Ist das Gedicht ok?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Aus meiner Sicht ist das wirklich noch lange kein Gedicht! Das ist eine kurze Erzählung über Gefühle in holpriger Sprache mit zu wenig Ausdruck und mit sich manchmal reimenden Worten. Ich schreibe es ´mal zum Vergleich um, damit du entdeckst, was ich meine. Nur ein mögliches Beispiel in klassischer Sturm-und-Drang-Form:

GEFANGEN

Und? Siehst du mich liegen, leer, verwundet, schwach,

verletzt nur durch die Kräfte deines Widerstrebens?

Ohne dich und deine Liebe wollte ich nicht leben,

wollte sogar sterben, wenn du es müsstest,

wollte mein Leben für deines geben,

ja, so weit war ich, doch, ach...

Und? Siehst du dich gehen, stark, geliebt und wach,

gesund nur durch die Wärme meines Liebeslebens?

Ohne dich und deine Lüge sollte ich jetzt leben,

sollte sogar siegen, wenn ich es müsste,

sollte dein Leben für meines nehmen,

ja, so nah war ich, doch, ach...

Und? Siehst du uns stehen unter einem Dach,

gefangen nur durch die Kälte deines Küsse-gebens?

Ohne dich und deine Liebe könnte ich jetzt leben,

könnte wieder lieben, wenn ich es müsste,

könnte mein Leben für andere geben,

nein, so wirr bin ich, noch, ach...

Goethe bist dus??

das hat mich gerade wirklich berührt, so hört sich das wirklich extrem poetisch an

danke für den Tipp! Hast du zufällig Literatur o.ä studiert?

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@MarwaSlh

Wer oder was ich bin - ist gerade belanglos... Lass uns üben mit deinem Thema:

Eine weitere Form - so ab Heinrich Heine: Reime gebrochen, "durchweg" mittels der Satzbildungen im Trochäus, damit es erzählerisch bleibt trotz ein wenig Lyrisches. Also analysiere bitte wieder. Übe damit auch ein anderes Thema. - Ich möchte dir noch eine heutige Gedichtform schreiben, ´mal sehen ...

GEFANGEN

Und - jetzt steh´ ich hier,

als ob mich niemand möchte,

weil ich nur mit dir

mein Leben teilen wollte.

Ich - kann nichts dafür,

dass deine kalten Küsse …

Schwer verletzt und leer,

in meinem Herzen Risse,

fühle ich kein »Wir«,

als ob ich hassen müsste.

Hoffen - kann ich nur,

dass mich ein Andrer küsste.

Öffne meine Tür,

dass ich es wollen könnte!

Und – eröffne mir:

Warum ist er gegangen?

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@MarwaSlh

Ein (vielleicht) letztes Beispiel, etwas modern, aber ohne prägnante Begriffe, zum Analysieren und üben bitte: Je Zeile > 2xJambus, Zäsur, 2xTrochäus. Deshalb langsamst und bedeutsam vortragen!

GEFANGEN

Und jetzt steh´ ich hier verlassen,

gestorben für dich, leer, einsam.

Dein letzter Kuss! Eis war heißer!

Und jetzt bist du aus den Augen

und nie wirst du mich ersehnen!

Mein großes Herz! Tot, grau, weißer!

Und jetzt will ich dir nicht glauben.

Uns »Liebe« schreiben, gemeinsam?

Nein! Leeres Papier, weiß, weißer!

Und jetzt steh´ ich hier! Vergessen,

das habe ich dich für Immer!

Kein Kuss auf deinen Mund, heißer!

Und jetzt bist du ganz vergessen,

gestorben für mich, weg, einsam.

Sein Duft ist in mir gefangen ...

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@MarwaSlh

So - als letzte Form zum Üben eine mögliches Gedicht der "heutigen" Zeit: Metaphorische Worte in der Formgebung des Inhaltes >

WEG BIST DU

Baum

Wald um uns

Tannen mit Kerzen

Pilze mit Marienkäfern

Rehe mit Wacholderschnaps

Eichhörnchen tanzen mit Füchsen

Nur du allein bist meine liebste Eiche

Waldhütte in uns

Pfannen mit Scherzen

Morgen mit Dauerschläfern

Hölzer mit männlichem Schatz

Fischen, Jagen mit Opas Büchsen

Nur ich allein war deine größte Beute

Waldhöhle um mich

Abgegriffene Sesterzen

Knochenteile von Schäfern

Dein letzter Kuss eiskaltes Wachs

grelle Augen von grimmigen Luchsen

Nur du allein Quelle meiner Tränen Bäche

Wegesrand bin ich

Ich bin nur noch

der halbe Baum

Weg bist du

Baum

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Klingt nach jemanden der seine Erfüllung in jemand anderem gesucht hat, dessen Erwartungen nicht erfüllt wurden und dadurch verletzt wurde - sich quasi durch Abhängigkeit und fragwürdige Erwartungshaltung selbst verletzt hat, aber die Schuld bei dem Gegenüber sucht. Eine Art selbstverletzendes Verhalten durch eine ungesund Beziehung? So viel zu meiner persönlichen inhaltlichen Auffassung.

Im Großen und Ganzen könnte man das so sagen

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Ich finde es inhaltlich gut, stilistisch auch weitestgehend. Es ähnelt einem meiner Gedichte. ;-))

und könnte ich die Zeit zurück drehn'
würd ich's nicht 
Denn ich weiss du würdest sowieso wieder gehn' 

Nur dieser Teil passt nicht so recht.

Da würde ich es so formulieren:

"Und könnt´ ich die Zeit zurückdreh´n, es würde nichts nützen,

du würdest mich wieder verletzen, statt mich zu beschützen."

Ansonsten nur noch ein paar Satzzeichenänderungen. 

Ouu das finde ich voll gut 👌 nice idee

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Dankeschön, ja das hört sich echt viel besser an!!!

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und das fällt mir noch auf zum Thema sortieren:

"doch die Narben zieren bis heute meinen Körper wie offene Wunden "

Das ist abwegig. Entweder sind es Narben ODER offene Wunden. Und "zieren", Narben sind keine Zierde, sondern eine Verunstaltung.

"Zieren" ist in dem Kontext ein anderes Wort für "schmücken"

und der Satz mit der Narbe soll quasi ein rhetorisches Mittel sein - Ich habe "Narben" durch das Geschehene ( Narben sind ja bereits verheilt) und in dem Kontext will ich ausdrücken, dass sie noch immer offen sind obwohl sie eig schon längst verheilt sein müssen

dort sind aussen hin Narben aber der Schmerz (psychisch gesehen) ist immernoch so gross, dass die Wunde noch wie "offen" ist

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@MarwaSlh

ad "zieren": Das solltest Du dann auch im Gedicht näher erklären. Irgend einen Hinweis darauf, dass Dich die Narben reifer gemacht haben. So reif, dass Du den Schmerz dafür dankbar in Kauf nimmst.

ad "Narben": Narben sind nicht noch immer offen. Narben sind verschlossene Wunden.

Es ist wie: Das Eis gefror zu Flüssigkeit. Es ist unsinnig.

Ich denke, die offenen Wunden braucht es gar nicht. Denn "Narben" sagt ja schon alles. Wenn die Wunden irrelant wären, dann wären sie ja "weg", völlig verheilt. Wenn Du Dir mit dem Zwiebel den Finger anschneidest, ist das in 2 Wochen völlig weg. So wäre es. "Narben" sagt das schon aus, was Du möchtest.

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hm, ich bin recht wohlwollend, was Künstler und Gedichte anlangt.

Doch das Deine wirkt auf mich nicht, als ob es selbst erlebt wäre. Es wirkt auf mich aufgesetzt.

Und leider ist es selbst erlebt

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@MarwaSlh

WENN es so ist, dann erzeuge einen Spannungsbogen. Vermutlich sind bei Dir jetzt alle Gefühle durcheinander und so ist das Gedicht.

Probiere, es zu sortieren, beginne mit Deinen Träumen, Deiner Leidenschaft, dann komme zum Mittelteil, der die Leidenschaft entweder noch steigerte oder aber schon abkühlen lässt. Schließe mit der Trauer.

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