Ist absichtliches Verlieren die sicherste und bequemste Art zu gewinnen?

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14 Antworten

Hallo roma2701, absichtliches Verlieren ist für mich schwierig vorzustellen. Nur wortspielerisch ist das ein Gewinn, wenn man sich "absichtlich" dazu entscheidet zu verlieren.

Um etwas zu tun, musstest du die Absicht haben, es tun zu wollen, also dich dafür entscheiden.

D.h. ein "absichtliches" Verlieren ist definitiv ein Selbstbetrug, um in dem selbst gemachten Resignationsnest liegen zu bleiben.

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Etwas banales: du möchtest heute mit Zug nach Lüdenscheid fahren. Der Zug fährt ja nicht so oft hin, nur einmal am Tag.

  • Absichtlich verlieren heißt den Zug zu verpassen, indem man zu spät losgeht und im Schneckentempo hin läuft. Klingt dumm, man kann ja gleich zu hause bleiben, oder?

Bei Beispielen von YlangYlang:

  • du meldest dich zur Prüfung und gehst einfach nicht hin/bereitest dich gar nicht vor. Wozu also anmelden? Klingt auch nicht so schlau.

  • du hast eine 'Flamme' und benimmst dich wie ein Rüpel, immer wenn sie in deiner Nähe kommt, obwohl das (ich unterstelle es dir) gar nicht deine Art ist.

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In allen drei Fällen kann man daraus schließen, dass du durch die Vermeidung oder Abwehr gar nicht willst. Nicht nach Lüdenscheid, nicht die Prüfung und auch die Flamme nicht.

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Entweder ist es dir nicht wichtig genug oder es ist dir wichtig, du traust dich aber nicht etwas dafür zu tun, weil du dir den Erfolg gar nicht zutraust und behauptest aus Selbstschutz du wolltest ohnehin verlieren.

Und hier würde ich ansetzen: was willst du wirklich? Was ist dir wichtig, wertvoll und der Mühe Wert?

Findest du es nicht schlauer das zu erfahren und dich mit Dingen, die dich nicht interessieren, dir nicht wichtig genug sind, erst gar nicht abzugeben?

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Lohnt es sich nach Lüdenscheid zu fahren? Möchtest du das werden, wofür die Prüfung vorgesehen ist? Ist es die Flamme, die dein Herz will? Usw., usf.

Dazu musstest du etwas tiefer in dir schauen und Prioritäten im Wollen setzen.

Dinge, Menschen und Vorhaben, die einem wirklich wichtig sind, haben es "verdient" gewollt zu werden, erkämpft und mit Fleiß erarbeitet oder mit Herzesblut und Leidenschaft erobert zu werden.

Und dann musstest du genug Kraft, Wille und Mut haben, um es zu versuchen.

Wenn das der Knackpunkt ist, dann musstest du daran arbeiten. Dich stark machen um deine Vorhaben, Träume und Wünsche wahr werden zu lassen.

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Wenn man trotz Wollens, Kampf, Mut, Mühe usw. verliert, kann man sich dennoch auf die Schulter klopfen und zermartert sich nicht mit den Vorwürfen a lá Hätte ich bloß ...!.

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Also ist meine Antwort: NEIN! :-)

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Kommentar von roma2701
24.10.2010, 17:02

Danke für deine sehr hilfreiche Antwort. :-) Ich stimme dir zu, dass es sich dabei um Selbstbetrug handelt. Problematisch wird es nur, wenn das was man wirklich will, unerreichbar scheint oder ist und das selbstgemachte Resignationsnest so vertraut wurde, das man es auf den Versuch gar nicht mehr ankommen lässt.

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Du hast mir jedenfalls nicht nur einiges zum nachdenken gegeben, sondern auch Zuversicht, dass es sich lohnt auf Sieg zu spielen. ;-) Danke!

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Es gibt durchaus Fälle, wo sich vorsätzliches Scheitern lohnt. Zum einen, wenn man jemand anderen gewinnen lassen möchte, der das Gewinnen mehr braucht. Zum anderen, wenn man mit dem Scheitern wertvollere Erfahrungen machen kann als mit dem Erfolg. Denn oft sind die Erfahrungen aus schlimmen Situationen langfristig wertvoller als die "guten" Erfahrungen. Außerdem haben die Sieger auch nicht umbedingt das beste Leben, vom Sieger zum Versieger ist es nicht weit. Davor schützt das Scheitern auch.

Doch bei alledem sind es Fremdmaßstäbe von Erfolg/Scheitern, die man nicht anerkennen muss. Für Erfolg/Scheitern nach eigenen Maßstäben gilt das, was Aurata geantwortet hat.

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Kommentar von roma2701
09.09.2011, 11:10

Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier noch neue Antworten bekommen würde. Vielen Dank für deine interessanten Worte! :)

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"Freedom's just another word for nothing left to loose". Diese Textzeile aus "Bobby Mc Gee" von Janis Joplin fiel mir spontan dazu ein.

Aber, Du willst ja eigentlich gewinnen und wer wollte das nicht? Wirklich frei und damit völlig besitzlos will keiner sein, wenn er nicht gerade ein buddhistischer Mönch ist. Also, hört sich Dein Motto eher nach Selbstbetrug an. Ich frage mich, wie dieses "absichtliche Scheitern" aussehen soll. Bereitest Du Dich z. B. absichtlich nicht auf eine Prüfung vor, damit Du Dir hinterher sagen kannst, dass es eben daran gelegen hat (und nicht an Deinem IQ)? Oder blökst Du absichtlich Deine begehrte Flamme an um bei einer Abfuhr zu denken, dass Du eine Chance gehabt hättest, wenn Du nur nett gewesen wärst? Das sind Beispiele die häufig angewandt werden. Das es sich hierbei um Selbstbeschiss handelt ist wohl deutlich und damit hat man so kaum gewonnen, man hat das Problem nur verschoben.

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Ich würde das als Problem von Individuum und Gesellschaft/Gruppe sehen. Es kann sein, dass Du eine hervorragende wissenschaftliche Entdeckung gemacht hast, aber Du bist Deiner Zeit um einiges voraus. Achtest Du auf die gesellschaftliche Anerkennung gilst Du wahrscheinlich als gescheitert, Deine Zeitgenossen, die irgendeinen angepassten Quatsch treiben, sind die Kings. 200 Jahre später: Die Arbeit wird anerkannt, man redet von Dir, von Deinen "erfogreichen" Zeitgenossen keine Spur mehr. Das läßt sich in der Lebensgeschichte einiger sogenannter genialer Menschen finden. Die Zeit erträgt nur den an die Norm Angepassten als erfolgreich, der Prophet wird nach wie vor aus dem Land gejagt.z.B der Arzt Paracelsus, er starb arm und missverstanden auf der Treppe einer Kirche: Gescheitert, oder nur sich selbst treu geblieben?

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ich denke, ein Aspekt ist noch nicht aufgetaucht (oder ich habs überlesen):
Absichtliches Verlieren ist ein Affront gegenüber dem Mitspieler, es würdigt ihn herab. Zumindest, wenn er es spürt. Egal, warum man ihn nicht verlieren lassen will, das kann noch so gut gemeint sein, es würdigt ihn herab nach dem Motto:
Da schau her, Du bist im Vergleich zu mir so schlecht, dass ich dir ein Almosen zukommen lasse!

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Wer Erfahrung mit Roulette hat weiß, absichtliches Verlieren ist möglich und wesentlich leichter als absichtliches gewinnen. Nach meinen bescheidenen Mathematikkenntnissen sollte beides nahezu gleich schwer sein, da die Ausschüttungsquote nahezu 100% ist. Offensichtlich gibt es doch so etwas wie ein PSI-Phänomen. Wie heißt es so schön in einer alten Volksweisheit: Der Teufel scheibt immer auf den dicksten Haufen. Heißt Glück zieht Glück an, Unglück zieht Unglück an. Ist zwar wider alle zur Zeit bekannten Naturgesetze, stimmt aber trotzdem.

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Zu dieser Frage kann ich dir ein positives Beispiel aus der Deutschen Bundespolitik liefern. Gerhard Schröder unser ehemaliger Bundeskanzler, befand sich in der Mitte seiner zweiten Amtsperiode, als er die Mißtrauensfrage stellte und sich bewusst mit den Stimmen der Rot/Grünen Koalition abwählen ließ um den Weg für Neuwahlen freizumachen. Wenn du dich vielleicht erinnerst, gab es damals heftige Diskussionen ob so ein bewusst herbeigeführtes Scheitern eigentlich gesetzeskonform ist. Der Deutsche Bundestag konnte dies nicht verhindern. Schröder ließ sich abwählen um den Weg für Neuwahlen frei zu machen, um dann mi einer satten Mehrheit wiedergewählt zu werden! Wie man weis, ging das ja ordentlich schief und Rot/Grün befindet sich seither in der Opposition ! Dies trifft genau deine Frage. Schröder wollte die Vertrauensabstimmung verlieren, um dann später duch Neuwahlen zu gewinnen !!!

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kommt ja drauf an was dein eigentliches ziel ist. wenn ich meine oma beim mensch-ärgere-dich-nicht gewinnen lasse, damit ich schnell da weg komme kann ich es für mich schon als erfolg verbuchen. da ich aber in diesem moment ein anderes (falsches) spiel spiele ist es auch irgendwie unfair.

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Nein, das ist ein Trugschluss, Scheitern ist immer ein Misserfolg.


Vorsätzliches Scheitern ist in sich schon ein Widerspruch, weil jedes Scheitern - auch das absichtliche - Dir das Gefühl des Versagens und nicht der Genugtuung gibt. Sich als Versager zu fühlen kann Dich auf Dauer nicht anspornen, etwas Neues in Angriff zu nehmen, es wirft Dich immer wieder zurück, macht aggressiv und hat schon masochistische Züge. Letztendlich führt das so weit, dass Du erst gar nicht den Versuch startest, etwas Neues zu versuchen. Im Endeffekt kann so etwas zu einer tiefen Depression führen, aus der Du nur mit professioneller Hilfe heraus kommst.


Das kann nicht der Sinn und Zweck Deines Lebens sein! Wenn man etwas erreichen will, sich etwas vorgenommen hat, will man gewinnen, auch wenn man der einzige Teilnehmer an dem Unterfangen ist!

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  • ich würde eine modifikation anbringen wollen, nicht absichtliches verlieren totale, sondern absichtliches verlieren"wollen" also potentielles verlieren-in kauf nehmen. dann hast du entweder recht behalten, oder du hast erfolg, .... also wie eine art positive zwikmühe..7 eine art sicherheitsnetz mit einem zweiten darunter oder darüber, was ist dir lieber??-dieses netz wird das problem"kind"schaukeln,,. ob du so willst, oder nicht.....(?) einverstanden??
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Mit Bestimmheit kann man das nicht im vorhinein sagen, wann sich "vorsätzliches Scheitern" lohnt.

Es ist ein Gegeneinander-Abwägen mehrerer Möglichkeiten ... bei welchem man sich für das eine oder andere entscheiden kann. Und da man bei jedem Spiel, wo es Gewinner und Verlierer gibt, nur seine eigene, nicht aber die Reaktionen der anderen vorhersehen kann, kann man nur spekulieren, nach seinem eigenen "Bauchgefühl" handeln. Und am erst am "Spielende" wissen, ob man sich richtig oder falsch entschieden hat.

Am ehesten kann sich meiner Meinung nach vorsätzliches Scheitern lohnen, wenn man es

a) aus Liebe oder Sympathie ... oder als Motivation für einen "Mitspieler" macht (das muss dann aber geschickt getan werden, dass es nicht als eingeplantes "Verlieren" erkennbar ist). Dann liegt der Gewinn darin, zu erfahren, dass man dem anderen zu mehr Selbstbewußtsein, oder zu einem für diesen unerwarteten Glückserlebnis verholfen hat.

b) wenn man sich selbst tarnen möchte, und versucht den "Gegner" dadurch zu täuschen, dass man sich selbst den Anschein gibt, ein Verlierer, ein nicht ernstzunehmender Gegner zu sein.

Wenn dieser das erst einmal glaubt, dann wird er unvorsichtig und nachlässig und gibt sich weniger Mühe ... da er dies nicht für nötig hält ... und so kann der "Verlierer" am Ende obsiegen der "Gewinner" sein.

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Kommentar von roma2701
09.09.2011, 11:12

Hätte nicht gedacht, dass hier noch einmal so umfangreiche Antworten eintrudeln. Vielen Dank dafür! :)

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...also,es ist NIE leichter zu verlieren, als zu gewinnen, wenn du so denkst,hast du schon so gut wie verloren. wenn du aber,während du um irgendwas kämpfst,und du ohne jeden zweifel erkennen kannst, dass dieses, was du da gerade gewinnen willst, absolut zum scheitern verurteilt ist!... dann wäre es unklug,so, wie du´s begonnen hast, weiterzukämpfen, das kommt aber auf die jeweilige situation an, und da liegt die eigentliche crux,ändere ich meinen kurs,und habe dadurch die chance grösseren schaden zu verhindern, oder halte ich voll drauf??!!dieses im richtigen moment, mit dem richtigen handeln zu vertknüpfen, kann dich in der jeweiligen situation zum sieger machen!!und/oder, du hälst den zu erwartenden verlusst klein!!

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Deine Frage ist zu verallgemeinert. Es kommt schon sehr darauf an, bei welcher Sache man gerade verliert. Ist es nun ein "Mensch-Ärger-dich-nicht-Spiel" oder was ernsteres???

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Frisch verloren ist halb gewonnen, oder wie???

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