Inwieweit kann man Umzugskosten steuerlich geltend machen?

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6 Antworten

Wann sind Umzugskosten abziehbar? Die Kosten Ihres Wohnungsumzuges sind als Werbungskosten absetzbar, wenn Ihr Wohnungswechsel beruflich veranlasst ist. Steht die berufliche Veranlassung des Umzuges fest, sind die privaten Motive für die Auswahl der neuen Wohnung grundsätzlich unbeachtlich (H 41 Berufliche Veranlassung LStH 2006). Ihre Umzugskosten kann das Finanzamt daher nicht ablehnen, wenn Sie am neuen Wohnort ein Eigenheim beziehen (BFH-Urteil vom 22.11.1991, BStBl. 1992 II S. 494) oder Ihren neuen Wohnort aufgrund familiärer Bindungen auswählen.

Ist der Umzug nicht beruflich veranlasst, sind die Umzugskosten insgesamt nicht als Werbungskosten abziehbar, auch nicht anteilig für den Transport der Arbeitszimmereinrichtung (BFH-Urteil vom 21.7.1989, BStBl. 1989 II S. 972). Neu ist, dass Sie für einen privat veranlassten Umzug eine Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen gemäß § 35 a EStG erhalten können (Verfügung der OFD Koblenz vom 8.5.2006, DStR 2006 S. 902). Diese Neuregelung gilt für alle noch nicht bestandskräftigen Steuerbescheide ab 2003. Ferner können bei einem privaten Umzug die Kosten ausnahmsweise als außergewöhnliche Belastung abziehbar sein, wenn der Umzug allein wegen gesundheitlicher Gründe oder allein wegen einer Behinderung erforderlich wurde.

Die wichtigsten Fälle beruflich veranlasster Umzugskosten sind:

Die Fahrzeit zur Arbeit verkürzt sich um mindestens 1 Stunde

Beruflich veranlasst ist jeder Umzug, »wenn sich die Dauer der täglichen Hin- und Rückfahrt wenigstens zeitweise um mindestens eine Stunde ermäßigt« (H 41 Erhebliche Verkürzung LStH 2006), auch wenn daneben noch private Gründe vorliegen (BFH-Urteile vom 23.3.2001, BStBl. 2002 II S. 56, BStBl. 2001 II S. 585). Dabei ist nicht erforderlich, dass der Umzug mit einem Wechsel des Wohnortes verbunden ist. Gefordert ist auch nicht, dass sich diese Stunde Fahrzeitersparnis immer - auch in verkehrsschwachen Zeiten - ergeben muss. Bei der Ermittlung der Fahrzeiten sollten Sie durchschnittliche Werte zugrunde legen. Sind beide Ehegatten berufstätig, darf die Ersparnis an Fahrzeit eines Ehegatten nicht mit der Zeitersparnis oder der Zeitverlängerung des anderen Ehegatten zusammengerechnet werden (BFH-Urteil vom 21.2.2006, BFH/NV 2006 S. 1086).

Die Fahrzeitverkürzung von mindestens einer Stunde gilt aber nur dann als beruflicher Umzugsgrund, wenn »die verbleibende Wegezeit im Berufsverkehr als normal angesehen werden kann« (H 41 Berufliche Veranlassung LStH 2006). Der BFH sieht einen Umzug, durch den die Entfernung von bisher 100 km auf nur 80 km verkürzt wird, nicht als beruflich veranlasst an (BFH-Urteil vom 22.11.1991, BStBl. 1992 II S. 494).

Durch den Umzug ist der Arbeitsplatz leichter erreichbar

Selbst wenn sich durch den Umzug die tägliche Fahrzeit zur Arbeit und von der Arbeit um weniger als eine Stunde verkürzt, kann der Umzug dennoch beruflich veranlasst sein. Erforderlich ist, dass Sie nach dem Umzug den Arbeitsplatz wesentlich leichter erreichen können (siehe BFH-Urteil vom 22.11.1991, BStBl. 1992 II S. 494). Wann dies gegeben ist, hängt von den tatsächlichen Umständen im Einzelfall ab (BFH-Beschluss vom 2.2.2000, BFH/NV 2000 S. 945). Dazu einige Beispiele:

Wenn Sie aus beruflichen Gründen mehrmals am selben Tag den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zurücklegen müssen (BFH-Urteil vom 10.9.1982, BStBl. 1983 II S. 16).

Wenn Sie nach dem Umzug nicht mehr durch zahlreiche Ortschaften fahren müssen und zudem die bisherige Strecke bei schlechten Witterungsverhältnissen schwierig zu befahren war (FG Rheinland-Pfalz vom 25.1.1995, EFG 1995 S. 515).

Wenn Sie nach dem Umzug Ihre Arbeitsstätte in wenigen Minuten zu Fuß erreichen können (FG Baden-Württemberg vom 2.4.2004, EFG 2004 S. 1204; FG Rheinland-Pfalz vom 21.6.1995, EFG 1995 S. 1048).

Wenn Sie in die Nähe einer S-Bahn-Station oder eines Bahnhofes ziehen, um fortan mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz zu fahren (FG Rheinland-Pfalz vom 21.6.1995, EFG 1995 S. 1048, so bereits ; FG Köln vom 25.11.1980, EFG 1981 S. 283 und ; FG Baden-Württemberg vom 29.4.1993, EFG 1993 S. 715).

Der Umzug erfolgt im Interesse des Arbeitgebers

Beruflich veranlasst ist ein Umzug immer, wenn er im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt wird (H 41 Berufliche Veranlassung LStH 2006).

Ist eine berufliche Tätigkeit mit der Verpflichtung verknüpft, eine Dienstwohnung zu beziehen, dann ist der Einzug stets beruflich veranlasst. Fällt die Berechtigung bzw. Verpflichtung zum Wohnen in der Dienstwohnung weg, beispielsweise bei Versetzung, Kündigung oder Eintritt in den Ruhestand, dann ist der Auszug beruflich veranlasst.

Kündigt der Arbeitgeber nach Beendigung Ihres Beschäftigungsverhältnisses den Mietvertrag über die werkseigene Mietwohnung, so ist der Auszug aus der Wohnung beruflich veranlasst (BFH-Urteil vom 18.10.1974, BStBl. 1975 II S. 327).

Verlegen Sie Ihre Wohnung aus dienstlichen Gründen näher an Ihre Arbeitsstätte, ist der Umzug beruflich veranlasst: Dienstliche Gründe liegen vor, wenn der Arbeitgeber den Umzug verlangt hat (FG Rheinland-Pfalz vom 5.7.1982, EFG 1983 S. 111) oder Sie freiwillig umgezogen sind, um Ihre beruflichen Aufgaben besser zu erfüllen (FG Bremen vom 17.12.1991, EFG 1992 S. 735).

Der Umzug steht im Zusammenhang mit einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung

Hat ein doppelter Haushalt berufliche Gründe, gehören sowohl die Aufwendungen für den Umzug in die Zweitwohnung als auch für die Beendigung der doppelten Haushaltsführung zu den abzugsfähigen Mehraufwendungen. Bei Aufgabe der Familienwohnung kommt es auf die Zeitspanne zwischen Begründung des zweiten Haushalts und dem Umzug an den Arbeitsort nicht an. Die berufliche Veranlassung eines solchen Umzuges hat der BFH sogar noch bejaht, als eine Familie erst nach 10 Jahren an den Arbeitsort des Familienvaters umzog und damit die doppelte Haushaltsführung beendete (BFH-Urteil vom 21.7.1989, BStBl. 1989 II S. 917).

Sie wechseln Ihren Arbeitsplatz oder treten erstmals eine Stelle an

Werden Sie an einen anderen Ort versetzt oder wechseln Sie Ihren Arbeitgeber, ist Ihr Umzug an den neuen Arbeitsort natürlich beruflich veranlasst. Es sollte aber schon einer der oben genannten Gründe zusätzlich vorliegen, um keine Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen. Ziehen Sie innerhalb einer Großstadt um, wird dies anerkannt, sofern sich durch den Umzug die Fahrzeit an den neuen Arbeitsplatz erheblich verkürzt (BFH-Urteil vom 15.10.1976, BStBl. 1977 II S. 117; BFH-Urteil vom 23.3.2001, BStBl. 2002 II S. 56).

Beruflich veranlasst ist ein Wohnungswechsel auch dann, wenn er anlässlich der erstmaligen Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit durchgeführt wird (H 41 Berufliche Veranlassung LStH 2006). Allerdings hat das FG Düsseldorf den Umzug aus dem Elternhaus bei Erstanstellung als privat veranlasst angesehen und die Umzugskosten nicht anerkannt (Urteil vom 21.1.2000, EFG 2000 S. 485). Ziehen Gewerbetreibende um, muss der Umzug betrieblich veranlasst sein, insbesondere durch Gründung, Erwerb oder Verlegung des Betriebes.

Bei einem Umzug in Etappen - zuerst in eine vorläufige, dann in die endgültige Wohnung - sind nur die Kosten für den Umzug in die erste Wohnung abziehbar (H 41 Zwischennutzung LStH 2006).

Die Umzugskosten kann Du bei der Steuer angeben, wenn Du aus beruflichen Gründen näher an den Arbeitsplatz ziehst. Das heißt aber nicht, dass Du vom Finanzamt die Umzugskosten erstattet bekommst. Vielmehr werden diese Kosten als Werbungskosten erfasst. Ich kann mir aber vorstellen, dass Dein Mann als Beamter einen Zuschuss erhält. Diesen wirst Du dann in der Steuererklärung auch angeben müssen.

Claudia, seit Neustem gibt es da Einschränkungen. Alles ist nicht mehr absetzbar.

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@Knowledge

Die Steuerbestimmungen ändern sich doch ständig. Ich bin keine Steuerfachfrau. Da kann eigentlich nur ein Steuerberater richtig helfen. Selbst wenn Du ein Programm für eine Steuererklärung von 2006 besitzt und Just For Fun den Umzug dort einmal mit eingibst - das heisst noch lange nicht, das diese Kosten für 2007 genauso bewertet werden.

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Ja, unter Werbungskosten; jedoch seit Neuestem nur noch bis etwa 800,- € (wie ich gehört habe). Und dann muss man nachweisen dass man deutlich näher zur Arbeitsstelle (also um mindestens 30 km) gezogen ist. Ob das jedoch im Rahmen der aktuellen Rechstsprechung zur Pendlerpauschale noch wieder geändert wird, bleibt abzuwarten.

zahlt das sein arbeitgeber nicht oder wenigstens zum teil wenn ihr auf grund seiner arbeit umzehen müsst?

bei beamten werden der gesamte umzug doch übernommen, bei einer versetzung.

du brauchst nicht mal ein glas einpacken, das wird alles erledigt.

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