Ist christlicher Humanismus möglich?

18 Antworten

Natürlich ist das widersprpüchlich, allerdings nehmen die meisten Christen das Christentum ja nicht wirklich ernst, bzw sie suchen sich halt nur das raus, was ihnen gefällt.

Ist aus Bibelsicht und aus sicht der strenger Gläubigen natürlich schlecht, für alle anderen allerdings nur von Vorteil.

Mit, ich nenne sie jetzt mal "Mordernen Christen" komme ich sehr gut zurecht, wobei die Evangelischen da meiner Meinung nach wesentlich weiter sind als die Katholischen, wo ja sogar in den eigenen Reihen noch diskriminiert wird.

Aber die Katholiken haben es da auch etwas schwerer, weil ihnen bei modernisierungsversuchen der Papst dazwischen funkt.

Also: Christlichen Humanismus gibt es nicht, aber dennoch sind viele Christen Humanisten, weil sie sich nicht so eng ans Christentum binden, bzw. sich nur die "netten" Regeln raussuchen ;)

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Genau, christliche Fundamentalisten sind oft unangenehme Zeitgenissen. Gilt übrigens für alle Fundamentalisten.

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Ist christlicher Humanismus nicht irgendwie widersprüchlich? Zumindest wenn man das Christentum halbwegs ernst nehmen will? Ich meine lange Zeit waren die Christen nicht gerade tolerant gegenüber Andersgläubigen

In diesen Ausführungen ist der Widerspruch mitenthalten. Denn hier werden "Christentum" und "Christen" gleichgesetzt. Das ist falsch.

Das Christentum ist eine sehr tolerante, ja vielleicht zu tolerante (Stichwort: Feindesliebe) Religion. Intolerant sind vorallem Menschen, die ihren Glauben verabsolutieren und andere Religionen ablehnen, gar bekämpfen. Allerdings hat es in der Vergangenheit immer Christen gegeben, die sich gegen Intoleranz und Gewalt gewandt haben. Ein bemerkenswertes Beispiel war der Humanist Erasmus von Rotterdam, der in seiner Person belegt, dass Humanismus und Christentum sehr gut miteinander harmonieren, dass christlicher Humanismus möglich ist.

Also wie genau soll christlicher Humanismus funktionieren, wenn Toleranz keine christlichen Werte sind?

Das Christentum hat sich aus mittelalterlicher, staatlich unterstützter Intoleranz herausgearbeitet. Die Erfahrung von Religionskonflikten, schließlich die Aufklärung haben die Mehrheit der Christen sowie die für den Staat Verantwortlichen gelehrt, dass das friedliche Zusammenleben der Menschen nur mit Religionsfreiheit und Toleranz ermöglicht wird. Beides gehört heute unbestreitbar sowohl zu den christlichen wie allgemein zu den gesellschaftlichen Werten (vgl. unsere Verfassung, das Grundgesetz)!

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

Ich bin der Meinung, das sich heutige Christen das Thema Toleranz auf ihre Fahne schreiben. Christ sein bedeutet heute, allen Lebensformen gegenüber Tolerant zu sein. Zugegeben das war nicht immer so.

Andererseits ist es nur eine weitere, neue Form des Christentums. Das Urchristentum war keineswegs tolerant. Nicht gegenüber andersgläubigen, nicht gegenüber anderen Göttern, nicht gegenüber Schwulen, nicht gegenüber ausserehelichen Partnerschaften, usw. Tatsächlich weicht das heutige christentum vom Urchristentum erheblich ab. Selbst Jesu, seine Apostel und seine Jünger waren nicht tolerant.

Da Christen Nachfolger Christi sind, sollten sich Christen Jesus zum Vorbild nehmen.

(Matthäus 3:7-10) 7 Als er die vielen Pharisäer und Sadduzạ̈er entdeckte, die zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: „Ihr Otternbrut, wer hat euch gesagt, ihr könntet vor dem kommenden Zorn Gottes fliehen? 8 Bringt also Frucht hervor, die der Reue entspricht. 9 Maßt euch nicht an, euch einzureden: ‚Wir haben Abraham zum Vater!‘ Denn ich sage euch, dass Gott aus diesen Steinen hier Kinder Abrahams hervorbringen kann. 10 Die Axt liegt schon an der Wurzel der Bäume. So wird jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, gefällt und ins Feuer geworfen werden. 

(1. Korinther 5:9-11) 9 In meinem Brief schrieb ich euch, keinen Umgang mehr mit Hurern zu haben, 10 nicht [in dem Sinne] gänzlich mit den Hurern dieser Welt oder den Habgierigen und Erpressern oder Götzendienern. Sonst müßtet ihr ja aus der Welt hinausgehen. 11 Nun aber schreibe ich euch, keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen.

(1. Korinther 6:9, 10) . . .Was? Wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Königreich Gottes nicht erben werden? Laßt euch nicht irreführen. Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei männlichen Personen liegen, 10 noch Diebe, noch Habgierige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Erpresser werden Gottes Königreich erben.

Liebe deinen Nächsten bedeutet nämlich, den Nächsten zwar zu lieben aber seine Handlungen oder Einstellung dennoch nicht tolerieren zu müssen.

Grüß Dich Elgortan33!

Humanistische Ziele sind gegen die Kirche unter vielen z.T. blutigen Opfern durchgesetzt worden. Denn wer streng christlich lebt, der hat nur die Bibelinhalte als ethischen Maßstab. Doch was da drin steht, ist in vielen Dingen nicht lebbar. Es gibt viele Forderungen, die sich nicht mit der modernen Zeit und mit dem Chrakter des Menschseins vereinbaren lassen.

Um das zu kompensieren, hat sich das Christentum säkularisiert.

WIKIPEDIA:

Die Säkularisierung bedeutet allgemein jede Form von Verweltlichung, im engeren Sinne aber die durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, welche die Bindungen an die Religion gelockert oder gelöst und die Fragen der Lebensführung dem Bereich der menschlichen Vernunft zugeordnet haben. Soziologisch wird dieser Prozess als „sozialer Bedeutungsverlust von Religion“ interpretiert. Während eine Säkularisierung in der jüngeren Geschichte vor allem in westlichen Gesellschaften zu beobachten gewesen ist (Entchristlichung“), sind säkularisatorische Tendenzen auch in vielen anderen Gesellschaften feststellbar.

Diese Säkularisierung führte dazu, das humanistische Werte von der Kirche okkupiert wurden und als christliches Menschenbild behauptet wurde. Insofern ist also Humanismus und das christliche Menschenbild ein Widerspruch in sich. Entweder es ist christlich, dann wäre es biblisch und nicht humanistisch. Oder aber das Menschenbild ist humanistisch, dann kann es aber nicht christlich bzw. biblisch sein.

Wollte man ein konsequent humanistisches Menschenbild, dann wäre das Christentum obsolet. Klar das man da die Quadratur des Kreises versucht, um das Christentum nicht verfallen zu lassen, was bekanntlich nicht geht. Aber am christlichen Dogma wird nicht gerüttelt.

WIKIPEDIA

Humanismus ist eine seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für verschiedene, teils gegensätzliche geistige Strömungen in diversen historischen Ausformungen, unter denen der Renaissance-Humanismus begriffsbildend herausragt. Gemeinsam ist ihnen eine optimistische Einschätzung der Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden.

Es wird ein Gesellschafts- und insbesondere Bildungsideal entworfen, dessen Verwirklichung jedem Menschen die bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung ermöglichen soll. Damit verbindet sich Kritik an bestehenden Verhältnissen, die aus humanistischer Sicht diesem Ziel entgegenstehen.

Das Dogma des Christentums steht diesem Ziel entgegen, weil Gott als erste und letzte moralische Instanz angesehen wird (was über die Bibel begründet wird), während im Humanismus der Mensch das Maß aller Dinge ist, was bedeutet, das er die Verantwortung für sich und seine Lebensumgebung zu übernehmen hat und darüber entscheidet und das deswegen, weil die Natur (Evolution) in ihm diese besondere Art des Bewusstseins entwickelte.

Ein Gott ist dafür nicht nötig und wäre sogar kontraindiziert.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung
... weil Gott als erste und letzte moralische Instanz angesehen wird (was über die Bibel begründet wird), während im Humanismus der Mensch das Maß aller Dinge ist ...

So gesehen stimme ich Dir zu.

Was die zulebenden Werte angeht, weiß ich nicht, welche Unterschiede Du meinst, die nicht vereinbar sind.

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@wiele

Da gibt es beispielsweise einiges an den 10 Geboten zu kritisieren. Man darf nicht vergessen, es sind zwar menschlich ausgedachte aber als angeblich göttliche Gebote deklariert worden. Du darfst nicht töten, aber das unterminiert das recht auf Notwehr. Du darfst nicht ehebrechen. Soll ich, nur weil Gott das befohlen hat auf Dauer mit einer Xanthippe zusammenleben und die Hölle auf Erden haben? Usw. usw.

Außerdem hat der biblische Gott nicht gerade Toleranz gepredigt. Im Gegenteil.

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@vonGizycki
Da gibt es beispielsweise einiges an den 10 Geboten zu kritisieren.

Man kann an allem rummeckern, wenn man will.

Man darf nicht vergessen

Wer verbietet das?

es sind zwar menschlich ausgedachte aber als angeblich göttliche Gebote deklariert worden.

Nein. Hier setzt Du voraus, dass es Gott nicht gibt. Diese Voraussetzung ist falsch.

Du darfst nicht töten

Ja, aber Du auch nicht!

aber das unterminiert das recht auf Notwehr.

Nein, das stimmt nicht. Eigentlich geht es nicht um das Töten, sondern um das Morden! Man sollte sogar töten: Z.B. Menschen die gemordet haben. Dazu zählen aber nicht Soldaten, die in einer Schlacht getötet hatten! Notwehr ist mit dem Gebot auch nicht gemeint!

Du darfst nicht ehebrechen. Soll ich, nur weil Gott das befohlen hat auf Dauer mit einer Xanthippe zusammenleben und die Hölle auf Erden haben?

Du musst ja keine Xanthippe heiraten! Und wenn Du es doch getan hast, dann kannst Du Deiner Xanthippe einen Scheidebrief geben und musst eben nicht ewig mit ihr zusammen leben - gemäß mosaischen Geboten!

Die Ehe sollst Du aber nicht brechen! Und wo ist nun das Problem mit diesem Gebot?

Außerdem hat der biblische Gott nicht gerade Toleranz gepredigt.

Das kommt auf den Kontext an. Gott sagt eben nicht, dass die Menschen machen sollen, was sie wollen! Toleranz ist nicht immer gut! Die Vorstellung vieler Menschen von Gott ist, dass er ein weichgesppülter Kuschelgott zu sein hat, der nur dazu da ist, den egoistischen Wünschen der Menschen zu entsprechen. So ist er aber nicht. Er kann sehr zornig sein. Er straft, wenn es ander Zeit ist. Er tötet auch. Wie kommt man nur darauf, dass das alles nicht sein sollte?

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@wiele

1) Ein Mord ist auch eine Tötung. Zwar ist der Text, Du sollst nicht morden, ist aber in der Bibel mit Du sollst nicht töten gesschrieben worden. Und das ist der maßstab für christliche Vorstellung. 2) Du weißt nicht, wie sich ein mensch entwickelt nd dann sollte man gehen, wenn man sich nicht versteht. 3) Die 10 Gebote werden als göttliche Gebote geglaubt und damit einen moralischen Maßstab gesetzt. Wer dagegen verstößt, verstößt gegen Gott. So ist das interpretieren.

Natürlich gibt es Toleranzgrenzen aber die Toleranz des geglaubten Gottes ist hier nicht vorhanden. Gerade am Anfang der 10 Gebote wird ziemlich schlimm gedroht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote

„Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“

Übersetzt:

Du darfst nicht glauben was Du willst, sondern nur was ich will und dann geht es Dir gut. Und folgst Du mir nicht, dann werde ich Dich bestrafen und die nächste und übernächste Generation gleich mit. Das ist nicht tolerant.

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@vonGizycki
Ein Mord ist auch eine Tötung.

Ja, aber eine Tötung ist nicht unbedingt ein Mord.

5. Mo 13, 7 Wenn dein Bruder, der Sohn deiner Mutter, oder dein Sohn oder deine Tochter oder die Frau an deinem Busen oder dein Freund, der dir wie dein Leben ist, dich heimlich verführt, indem er sagt: Lass uns gehen und anderen Göttern dienen! - die du nicht gekannt hast, weder du noch deine Väter,8 von den Göttern der Völker, die rings um euch her sind, nahe bei dir oder fern von dir, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde -,9 dann darfst du ihm nicht zu Willen sein, und du sollst seinetwegen nicht betrübt sein, nicht auf ihn hören und nicht schonen noch Mitleid mit ihm haben, noch ihn decken;10 sondern du sollst ihn unbedingt umbringen. Deine Hand soll zuerst gegen ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volkes.11 Und du sollst ihn steinigen, dass er stirbt. Denn er hat versucht, dich vom HERRN, deinem Gott, abzubringen, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus.
5. Mo 17,12 Der Mann aber, der in Vermessenheit handelt, dass er nicht auf den Priester hört, der dasteht, um dort den Dienst des HERRN, deines Gottes, zu verrichten, oder auf den Richter: dieser Mann soll sterben. Und du sollst das Böse aus Israel wegschaffen.
Hes 18,4 Siehe, alle Seelen gehören mir; wie die Seele des Vaters, so auch die Seele des Sohnes. Sie gehören mir. Die Seele, die sündigt, sie allein soll sterben.
3. Mo 20,2 Du sollst zu den Söhnen Israel sagen: Jedermann von den Söhnen Israel und von den Fremden, die in Israel als Fremde wohnen, der eins von seinen Kindern dem Moloch gibt, muss getötet werden; das Volk des Landes soll ihn steinigen.

Es gibt - wie diese Verse zeigen - direkte Gebote, Menschen nach bestimmten Vergehen zu töten. Auch das Töten in einer Schlacht eines Krieges wird nicht als Mord gesehen und wird nicht vom Gebot "Du sollst nicht töten" erfasst.

2. Mo 20,13 Du sollst nicht töten.

Das Gebot, nicht zu töten kann also nicht allgemein auf jedes Töten bezogen sein.

Die Bedeutung des Wortes, das mit "töten" in "Du sollst nicht töten" verwendet wird, findet sich unter der Strong-Nummer 7523:

רָצַח râtsach, raw-tsakh'; a primitive root; properly, to dash in pieces, i.e. kill (a human being), especially to murder:—put to death, kill, (man-) slay(-er), murder(-er).

Das Wort wird teils mit "töten", teils mit "morden" übersetzt.

Selbst das englische "kill" kann mit "töten" oder "morden" wiedergegeben werden.

Zwar ist der Text, Du sollst nicht morden, ist aber in der Bibel mit Du sollst nicht töten gesschrieben worden. Und das ist der maßstab für christliche Vorstellung.

Nein, das ist nicht der Maßstab für christliche Vorstellung.

Du weißt nicht, wie sich ein mensch entwickelt nd dann sollte man gehen, wenn man sich nicht versteht.

Ich muss nicht wissen wie sich ein Mensch entwickelt. Im mosaischen Gesetz ist eine Scheidung erlaubt, nur Eheruch ist nicht erlaubt!

Die 10 Gebote werden als göttliche Gebote geglaubt und damit einen moralischen Maßstab gesetzt. Wer dagegen verstößt, verstößt gegen Gott. So ist das interpretieren.

Und was ist das Problem damit?

Natürlich gibt es Toleranzgrenzen aber die Toleranz des geglaubten Gottes ist hier nicht vorhanden.

Gott toleriert langfristig keine Sünde! Das ist so! Und das ist gut so!

Du darfst nicht glauben was Du willst, sondern nur was ich will und dann geht es Dir gut. Und folgst Du mir nicht, dann werde ich Dich bestrafen und die nächste und übernächste Generation gleich mit.

Genau ... Gott meint es einfach ernst!

Das heißt aber nicht, dass Christen Ungläubige nicht tolerieren sollten. Sünde soll nicht toleriert werden

Das ist nicht tolerant.

Es kommt darauf an wie man es sieht. Wenn die Entscheidung eines Menschen gegen Gott ist, wird dieser Entscheidung entsprochen. Das ist doch nett: Der Mensch wird nicht gezwungen ewig mit Gott zu leben. Des Menschen Entscheidung wird toleriert.

Aber ich verstehe Dich: Man kann immer sagen, dass jemand nicht tolerant ist, wenn er zum eigenen Wort steht und es umsetzt.

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Dann hast Du die Lehre Jesu nicht verstanden! Ist nicht sonderlich viel. Findest im neuen Testament. Siehe Bergpredigt.

Daraus geht das von Dir geschilderte nicht hervor! :-)

Zum Beispiel ist da auch die Rede von Splitter im Auge des anderen und ein Balken vor dem eigenen! :-)

Woher ich das weiß:Hobby – Beschäftigt mich

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