Inwiefern stellen die Reformen Kleisthenes eine Verbesserung für das Volk dar?

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1 Antwort

Wichtige Quellen zur Neuordnung der staatlichen Ordnung Athens durch Kleisthenes 508/7 v. Chr. sind Herodot 5, 66 und 69 und Aristoteles, Athenaion Politeia (Staat der Athener) 21 (wozu Aristoteles, Politika (Politik) 1313 b 19 – 27 zusätzlich herangezogen werden kann).

Eine Verbesserung für das Volk gab es in politischer Hinsicht:

  • Einführung von Demokratie: Das Volk konnte beraten, in Abstimmungen wählen und Beschlüsse fassen. Volljährige (männliche) Bürger bekamen mehr politische Mitwirkungsrechte und hatten so Anteil an den Entscheidungen, konnten selbst regieren. Kleisthenes hat eine Frühform von Demokratie (δημοκρατία [demokraitia]) bedeutet nach dem Wortursprung Volksherrschaft/Herrschaft des Volkes, das Substantiv δῆμος [demos] heißt in diesem Fall Volk, κρατία [kratía] Herrschaft, Macht, Stärke) eingeführt. In der Antike wurde diese Ordnung später auch Isonomie (ἰσονομία [isonomia]) bedeutet nach dem Wortursprung Gleichheit des Rechts, Gleichberechtigung; das Adjektiv ἴσος /ἴση /ἴσον [isos/ise/ison] bedeutet gleich, das Substantiv νόμος [vomos] unter anderem Recht, Gesetz) genannt. 510 v. Chr. war eine Tyrannenherrschaft gestürzt worden. Formal galt auch während der Tyrannis die auf Solon zurückgehende Verfassung. Die Verfassung Solons, die noch keine Demokratie war, hat politische Rechte (darunter Zugang zu Ämtern und Wahlrecht für verschiedene Einrichtungen) und Pflichten nach Vermögensklassen abgestuft, also nach Menge des Besitzes festgelegt. Eine solche politische Ordnung ist später als Timokratie (τιμοκρατία [timokratia], aus den Wörtern τιμή = „Schätzung“, „Wert“, „Preis“, „Ehre“ und κράτος = „Kraft“, „Gewalt“, „Macht“, „Herrschaft“ gebildet; bezeichnet die Herrschaft der Angesehenen/der Besitzenden) bezeichnet worden.

  • vermehrte lokale Mitbestimmung/Selbstverwaltung: Der Demos (δῆμος), eine lokale Selbstverwaltungseinheit (insgesamt gab es 139 solche Demen), erhielt als eine Grundeinheit politisches Gewicht und die Bürger konnten dabei verstärkt mitbestimmen und mitwirken.

  • Einschreibung der Athener in die Bürgerlisten der Demen zur Sicherstellung des Anrechts auf das Bürgerrecht

  • Neuorganisation der Heeres und der Flotte (günstig für die Verteidigungsfähigkeit)

  • Einrichtung des Rat der 500 (Mitglieder wurden jeweils nach Phylen [Kleisthenes hatte die Bürger Athens neu eingeteilt] ausgelost) als Ersatz für einen Rat der 400, den Solon anscheinend eingerichtet hatte und der 508/7 v. Chr. offenbar nicht mehr bestand oder nicht wirksam war

  • leicht verbesserte Wählbarkeit für die höchsten Ämter: Zu den 9 Archonten (ἄρχοντες; Singular: ἄρχων [Archon]) waren Angehörige der 1. und 2. Vermögensklasse wählbar (vorher nur die 1. Vermögensklasse)

  • Kontrollmöglichkeit gegen einzelne Mächtige durch Volksabstimmung über ein Scherbengericht (Möglichkeit der Verbannung einer Person für 10 Jahre): Nach der Überlieferung geht auf Kleisthenes die Schaffung des Scherbengerichts (Ostrakismos; griechisch: ὀστρακισμός) zurück, bei der durch eine Volksabstimmung jemand für 10 Jahre (ohne Verlust der Ehre und des Eigentums) aus Athen verbannt werden konnte. Ob Kleisthenes tatsächlich diese Einrichtung geschaffen hat, ist allerdings nicht ganz zweifelsfrei. Der erste bekannte Fall einer solchen Verbannung ist erst Hipparchos 487 v. Chr. (Aristoteles, Athenaion Politeia 22). Die Volksversammlung entschied, ob Entscheidung, ob ein Scherbengericht durchgeführt werden sollte, und bei Bejahung mit einer Mehrheitsabstimmung (wohl mit einer erforderlichen Mindestbeteiligung von 6000 Mann). Nach Aussage der Quellen diente der Ostrakismos der Verhinderung einer Tyrannis, doch dürfte er tatsächlich dazu ungeeignet gewesen sein. Die ersten Opfer des Ostrakismos hatten Verbindungen zu den Peisistratiden und Alkmäoniden, die zur Zeit des Persereinfalls 490 v. Chr. im Verdacht politischer Illoyalität standen. Danach scheint der Ostrakismos zum Austragen von Rivalitäten zwischen politischen Führern gedient zu haben, so daß jeweils der weniger populäre aus Athen entfernt wurde, während der beliebtere im Lande blieb. Das Scherbengericht könnte sich zur Zeit des Kleisthenes gegen die Führer allzu mächtiger Adelcliquen gerichtet haben und hätte damit die Rückkehr alter Bürgerzwiste verhindern sollen.

Albrecht 29.10.2012, 01:24

In Büchern steht etwas zum Thema, z. B.:

Jochen Bleicken, Die athenische Demokratie. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 1994, S. 22 – 25, S. 27 – 41, S. 44 – 46 (Die Entwicklung der politischen Ordnung Athens bis auf Perikles)

Michael Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen: Archaische Zeit. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2003 (UTB : Geschichte ; 2430), S. 152 – 200 und S. 228 - 266

Michael Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen: Klassische Zeit. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2003 (UTB : Geschichte ; 2431), S. 13 – 63

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sweety4665 29.10.2012, 10:29
@Albrecht

Die Informationen sind hilfreich, danke erstmals:), aber ich brauche für jeden einzelnen Volk ein Vergleich z.B. hatten die Bauern die selben Rechte wie die Adligen? Also ich weiß, dass Frauen, Metöken und Sklaven weiterhin ausgeschlossen waren genau wie bei Solon. Aber ansonsten hatte doch jeder die selben Rechte oder?

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Albrecht 29.10.2012, 20:05
@sweety4665

Erwachsene männliche athenische Bürger hatten gleiche politische Rechte, bis auf wenige Ausnahmen in Bezug auf die Wählbarkeit (passives Wahlrecht).

In diesen Ausnahmen ging es um die Zugehörigkeit zu einer Vermögensklasse, nicht in einer formalen Weise um die gesellschaftliche Herkunft. Adlige waren aufgrund geerbten Grundbesitzes reich genug, um für alle Ämter wählbar zu sein. Andere ohne vornehme Abstammung hatten aber dieses Recht auch, wenn ihr Besitz ausreichte, um zu einer hohen Vermögensklasse zu gehören.

Bauern haben wohl normalerweise zur 3. Vermögensklasse gehört, den Zeugiten. Sie waren (anders als Adlige und andere Reiche) für einige hohe Ämter(wie die der Archonten) nicht wählbar. Sie konnten aber Mitglied des Rates der 500 werden.

Die Gruppe mit dem geringsten Besitz, die Theten, war zur Volksversammlung und zu den Volksgerichten berechtigt. Theten (z. B. einfache Arbeiter und Tagelöhner) waren zu einigen hohen Ämtern nicht wählbar und konnten zur Zeit des Kleisthenes auch nicht Mitglied des Rates der 500 werden.

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