Ist das mangelndes Selbstbewusstsein?

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4 Antworten

Hey

Das klingt nach einer sehr belastenden Situation. Ich kann dir nur die Empfehlung geben: Versuch du selbst zu sein und dich nicht einschüchtern zu lassen. Das klingt extrem schwer, ich kenne das selbst, aber hier mal ein paar Tipps, wie du selbstbewusster wirken kannst und wie du Respekt von deinen Mitschülern bekommen kannst:

Der erste Punkt, der extrem wichtig ist und wirklich sehr großen Eindruck vermittelt, ist: Guck den Leuten in die Augen, wenn du mit ihnen sprichst. Das wird dir aufgrund deiner Probleme die in Richtung Asperger gehen (auch wenn die Diagnose dir jetzt nicht gestellt wurde oder nicht zu 100% auf dich passt), doppelt so schwer fallen, aber es acht wirklich viel aus. Wenn du den Leuten beim Sprechen in die Augen (oder abwechselnd in die Augen und auf den Mund) guckst, statt verunsichert nach unten oder an ihnen vorbei zu gucken, vermittelt ihnen das, dass du dich ihnen gegenüber auf "gleicher Ebene" siehst und, dass du aufmerksam zuhörst. Du wirkst selbstbewusst und sie merken, dass du von dem überzeugt bist, was du sagst

Zweitens solltest du versuchen, dich selbst zu respektieren und daran zu glauben, dass Leute dich nicht von vorne herein ablehnen. Du darfst, wenn du neue Bekanntschaften machst, nicht ängstlich wirken und als würdest du dir sofort Sorgen machen, was die neue Bekanntschaft denn von dir denkt, sondern du musst den Eindruck vermitteln, dass du dich einfach freust, die Person kennenzulernen und glaubst, dass ihr euch gut versteht. Hier können zum Beispiel die Person anzulächeln und ein stabiler Händedruck gute Startpunkte sein. Sprich laut und deutlich und zeig, dass du denkst, dass aus der neuen Bekanntschaft eine Freundschaft entstehen könnte.

Drittens wäre es gut, wenn du versuchst, einfach nicht mehr so viel darüber nachzudenken, wie andere (also Leute, mit denen du wenig bis nichts zutun hast) von dir denken. Du beschreibst ja, dass du deinen festen Freundeskreis hast, und das ist ja gut. Die mögen dich so, wie du bist, und ob dich dann nun irgendwer aus deiner Klasse doof findet, weil du in Sport nicht die größte Kanone bist, kann dir ja egal sein. Sie mobben dich nicht, sie lachen dich nicht aus, und in vielen Fällen sind die "Beliebten" die Leute mit dem schwächsten Charakter. Du hast eine interessante Clique mit interessanten Leuten die dich auch interessant finden und an die kannst du dich halten, egal was passiert, und das ist doch die Hauptsache!

Viertens kann ich dir außerdem noch ans Herz legen, ein bisschen Sport zu machen. Das setzt Glückshormone frei, wenn du Fortschritte siehst, stärkt das dein Selbstvertrauen, und du bist nach ein bisschen Zeit auch nicht mehr der Schlechteste im Armdrücken und in Sport. Es stärkt außerdem deine Kondition und dein Durchhaltevermögen und nicht zuletzt macht es einfach Spaß!

Und zu dem, dass du "dein Problem" finden musst: Nicht für alles gibt es eine Diagnose oder eine festgesetzte Regel. Deine Einschränkungen, die du teilweise hast, haben denke ich mal schon einiges mit Asperger gemeinsam, da du sonst ja gar nicht erst darüber nachgedacht hättest, ob du das vielleicht hast, und deswegen sind einige Strategien, die Aspergerpatienten gezeigt werden, vielleicht auch für dich das richtige.

Du bist toll so wie du bist, denk nicht so viel darüber nach, was andere sagen!

Liebe Grüße Gabriel

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Kommentar von HolyBird
14.01.2016, 19:26

Schöner Text. Bei den meisten Punkten stimme ich dir zu. Drittens ist aber für jeden schwierig. Jeder denkte (zumindest unbewusst) darüber nach, wie andere ihn wahrnehmen.

An Fragesteller:

Statt diesen Drang zu ignorieren würde ich eher vorschlagen ihn zu beobachten. Nicht zu analysieren... kommentieren oder sonstiges, sondern beobachte deine Gedankenkette, wie fühlst du dich dabei?

Dies hat etwas von Meditation und das ist auch der nächste Punkt.

Fange an zu meditieren. Es ist super simple, kostet dich 10-40 Minuten am Tag, je nachdem wie viel zeit du darin investierst und glaub mir, es ändert sich EINIGES. Und es ist super simple. Setze dich einfach hin, beobachte deinen Atem und das wars.

Natürlich wirst du am Anfang in deine Gedankenflut abtauchen. Aber sobald du dies merkst, gehe einfach zurück zu deinem Atem. :)

2

Lang, lang, länger; ich fass mal zusammen: 

du denkst zuviel, und vor allem zu viel, was andere wohl denken könnten. 

Das ist doch wie Lotto spielen und bekommt deinem Ego ganz und gar nicht. Schüchternheit kommt nämlich von innen aus den eigenen Gedanken. 

Ich denke, man geht nicht so leicht auf andere Menschen zu, weil man annimmt, von ihnen abgewiesen zu werden. Warum ist man aber nicht so offen?

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass schüchterne Menschen sehr feinfühlig, tiefsinnig, rücksichtsvoll... sind. Sie haben sehr viele wertvolle Charaktereigenschaften und sind die besten Freunde, die man haben kann. Die sind ihnen nur selbst oft im Weg. 

Was du dagegen tun kannst ist zunächst einmal deine Sicht auf dich und andere Menschen zu verschieben. Diesen Satz sagte meine Oma einmal zu mir, und das hat mir unglaublich gut geholfen:

Die Menschen sind nicht so verletzlich, wie du glaubst.

Mehr hatte sie nicht gesagt. Dazu muss man sich erst einmal ein paar Gedanken machen. 

Nimm einmal diesen Satz in deinen Kopf und beobachte die Menschen um dich herum. Finde heraus, dass es stimmt.

Du wirst dabei einige Erkenntnisse bekommen wie z.B. Auch die ganz coolen Typen haben ihre Zweifel, Unsicherheiten, Sorgen, Nöte; sie lassen es nur nicht jeden sehen.

Und dann sagte meine Mutter immer: 

Man hat es immer so, wie man es haben will. Will man es anders haben, dann muss man etwas ändern.

Also einmal nachdenken: 

  • wie sehen mich Andere 
  • wie möchte ich von Anderen gesehen werden 
  • was möchte ich anders haben. 

Dann kann man daran gehen und seine Situation ändern. Vielleicht muss man erst üben, aber die Anderen sind nicht so verletzlich, wie du glaubst. Man kann ihnen einiges zumuten, sie werden von selbst sagen, wo die Grenze ist. 

Also erst ein Gespräch anfangen, Freundschaft schließen ... nicht erst eine Grenze suchen, die vielleicht gar nicht da ist. Also nicht erst denken, was andere wohl denken könnten. Da vertippt man sich regelmäßig. 

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Hallo! Du bist in der Pubertät. Da stellen sich bei allen  Fragen und Sorgen wie die Deinen. Auf Deine Frage angemessen zu antworten, genau, das würde auch den Rahmen sprengen. Du befindest Dich Deinem Alter entsprechend in bester Gesellschaft. Vielleicht hilft es, wenn Du verstehst, dass Dir jetzt die Zuwendung, Anerkennung, die Liebe Deiner Eltern nicht mehr ausreicht: Quasi wirst Du ins kalte Wasser geschubst. Vielleicht wendest Du Dich an eine "allseits anerkannte" Person aus dem Pool Deiner Mitschüler und nach etwas Näher kommen schütte ihm, ihr ruhig Dein Herz aus. Oder rede mit einem Vertrauenslehrer offen darüber oder beides. Du schreibst, es gäbe Leute, denen es noch schlechter  geht als Dir. Gehe mit denen doch so um wie Du es Dir für Dich wünschen würdest. Zeige da Format. Das wird Dir helfen, Deine eigene Situation besser zu verstehen. 

Mir hat es damals manchmal geholfen, mir die Leute, deren Urteil ich so fürchtete, in Unterhosen vorzustellen . Soll heissen: Die kochen auch alle nur mit Wasser. Alles in allem such den Dialog, mit Deinen Eltern, Geschwistern (?), Deinem Lieblingslehrer und "sozial Gleichgestellten". Vom Zocken würde ich die Finger lassen. Damit ist man schnell ganz draussen!

Ich bin sicher, Du packst das. Dass Du was draufhast, lässt sich aus Deinem Beitrag folgern. Schon die Tatsache, dass Du nachfragst, spricht sehr für Dich! Geh es langsam an. Setz Dich nicht unter Druck! Mehr kann ich in diesem Rahmen nicht sagen. Viel Erfolg!    uzolling

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Mich nennt  man manchmal "Sprücheklopfer" aber bestimmte Zitate bringen es einfach auf den Punkt - als 1. der ständige Blick auf Deine Mängel, versperrt Dir die Sicht auf Deinen Reichtum - ich denke, Du weißt ,was ich damit sagen möchte? Manche Menschen tun dies jedoch um von Anderen aufgewertet zu werden, denn mit Deinem Bedürfniss bist Du Einer unter ganz Vielen.

Dann 2. Du bist was Du denkst, und was Du denkst, strahlst Du auch aus - soll heißen, wie sollen Andere zu Dir aufschauen, Dich mögen oder bewundern, wenn Du es selbst nicht tust.

Ich möchte damit sagen, söhne Dich mit Dir und den Anderen aus - verzeihe Dir selbst, denn kein Mensch kann immer Alles richtig machen - ebenso die Anderen nicht - wenn Du Dich verstehst, lernst Du automatisch die Anderen auch verstehen, denn sie denken und handeln oftmals sehr ähnlich, wie Du - die wenigsten Menschen sind wirklich schlecht - und Keiner wurde schlecht geboren - das Alles verleiht Dir den Frieden mit Dir und den Anderen - und das macht Dich zum Menschenfreund, mit dem man gerne seine Zeit teilen möchte.......toi toi toi

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