Ist das deutsche Sozialsystem gut?

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Das Ergebnis besteht aus 6 Abstimmungen

Ja 83%
Nein 16%

7 Antworten

Ja

Grundsätzlich ja, aber das Rentnsystem im Umlageverfahren ist nur wenig jünger als ich. Als ich in die Schule kam,  gingen ca. 80 % der Leute nach dem Schulabschluss mit 15, oder 16 in die Lehre, waren mit 18/19 im vollen Berufsleben und zahlten dann über 45 Jahre in die Rentenkasse ein.

Nur ca. 10-15 % machten Abitur, gingen auf die Uni und starteten dann eine Karrierebei der sie ca. 35 -40 Jahre einzahlten, soweit nicht eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst anstand, oder ein berufsständisches Versorgungswerk wie z. B. die Ärzteversorung.

Wer in Rente ging, hatte so im Schnitt noch 5 Jahre Rentenbezug vor sich.

Heute geht kaum noch ein Jugendlicher nach einem Hauptschulabschluss in eine Ausbildung, sondern frühestens mit 18, oder gar 19. Volle Beiträge zahlen die kaum über 40 Jahre und gewerbliche udn kaufmännische Ausbildungsberufe haben wohl evtl. einen Anteil von höchstens 60 %. Die Zahl der Akademiker ist höher udn auch der Leute im Beamtendienst. Wer mit 65 in Rente geht, hat aber locker noch ca. 10-15 Jahre vor sich, was sich auch noch weiter erhöhen wird.

Wer an alterstypischen Krankheiten (die früher relativ schnell zum Tode geführt hätten) erkrankt kann durch medizinischen Fortschritt auch locker noch einige Jährchen leben.

Bitte nicht falsch verstehen, ich will weder den medizinischen Fortschritt zurückdrehen, noch neide ich irgendjemandem einen schönen Lebensabend, aber wir müssen sehen, das unser Versorgungssystem für größere Zeiträume und höhere Kosten fit gemacht werden muss. Einfach weil es heute anders ist, als vor 60 Jahren.

Die Gemeinschaft der beschäftigten muss es aufbringen. Also müssen wir:

a) die Basis verbreitern und

b) dafür sorgen, dass die Zahl der qualifizierten udn hochqualifizierten Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleibt, oder besser vergrößert wird.

Ausserdem müssen wir dazu übergehen nicht einfach kameralistisch zu denken (Kameralistik ist die Haushaltsform der öffentlichen Haushalte), sondern wie Unternehmen, bilanziell.

Schon heute ist es so, das würde man für alle Beamte (aktive und schon in Ruhestand befindlichen) eine Pensionsrückstellung errechnen, wie es Unternehmen machen müssen, die für die Mitarbeiter eine Pensionszusage gemacht haben, unsere Staatsschulden auf den mindestens dreifachen Betrag explodieren würden.

Ausserdem haben wir unser Rentensystem mit Punkten belastet, die nicht durch Beiträge unterlegt sind. Ob Mütterrente, oder andere Leistungen, werden heute aus dem Bundeshaushalt gedeckt. jeder zweite Renteneuro kommt schon aus dem Haushalt.

Auch leisten wir uns ein teures Krankenversicherungssystem. ES ist ein Mischmasch aus Versicherung und steuerähnlichem Bestandteil.

Die Beiträge werden nach dem Einkommen berechnet (typisch für eine Steuer). Werden über Versicherungen verwaltet. An ein ärztliches abrechnungssystem gezahlt, was wiederum nicht nach tatsächlicher Leistung an die Ärzte zahlt, sondern nach Pauschalen mit Deckelung. (Ich möchte mal die VW Arbeiter sehen, wenn denen gesagt würde: "Wir zahlen, egal wieviel Autos ihr baut, pauschla die Summe X an den Betriebsrat udn der Verteilt dann unter Euch Arbeitern).

Wenn man die Bezahlung der Krankenversorgung als soziale aufgabe sieht, dann wäre es logisch, die Beiträge als Einkommensteuerzuschlag, bei gleichzeitigem Entfall der Krankenversicherungsbeiträge, zu erheben und die Krankenkasse und kassenärztlichen Vereinigungen zusammen zu legen. Die Leitungen wären für alle gleich und wer mehr will, könnte das über private Zusatzversicherungen regeln.

Wir brauchen innerhalb einiger Jahre eine einschneidende Sozialreform und keine weiteren Verschlimmbesserungen eines Systems, das an seine Grenzen gekommen ist.

Kommentar von Lennister
26.05.2016, 10:31

jeder zweite Renteneuro kommt schon aus dem Haushalt.

Kannst du dafür eine Quelle angeben? Nach dem Rentenversicherungsbericht liegt der Anteil der Beiträge an den Einnahmen bei ca. 75%. 

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Kommentar von Unsinkable2
26.05.2016, 13:46

Bitte nicht falsch verstehen, ich will weder den medizinischen Fortschritt zurückdrehen, noch neide ich irgendjemandem einen schönen Lebensabend, aber wir müssen sehen, das unser Versorgungssystem für größere Zeiträume und höhere Kosten fit gemacht werden muss. Einfach weil es heute anders ist, als vor 60 Jahren.

Du greifst zu kurz, wfwbinder.

Was du beispielsweise vernachlässigst, ist, dass, als du geboren wurdest, ein Bauer nur 15 Menschen ernährte. Heute hingegen sind es 145 Menschen; also mal eben fast das 10-fache. 

Die sogenannte Produktivität hat in der Zwischenzeit RASANT zugelegt. Sollte sich das nicht auch in der Altersversorgung widerspiegeln?

... dafür sorgen, dass die Zahl der qualifizierten udn hochqualifizierten Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleibt, oder besser vergrößert wird.

Das Mantra der Arbeitsplätze wird schon seit den Zeiten der Maschinenstürmer gesungen. 

Hochrechnungen für die Zukunft gehen allerdings von einer 80-20-Gesellschaft aus. Das heißt: In absehbarer Zukunft werden 20 Prozent der Erwerbsfähigen 100 Prozent der Bevölkerung "bedienen" können. 

Der feuchte Traum des Menschen, der einst den Pflug erfand und so 3 Menschen von der schweren Arbeit befreite, ist in greifbarer Nähe. So nahe, dass schon Helmut Kohl notgedrungen die "Dienstleistungs-Gesellschaft" ausrief, weil die Industrie gar nicht mehr in der Lage ist, "Arbeitsplätze für alle" zu schaffen.

Und du sagst, all das wäre sinnlos und gar nicht erstrebenswert?

Auch leisten wir uns ein teures Krankenversicherungssystem. ES ist ein Mischmasch aus Versicherung und steuerähnlichem Bestandteil.

Der "Mischmasch" ist nicht einmal das größte Problem. Das eigentliche Problem ist die "kapitalistische Ausrichtung des Krankenversicherungssystems"

Solange Ärzte dafür bezahlt werden, Krankheiten zu behandeln, und solange gleichzeitig der kapitalistische Grundsatz der "Entlohnung für Tätigkeit" gilt, KANN ein "wirtschaftliches Gesundheitssystem" nicht existieren.

Paradox? Nicht doch. Es ist statistisch belegt, dass die Zahl der Ärzte mit der Zahl der Behandelten korreliert. Mit anderen Worten: Dort, wo sich viele Ärzte niederlassen, gibt es nach kurzer Zeit signifikant mehr Kranke ... und umgekehrt.

Dabei machen die Ärzte keinen Fehler: Sie arbeiten kapitalistisch und schaffen sich ihren Markt bzw. befördern ihn.

Die einzige Lösung (neben dem Zurückdrehen von Leistungen) ist also, Ärzte und Pharma-Industrie FÜRS NICHTS-TUN zu bezahlen; sie nur dann zu entlohnen, wenn sie Krankheiten so schnell wie möglich heilen und Kranke so schnell wie möglich gesund machen; anstatt sich - wie derzeit - auf das Gegenteil auszurichten.

Wir brauchen innerhalb einiger Jahre eine einschneidende Sozialreform ...

"Einschneidend" ist dabei das Schlagwort. Und deshalb wird es nicht geschehen. Denn jene, die dabei "geschnitten" werden müssten, sind rein zufällig auch jene, die es am härtesten treffen würde ... also zumindest dann, wenn du auf "Erhalt bzw. Verbesserung des Sozialsystems" abstellst.

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Nein, denn offensichtlich nimmt die Armut in Deutschland zu.

Die beiden Flanken sind HartzIV und Renten, daran entscheidet sich, ob ein Sozialsystemm gut oder schlecht ist, in seiner Wirkung.
Dazu gehören ebeno die Löhne, das sich aus den Löhnen die Renten speisen.

Der Gardmesser für Erfolg oder Mißerfolg des sozialen Systems oder der Politik die dafür verantwortlich ist ist mit die Höhe der Armut in einer Gesellschaft.

Kommentar von sinari
26.05.2016, 14:05

Die Höhe der Armut nimmt rasant zu.Das ist wohl wahr.Sagt allerdings nichts über unser Sozialsystem aus.Definiere bitte "Erfolg oder Mißerfolg eines sozialen Systems".Da steckt doch mehr dahinter,als die Höhe der Armut.Mach mich klug.

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Nein

Wie kann es gut sein, wenn zahlreiche Menschen nur mit H-4 abgespeist werdenß

Wie kann es gut sein, wenn ständig ein Rentenklau erfolgt?

Wie kann es gut sein, wenn das hiesige Gesundheitssystem ständig ausgehöhlt wurde und noch immer wird?

Wie kann es gut sein, wenn man hier eine Bildungsmisere konstatiweren muß?

"so viele Fragen, so viele Berichte (Brecht) fragen eines nachdenklichen Menschen - Brecht modifiziert

Kommentar von sinari
26.05.2016, 13:45

Definiere:...mit H-4 abgespeist.Nur?

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Ja

Ein Sozialsystem, das die unterste Armutsgrenze für eine Einzelperson mit 400 Euro cash (800 DM) und einer beheizten Wohnung im Wert von ca. bis 450 euro (900 DM) ausstattet, Zuverdienste von 100 Euro anrechnungsfrei hält und mit zahlreichen weiteren Einzelleistungen den betroffenen Personen unter die Arme greift, kann sooo schlecht weltweit nicht sein.

Kommentar von sinari
26.05.2016, 13:52

Das Stichwort ist:weltweit.Und da liegen wir wohl weit vorn-auch vor den USA z.B.

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Ja

Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich mal einen Krankenhausaufenthalt ohne Kreditkarte, in GB oder USA.

Kommentar von sinari
26.05.2016, 13:40

Guter Kommentar.

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Nein (wir simd in einem system gefangen umd sind alle "manipuliert" wenn man das so sagen darf)

Kommentar von 486teraccount
26.05.2016, 05:00

danke für diese konkreten Worte ;-) <3

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Kommentar von sinari
26.05.2016, 06:24

Reines Gefasel ohne Hintergrund.

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Kommentar von archibaldesel
26.05.2016, 13:07

Welch gehaltvoller Beitrag.

Ich frage mich, ob du selbst weißt, was du damit sagen willst, oder ober das die automatische Antwort-App "Phrasendrescher" am Werk war....

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Ja

Auf jeden Fall. Man ist im Krankheitsfall oder bei einem Unfall abgesichert. Auch bei Arbeitslosigkeit muss man sich keine Sorge machen sich den Arzt nicht mehr leisten zu können oder kein Dach über den Kopf zu haben. Hier muss keiner Hunger leiden, etc. 

Ein Großteil anderer Nationen können von so einem Sozialsystem nur träumen. 

Kommentar von sinari
26.05.2016, 14:16

Und wovon träumen die Kritiker unseres Sozialsystems?

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