Ist auch der Geist (Verstand) eines Menschen vom Karma betroffen?

9 Antworten

Geist, Verstand, Gehirn, Gedanke, Denken - diese Begriffe werden vielfach vermischt, verwechselt und zum Teil auch mißverstanden.

Wenn für die Beantwortung der Frage dann auch noch ausschließlich die aristotelische Logik herangezogen wird, kann es leicht zu Problemen kommen.

Was dir in irgend einem neutralen Moment als Gedanke in den Sinn kommt, unterliegt nicht deinem Willen (s. a. die Libet-Experimente). Etwas freier bist du aber danach, d. h. bei der Entscheidung, ob du diese weiter verfolgen willst oder nicht.

Was man landläufig unter "freiem Willen" versteht, unterliegt in der Realität vielfachen inneren und äußeren Einflüssen, d. h. so man will könnte man sagen, daß die "Freiheit" einem Minimum entgegengeht, aber keineswegs gänzlich verschwindet. Man kann diese "Einflüsse" durchaus auch "Karma" nennen.

Noch'n paar Zitate dazu:

  • Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten (Lessing)
  • Vom Denken gehen die Dinge aus (Buddha)

Sehr tiefgründige Frage, die man gar nicht so leicht beantwortet kann, aber ich versuchs trotzdem mal.

Also, ich bin kein Spezialist bei dem Thema, interessiere mich dennoch für sowas sehr stark, aber zum Thema zurück es gibt doch diesen Satz „jede Aktion hat seine Reaktion“.
Damit will ich sagen, dass wenn man an etwas bestimmtes denkt, dann kann es deine Handlung deutlich beeinflussen, aber ob das Karma auch das Denken bestraft oder was auch immer, dass bezweifele ich.

Betroffen nicht. Der Geist, der Gedanke ist die Quelle aller Schöpfungen, nicht das Endprodukt. Logisch, wenn dir was auf den Fuss fällt und du denkst - Aua! - ist es das Endprodukt deiner Schusseligkeit. Aber das meine ich nicht.

Der Geist ist frei - das beudeutet auch, dass er unbeeinflusst ist. Er ist aber die Schöpferquelle von allem, was es gibt. Wenn du eine Schlechte Prüfung schreibst, ist sie die Quelle der Benotung. Wenn jemand eine Waffe baut, ist sie die Quelle des Todes in deren Einsatz. Wenn man ein Blumengesteck zusammenstellt, sind die Gedanken die Quelle der Freude.

Mit den Gedanken kann man aber auch viel mehr erschaffen, denn sie sind in der Lage, immaterielle Dinge zu eschaffen. Mit einem motivierten Bewerbungsgespräch eschafft man sich seine nähere oder auch fernere Zukunft.

Mit Gedanken, mit seinem Geist besitzt der Mensch göttliche Schöpferkraft.

Woher ich das weiß:Hobby – betreibe seit bald 30 Jahren Aikido; 4. Dan-Grad

Mit Gedanken, mit seinem Geist besitzt der Mensch göttliche Schöpferkraft.

Haargenau. Dankeschön.

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Gedanken sind so ziemlich das Erste, was von "Karma" ( Kausalität ) beeinflusst ist !

Nur zu glauben, dass es anders ist ( "Gedanken sind frei" ) ist wirklich albern. Woher stammen denn deine Gedanken jeden Tag, jeden Moment ? Aus einem "neutralen Irgendwas", aus einem "Pool, neutraler Überlegungen" ?

Du schaffst dir deine Gedanken ( wenn du klein und jünger bist, werden sie dir zum großen Teil vorgegeben ) durch all das, was jeden Tag tust = dir an-siehst/hörst, was zu deinen ( bereits bestehenden ) Glaubens-Sätzen passt....

Woher soll denn ein ( angeblich ) unabhängiger ( nicht von Ursache betroffener ) Gedanke stammen ? Wie soll er überhaupt entstehen ?

Auf welche Gedanken kannst du denn "einfach Lust drauf haben" ? OHNE irgend einen Hintergrund, der diese Gedanken "färbt" ( durch deine eigene "Brille" sieht ) und so verzerrt ??

Mit Karma hat das noch nicht viel zu tun - zumindest nicht "rückwirkend" ( ob der Gedanke bereits Karma ist ). DAS auseinander zu puseln schafft nur ein Buddha.

Deine Gedanken aber sind Teil deines "Karmas, das du schaffst". Und, DAS hast du als "Nicht-Buddha" selbst jederzeit unter Kontrolle ( wenn du das willst und dich bemühst ).

Vielleicht nützen dir ja die beiden ( zusammengehörenden ) Vorträge von Alfred weil etwas (?):

"Ist der Wille frei ? Zum Glück nicht ! ":

https://www.youtube.com/watch?v=r8z_I9syfwA

https://www.youtube.com/watch?v=F7FDWE3o3tM

Liebe Grüße: Manu

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit gut 40 Jahren praktizierender Buddhist ( Theravada )...

Vielen Dank, ich sehe es genau so allerdings ergibt sich mir eine Frage.

du schreibst:

Deine Gedanken aber sind Teil deines "Karmas, das du  schaffst". Und, DAS hast du als "Nicht-Buddha" selbst jederzeit unter Kontrolle ( wenn du das willst und dich bemühst ).

Wie habe ich denn irgendetwas unter Kontrolle, wenn alles nur Resultat des Karmas ist. Es gibt ja eben keinen freien Willen und daher auch keine Kontrolle. Wie habe ich mein eigenes Karma denn unter Kontrolle wenn alles was ich tue und alles was ich denke auch nur durch mein Karma so ist wie es ist. Es gibt ja eben nicht diesen Pool neutraler Überlegungen, sondern alles was ich denke hat immer eine Ursache und diese Ursache wiederum auch eine Ursache, diese Kausalität ergibt ja das Karma. Aber ich selbst habe nirgendwo Kontrolle bzw die Möglichkeit frei Entscheidungen zu treffen, sondern die Dinge passieren nun mal wie sie passieren mussten oder nicht?

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@psychonautik

Nun, auch dein Körper ( oder, teilweise auch deine Gesundheit ) ist "nicht frei", also "karmisch bedingt".

Was tust du als, wenn z.B. dein Körper "zu dick" ist ( bedingt durch zu viel oder falsche Nahrung, oder zu wenig Bewegung ) ? = Du kannst dich gesünder ernähren, Sport treiben, abnehmen.

Oder, wenn er zu dünn, zu schwach ist ? Dann kannst du mehr Eiweiß zu dir nehmen, deine Muskeln trainieren...

Dein Körper ist durch das vorherige Tun ( und Lassen ) so geworden = also bedingt und nicht "frei" ( in dem Sinne, dass man sich einfach "aussuchen" kann, wie er zu sein hat )...

Bedeutet das aber, dass du in Zukunft daran nichts ändern kannst ( andere Bedingungen schaffst, um andere Resultate zu erzeugen ) ?

Dass du "nirgendwo die Möglichkeit hast, Entscheidungen zu treffen", ist ein Irrtum. Ob deine Entscheidungen "frei" sind, hat damit nichts zu tun. Sie sind es insofern nicht, als das auch sie bedingt sind - z.B. durch meine Worte hier, oder andere Ursachen bedingt....

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@Buddhismus

ja eben. Dein letzten Sätze sind für mich besonders wichtig. Ich habe eben keine Kontrolle und treffe doch auch gar keine Entscheidung, sondern lese deine Antwort, mein Verstand prägt sich dies ein und ich handel ab sofort danach. Hatte aber keine Entscheidung oder ähnliches, alles war nur Karma. Klar änder ich meine Zukunft, sogar in jedem Moment. Allerdings nie so wie ich will, sondern nur so wie es mein Karma sozusagen schon vorherbestimmt. Es ist ja nur eine lange Kette von Ursachen und Wirkungen, nirgendwo eine freie Entscheidung

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@psychonautik

Du machst dich mit "Deutungen" und zwangsläufig vagen Formulierungen "verrückt".

Du kannst dich jetzt Jahrzehnte damit beschäftigen, was "Wille" ist, oder inwiefern wir überhaupt einen solchen besitzen, oder....

Natürlich hast du eine Kontrolle. Nicht unabhängig von den Vorbedingungen... Aber, innerhalb dieser Bedingungen - Da bist du bereits angelangt, sonst würdest du nicht fragen (!) ...

Du hast die Wahl ( in jeder kleinen oder großen Entscheidung, die du für dich triffst ) ... Du bist nicht "vorbestimmt" = nur beeinflusst durch das, was du gehört hast, vor allem aber durch das, was du selbst ( zuerst geglaubt ) getan hast !

Du hast dich dadurch für einen Weg entschieden, und andere Wege ausgeschlossen.

Ja, das ist "Karma". Aber, das ist das, was DU selbst ( jeden Moment ) gestaltetest. Wieso solltest DU selbst nicht "anders" handeln als sonst ? Und neue Entscheidungen treffen.... ?

Wer oder was hindert dich daran ?

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@Buddhismus

Naja, weil ich halt davon ausgehe dass ich von meiner Vergangenheit nicht nur beeinflusst sondern komplett bestimmt werde. Ich bin überzeugt davon dass alles was passiert gar nicht hätte anders passieren können und somit auch kein freier Wille existiert. Das stört mich nebenbei angemerkt aber auch kein bisschen und es ändert auch kaum etwas an meinem Leben. Ich gestalte mein Karma, ja, aber nicht so wie ich Lust und Laune habe, sondern so wie es mein Karma vorherbestimmt. Ich denke dass ich dir grade nicht antworte weil ich mich frei dazu entschieden habe, sondern weil mein Karma es so vorherbestimmt hat. Ist aber auch alles eh nur Theorie und kaum relevant.

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@psychonautik
  • Ich gestalte mein Karma, ja, aber nicht so wie ich Lust und Laune habe, sondern so wie es mein Karma vorherbestimmt.

Natürlich wirken die vergangenen Taten mit, aber das Karma ist kein externer Mechanismus. Als erstem Impuls werden deine Taten durch dein Gefühl bestimmt, danach erst kommt das bewertende Denken, das dazu führen kann, daß die zuerst in den Sinn gekommene Reaktion anders ausfällt. Über diese Methode, tiefer über etwas nachzudenken, kannst du dann deine Reaktionen (und damit sozusagen dein Karma) lenken.

  • Ist aber auch alles eh nur Theorie und kaum relevant.

Nur Theorie würde ich jetzt nicht gerade sagen, aber du hast Recht damit, dich an diesem Thema nicht "aufzuhängen". Denk' daran, was Buddha darüber gesagt hat:

Vier unerfaßbare Dinge gibt es, ihr Mönche, über die man nicht nachdenken sollte, über welche nachdenkend man dem Wahnsinn oder der Verstörung anheimfallen möchte. Welches sind diese vier Dinge?

  • Der Machtbereich der Buddhas

  • Der Machtbereich der Vertiefungen

  • die Wirkung der Taten (kamma-vipāka)

  • das Grübeln über die Welt

(Anguttara Nikaya IV, 77)

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Karma? Was hat das damit zu tun? Gedanken sind elektrochemische Vorgänge im Gehirn. Sie sind zum einen genetisch bedingt (Hardware) und zum anderen durch die Erfahrungen und Prägungen, die man im Laufe des Lebens erfahren hat (Software). Neuere Hirnforschungen haben gezeigt, dass Entscheidungen, von denen wir überzeugt sind, sie selbst getroffen zu haben, schon im Gehirn manifestiert sind, bevor sie uns eigentlich bewusst geworden sind. Mit dem freien Willen ist es also garnicht so weit her, wie wir immer meinen. Unser Gehirn arbeitet viel mehr mit den Erfahrungen, die es schon gemacht hat und wir sind viel mehr von unserer Umwelt abhängig.

ja genau das nennt man Karma in spirituellen Lehren

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@psychonautik

Nein, nicht unbedingt. Karma ist ein spiritueller Begriff aus der indischen Religion und bedeutet viel mehr als das.

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@BadWolf27

Ja, Karma definiert zum einen das Phänomen das du in deiner Antwort thematisiert hast und darüber hinaus auch noch vieles anderes.

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