Ist ''anspruchsvolle'' Literatur gleich bessere Literatur?

9 Antworten

Anspruchsvolle Literatur muss natürlich besser sein. Das Gegenteil zu anspruchsvoll ist anspruchslos. Dass anspruchslose Literatur nicht besser sein kann als anspruchsvolle, ergibt sich einfach aus dem Wortsinn.

Offenbar unterscheiden sich jedoch unsere Ansichten, was anspruchsvolle Literatur überhaupt ausmacht. Als Merkmale nennst du Fachbegriffe, veraltete Sprache und erschwertes Lesen. Auf moderne, anspruchsvolle Romane, Gedichte, Theaterstücke, Essays usw. trifft das aber in der Regel nicht zu. Solche literarischen Werke enthalten Fachbegriffe allenfalls zur stilistischen Markierung. Wenn dort überhaupt veraltete Sprache vorkommt, dann nur als Parodie. Und schwer zu lesen sind viele moderne Werke auch nicht. Das widerspräche ihrem eigenen Anspruch.

Geschmackssache. Bei mir ist das so: Ich löse beim Lesen gerne Rätsel. Ganz egal, ob es dabei um das "Aufspüren" des Mörders in irgendeinem Krimi oder das entwirren komplexer Motivketten und Handlungsstrukturen bei Thomas Mann, Jorge Luis Borges etc. geht. Die Erzählungen und Romane letzterer sind mit Sicherheit anspruchsvoller als Mankel, Fitzek und Co, als besser würde ich sie dennoch nicht bezeichnen. Beide involvieren mich als Leser auf eine ganz bestimmte Weise und machen mir deshalb im selben Maße Freude. Und darum geht's doch. Ich plädiere stark für das literarische Abenteuer (öfter mal was neues versuchen und sich auch ruhig mal an schwerere Kost ranwagen), aber gut ist letztendlich, was dir Spaß macht. Egal ob Simon oder Samuel Beckett.

Da hast du als Alternativen allerdings nur "Hochliteratur" berücksichtigt ... ;-)

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@Thelema

Findest du? Grade Krimis sind für mich DAS Beispiel für "Trivialliteratur", wenn wir schon mit diesen Kategorien um uns werfen wollen ;)

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@Phita983

Ich meinte nur deinen letzten Satz. ;-)

Ich würde Krimis nicht generell als Trivialliteratur bezeichnen. Manchmal ist die Rahmenhandlung ja nur eine Folie, vor der ganz andere Dinge abgehandelt werden.

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@Thelema

Sozusagen in eine Krimihandllung verpackte Gesellschaftskritik? Interessant. Darunter würde dann wahrscheinlich sowas wie Walter Mosleys Easy-Rawlins-Reihe fallen, oder?

Und natürlich hast du Recht, das kann ich so nicht generalisieren. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Der Schritt von Trivialliteratur zu Hochliteratur verläuft dabei für mich aber eher über formale Kriterien als über inhaltliche. Kriminalliteratur, die reflektiert genug ist, die Konventionen des Genres zu unterlaufen, zum Beispiel. Ich denke da an sowas wie Paul Austers "New York Trilogie", vielleicht auch schon Pablo Tussets "Im Namen des Schweins". Auch Stephen Halls "Gedankenhaie" fällt für mich unter diese Kategorie. Und dann natürlich die Genrepioniere. Auguste Dupin, Sam Spade und Philip Marlowe sind nicht umsonst Kult und in meiner Welt duraus Figuren der "Hochliteratur".

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Nein, "besser" ist objektiv. Lieblingsbeispiel (trifft auf meinen Geschmack zu): "Buddenbrooks" von Thomas Mann hat nen Nobelpreis gewonnen, wird in der gymnasialen Oberstufe im Deutsch Leistungskurs behandelt, und wird seit vielen Jahren groß gefeiert. Ich persönlich finde das Buch grauenvoll und langweilig. Wohingegen: Harry Potter ist ein Kinderbuch, einfach geschrieben, ich finde es großartig, es ist mein Lieblingsbuch von allen, die ich je gelesen habe (und ich habe ne Menge gelesen). Die Reihe ist meiner Meinung nach ganz großartige Literatur.

Auf andere trifft das vielleicht auch zu, vielleicht auch nicht. und natürlich gibt es trilliarden weitere Beispiele. "Besser" ist immer objektiv :)

Das ist halt der große Konflikt bei mir. Ständig wollen Leute einem weismachen was besser und was schlechter ist. Ich bin dadurch in so vielen verschiedenen Bereichen schon verunsichert worden.

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