Ist das normal, wenn ein Mensch sich nach dem Tod eines Angehörigen verändert?

11 Antworten

Ich habe meine Lebensgefährtin auf tragische Weise verloren, das hat mich sehr verändert. Ich sehe die Dinge, die Welt, dass Leben und alle anderen mit anderen Augen. Alles hat an Bedeutung verloren, nichts macht wirklich Sinn, geschweige denn Spaß. Dennoch habe ich für meine Familie, Freunde und im Job zu funktionieren. Ich habe inzwischen eine Traumatherapie begonnen die mir sehr hilft. Rede in aller Ruhe mit deiner Mutter, unterstütze sie und sei einfach da. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute.

Natürlich, das ist völlig normal und zu erwarten. Schlimm wäre es, wenn sich deine Eltern nicht so nahe gestanden hätten, dass deine Mutter der Tod deines Vaters kalt gelassen hätte; sieh es mal so. Mein Vater hat in einer ähnlichen Situation seine Energie ziemlich verloren und kümmert sich jetzt um für ihn früher recht banale Dinge. Vielleicht braucht er es ja auch, um sich abzulenken. Dein und ihr Schicksal-Schlag ist ja erst kurze Zeit her, deswegen gib ihr etwas Zeit, sich wieder zu finden.

Du schreibst, Deine Mutter hat den Verlust erstaunlich gut verkraftet. Ist es wirklich so? Ich vermute viel eher, daß sie sich verschließt und nach außen einfach nicht zeigt, wie sehr sie leidet. Diese Veränderungen deuten jedenfalls stark darauf hin. Deine Mutter will wohl die Trauer mit sich alleine abmachen, die Familie nicht belasten, hat aber im Moment den Lebensinhalt und damit auch den Sinn verloren. Es kann durchaus sein, daß die Veränderungen daher rühren, weil sie mit der Trauer einfach nicht fertig wird. Sie sollte sich in ihrer Trauer nicht verschließen. Beobachte Deine Mutter, rede mit ihr -auch über den Verlust. Deine Mutter darf sich nicht aufgeben, notfalls solltest Du mit einem Arzt mal darüber sprchen. Der kann auf jeden Fall auch für externe Hilfe durch Fachleute sorgen.

Mal ganz trocken realistisch betrachtet, ist das, was Du beschreibst ein ganz normaler Vorgang. Ein Mensch verliert für immer einen teil seines Lebens, nämlich seinen Partner. Damit entsteht ein seelisches Vakuum und sie fällt in ein tiefes Loch, was sie nun versucht irgendwie zu kompensieren. Auf einmal muss sie nicht mehrden Weg den Ausgleiches suchen, sondern ist nur auf sich selbst und ihre Meinung angewiesen und es passiert genau dies, was Du ausgedrückt hast..ich bemerke das jetzt an meinem Vater, der ist 86 und seine Frau seit 7 Wochen im Krankenhaus und am Donnerstag hatten die beiden 55. Hochzeitstag..

Das ist nicht ungewöhnlich! Ehefrauen haben manachmal jahrzehntelang ihren Mann als Mittelpunkt ihres Lebens, akzeptiert seine Meinung und seinen Lebensstil auch als ihren eigenen. Auch, wenn es nicht wirklich so ist. Zudem hat sie ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familie verdrängt. Wenn es allen gut ging, dann war die Welt für sie in Ordnung. Nach dem Tod des Mannes kommt dann wieder die eigene Persönlichkeit zum Vorschein, eigene Gedanken, eigene Vorlieben, es ist ja keiner mehr da, der widerspricht. Interessiere du dich jetzt mal für deine Mutter, sie war jahrelang für dich da, frage mal nach, wie es ihr geht, wie sie ihr Leben führen möchte, hilf ihr dabei, ihren eigenen Lebensstil zu finden.

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