Inwiefern spielt die hedonististische Haltung im Alltag eine Rolle?

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4 Antworten

Die Frage ist, wie hedonistisch definiert wird. Wenn "glücklich sein" ein grundlegendes, wenn auch nicht scharf abgegrenztes Ziel der meisten Menschen ist, dann spielt das über die Erwartungen und Orientierungen auch im Alltag eine Rolle. Die andere Frage ist, in welchem ethischen Rahmen sich jemand "glücklich sein" erlaubt. Alle mir bekannten antiken Philosophen, Epikur eingeschlossen, haben das Ziel, ein "glückliches, gelingendes Leben zu führen" immer im Ausgleich von individuellem und gemeinschaftlichem Wohl gesehen. Nicht einmal Aristipp ging es um sein privates Glück auf Kosten anderer. Er wurde zwar als cleverer Lebemensch geschätzt und eingeschätzt, doch es gibt keine Vorwürfe, dass er das auf Kosten anderer ergattert hätte. Auch der Utilitarismus, dem man gern eine hedonistische Haltung unterstellt, strebt immer das Wohlergehen aller und des Individuums an. In Kants kategorischem Imperativ kommt das in sehr allgemeiner Fassung ebenfalls zum Ausdruck.

Ich habe den Eindruck, dass in letzter Zeit "hedonistisch" und "egoistisch" verwechselt wird! Das ist aber falsch. Wenn ich Aspekte von Prof. Gerhard Schulze "Die Erlebnisgesellschaft" anschaue, dann scheint man feststellen zu können, dass eine gewisse Schitzophrenie festzustellen ist. Je intensiver wir in der Massengesellschaft verflochten sind, desto stärker suchen viele eine Abgrenzung in einem entsolidarisierten Egoismus, im solitären privaten Erlebnis. Massenprodukte werden als individuelle Marker beworben. Die Vereine als Orte gemeinsam organisierter Freizeit verlieren an Bedeutung. Dafür schließt man sich wechselweise unterschiedlichen Massenerlebnissen an, seinen es Konzerte, Muggibuden oder speziellen Urlaubsarrangements. Stellt man sich beobachtend an den Bahnsteig, sieht man viele Einzelne, aber fast alle mit Knopf im Ohr oder über ein mehr oder weniger großes "Brettchen" wischend. Der vereinsamte Egoist in der Masse als Massenerscheinung. Das scheint mir ein neues Phänomen und bedarf noch philosophischer und soziologischer Reflexion. Da wäre den Alten überfordert.

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Wenn Genuss und Unterhaltung das wichtigste im Leben ist, ist Verantwortung und Moral nicht mehr ganz so wichtig...

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Wer über genügend Geld verfügt, kann sich bequem eine hedonistische Haltung leisten, sofern ihm danach ist. Ein Tweil der Reichen lebt entsprechend.

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Kommentar von michi57319
17.02.2016, 12:44

Aber auch mit Geld kann man sich nicht vom Leid freikaufen.

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Keine.

Leid spielt immer eine Rolle. Egal, was passiert, Leid kann vielfältig empfunden werden und eine rein egoistische Grundhaltung produziert das eher, als daß es das vermeidet.

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