Dieses Geld so ausgeben, dass das nicht auffällt unmöglich. Das sollte bereits dem Steuerberater auffallen. Der hat eine größere Chance Ärger zu bekommen.

Und wie an anderer Stelle geschrieben wurde: Wenn Du da was unternimmst und die wird sich einen Anwalt nehmen, dann bekommt der die Akte und da ist dann auch Deine Anzeige oder Deine Aussage drin. Die Kündigung wegen Zerrüttung des Vertrauensverhältnis ist dann doch klar.

Dabei ist jede Steuerhinterziehung eine moralische Schweinerei und auch ein Verbrechen. Würden alle Gewerbetreibenden das so machen, dann würden wohl 1.000.000.000 Euro pro Monat allein so nicht versteuert werden.

Geld was Bund, Länder und Gemeinden für ihre Aufgaben brauchen. Und schließlich sind wir alle der Staat. Polizei, Kindergärten, Straßen sind alle nicht so ausgestattet wie es sein sollte.

Dafür müssen dann auch die steuerlichen Leute (ob absichtlich ehrlich oder weil sie gar nicht hinterziehen können) mehr Steuern bezahlen. Aus diesen Gründen ist das natürlich übelster Diebstahl.

Wenn Du wirklich deshalb was machen wolltest, dann lasse von einer Freundin oder einem Freund die Anzeige schreiben. Hintergrund: Wegen der Art und der Formulierung könnte man sich verraten. Sagt man einer anderen Person, sie soll das mal schreiben, dann gibt es diese Möglichkeit nicht.

Dann könnte man die eigene Anonymität schützen. Es geht auch per Telefon. Aber Achtung: Wenn die Telefonanlage auch unterdrückte Rufnummern beim Finanzamt anzeigt, dann wäre es auch blöd. Dafür sollte man eine Telefonzelle nehmen. Dann führt auch ein Rückrufversuch ins Leere.

Es ist also vollkommen an Dir was Du machst. Da ehemalige und neue Arbeitgeber oft miteinander sprechen, kann ich Dir nicht einmal zu dem Raten was ich tun würde. Kündigung schreiben und Anzeige machen.

Denn wer in solchem Maße betrügt, der ist auch an anderer Stelle nicht aufrichtig. Und wer das Verhalten mit den hohen Kosten und Steuern entschuldigen will, ist entweder dumm oder dreist. Beides auch nichts, was eine Zusammenarbeit angenehm erscheinen lässt.

grubenschmalz 18.07.2016, 08:28

Und das Finanzamt guckt auch, wie jemand lebt. Hobbys, Urlaubsziele und solche Dinge, aber auch Schmuck und Kleidung.

Sei mir nicht böse, aber noch leben wir in keinem Überwachungsstaat, wo das Finanzamt einem Inhaber eines Friseursalons so dermaßen in das Privatleben hinterherschnüffelt. 

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Dirk-D. Hansmann 18.07.2016, 08:48
@grubenschmalz

Irrtum. Betriebe werden mehr oder weniger geprüft. Da kommt also mal ein Beamter in den Betrieb. Wenn zu Hause noch ein Arbeitszimmer ist, dann auch dahin.

Natürlich sieht man dann auch mal Bilder die irgendwo hängen. Oder man unterhält sich über scheinbar belangloses Zeug. BetriebsprüferInnen wissen genau, wie sie die Sachen in Bezug setzen.

Es fällt dabei auch auf, wenn teure Auslegware als Bodenbelag verwendet wurde. Da wird direkt nach dem Hersteller gefragt. Vorwerk-Teppich wohl nicht unter 60 Euro/qm. Wohnfläche des Hauses insgesamt... Ausgelegt Fläche etwa... Badezimmer mit folgender Ausstattung... Einbauküche so und so...

Was auch passieren kann, aber selten, dass ein Reisebüro geprüft wird. Und dabei taucht ein Name häufiger auf. Wenn dieser Name bekannt ist, dann wird da schon überlegt, ob man nicht eine Kontrollmeldung macht.

Dann kommt der Prüfer sogar vorbereitet. Wenn der jetzt die Information zu großen Fernreisen hat und die Steuerpflichtige erzählt vom Urlaub im Harz, dann ist das wie eine Einladung...

Ich will gar nicht alles aufzählen, was ich selber kennen gelernt habe. Oder was so üblich ist.

Natürlich braucht man auch keinen zu überschätzen. Aber so ganz ohne Erfahrungen ist die Finanzverwaltung eben nicht unterwegs. Dabei geht es so weit, dass die Einnahmen, die im Kassenbuch eingetragen werden auch statistisch ausgewertet werden.

Dabei meine ich nicht, was die Branche im jeweiligen Monat gemacht hat. Sondern hat man schon lange raus gefunden, dass manipulierte Kassen bestimmte Ziffern nicht in der Weise aufweisen wie andere.

Dafür kann es Gründe geben. Ein Dachdecker rundet immer auf Euro oder so. Dann ist alles klar. Aber wehe die anderen Ziffern fallen auf und das ist nicht so leicht zu erklären, da brummt der Kopf bei der Prüfungsbesprechung und erst recht, wenn der Bericht mit den Bescheiden kommt...

Außerdem, von wegen nicht böse sein: Widersprüche und andere Meinungen (erst recht gut begründet) bringen mich nicht dazu jemandem böse zu sein. Soweit kommts noch ;-) Im Gegenteil. Ich finde das interessant! Und Höflichkeit und solche Dinge DH für Daumen hoch!

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wurzlsepp668 18.07.2016, 16:05
@Dirk-D. Hansmann

ich hatte mal einen Fall eines Bekannten:

Zimmerergeselle, 2 Jahre ausgelernt, dann Zivi beim Roten Kreuz

in der Zeit als Zivi hat er sich einen Bauplatz gekauft, damals so knapp 400 DM pro qm ....

er bekam einen Brief vom Finanzamt: mit seinem bisherigen Verdienst kann er den Bauplatz nicht bezahlen. er MUSS die Finanzierung offenlegen ....

und dummerweise hatte er noch, ähm, anderweitiges Geld für den Rohbau zuHause ....

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Dirk-D. Hansmann 19.07.2016, 06:52
@wurzlsepp668

*lach* Ich liebe diese Geschichten. Das ist wie am Lagerfeuer sitzen für mich. Früher ergab sich da öfter mal die Gelegenheit, dass so die schönsten Geschichten um Hinterziehung und was Steuerpflichtige sonst noch so machen in fröhlicher Runde unter Kollegen ausgetauscht wurden.

Total lustig, unterhaltsam und lehrreich!

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Ich würde nichts machen und auch keine Beweise sammeln.

Wenn die böse Kollegin gleichzeitig Geschäftsführerin ist, handelt sie auf eigene Gefahr hin.

Du hast die Möglichkeit, eine anonyme Anzeige auch schriftlich zu erstatten. Nicht beim normalen Finanzamt, sondern bei der Steuerfahndung; in der regel gibt es spezielle Finanzämter für fahndungsdienste. Das ist sogar praktischer als telefonisch. Auf jeden fall Name und Anschrift des Betriebs angeben und den Ablauf beim Kassieren schildern und so genau wie  möglich weitere sachdienliche Angaben machen. Ich war von 1986 bis 1990 bei der Steuerfahndung.

Diese Person, die das Ganze beobachtet (wahrscheinlich du?) kann im Fall der Fälle immer noch behaupten nichts davon zu wissen, nachweisen kann man der Person dann auch nichts. Zur Rechenschaft gezogen wird demnach nur die Täterin. Allerdings wäre es wohl am besten den Chef/die Chefin zu informieren, sollte man sich über die Machenschaften der Kollegin absolut sicher sein.

Made4More 17.07.2016, 22:14

Die Täterin ist übrigens die Chefin persönlich.

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Mysterion1 17.07.2016, 22:18
@Made4More

Dann würde ich die Chefin darauf ansprechen und ihr klar machen nichts mit deren Machenschaften zu tun haben zu wollen. Ich weiß ja nicht wie wichtig der Beobachterin der Job ist. Wenn sie unbedingt auf den Job angewiesen ist würde ich es dabei belassen. Wenn dem nicht der Fall ist und ich nicht damit leben kann in einem Laden zu arbeiten, in dem Steuern hinterzogen werden, würde ich kündigen. Eine Anzeige kann allein schon der Beobachterin viel bürokratischen Ärger einbringen.

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Das ist doch üblich bei Friseuren und in der Gastronomie. Macht es nicht besser aber Standard.

Dirk-D. Hansmann 18.07.2016, 03:30

Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Macht aber den Standard kleiner ;-) Und es gibt auch ehrliche HandwerksmeisterInnen und Wirte.

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