Ist Addplex so gut wie Olaplex?

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1 Antwort

Das eigentliche Wirkprinzip beruht darauf, dass jeweils ein Maleat mit einer reaktiven Schwefelgruppe reagiert (auch Thiolgruppe oder Sulfhydrylgruppe genannt) .

Greifen also zwei Maleate zwei gegenüberliegende Thiolgruppen an, stehen sich diese beiden Maleate gegenüber. Über den an ihnen ionisch gebundenen Spacer Bis-Aminopropyldiglycol entsteht eine neue Molekülbrücke (allerdings keine Disulfidbrücke).

Diese neue Molekülbrücke ist ionisch, da der Spacer Bis-Aminopropyldiglycol, der zwei Maleate verbindet, nur ionisch an den beiden Maleaten gebunden ist.

Bei Addplex ist Maleinsäure enthalten - das Maleat in Olaplex ist das entsprechende Salz der Maleinsäure. Es findet also die gleiche Reaktion zwischen einer Maleinsäure und einer Thiolgruppe statt.

Allerdings gibt es bei Addplex keinen bifunktionalen (spiegelbildlichen) Spacer wie Bis-Aminopropyldiglycol in Olaplex. Die Maleinsäure in Addplex würde also genauso reagieren, aber es fehlt hier ein entsprechender Spacer, der die beiden Maleinsäuren verbinden würde.

Ob Ethanolamin als bifunktionaler Spacer geeignet wäre, kann ich nicht sagen. Die Veresterung von Maleinsäure und Alkoholen erfordert meines Wissens Schwefelsäure als Katalysator.

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Allerdings weist das gesamte Crosslinker-Konzept (auch bei Olaplex) einige Schwächen auf.

Maleinsäure (Maleat) und Maleimide können nur mit reaktiven Thiolgruppen reagieren. Gesundes Haar weist eine bestimmte Menge von diesen Thiolgruppen auf; aber nicht sehr viele, da die meisten ja als Disulfidbrücken vorliegen.

Bei einer Blondierung, und anderen oxidativen Prozessen, werden sowohl die bereits vorhandenen, reaktiven Thiolgruppen zu Sulfonsäure (Cysteinsäure) rasch oxidiert. Auch die Disulfidbrücken werden dabei oxidiert, letztlich auch zu Oxidationsprodukten (wie bspw. Sulfonsäure). Allerdings treten hierbei keine reaktiven Thiolgruppen als Zwischenprodukte auf. Während und nach einer Blondierung sind daher noch weniger Thiolgruppen vorhanden.

Die Oxidationprodukte sind nicht reaktiv. Mit diesen können diese Crosslinker auch nicht reagieren.

Man müsste das Haar einem reduktiven Prozess unterziehen (bspw. der 1. Schritt einer Dauerwelle). Dabei bilden sich viele reaktive Thiolgruppen aus der Reduktion von Disulfidbrücken.

Zudem reagieren Maleinsäuren (Maleate) und Maleimide auch nur dann mit den Thiolgruppen, wenn der pH-Wert unter 8 liegt. Liegt er über 8 ist die Reaktion dieser Crosslinker mit Aminen bevorzugt. Die REaktion mit Thiolen wird unterdrückt.

Die eigentliche Wirkung dieser Haarreparatur-Kits würde sich, wenn man die erforderlichen Parameter der Reaktion denn beachten würde, hauptsächlich auf die Zug- und Dehnungseigenschaften des Haares auswirken, und eventuell auch auf die durch Schäden verursachte Hydrophilie des Haares.

Allerdings schützen diese Crosslinker nicht vor anderen oxidativen Schäden: oxidativer Abbau anderer Aminosäuren und der Lipide, Entfernung und Schädigung der hydrophoben Oberfläche des Haares, genannt F-Layer (18MEA).

Außerdem stellt sich mir die Frage, weshalb nicht Maleimide verwendet werden. Bei ihnen ist der Spacer fest gebunden, siehe hier: https://tools.thermofisher.com/content/sfs/manuals/MAN0011369_BM_PEG2_BM_PEG3_UG.pdf

Diese werden schon länger in der Proteinchemie (Bioconjugation and Crosslinking) verwendet. Das Crosslinker-Konzept ist schon seit Jahrzehnten bekannt.

Fazit: Olaplex dürfte als Sulfhydryl-Crosslinker besser funktionieren, da bei Addplex der bifunktionale Spacer zu fehlen scheint. Allerdings funktioniert die Crosslinker-Reaktion bei Olaplex auch nur unter bestimmten Voraussetzungen, die nur selten erfüllt werden. Zudem können nicht alle Schäden verhindert bzw maskiert werden.

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