Sind Biologische Lebensmittel besser?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nein, im allgemeinen eher gleichwertig, aber teilweise auch schlechter. Ein großes Problem habe ich bei der Bio-Produktion mit den ideologiebehafteten, irrationalen Richtlinien zu Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Züchtungsmethoden. Gesundheitlich sind keine relevanten Unterschiede bei den Produkten zu finden, daher beurteile ich das rein nach ökologischen und ökonomischen Aspekten.

Beide Produktionsmethoden haben prinzipiell eine Daseinsberechtigung und jeweilige Vor- und Nachteile, das beste wäre aber eine "integrierte Landwirtschaft", wenn man also produkt- und standortspezifisch die optimalsten Lösungen sucht und sich dabei nicht durch beliebig gesetzte Grenzen (bio/konventionell) einschränkt.

22

du weißt aber schon, dass durch Überdüngung mit Kunstdünger ein Drittel des deutschen Grundwassers nicht mehr trinkbar ist???

0
35
@gruenefeder

In vielen Fällen ist das eine Überdüngung mit Wirtschaftsdüngern.

2
22
@Agronom

was meinst du denn mit Wirtschaftsdüngern??? Wenn du Mist und Gülle meinst, die sind nur schädlich, wenn sie IN ZU GROSSEN MENGEN auf die Äcker gebracht werden, da sie Nitrat und Ammonium nur langsam in den Boden absondern. Und in zu großen Mengen bringen sie hauptsächlich die "konventionell" wirtschaftenden Bauern auf die Äcker...

0
35
@gruenefeder

Ja, die gehören auch zu den Wirtschaftsdüngern

Das Ammonium liegt dabei zum größten Teil in freier Form vor, was meinst du warum diese Düngemittel möglichst schnell eingearbeitet werden müssen, weil sich sonst recht schnell das Ammonium als Ammoniak in die Luft verabschiedet.

Bei "Kunstdüngern" gilt es doch ganz genauso, nur ein zu viel auf einmal führt zu großen Verlusten und das ist auch im Sinne aller Landwirte, wenn die Verluste möglichst reduziert werden.

2
22
@Agronom

... und ICH habe an der Uni gelernt, dass Säugetiere überflüssigen Stickstoff in Form von Harnstoff = NH2-CO-NH2 ausscheiden, aber du weißt ja alles besser und deshalb ganz sicher auch das

0
22
@Agronom

der Bio-Bauer bei mir in der Nähe, bei dem ich mal gejobbt habe, düngt NUR MIT MIST. Gülle wird in Bio-Kreisen wohl gerne an Bio-Gas-Anlagen abgegeben, jedenfalls von den ÜBERZEUGTEN Bio-Bauern - sicherlich mag es auch andere geben (nämlich die so denken wie du...). Gib doch mal den Gehalt von Ammonium in Mist an, würde mich echt mehr interessieren!!

0
35
@gruenefeder

In Festmist liegen die Gehalte deutlich niedriger mit knapp unter 10 % des Gesamt-N. Was genau der einzelne Landwirt düngt ist halt auch eine Frage der Verfügbarkeit und möglichen anderen Nutzungen wie eben z.B. Biogas, aber auch bei Biogas bleibt am Ende wieder der Gärrest, der ähnliche Ammoniumgehalte aufweist, wie Gülle.

www.lksh.de/fileadmin/dokumente/Landwirtschaft/Pflanze/Teaser/Duengung/Naehrstoffgehalte_organischer_Duenger.pdf

Festmist ist daher auch von der Pflicht zur Einarbeitung inerhalb von 4 Stunden nach Ausbringen ausgenommen.

www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/duengung/duengeverordnung/duev-kompakt.htm

2
22
@Agronom

...das kommt doch wohl darauf an, WELCHE Bakterien da die Vergärung bewerkstelligen! Wenn da viele dabei sind, die Ammoniak und/oder Nitrat zu Luftstickstoff = N2 umwandeln (und wenn man wollte, könnte man ja dafür sorgen, dass viele solche Bakterien im Faulturm sind), dann hat man EBEN NICHT Ammonium im Gärrest

0
35
@gruenefeder

Reden wir nun vom ist-Zustand oder davon, wie es sein könnte? Ja es gibt z.B. Aufbereitungsverfahren für Gärreste um die Nährstofffrachten zu reduzieren, aber die sind eher (verfahrens)technischer Natur, um die einzelnen Nöhrstoffe wie N und P noch gesondert nutzbar zu machen.

Wie an der verlinkten Tabelle zu sehen, sind aber die N-Werte aktuell im Durchschnitt etwa vergleichbar mit dem von Gülle.

2
22
@Agronom

was mir gerade erst auffiel, dass die Tabelle nur Ammonium und nicht Nitrat betrachtet. Dabei ist Nitrat VIEL problematischer als Ammonium, da es über den Nitrit/Nitrosamin-Weg hochgradig Krebs-erregend ist!!

So gesehen taugt die Tabelle eigentlich nicht viel?!

1
35
@gruenefeder

Der Rest an N ist zum größten Teil organisch gebunden und daher nicht näher ausgeführt (das sind z.B. Zellwandproteine und Bakterienproteine), freies Nitrat kommt nicht in relevanten Mengen vor. Ammonium ist direkt verfügbar sowohl für die Pflanzen, also auch für die Nitrfikanten im Boden, kann also auch direkt zu Nitrat oxidiert werden.

Der organsich gebunden N wird dann auch über die Zeit zu Ammonium und schließlich Nitrat umgesetzt.

1
22
@Agronom

entscheidend ist doch, wieviel Nitrat bei welcher Düngung ins Grundwasser gerät - da hast du wohl keine Tabelle dazu?

0
35
@gruenefeder

Da gibt es zu viele Einflussfaktoren für allgemeingültige Aussagen. Da wirken Bodenart, Niederschalg, Temperatur, Aktivität der Mikroorganismen, Menge der zugeführten Nährstoffe, Bodenbearbeitung uvm. alle zusammen. Dabei muss man auch bei Sickerwasseruntersuchungen immer zwischen Nitratkonzentration und Nitratfracht unterscheiden.

2
35
@gruenefeder

Die höchsten Nitratwerte im Grundwasser kommen recht genau mit den Regionen mit höchstem Viehbesatz und BGA-dichte zusammen, also dort, wo viele Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Das wird aber sehr wahrscheinlich mit der Menge und nicht der Art der Düngung zusammenhängen.

2
22
@Agronom

das kommt mir jetzt so vor, wie jemand, der die Schädlichkeit der Klimaerwärmung mit dem Argument verneint, "in manchen Regionen wird das Klima dann auch kälter sein oder gleich bleiben"

0
35
@gruenefeder

Entweder bin ich zu Müde um da einen Zusammenhang zu sehen, oder das ist einfach ein sehr schlechter Vergleich. Auf welche meiner Aussagen soll sich das nun genau beziehen?

2
29
@Agronom

Mein Rat: Diskutiere nie mit Idiot.n. Erst ziehen sie Dich auf ihr Niveau herunter. Und dann schlagen sie Dich mit ihrer Erfahrung.

1
35
@Henryettex

Stimmt schon, nur geht es mir dabei auch hauptsächlich um interessierte "Mitleser", da möchte ich möglichst wenig Unsinn und Halbwissen unkommentiert stehen lassen.

1

Willst Du nun wissen, ob "biologische" Lebensmittel besser SIND, oder ob wir sie besser FINDEN? Es geht ja nicht um ein subjektives Empfinden (wobei politische Entscheidungen sich heute leider zu oft eher an diesem subjektiven Empfinden orientieren als an Fakten, aber das nur nebenbei...).

Die von Dir so bezeichneten "biologischen" Lebensmittel (sind die anderen chemisch oder synthetisch?) sind natürlich nicht "besser" oder gesünder als die anderen, zumindest dann nicht, wenn wir von konventionell erzeugten Lebensmittel aus Mitteleuropa sprechen. Die hiesigen Auflagen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind weltweit ohne Beispiel. Von konventioneller Nahrung ist wohl noch niemand erkrankt. Andererseits gibt es noch heute Fälle von Mutterkornvergiftung, einem Pilz also, der im Biolandbau häufig auftritt, da er hier nicht bekämpft werden kann. Man muß also abwägen.

Biolandwirtschaft ist dort, wo sie betrieben wird, also auf lokaler Ebene, sicherlich nicht schlechter für die Natur als konventionelle Landwirtschaft. Man darf allerdings nicht vergessen, daß auch wir Biobauern keine Unkräuter haben wollen, denn sie sind Nährstoffkonkurrenten für die Hauptkultur. Wir bekämpfen Unkraut mechanisch, mit sehr breiten Striegeln, denen natürlich viele Junghasen oder Feldlerchengelege zum Opfer fallen. Oder mit Feuer, also Abflämmen, wobei dann wieder viel Gas verbraucht wird. Viele Menschen denken, auf "Biofeldern" wächst lustig jedes Unkraut. Das ist natürlich Blödsinn. Den Bienen ist es übrigens herzlich egal, ob wir die Unkräuter mit Herbiziden bekämpfen oder mit Striegel bzw. Feuer. Weg ist weg.

Global gesehen ist Biolandwirtschaft alles andere als nachhaltig. Das ist ja auch klar, denn die Erträge sind sehr viel geringer als in der konventionellen Landwirtschaft, sodaß weitaus mehr Flächen ackerbaulich genutzt (=der Natur entzogen) werden müssen. Darüber muß man sich eben auch im Klaren sein, wenn man Begriffe wie "Nachhaltigkeit" in den Raum wirft.

Der interessierte Laie sieht leider immer nur das, was vor seiner Haustür passiert. Alles andere wird ausgeblendet. Während man sich hierzulande Gedanken um das Tierwohl macht und die Käfighaltung von Hühnern (zu Recht übrigens) reguliert, müssen viele Eiererzeuger aufgeben, weil die Produktionskosten dadurch einfach zu hoch werden. Nur wenige Verbraucher aber honorieren die höheren Produktionskosten der Erzeuger durch die Bereitschaft, für Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Am Ende kommen dann die Eier aus Polen oder der Tschechei, wo man so produziert, wie es hier längst verboten ist. Billiger also und ohne einen Gedanken an das Tierwohl zu verschwenden. Diese Eier werden dann auch hier gekauft. Und der naive Gutmensch ist zufrieden, weil er nur sieht, daß es den Hühner vor seiner Haustür (so es noch welche gibt) gut geht. Was interessiert ihn, wie die Eier im Ausland erzeugt werden? Er sieht das ja nicht.

Das ist im übrigen derselbe Mechanismus, der zum Atomausstieg geführt hat: WIR sind die guten weil wir keinen Atomstrom mehr produzieren. Aber dafür kaufen wir den Atomstrom aus Belgiern oder Slowenien ein, denn niemand hat sich vorher Gedanken gemacht, wodurch Atomstrom ersetzt werden soll. Kohle will man nun auch nicht mehr. Windenergie ebenfalls nicht, zumindest nicht vor der eigenen Haustür, da die Rotoren laut und lästig sind. Im Wattenmeer stehen sie auch nicht gut, denn der dort erzeugte Strom muß ja dorthin geleitet werden, wo man ihn benötigt. Die Hochspannungstrassen will natürlich auch niemand vor der Hasutür haben. Photovoltaik ist okay, aber bitte nicht beim Nachbarn, da die Module blenden könnten. Ja, wasch mich, aber mach mich nicht naß. So ist die Denke heute. Eine Nation verblödet. Aber das nur nebenbei...

Iß also meinetwegen "biologische" Lebensmittel wenn Du die "besser findest". Aber vergiß dabei nie, wieviel Regenwald irgendwo auf der Welt gerodet, wieviel Steppe umgebrochen werden muß, damit wir übersättigten, weltfremden, nicht über den Tellerand blickenden Mitteleuropäer uns ein gutes Gewissen erkaufen können.

Ich bin übrigens selbst Biobauer. Aber kein Ideologe, sondern noch des selbständigen Denkens mächtig.

3

Keine sorge ich wollte nur schauen wie die Leute auf diese Frage reagieren. Tut mir leid wenn du jetzt so viel zeit gebraucht hast die Antwort zu schreiben. Mein Vater ist selbst konventioneller Landwirt und ich finde Bio ist nicht die Lösung, ich frage mich nur ob ich in Zukunft nicht doch Biobauer werden muss weil die Subventionen umgekrempelt werden. Eine Frage hab ich, warum bist du dann Biobauer wenn du so negativ darüber redest ? Soweit ich weiß ist Bio nicht so viel mehr lukrativer.

0

Bio bedeutet zunächst nur, dass das Nahrungsmittel nach dem Mindeststandards der EU Bioverordnung produziert wurde. Deshalb ist es aber noch nicht automatisch gesünder oder ökologisch nachhaltiger. Der wesentliche Unterschied ist, dass im Bio-Landbau künstliche Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger und Gentechnik nicht zugelassen sind. Dies ist aber pauschal und undifferenziert. Natürlich gibt es künstliche Spritzmittel und Pestizide, die problematisch sind. Es gibt aber auch im Ökolandbau zugelassene Spritzmittel die problematisch sind, sogar problematischer als manche Synthetische. Man kann im Supermarkt nie wissen, ob die dreimal so teure Biopaprika tatsächlich weniger Schadstoffe enthält, oder nachhaltiger produziet wurde.

Bei Tierprodukten spilen auch Futter und Haltungsbedingungen eine Rolle. Wenn man sich aber mal ansieht, dass einem Schwein je nach Gewicht 1,3 m² Lebensraum zugetanden werden müssen, ist das doch ziemliche Augenwischerei.

Was mich an Bio am meisten stört ist, dass es keine Lösung für eine gesunde, nachhaltige und erschwingliche Lebensmittelproduktion für die breite Bevölkerung bietet, es aber oft so dargestellt wird. Im Prinzip ist die nostalgische, und auch etwas esoterische Hinwendung zur "Natürlichkeit", so wie "es früher einmal war". Das ist weder sachlich noch fortschrittsfördern, und löst vor allem die Probleme in der Landwirtschaft auf breiter Basis nicht.

22

welche Schadstoffe soll denn die Bio-Paprika enthalten?? Dieses Argument ist doch SEHR merkwürdig!

0
45
@gruenefeder

Biopaprika war ein willkürliches Beispiel. Auch Bio-Ackerflächen liegen neben Autobahnen oder Industriegebieten oder auf alten Weltkriegsschlachtfeldern. Der einzige Unterschied sind die zugelassenen Spritzmittel. Aber auch Bio-Produkte können höhere Spritzmittelrückstände enthalten als konventionell angebaute Lebensmittel.

0
29
@gruenefeder

Biogemüse wird, das ist Dir sicherlich bekannt, mit Kupfer behandelt. Kupfer ist, auch das wirst Du wissen, ein hochgiftiges Schwermetall. Dennoch dürfen wir es anwenden. Es gibt sicherlich einige Argumente für Biolandbau, aber daß die Produkte gesünder sind als (in Mitteleuropa erzeugte) konventionelle Produkte ist ein Märchen und die reine Leuteverarsche.

1
45
@Henryettex

Grundsätzlich hast du recht, wobei Kupfer zunächst nicht giftig sondern ein lebenswichtiger Mineralstoff ist. Das Problem sind die hohen Mengen. Vor allem bekommt man das Kupfer, das jetzt überall auf Bio-Feldern gespritzt wird, nie wieder aus dem Boden raus, während synthetische Spritzmittel meist irgendwann chemisch zerfallen.

1
29
@BerwinEnzemann

Das stimmt leider. Kupfer reichert sich im Boden an. Auch ist Kupfer, wie Du anmerkst, ein lebenswichtiger Stoff, aber, wie es mit allem ist: die Menge macht das Gift. Synthetische Pflanzenschutzmittel werden tatsächlich sämtlich abgebaut, anderenfalls sie ja niemals eine Zulassung bekommen hätten.

1

Warum keimen Bio-Kartoffeln manchmal garnicht im ganzen Netz?

Hallo!

Charakteristika von "Bio"sind doch eigentlich:

  1. Fruchtbar über viele Generationen
  2. Keimfähig Keimauswüchse bildend
  3. nicht bestrahlt
  4. zumeist nicht bepudert gegen Keimung...

Manchmal keimen die nicht-Bio-Kartoffeln, für andere eingekauft und gelagert, welche aus "normaler" Landwirtschaft stammen. Sie haben aber eher das Risiko, bestrahlt oder bepudert zu werden, um dei Auskeimung zu verhindern.

Bio-Kartoffeln haben andere Kriterien, die dem Bio-Bauern auch Verluste bedeuten können, indem nämlich Kunden ein Mal bei ihm kaufen und fortan für mehrere Jahre Saat-Kartoffeln aus seinen Speise-Kartoffeln ziehen könnten.

Welche legalen Möglichkeiten (außer kochen, aber das sieht und fühltman ja) hat der Bio-Bauer, die Keimung seiner Speise-Kartoffeln zu verhindern? LG!

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?