Isreal- dürfen dort Juden, nicht Juden heiraten?

11 Antworten

Stimmt leider. Wer betroffen ist heiratet dann eben in Zypern- die Ehe wird in Israel dann genauso anerkannt. Der Grund liegt im israelischen Rechtssystem- Israel ist ein normaler säkularer Staat, außer in den Bereichen des Zivilrechts die Eheschließung, Scheidung usw. betreffen- hier sind "Rabinatsgerichte" zuständig. Für die Mehrheit der Israelis die moderat religiös oder säkular sind ein Ärgernis, das aber dank einer sehr starken sehr religiösen Minderheit (ca. 25%) schwer anzugehen ist.

Nein, das stimmt nicht. Es ist entweder Missverständnis oder politische Propaganda. Da hat einer was aufgeschnappt, was ihm in den Kram passte, nicht verstanden und spuckt es eben so schnell wieder aus, weil es als Munition im politischen Wettkampf eben gerade wie gerufen kam.

Es gibt in Israel sehr praktische Probleme für inter-religiöse Ehen. Das vordringlichste ist erstmal, dass man so eine Ehe zwar schliessen darf, aber praktisch kaum kann.

Denn: die Eheschliessung führen die religiösen Autoritäten der Religionsgemeinschaften durch. Keine staatliche Behörde macht das, so wie etwa in Deutschland. Die Religionsgemeinschaften wiederum wollen keine Ehen mit anderen Religionen.

Am bedeutsamsten ist dafür natürlich das Judentum als die Mehrheitsrelgion. Aber auch die Autoritäten der anderen vertretenen Religionen wie Islam oder die diversen christlichen Gruppen sind da nicht besser.

Meine persönliche Vermutung: aus Stolz weigern sie sich, das zuzulassen, was ihnen von den anderen (also den Juden als Mehrheit natürlich vor allem), auch nicht zugestanden wird: wie Du mir, so ich Dir!

Ist alles ziemlich engstirnig und borniert. Und zeigt, wie es bei uns zuginge, wenn man die Kirchen & Co. nicht durch einen säkularen Staat entmachtet hätte. Eine Wohltat für uns alle, ob wir Christen, Moslems, Juden oder Mondanbeter sind!

Genau das ist aber in Israel "tabu". Es gibt einen grossen und sehr einflussreichen Sektor von religiös orientierten Juden, die wegen ihrer grossen Zahl und politischen Organisation ihr Veto in der Politik ausüben. Die haben eigene Kindergärten, Schulen, Stadtviertel oder Gemeinden (wie z.B. die Kolonialsiedlungen in der Westbank), sind vom Wehrdienst befreit (3 Jahre!), kassieren reichlich Steuersubventionen usw. etc.

Eine staatliche Ehe einzuführen, wäre für die mächtigen Rabbiner sicher ein symbolisch sehr bedeutender Angriff auf ihre Machtposition, die dort nicht durchsetzbar ist.

Darum müssen interreligiöse Mischehen immer irgendwo im Ausland geschlossen werden. Israelis reisen dafür gerne nach Zypern, was nicht weit weg ist.

Und dann gibt es noch einen sehr speziellen Druck auf eine bestimmte Ehekonstellation: Ich kenne drei (!) Ehepaare, die aus Israel auswandern mussten, weil sie jüdisch-palästinensisch gemischt sind. In dieser speziellen Konstellation hagelt es dann Schikanen von allen Seiten, die das Leben dort nicht mehr erträglich machen.

"Erlaubt" ist es aber gleichwohl. Da ist es dann nur gesellschaftlicher Druck wegen einer ganz bestimmten politischen Situation zwischen zei ganz bestimmten Völkern.

"Zivilehe" in dritter und letzter Lesung angenommen

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In Israel besteht betreffend des Instituts der Ehe keine Trennung zwischen Staat und Religion. (...) Dennoch wurde diese jetzt gelockert und die rechtskonservative, aber säkuläre Israel Beiteinu [ Israel Unser Zuhause] konnte eins ihrer wichtigsten Wahlversprechen nun einlösen, wenn auch nicht in vollem Umfang, was mit der religiösen Schas nicht ginge. Die Ehe eines bekenntnislosen Mannes mit einer bekenntnislosen Frau wird den religiösen Ehen, die vom Rabanut, Kirchen oder Moscheen abgesegnet werden und nur als solche vom Staat anerkannt werden, nun gleichgestellt. "Mischehen" werden in Israel nach wie vor nicht abgeschlossen werden können, sondern im Ausland - Zypern ist "Mekka" für solche Ehen -, was dann in Israel aber anerkannt wird.

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Quelle: Heute in Israel, 17. März 2010

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