Inwiefern kam es zu Widerstand von Protestanten im Nationalsozialismus und in der DDR?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Die evangelische Kirche wurde ja im Nationalsozialismus von den Nazis vereinnahmt (=Deutsche Christen), und viele Bischöfe und Pfarrer schlossen sich dem leider an. Sie gaben sogar die Kirchenbücher heraus, in denen eingetragen war, welche Familien vom Juden- zum Christentum übergetreten waren, so dass man diese Familien als Juden verfolgen konnte. Der Amtskirche muss man daher den Vorwurf der Mittäterschaft machen, ebenfalls ihren zahlreichen Mitläufern.

Es gab trotzdem Widerstand. So gründete sich die "Bekennende Kirche", die sich gegen die Verfälschung der biblischen Botschaft wandte. Bekannteste Mitglieder sind Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller und Paul Schneider.

In der DDR lag die Sache anders, da dort die Kirche nicht vereinnahmt, sondern mehr oder weniger bekämpft wurde (trotz verfassungsmäßig garantierter Religionsfreiheit). Dort hieß es, Religion sei ein Relikt der Vergangenheit und werde ohnehin bald verschwinden. Der Widerstand der Protestanten bestand daher eher darin, sich Freiräume zu sichern, zivilen Ungehorsam dort zu leisten, wo man gezwungen wurde, gegen sein Gewissen zu handeln und auf dem Recht der Religionsausübung zu bestehen (hämische Bemerkungen bekam man zur Genüge zu hören) bzw. sich gegen Diskriminierung zu wehren. Die Kirchenleitung schaltete sich in manchen Fällen ein, wenn Schüler gemaßregelt wurden, weil sie z. B. nicht am Wehrkundeunterricht teilnehmen wollten. Und in den letzten Tagen der DDR waren es die Kirchen, unter deren Dach man sein Unbehagen und alles, was im Land nicht in Ordnung war, aussprechen konnte. Wenn man damals in die Zeitung schaute, war ja die ganze DDR heile Welt, alles Übel kam nur vom Westen. Nur sah unser Alltag ganz anders aus. Lediglich die Künstler thematisierten die Widersprüche, aber eher zwischen den Zeilen, sonst hätte es Probleme gegeben.

Was möchtest Du wissen?