Ist das Abitur zum neuen Hauptschulabschluss verkommen?

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11 Antworten

Zu allem, was bereits gesagt wurde, möchte ich noch einen Aspekt hinzufügen:

Ganz grundsätzlich kann man eine höhere Quote von Abiturienten und Studenten eingentlich nur begrüßen. Denn eines der Hauptprobleme am deutschen Bildungssystem ist - meiner Meinung nach - dessen Undurchlässigkeit gerade für Menschen mit nicht-akademischem Familienhintergrund.

Dass immer mehr junge Menschen ein Studium aufnehmen können, heißt letztlich, dass immer mehr Menschen die Chance zum sozialen Aufstieg haben. Die Arbeitswelt ist in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen komplexer geworden und höhere Bildungsabschlüsse werden von Arbeitgebern auch öfter nachgefragt.

Ein Universitätsstudium ist außerdem kein Hexenwerk und ein Genie muss man dafür auch nicht sein. Ich gehe jede Wette mit, dass ein Großteil der Schüler in Deutschland von den intellektuellen Anlagen her zu einem Studium in der Lage ist. Aber was für einen Schulabschluss man erwirbt, hängt in D leider immer noch viel zu sehr von der sozialen Herkunft ab.

Es muss außerdem nicht jeder Abiturient ein Studium aufnehmen (und das tun auch bei weitem nicht alle), aber je mehr die Chance dazu haben, desto besser ist es in meinen Augen. Denn was - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit - an geistigem Potential unentdeckt und ungenutzt bleibt, nur weil der Zugang zur höheren Bildung aus sozialen oder finanziellen Gründen nicht wahrgenommen wird, geht - salopp gesprochen - auf keine Kuhhaut.

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Das könntest du ja an Abbruchquoten sehen. Etwa 28 %  der Bachelorstudenten brechen ab. In MAthematik ist der Anteil besonders hoch, da sind es wohl fast 40 % (laut einer Studie des "Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung").

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/studienabbruch-jeder-vierte-bachelorstudent-bricht-studium-ab-a-971349.html


Also ja, über alle Fächer hinweg sind mehr als 2/3 sind in der Lage "extrem komplizierte Inhalte" zu verstehen. 

Diese Formulierung legt aber irgendwie nahe, dass du eine viel zu hohe Ehrfurcht vor dem Studium hat. So kompliziert ist das alles gar nicht, es wird an der Uni auch nur mit Wasser gekocht. Es verlangt nur sehr viel Hartnäckigkeit und regelmäßiges Dranbleiben (nach meiner Erfahrung). Disziplin  bzw. sich selbst organisieren können ist wichtiger als "Intelligenz".

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Kommentar von YorkFuessel
30.11.2016, 00:23

Sehr gute Antwort. Volle Zustimmung!

Beste Grüße 

Dipl.-Päd. York Füssel, 

Wirtschafts- und Vermögensberatung seit 1983 

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Kommentar von benwolf
30.11.2016, 04:45

Mich würde mal interessieren wie die Abbrecherzahlen ermittelt werden. Bei uns sieht das nach deutlich mehr als 50% aus und auch von anderen Unis/Hochschulen höre ich von den Studenten ähnliche Zahlen. (Ingenieurswesen)

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Prinzipiell ist das nicht schlecht, wenn das gesamte Bildungsniveau angehoben wird. Das Leben, insbesondere das Berufsleben wird ja auch immer komplizierter.

In dem Zusammenhang ist auch der Bachelor zu sehen. Früher gabs nur die Alternative, voller Abschluss (Diplom) oder Abbruch. Nun brauchen wir aber keine 50% der Bevölkerung als Vollakademiker. Daher machen auch nur die Besten den Master und der Rest wird mit dem Bachelor nach Hause geschickt. Das sind dann bessere Facharbeiter.

Ein Problem sehe ich in Deutschland. Es gehen die nicht die intelligentesten Kinder an die Uni sondern es gehen die Kinder an die Uni, deren Eltern es sich leisten können und die von ihren Kindern erwarten, dass sie ebenfalls studieren. Für Arbeiterkinder, und seien sie noch so intelligent, ist das Bildungssystem sehr undurchlässig.

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Kommentar von Jackie251
30.11.2016, 10:22

Aber warum ist das so?
Andere Nationen haben massiv teurere Studentenwohnungen und Studiengebühren.

Arbeiterkinder erhalten nicht schwierigere Prüfungen nur weil sie Arbeiterkinder sind. Und streng genommen ist es sogar für die aus den ärmsten Familien leichter an Geld fürs Studium zu kommen.
Wenn Mama und Papa kein Geld haben, dann erhält der Nachwuchs volles Bafög.
Haben Mama und Papa von guten Einkommen einen erheblichen Hauskredit abzuzahlen, dann bekommt der Nachwuchs kein Bafög - weil Mama und Papa haben ja Geld.
Ob Mama und Papa aber das Haus verkaufen oder auch noch die 3 Jahre von Bachelor zum Master den Nachwuchs mitstemmen wollen/können, steht auf einem anderem Blatte.

Warum wirkt sich in Deutschland die Herkunft derartig aus?
Ich weis es nicht, vermute hier aber das Umfeld der sozial Schwachen. Ich wüsste nicht an welcher Stelle das Bildungssystem als solches schuldig sein soll.

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Ich studiere Jura an einer Uni, wo das Fach ohne NC angeboten wurde, wirklich jeder kam rein. Jetzt sehe ich was für Deppen (inklusive mir) mit mir in den Vorlesungen und in den Übungen sitzen .... Ich weiß nicht ob ich das Zeug dazu hab aber manche von meinen Kommilitonen sind definitiv DUMM. (nehm ich an aus Äußerungen, Grammatik)

Erfahrungen zeigen aber auch dass von den 500 Studenten die hier angefangen haben, nach dem 1.Semester schon mehr als 50% ausgesiebt werden ... Eine beträchtliche Menge, die beweist, dass man a) fleißig sein muss b) weiterhin Lust aufs Fach c) mindestens ein bisschen intelligent sein muss um das Studium zu packen.

Ein Problem im Allgemeinen sehe ich in der Zukunft: eine überakademisierte Gesellschaft, eine Generation erneut aus einem völlig veralteten Schulsystem der es nur schwer gelingen kann die Probleme der Zukunft zu bewältigen (gute Politik, Gesselschaftsethik, ...) sowas halt. Ich mach mir auch Sorgen ...

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Wie meinst du dass extrem kompliziert?

Hast du dich mal umgesehen was man alles studieren kann?
Natürlich werden kaum 50% der Absolventen das mathematische/technische Verständnis aufbringen um Maschinenbau zu studieren.
Für manch anderen Studiengang reicht es aber wenn man ausrechnen kann ob das Geld noch für die Mensa reicht....

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Studieren hat vor allem mit lernen, lernen und nochmals lernen zu tun und nicht mit irgendwelchen Fähigkeiten, welche nur ganz wenige Leute besitzen. Wer genügend Motivation und Durchhaltevermögen hat, schafft auch ein Studium.. Ausserdem fliegen ja auch immer mal wieder Studenten raus, weshalb es nicht bei diesen 50% bleiben wird während der ganzen Studienzeit. Ich denke das Problem ist eher, dass ein relativ grosser Teil das Gefühl hat, mit einem Studium alles zu erreichen und nachher sofort zur "Elite" zu gehören, was aber reines Wunschdenken ist. Ich finds nicht schlecht, wenn man studieren will, aber ich habe das Gefühl, dass es in Zukunft zu Problemen kommen könnte, wenn nur noch Leute mit Studium und enormen Ansprüchen ans Berufsleben auf dem Arbeitsmarkt vertreten sind. 

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Nein, sehr viele sind nicht in der Lage die komplexen Inhalte zu verstehen deshalb brechen auch ein Drittel der Studenten ihr Studium ab.

Meistens sind die mit einem Fachabitur besser dran, die dann auf einer Fachhochschule studieren als viele Studenten mit Abitur, die dann später einsehen müssen, dass die Fachhochschule doch das richtige für sie ist anstatt die normale Uni.


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genau dabei sehe ich das Probelm....

es gibt nichts mehr dazuwischen. entweder abi und ein studium als kunsthistoriker oder in germanistik, oder hilfsarbeiter bei amazon....

dass wir auch ganz "normale" leute brauchen, wie kaufleute, handwerker, Bänker... das scheint keiner zu realisiren...

es kann doch nicht angehen, dass man elektrikermeister mit 9 € die stunde als leiharbeiter abspeisen will! es muss ja kein stundenlohn von 120 € sein! aber einfach nur bitte mal so, dass man davon gescheit leben kann, ohne sich (halb) tot zu arbeiten.

lg, Tessa

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Kommentar von Jackie251
30.11.2016, 10:31

Und?
Der Markt muss sich eben einpendeln.
Solange die Arbeitslosenquote von Akademikern bei 2,5% liegt und die gesamte trotz aller Schönrechnerei mehr als doppelt so groß wird der Wirtschaft auf einen Akademiker(der zudem oft sehr spezielle Zusatzkenntnisse haben wird) aufpassen.

Viele Ausbildungsberufe sind nicht mehr sinnig, denn nach einer 2 Wochen Anlernphase kannst du den Job zu 95% und nach 6 Monaten zu 100%.
Wenn man so jemanden als Arbeitnehmer verlierst, kannst du dir aussuchen wer den Job übernehmen soll.

Wir werden dafür einiges an Zeit brauchen bis der Arbeiter höhere Vergütung verlangen kann, einfach weil er ein knappes Gut anbieten kann.

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Die meisten Menschen sind in der Lage 'den komplexen Lehrstoff' zu verstehen. So sehr komplex ist der meist auch gar nicht. Kommt natürlich auch aufs Fach an.

Würde das Thema sogar umdrehen und sagen: Die meisten sind nicht mehr in der Lage handwerklich zu arbeiten.

Die Hauptschule bricht langsam weg und die Gymnasien haben 'Bildung' wohl auch nur noch auf der Werbebroschüre stehen. Was da an pseudointellektuellen Dummschwätzern rauskommt ist schlimm. Frag einen Abiturienten wo welches Land liegt, wieviele Einwohner es hat und welche Rechtsform es da gibt. Auf solche Sachen bekommst du immer eine Antwort. Biologie, Chemie, Erdkunde, Deutsch etc. Frag aber bloß nicht ob er dir ein Stück Holz durchsägen kann, etwas kochen kann, nähen kann. Einfachste Alltagsdinge fehlen, dafür kann man, immer wenn es wichtig ist, alle menschlichen Knochen aufzählen. (alles etwas überspitzt ausgedrückt)

Zu deiner Frage: Das Abitur ist weniger zum Hauptschulabschluss 'verkommen' als dass die Hauptschüler zu Abiturienten verkommen

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Man will heutzutage so viele Absolventen wie möglich schaffen weil in der globalisierten Welt eine Bevölkerung mit großteils Abitur besser ausschaut als mit Hauptschulabschluss. Keiner hinterfragt dann wie manche durch das Abitur, durch den Bachelor was weiß ich durchgekommen sind. Meistens ist es auch so, dass immer die falschen Leute die besten Abschlüsse in der Regelzeit bekommen. Die Leute die wirklich Intelligent sind und etwas draufhaben schauen meistens durch die Röhre.

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Kommentar von Jackie251
30.11.2016, 10:41

Genau!

Die richtigen geistigen Überflieger, die die uns in ein neues wissenschaftliches Zeitalter führen könnten, haben typischerweise ausgerechnet bei den entscheidenden Prüfungen immer einen Blackout, sind Krank oder gerade an dem Tag schlecht aufgestanden.

Umgekehrt bekommen die Null-Checker häufig einfach durch Antworten raten hervorragende Noten.

Eine fiese Welt ist das.

Selten so ein Unfug gehört. Wer was kann, der zeigt das auch in den Abschlüssen.

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Es machen ca. 56% eines Geburtsjahrgangs in Deutschland Abitur.

Ca. 26% eines Geburtsjahrgangs absolvieren erfolgreich ein Hochschulstudium.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Abiturientenquote\\_und\\_Studienanfängerquote#St...

Damit wird klar, dass jeder zweite Mensch eines Jahrgangs in Deutschland künftig Abi und jeder vierte mindestens einen Bachelor hat.

Beste Grüße 

Dipl.-Päd. York Füssel, 

Wirtschafts- und Vermögensberatung seit 1983 

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