Ist das Gymnasium schwieriger als das Gymnasium?

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9 Antworten

Das ist ein interessantes Thema - und zeigt sehr gut die Lücke, welche in unserem Schulsystem zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft.

Eigentlich sollte es keinen Unterschied machen, ob man sein Abitur auf einem regulären Gymnasium, oder einer Gemeinschafts-/Gesamtschule ablegt. Schließlich gibt es inzwischen das Zentralabitur. Und Gemeinschaftsschulen erheben den Anspruch, Schülern auf allen drei Leistungsniveaus gerecht zu werden.
Soweit die Theorie.

De facto darf man aber nicht vergessen, dass eine zentrale Prüfung nur dann wirklich valide Vergleichswerte ergeben kann, wenn auch die Korrekturen zentral stattfinden - was bekanntlich nicht der Fall ist.
Natürlich geben die Ministerien enge Korrekturleitfäden vor, dennoch bleibt wie die Realität zeigt, immer noch ein ziemlicher Auslegungsspielraum.

Ich selber bin Studienrätin und habe einige Jahre an einem anspruchsvollen "Bildungsbürger-Gymnasium" gearbeitet, bin inzwischen an einer recht durchmischten Gemeinschaftsschule und habe nebenbei einen kleinen Lehrauftrag an der Universität. Vor dem Referendariat habe ich außerdem an einem städtischen Gymnasium, einer Grundschule, sowie an einer Gemeinschaftsschule im sozialen Brennpunkt gearbeitet, wo ich die mittleren Abschlüsse für mehrere Klassen abnahm. Insofern denke ich, einen einigermaßen guten Überblick über unser Schulsystem gewonnen zu haben.

Deswegen kann ich Dir versichern, dass Eure Leistungen nicht vergleichbar sind, auch wenn Deine Bekannte die besseren Noten vorweisen kann.
Der Grund liegt im System: Die meisten Eltern neigen dazu, ihre Kinder, sobald sie nur ansatzweise eine Chance haben, aufs Gymnasium zu schicken (manchmal auch "no matter what"..).

Insofern hat man an einer Gemeinschafts- oder Gesamtschule verhältnismäßig wenig Schüler, die wirklich auf gymnasialem Anspruchsniveau unterrichtet werden können. Diese leistungsstarken schüler sitzen dann in gemischten Klassen mit Schülern, die früher Realschulen, Hauptschulen und Sonderschulen besucht haben, unterrichtet von Lehrern, die ursprünglich nur auf jeweils eine dieser Schulformen ausgebildet wurden.
Der zugrundeliegende Gedanke, dass die Schwachen von den Starken lernen sollen, funktioniert so leider nicht. Im gegenteil neigen die starken Schüler dazu, sich mit den Schwachen zu vergleichen und auf ihren Leistungen auszuruhen, da sie selbst, wenn sie ihre Leistungsfähigkeit nicht ausreizen, immer noch der "große Fisch im kleinen Teich" sind. Dabei ist das beste Lernklima das einer steten leichten Überforderung - sonst streckt man sich nicht nach Neuem und lernt nicht, seine Grenzen zu überwinden.

Als Lehrer kann man die Leistung seiner Schüler auf drei Weisen bewerten:

  • nach der sozialen Bezugsnorm: Man vergleicht bei Aufgabengleichheit die Leistungen einer Lerngruppe untereinander. Nachteil: Bei einer schwachen Klasse müssen gute Schüler sich nicht anstrengen und werden zu gut bewertet, bei einer starken Klasse werden die schwachen Schüler demotiviert.
  • nach der individuellen Bezugsnorm: Hier wird nur der einzelne Schüler in der langfristigen Entwicklung seiner Leistung beurteilt, was sehr motivierend sein kann. Nachteil: Die Noten sind untereinander schwer vergleichbar - das gleiche Ergebnis kann für Schüler A in Anbetracht seiner Leistungsfähigkeit eine tolle Leistung sein, ist aber für Schüler B vielleicht sogar ein Rückschritt. Gleiches Ergebnis = unterschiedliche Noten.
  • nach der sachlichen Bezugsnorm: Hier wird unabhängig vom Schüler nur beurteilt, welche Kompetenzen tatsächlich vorhanden sind. Dies ist das einzige Verfahren, welches einen neutralen vergleich erlaubt. Nachteil: Es müssen aufwendige Kompetenzstandards ausgearbeitet werden. Außerdem werden individuelle Leistungszuwächse von Schülern nicht berücksichtigt.

Grund für diesen Ausflug in die Leistungsbewertung ist folgender: Deine Bekannte wird im Vergleich zu ihren Mitschülern sehr leistungsstark sein - in Deiner Klasse würde das aufgrund der anderen sozialen Bezugsnorm anders aussehen.
Du darfst auch nicht vergessen, dass auf verschiedenen Anforderungsebenen unterrichtet wird.

nach der sozialen Bezugsnorm: Man vergleicht bei Aufgabengleichheit die Leistungen einer Lerngruppe untereinander. Nachteil: Bei einer schwachen Klasse müssen gute Schüler sich nicht anstrengen und werden zu gut bewertet, bei einer starken Klasse werden die schwachen Schüler demotiviert.

nach der individuellen Bezugsnorm: Hier wird nur der einzelne Schüler in der langfristigen Entwicklung seiner Leistung beurteilt, was sehr motivierend sein kann. Nachteil: Die Noten sind untereinander schwer vergleichbar - das gleiche Ergebnis kann für Schüler A in Anbetracht seiner Leistungsfähigkeit eine tolle Leistung sein, ist aber für Schüler B vielleicht sogar ein Rückschritt. Gleiches Ergebnis = unterschiedliche Noten.

nach der sachlichen Bezugsnorm: Hier wird unabhängig vom Schüler nur beurteilt, welche Kompetenzen tatsächlich vorhanden sind. Dies ist das einzige Verfahren, welches einen neutralen vergleich erlaubt. Nachteil: Es müssen aufwendige Kompetenzstandards ausgearbeitet werden. Außerdem werden individuelle Leistungszuwächse von Schülern nicht berücksichtigt.

  • Anforderungsbereich I: Reproduktionsleistungen. Auswendig gelerntes Wissen wird wiedergegeben und beschrieben.
  • Anforderungsbreich II: Reorganisation und Transfer. Selbständiges Erklären und Ordnen bekannter
    Inhalte und das Anwenden gelernter Inhalte auf
    neue Sachverhalte.
  • Anforderungsbreich III: Reflexion und Problemlösung. Der reflektierende Umgang mit neuen Problemstellungen, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und zu Werturteilen zu gelangen.

    Aus Erfahrung kann ich Dir sagen, dass der erhöhte Anforderungsbereich außer am Gymnasium selten zum Einsatz kommt.

    Das Ungerechte daran ist, dass Noten in unserer Gesellschaft einen "Allokationscharakter" haben; sie haben einen Verteilungscharakter und entscheiden über zukünftige Lern- und Erwerbschancen.
    Das heißt, dass Deine bekannte (so sie durch den Aufnahmetest kommt) Jahre früher ins Medizinstudium käme als Du - Du aber vermutlich besser in der Lage wärst, es auch erfolgreich zu beenden.

    Wofür soll man sich also entscheiden? Bildung oder zukünftige Bildungschancen (= einen besseren Notenschnitt)?

    Ganz ausgebuffte Eltern neigen inzwischen dazu, ihre Sprösslinge auf besonders anspruchsvolle Gymnasien zu schicken - um sie zu Beginn der Oberstufe auf einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe anzumelden. Diese absolvieren sie dann in der Regel mit Bravour. Fragwürdig, aber logische Konsequenz des Systems.

    Entschuldige, dass ich mich zu so einem Lex habe hinreißen lassen; das Thema beschäftigt mich berufsbedingt halt selber stark.
    Ich hoffe, ich konnte Dir damit helfen.



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Hallo colespruse,

die Antwort hast du schon selbst mit deiner - wohl irrtümlich so formulierten - Überschrift gegeben.

Selbst unter regulären Gymnasien gibt es große Unterschiede. Eine 2 auf dem Gymnasium A ist nicht unbedingt auch eine auf dem Gymnasium B. Empfehlenswert ist es dann, das Gymnasium zu wählen das zwar nicht die besten Noten, wohl aber die beste Ausbildung bietet.

Noch deutlicher sieht man den Unterschied zwischen Gesamtschule und Gymnasium. Gerüchtweise hinkt die Gesamtschule ein Jahr dem Gymnasium hinterher. Ändern soll sich das dann, wenn überall das Zentralabitur eingeführt ist.

Deutlich wird das dann im Studium, wo der eine Student  glatt studiert und der andere erhebliche Schwierigkeiten hat. - Auch bei Arbeitgebern wird oft nicht nach den Noten gefragt, sondern überlegt, von welcher Schule der Bewerber kommt.

Zum Schluss: Hilf ruhig weiter. Das fördert dich auch. Denn begriffen hat man das, was man an andere weitergeben kann.

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Die Abiturprüfungen sind auf Gesamtschulen und Gymnasien gleich. Es spielt eigentlich keine Rolle welche Noten ihr habt. Eure Noten sind nur für die Zulassung zu einem Medizinstudium wichtig. Über eurer Können und ob ihr das Medizinstudium wirklich schafft, sagen die nichts aus. Zieh einfach dein Ding durch und lass dich von sowas nicht verunsichern.

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Du musst auch noch bedenken, dass die 10. klasse der Gesamtschule der 9. klasse eines Gymnasiums entspricht, da Gesamtschulen 9 Jahre lang gehen und Gymnasien meist 8

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Letztlich wird es immer Unterschiede geben, zwischen den einzelnen Bundesländern und zwischen einzelnen Schulen. Letztlich sind die Abschlüsse aber formal gleichwertig. Die   Abiturklausuren sind in fast allen Bundesländern jeweils einheitlich und alle Schulen werden daran interessiert sein, ihre Schüler optimal auf die zentralen Prüfungen vorzubereiten.

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Mit 1,4 schafft man nicht "locker" das Medizinstudium - da wird man ja nicht mal angenommen.

Außerdem haben Schüler einer Gesamtschule eh schlechtere Karten als Schüler, die von einem Gym kommen. 

Wenn einer von euch beiden das Medizinstudium schafft, dann du.

Gesamtschule und Gymnasium kann man eben nicht vergleichen, Schüler einer Gesamtschule werden explizit auf den Stoff, der in der Arbeit rankommt vorbereitet. Gymnasiasten werden auf den Stoff der 11&12 vorbereitet, da ein Gymnasium in der Regel das Abitur anstrebt und nicht einen tollen 8., 9. oder 10. Klassenabschnitt.  

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Das Abitur kann nur auf einem Gymnasium gemacht werden und dann ist der Stoff gleich schwer, da jeder Lehrer die Schüler auf die zentralen Abschlussprüfungen vorbereiten muss.

Allerdings ist sie noch auf der Realschule und kommt nach der 10 auf das Gymnasium. Auf dem Gymnasium lernt man schneller, man nimmt den Stoff schneller durch und die Aufgaben sind komplizierter. Wenn sie aufs Gymnasium geht wird sie den Unterschied merken, noch ist sie es ja nicht.

Ich hatte in der 10ten auch einen Schnitt von 1,9 der sich auf dem Gymnasium schnell verschlechtert hat wegen der anderen Lernatmosphäre und dem Schweregrad der Aufgaben.

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Kommentar von capi89
15.07.2017, 13:49

Das is Käse: Der Sinn und Zweck von Gesamtschulen ist es, alle allgemeinen Bildungsgänge zu bündeln: An einer Gesamtschule gibt es demnach Schüler aus allen drei Anforderungsprofilen. Außerdem gibt es Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe, die dann selbstverständlich auch zum Abitur führen.

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"Ist das Gymnasium schwieriger als das Gymnasium?"

Ja, das Gymnasium ist schwieriger als das Gymnasium.

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Kommentar von colesprouse
16.07.2017, 09:01

Haha, das ist mir auch aufgefallen, dass ich das so geschrieben habe. Habe keine Ahnung wie man das änder :,)

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Eigentlich schon da das Abi von einer Gesamtschule das selbe sein muss wie auf einem gymi aber die Klassenarbeiten sind eindeutig einfacher als auf einem gymi wenn sie in deiner Klasse ist kriegt sie ein Schnitt von 2,8

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Kommentar von capi89
15.07.2017, 12:24

Im deutschen Bildungssystem ist nichts "eindeutig", da die Qualität eines Bildungsganges hängt von so viel mehr Faktoren ab, als der Schulform. Es gibt durchaus sehr gute und anspruchsvolle Gesamtschulen, die gut auf ein Studium vorbereiten. Genauso gibt es grottige Gymnasien.

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Kommentar von capi89
15.07.2017, 13:53

Eine Gesamtschule vereint alle drei Bildungsgänge, d.h. die Schüler des gymnasialen Zweiges werden auch auf gymnasialem Niveau unterrichtet. Wie das genau ausgestaltet ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule.

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