Inwiefern prägt der Antisemitismus das dt. Kaiserreich?

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4 Antworten

Er war gar nicht so sehr ausgeprägt. Die deutschen Juden waren zum großen teil assimiliert. Selbst der Kaiser unterhielt beispielsweise zu Albert Ballin ein gutes Verhältnis. Trotzdem gab es einen unterschwelligen Antisemitismus.

Kaum, das Kaiserreich war diesbezüglich eine vergleichbar tolerante Zeit.

Kaiser Wilhelm zählte eine Reihe von Juden sogar zu seinen persönlichen Freunden ( z.b den Reeder Ballin)  Erstmalig ( und in Europa fast einzigartig) konnten Juden auch in der Armee Karriere machen und hohe Offiziersränge bekleiden.

Nie zuvor gab es so viele einflußreiche und in der Gesellschaft anerkannte Juden in der dt. Geschichte, wie im Kaiserrreich ( Wirtschaft, Kultur, Medizin )

atzef 16.06.2016, 20:01

Ja. Im Unterschied zum NS-Regime oder zu den Judenprogromen im Mittelalter wurden Juden nicht regelmäßig ermordet. So "tolerant" war man schon.

Ihnen wurde aber auch während des Kaiserreichs systematisch der Zutritt zum Berufsbeamtentum verwehrt...

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andre123 17.06.2016, 09:19
@atzef

Die Zeit des Kaiserreichs war - trotz immer noch vorhandener Vorbehalte und des seit den 1870er Jahren aufkommenden Antisemitismus - für die Juden ein "goldenes Zeitalter", vor allem was ihren Aufstieg aus der sozialen Marginalität in das Klein-, Mittel- oder Großbürgertum betraf. Wenn es auch kaum noch jüdische Arme gab, so war doch durchaus auch weiterhin eine unterbürgerliche Schicht im Judentum vorhanden, die sich aus jüdischen Kleinstunternehmern am Rande des Existenzminimums oder aus Zuwanderern aus dem Osten zusammensetzte. Doch gab es unter den Arbeitern kaum ein jüdisches Proletariat. In den Städten dominierte, verglichen mit anderen Konfessionsgruppen, überproportional die jüdische Oberschicht. In Breslau stellten sie zum Beispiel nach der Klassifizierung des preußischen Dreiklassenwahlrechts etwa 35 Prozent der Wähler in der ersten Klasse. Das sicherte dem reichen jüdischen Bürgertum auch erheblichen politischen Einfluss und verschaffte seinen Mitgliedern, wenn sie es wünschten, den Zugang zu allen gesellschaftlichen Zirkeln;

Quelle  : Bundeszentrale für politische Bildung

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andre123 17.06.2016, 09:24
@andre123

Selbstverständlich war es  möglich Beamter zu werden. Es gab sowohl jüdische Richter , als auch Staatsanwälte, Hochschullehrer usw .  Die rechtliche Gleichstellung war uneingeschränkt vorhanden. (gesellschaftliche Akzeptanz hingegen sicherlich noch nicht

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Der Antisemitismus prägte die Kaiserzeit nicht. Auf seier Grudlage erwuchsen keie wesentlichen politischen Handlunge von unmittelbarer großer politischen bedeutung.

Andererseits gehörte Antisemitismus zum gutbürgerlichen Tonfall so selbstverständlich zum Leben wie das Frühstücksei oder der Sonntagsbraten.

Antisemitismus war weitverbreitet und in der deutschen Gesellschaft fest verwurzelt. Ende des 19. Jahrhunderts blieb der "Ruhm", als erste Partei überhaupt Antisemitismus zu einem Gegenstand des Parteiprogramms zu machen, der Konservativen Partei Bismarcks vorbehaten.

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