Inzest - Weshalb entstehen die Behinderungen?

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4 Antworten

Die Vererbung funktioniert genauso wie sonst auch.

Nur ist es so, dass die allermeisten Erbkrankheiten rezessiv sind. D. h. wenn eins der beiden zusammengehörenden ("allelen") Chromosomen gesund ist und das andere krank, ist das Individuum gesund. Nur wenn zwei kranke Chromosomen aufeinander treffen, ist das Individuum krank.

Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei zufällig aus einer großen Gesellschaft herausgegriffene gesunde Individuen beide ein krankes Gen haben, ist sehr, sehr gering.

Nehmen wir mal an, dass 1% der Bevölkerung die Anlage zu einer bestimmten Krankheit in sich trägt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei zufällig gewählte Individuen dieses Gen tragen, 1% * 1% = 0,01%. D. h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind krank geboren wird, ist 1/4 * 0,01%, also 1 Kind von 40.000. (Für die Erkrankung ist ja notwendig, dass von den 4 möglichen Genkombinationen diejenige herauskommt, bei der beide Gene krank sind.)

Nehmen wir jetzt mal an, dass zwei Leute Kinder miteinander bekommen, von denen einer das kranke Gen an die Kinder weitergibt. Dann hat jedes 2. Kind das kranke Gen.

Wenn jetzt 2 Geschwister Kinder miteinander haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit zum Vorschein kommt, nicht mehr 1/4 * 1% * 1% = 1:40.000, sondern 1/4 * 50% * 50% = 1:16.

Wenn nun die beiden Geschwister jeweils mit familienfremden Leuten (erbgesund) Kinder haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eins davon das kranke Gen trägt, 50% * 50% = 25%.

Wenn zwei von diesen Enkeln des 1. Elternpaars Kinder miteinander haben (Vetternehe), ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erbkrankheit "manifestiert", 1/4 * 25% * 25% = 1:64. Das ist immer noch sehr, sehr viel höher als 1:40.000.

Gerade sehe ich rechts die "verwandte" Frage "Sind Inzestkinder dümmer?" - Es können natürlich auch vorteilhafte Gene verstärkt werden, und in der Tierzucht verwendet man Inzucht auch gezielt für diese Zwecke. Allerdings hat man hier keine ethischen Hemmungen, Stämme mit nicht tragbaren Erbkrankheiten zu "eliminieren", sodass hier ohne weiteres die Chancen die Risiken überwiegen können. Beim Menschen, wo man nicht gezielt Familien aussterben lässt, überwiegen die Risiken.

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Rekombination und Vererbung funktionieren bei inzestuösen Paaren genauso wie bei allen anderen Menschen.

Der Punkt ist, dass die Mehrheit aller menschlichen Erbkrankheiten rezessiv vererbt wird, d.h. sie prägen sich nur aus, wenn zwei identische, "kranke" Varianten desselben Gens (Allele) in einer Person vorliegen. Besitzt eine Person hingegen auch nur eine "gesunde" Variante des Gens, ist sie auch phänotypisch gesund.

Deshalb tragen nahezu alle Menschen Allele in sich, die eine Krankheit auslösen können. Der Träger dieses Allels ist aber selbst gesund, und seine Kinder auch, unter der Voraussetzung, dass der Partner bei der Befruchtung nicht auch das krankheitsauslösende Allel beisteuert.

Da Blutsverwandte bis zu einem gewissen Grad ihre genetische Ausstattung teilen, sind in einer Familie meist mehrere Personen Überträger eines krankheitsauslösenden Allels, z.B. das für Mukoviszidose. Bei Inzest ist dadurch logischerweise das Risiko erhöht, dass das Kind von beiden Elternteilen krankheitsauslösende Erbanlagen erhält.

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Schwerwiegende Gendefekte sind meist rezessiv. Das liegt in der Natur der Sache, denn ein schwerwiegender Gendefekt führt normalerweise dazu dass derjenige ihn nicht weitergeben wird. Wäre er also dominant, würde er schnell aussterben.

Dadurch dass dann meist nur ein Allel betroffen ist, wird die Krankheit nicht ausgeprägt, besteht aber fort.

Wenn nun aber zwei Allelträger miteinander ein Kind zeugen, besteht im Allgemeinen eine 25%ige Wahrscheinlichkeit dass ein behindertes Kind gezeugt wird, im Gegensatz zu 0% wenn auch nur ein Partner kein entsprechendes Allel hat. In der "Freien Wildbahn" passiert ein solches aufeinandertreffen selten. In der Familie jedoch kann ein Allelträger ein Allel, obwohl er selbst nicht krank ist, auf seine Kinder übertragen die dann u.U. beide ein Allel haben. Schlafen sie nun miteinander, ist die Gefahr drastisch erhöht dass die Krankheit ausgeprägt wird. Passiert das oft, ergeben sich entsprechende Populationen mit drastisch erhöhten Quoten von Behinderten.



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Die Rekombination bleibt die gleiche, was bei Inzest fehlt ist einfach eine "Auffrischung" des sogenannten Genpools. Somit können Erbkrankheiten die rezessiv vererbt werden (der Betroffene kann mit dem rezessiven Gen ohne phänotypische Merkmale leben) vermehrt auftreten, da sich ja das rezessive Gen durch wiederholte Rekombination potenziert.

Siehe dir z. B. einmal die julisch-claudische Cäsarendynastie des antiken Rom an, dort wurde innerhalb der Familie oftmals geheiratet um den Kaiserthron nicht aus der Hand zu geben. Die Folge waren Cäsaren wie Caligula, Claudius oder Nero die alle über kurz oder lang dem Wahnsinn erlagen.

Gene können auch durch chemische Einwirkung, Strahlung oder einfach Mutation beschädigt werden und somit würde sich das bei Inzest innerhalb einer kleinen Gruppe dominant weitervererben. L.G.

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