Ist Autismus wirklich "schlimmer" als eine Lernbehinderung oder ADHS?

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10 Antworten

so ganz langsam drängt sich mir der Verdacht auf, dass du nicht ganz echt bist, liebe Kitty. 

Ich persönlich hätte die Einschätzung: Lernbehinderung > Autismus > AD(H)S!

Nein das ist natürlich totaler Blödsinn. Ich glaube es steht keinem Menschen zu zu urteilen, was für eine Erkrankung schlimmer ist. 

Mensch A hat Autismus lebt aber in einer super offenen Familie, bekommt viel Liebe und Unterstützung genau da, wo er sie braucht.

Mensch A1 hat auch Autismus, aber seine Eltern stehen hinter ihm, aber der Rest der Familie wendet sich ab, es gibt viel Streit zwischen den Eltern und der Oma und dem Opa, was dazu führt, dass seine Eltern ziemlich gestresst sind und sich nicht auf jeden Kampf einlassen können.

Person A1 hätte es in meinen Augen trotz gleicher Krankheit schwerer, als Person A.

Mesch B hat AD(H)S und hat Eltern, die alles für ihren Sohn tun. Sie behandeln ihn mit Medikamenten, fahren ihn zu Therapien, arbeiten mit Verstärkerplänen etc. pp. 

Mensch B! hat ebenfalls AD(H)S er eckt in der Schule nur an und hat ständig Streit, hat keine Freunde und auch zu Hause "brennt die Hütte".Die Eltern glauben aber nicht daran, dass es AD(H)S gibt und versuchen es mit Strenge und Bestrafungen, was den Menschen B1 nur noch mehr zerstört ( er entwickelt zum Beispiel Depressionen)

Mensch C hat eine Lernbehinderung. Die Eltern haben das schon sehr früh erkannt und haben mi Frühförderung begonnen. Sie haben sich viel informiert und haben sich entschlossen ihr Kind auf eine Schule mit Förderschwerpunkt zu geben, weil die Inklusion einfach noch nicht gut läuft. Mensch B ist auf seiner Schule super glücklich. Er ist unter Menschen, die ähnlich ticken und er hat eine Menge Freunde. Das Lernen macht ihm richtig viel Spaß.

Mensch C1 ist auch lernbehindert. Seine Eltern erfahren das erst, als er schon in der Schule ist. Die haben das Gefühl schnell handeln zu müssen, um ihrem Kind schnellst möglichst helfen zu können. Sie entschließen sich kurzfristig dafür ihr Kind nach Förderlehrplan auf der Grundschule inklusiv zu beschulen. Das Konzept der Inklusion ist nur leider noch nicht ausgereift und so ist Mensch C1 dauerhaft überfordert, es geht ungerne in die Schule. Unter anderem auch, weil die anderen Kinder gemerkt haben, dass es nicht so schnell lernen kann. Sie mobben Kind C1.

Wer wärst du jetzt lieber?

Das war auch nur ein ziemlich einfaches Beispiel, weil ich jeweils einen Punkt rausgesucht habe.

Aber um ein glückliches Leben führen zu können kommen noch viel viel mehr Faktoren, als nur eine Diagnose zusammen.

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Kommentar von Cleverfox
21.10.2016, 14:25

Man muss sich für jedes Kind mit jeweils einer der Störungen, die selben Umstände denken.
Erst dann kann man über darüber diskutieren, ob etwas schlimmer ist.

"Stimmt das oder kann es bei jedem Menschen ganz unterschiedlich sein?"

Ja, die Ausprägung kann bei Kindern mit der selben Störung in ihrer Intensität variieren.

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Eine Diagnose macht gar nichts schlimm. Ob etwas okay, schlecht oder sogar gut ist, kommt ganz darauf an, wie das Umfeld reagiert und wie man gefördert/gemobbt wird.

Anders gesagt, eine Diagnose bestätigt nur eine Eigenart. Wie Familie, Freunde und Gesellschaft dich dafür fertigmachen, ist bei jedem unterschiedlich.

Drei ausgewählte Extreme:

Eine Lernbehinderung kann dazu führen, dass du nur nur einen miesen Hauptschulabschluss schaffst, keine Ausbildung bekommst, für immer arbeitslos bleibst und chronisch depressiv wirst.

ADHS kann dazu führen, dass du von deinen Lehrern als "der Zappelphilip" benachteiligt wirst, trotz hoher Begabung dein Studium verpeilst, den Arbeitsalltag nur mit Drogen überstehst und davon später schwer krank wirst.

Autismus kann dazu führen, dass du Spezialist auf einem seltenen Gebiet wirst, die Leute deshalb dein Macken akzeptieren und du ein einsames, aber erfolgreiches und zufriedenes Leben führst.

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Ich bin selber autistisch und habe auch Freunde mit ADHS oder Lernbehinderung und es gibt schon Dinge für mich als Autist, die da schwerer sind.

 Zum einen die Geräuschempfindlichkeit, die sehr belastend ist, so dass ich an vielen Veranstaltungen nicht teilnehmen kann. Oder auch die ständigen Missverständnisse, da ich Mimik, Gestik nicht verstehe. Dazu sehe ich auch noch völlig normal aus, und werde oft abgelehnt weil mir Autismus nicht geglaubt wird. Dazu kommt Zwanghaftigkeit - ich muss immer gewisse Bewegungen und Rituale ausführen, was viel Zeit benötigt, die mit anderen Dingen schöner gestaltet wäre. 

Ich lebe in einem Betreuten Wohnen für Autisten wo wir ca. 36 Leute sind die Betreut werden. Die meisten leben allein ohne viele Kontakte zu Nicht-Autisten  und arbeiten in den Behindertenwerkstätten - man kann Autisten weniger leicht in einer Arbeit integrieren als mit ADHS oder Lernbehinderung. Es sei denn man gehört zum dem kleinen Prozentsatz der Autisten, die zu den Spezialisten gehören. 

Es ist leider ein typisches Klischee das alle Autisten in einem Gebiet Experten sind, das ist aber nur eine Minderheit - die sogenannten Savants. Die meisten sind allerdings normal intelligent - nicht jeder studiert oder ist ein Genie. In dem Fall das doch kann man die anderen Probleme vielleicht kompensieren. Ich allerdings bin berentet, weil ich wegen Geräuschen sonst Zusammenbrüche kriege, und das geht vielen anderen auch so bzw. man bleibt in den Werkstätten weit hinter den eigenen Fähigkeiten zurück.

Die Welt ist zu laut und zu schnell, wenn man keinen Filter hat der Reize sortiert. Gewissermassen betrifft das Menschen mit ADHS auch, nur kommt bei Autismus gleichzeitig ein starkes Rückzugsbedürfnis und Probleme mit ständigen Veränderungen dazu. Ein Problem das Menschen mit ADHS seltener haben dürften da sie gleichzeitig oft sehr kommunikativ und kreativ sein können. Auch sich auf Liebesbeziehungen, Familiengründung einzulassen dürfte bei ADHS und Lernbehinderung sehr viel einfacher sein, da Signale beim Flirten z.B. besser verstanden werden als wenn man autistisch ist.

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Kommentar von deephelp
20.05.2017, 22:41

Ich war einmal mit einem Autisten befreundet und finde die Antwort bringt es genau auf den Punkt :)

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Der Mensch mit Autismus wird wohl daran leiden, dass er nicht versteht, warum er nicht akzeptiert wird.

Der Mensch mit AD(H)S wird daran leiden, dass er versteht, warum er nicht akzeptiert wird, er kann aber nichts daran ändern.

Der Mensch mit Lernbehinderung (welche überhaupt?) wird von seinen Mitmenschen fern von Bildungsangelegenheiten, wohl am ehesten verstanden werden, da so ziemlich jeder bezüglich seiner Intelligenz irgendwo Schwächen aufweist.

Man merkt, dass bei den ersten beiden das Problem im Verhalten liegt und bei Letzterem das Problem in den Fähigkeiten liegt.
Wenn man die Entwicklung der Gesellschaft berücksichtigt, wird zunehmend abnormes Verhalten sanktioniert, während Defizite in den Fähigkeiten beinahe honoriert werden. Z.B. durch Förderunterricht, Nachteilsausgleich etc.

Ich persönlich finde, dass der AD(H)S-Typus am meisten leidet.
Er weiß, dass er selbst Schuld ist, während der Autist die Schuld immer den Anderen zuschieben kann.

Dies bezog sich alles haptschlich auf den Teilaspekt des menschlichen Zusammenlebens.

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Was heißt denn schlimm für dich?

Du klingst gerade so, als wären Menschen mit Behinderung von Natur aus dazu verdammt unglücklich zu sein.

Nach jahrelanger, fast jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit im Bereich der Inklusion und Integration kann ich dir sagen, dass dem nicht so ist.

Der wesentlichste negative Einfluss, die diese Behinderungen mit sich bringen, ist die Ablehnung durch die Gesellschaft.

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Es gibt verschiedene Arten von Autismus. Ich habe einen Mitschüler in der Klasse der Automuseum (Asperger) hat und eigentlich ganz normal ist. Er hat eine "Betreuerin" an seiner Seite während der Schulzeit aber er ist eigentlich ansonsten wie alle anderen. Wenn ich es nicht wüsste, dass er Autismus hat würde es mir auch nicht auffallen.

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Ich denke das kommt immer ganz auf die Person drauf anund auf die Umstände, aber ADHS und eine Lernbehinderung sind therapierbar, bei Authismus bin ich mir da nicht so sicher. Ich kenne sowohl ADHS-Betroffene als auch Authisten und ich muss sagen, dass ich die Authisten doch etwas schwieriger finde, um ehrlich zu sein ;) Aber ich verstehe nicht ganz warum du sowas fragst, denn ob eine Krankheit schlimm ist oder nicht kommt immer auf die sichtweise drauf an und diese menschen sind ja nicht "schlimmer" als andere

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Was heißt hier schlimmer, kommt immer darauf an, was die Gesellschaft von den Betroffenen erwartet und wie sie auf diese Menschen eingeht.

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Gegen Autismus gibt es keine Medikamente. Gegen ADHS gibt es welche und auch eine Verhaltenstherapie kann besser wirken.

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Kommentar von Cleverfox
21.10.2016, 14:06

Die ach so tollen Medikamente wirken aber 
(1) nicht bei jedem
(2) nur vorübergehend
(3) durch starke Nebenwirkungen

Verhaltenstherapie hilft auch nicht unbedingt bei den richtigen Fällen.

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... und jetzt stell dir mal vor, da ist ein Autist mit ADHS, was passiert dann? - Das Ende ist NAH! OMG OMG OMG. (<<- sarkasmus)

Die Antwort von 'einfachichsein' ist super. Jeder ist unterschiedlich und es kommt IMMER auf die einzelne Person an (drauf an was und wieviel Unterstuetzung jemand bekommt. Das bezieht sich nicht nur auf Leute mit Behinderung auch auf "normalos".

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