Ist abstrakte Kunst ein Religions-Ersatz?

4 Antworten

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Auch Menschen mit einem festen Glauben können abstrakte Kunst schaffen. Vielleicht auch mit religiösem Thema. Ich verstehe nicht, wo du da Parallelen entdeckst.

Mir wäre es neu, dass viele in abstrakte Werke auf Zwang etwas reininterpretieren wollen. Interessierte Betrachter lassen die Bilder auf sich wirken und wenn sie sich von dem Bildern angesprochen fühlen, dann erkennen sie auch gewisse Inhalte darin. Da ist es auch egal, ob der Künstler das so beabsichtigt hat oder nicht, oft haben solche Bilder auch für jeden Betrachter eine individuelle Bedeutung. Wichtig ist also nicht, was tatsächlich auf den Bildern zu sehen ist, sondern was es im Betrachter auslöst.

Eine Gemeinsamkeit zwischen Kunstbetrachtung und Religion sehe ich in der > Kontemplation. - Dagegen steht die ungeduldige Oberflächlichkeit.

Ein Blick zurück: Als die Fotografie sich in der Mitte des 19. Jh. schnell entwickelte, sagte der damals etablierte und angesehene französische Maler Hippolyte Delaroche „La peinture est morte!“ (Die Malerei ist tot). Angesichts der aufkommenden Fotografie besannen sich die Maler mehr und mehr auf die bildnerischen Ausdrucksmittel - Farbe, Form, Komposition, Emotion, Vorstellungskraft -, die die bildende Kunst von der Fotografie unterschieden. Und Wassily Kandinsky, der als eigentlicher Begründer der gegenstandslosen Malerei gilt, sagte: „Ich habe erkannt, dass der Gegenstand in meinen Bildern stört.“ Grundlegend sind seine Schriften: „Über das Geistige in der Kunst“ und „Punkt und Linie zu Fläche“. Die Entwicklung der Abstraktion setzte sich bis zu Kasimir Malewitsch fort, der mit seinem „Schwarzen Quadrat“ die höchste Zuspitzung verwirklichte.

Der niedrige Ikonizitätsgrad (mangelnde Abbildhaftigkeit oder Wiedererkennbarkeit, Ungegenständlichkeit) wandelt Motive in interpretationsbedürftige Symbole um, also in Formen, die "für etwas stehen" sollen.

In neuerer Zeit wurde der Vorgang des Betrachtens als Kommunikationsvorgang angesehen (zur Vertiefung Abschnitt C in https://docplayer.org/21012815-Semiotik-zeichentheorie-lehre-der-zeichen.html). Es gibt allgemein anerkannte Symbole (wie: Kreis - für Vollkommenheit), aber letzten Endes hängt das Verständnis der gemeinten "verschlüsselten" Botschaft immer davon ab, ob Sender (Künstler) und Empfänger (Betrachter) "eine Sprache sprechen", ähnlich empfinden oder zu einer "Verschmelzung ihrer geistigen Horizonte" gelangen.

Dieses Verständnis, diese Horizontverschmelzung kann durch Informationen, Sensibilität und Wissen hergestellt werden. Und dabei wird deutlich, dass eine abstrakte Form oder ein Bild bei verschiedenen Künstlern oder in verschiedenen Epochen (Kunstgeschichte) jeweils etwas anderes be-deuten können.

Sorry.Klingt doch sehr esoterisch .

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Menschen, denen es peinlich ist, nichts in abstrakte Werke hineininterpretieren zu können, sind zumeist nicht freiwillig in solchen Ausstellungen, soviel mal dazu.

Grundsätzlich ist der Mensch darauf ausgelegt, zu interpretieren, Muster zu erkennen, "zwischen den Zeilen zu lesen". Das liegt daran, dass diese Verhaltensweisen notwendig sind, um in sozialen Situationen zurecht zu kommen. Es kommt schon mal vor, dass etwas "überinterpretiert" wird, das hat aber sehr wenig mit Religion zu tun

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