inwiefern ist die dekadente lebensart vieler römer mit hauptgrund für den zerfall des röm.imp.gewese

6 Antworten

Dies ist eher eine THESE als eine sichere Wahrheit . Die These besagt im Prinzip, dass es den Römern im z.B. 3. Jahrhundert nach Christus einfach zu gut ging und dass sie sich nicht mehr genug angestrengt haben, Neues zu entwickeln. Stattdessen, so die These, hätten die Römer nur noch das Leben genossen. Manche sagen, dass sich auch unsere Gesellschaft von heute in diesem Zustand befindet.

Der Hauptgrund war die dekadente Lebensweise der Römer nicht. Ob sie überhaupt so dekadent war, ist keine gesicherte historische Wahrheit.

Der Hauptgrund ist die Völkerwanderung und der damit immer größere militärische Druck der germanischen Völker, dem das römische Reich (in seinem Westteil) nicht mehr standhalten konnte.

Die Theorie von dekadenter Lebensart vieler Römer als Hauptgrund für den Zerfall des Römischen Reiches ist sehr anfechtbar und wenig überzeugend.

Klagen über Dekadenz, die vor allem einen moralischen Verfall in der Gegenwart behaupten, hat es über Jahrhunderte hin in der römischen Geschichte gegeben. Nach diesem Deutungsmodell führen an der Herausforderung harter Lebensumstände gewachsene Kräfte zu Macht und Reichtum, bis ein Leben in Luxus Sittenverfall und schließlich den Zusammenbruch zur Folge hat.

Zum Verstehen des tatsächlichen Geschehens leistet dies wenig. Denn es bleibt unerklärt, warum das Römische Reich in früheren Jahrhunderten mit Erscheinungen, die zur dekadenten Lebensart gezählt werden, bestehen geblieben ist, aber später das Reich zerfallen ist. Zur Erklärung werden neue Umstände und Faktoren benötigt. Außerdem ist bei der Dekadenztheorie zu fragen, welche Verhaltensweisen gemeint sind. Ein Luxusleben konnte sich nur eine kleine Minderheit leisten. Sich mit Pfauenfedern am Gaumen zu kitzeln, um sich zu erbrechen, und dann weiterzuessen, war etwas, das bei über 90 % schon aufgrund der Lebensumstände ausgeschlossen war. Nur einzelne Genußsüchtige haben dies praktiziert. Ausschweifungen und Orgien war nicht das typische Leben des Durchschnittsrömers. Abgabe von kostenlosen oder verbilligtem Getreide und Geschenke bei Circusspielen sollten nicht zu einem Leben in Müßiggang (keine Anstrengung ehr nötig, für den Lebensunterhalt zu arbeiten) übertrieben werden. Dies betraf die ärmere Bevölkerung in der Stadt Rom und einigen anderen größeren Städten und selbst für diese führte dies nicht zu Reichtum und einem Leben in Saus und Braus.

Exzesse von Herrschern in Verbindung mit Unfähigkeit enthalten keine Erklärung für langfristige Erscheinungen und Schiwerigkeiten, die auch Nachfolger mit anderen Lebensart und bessern Fähigkeiten hatten.

Eine genaue Erklärung des Zerfalls des römischen Reiches und des Untergang des weströmsichen Reiches ist auch für die Geschichtswissenschaft eine schwierige Aufgabe. Eine Vielzahl möglicher Ursachen ist zu bedenken. Ein einziger Grund ist nicht ersichtlich. Vielfältige Erscheinungen sind zu untersuchen, die miteinander auch wechselseitig in Zusammenhang stehen.

Am naheliegendsten ist ein Ansatz, der ein Zusammenkommen von innerer Schwäche und äußeren Druck annimmt.

Der römische Staat hatte bei gestiegenen Anforderungen an Schutz der Grenzen und Aufrechterhaltung von Ordnung einen Finanzbedarf. Die Verteilung der finanziellen Lasten begünstigte eine Elite von Großgrundbesitzen und belastete andere Gruppen stark, was zum Teil ungünstige Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft hatte und langfristig einer Tendenz zur Feudalisierung und Regionalisierung auf Kosten der Zentralgewalt Vorschub leistete.

Eine Abneigung gegen Wehrdienst nahm zu, auch auf dem Land, wo Grundherren ihre Colonen nicht ziehen lassen wollten. Vermehrt wurden nichtrömische Soldaten in die Armee aufgenommen.

Notmaßnahmen wie Bodenbindung der Bauern und Erbzwang bei lebenswichtigen Berufen (z. B. Schiffer, Bäcker, Soldaten) deuten auf Schwierigkeiten und können als Verfallsymptome gedeutet werden. Eine in der Spätantike ausgebaute Bürokratie war eine Reaktion auf Schwierigkeiten mit einer Anspannung der Kräfte. Dabei auftretende Korruption war eine Belastung für die Gemeinschaft.

Als Niedergangserscheinungen können Geldentwertung, Niedergang der Bildung, alle Schichten erfassender Aberglaube, Brutalisierung der Strafjustiz angesehen werden. Die Einwohnerzahl des Römischen Reiches scheint abgenommen zu haben. Seit dem 4. Jahrhundert verloren die Städte bis auf Konstantinopel an Glanz und Größe. Teile ehemals bestellten Landes verödeten.

Mit Verallgemeinerungen ist aber Vorsicht geboten und die Ursachen der Schwäche sind nicht leicht zu fassen.

Es anderseits auch aufstrebende Tendenzen : Die Buchform des Kodex setzte sich durch, die Wassermühle gewann Verbreitung, Kummet und Steigbügel verbesserten die Nutzung des Pferdes, Eisenwerkzeuge wurden häufiger und besser, in der Seidenverarbeitung entstand ein neuer Zweig der Textilindustrie.

Ein wichtiger zu berücksichtigender Grund ist der Druck durch Angriffe von außen. Bei den Germanen (Völkerwanderungszeit) gab es Bevölkerungswachstum, Fortschritte in der Kriegstechnik und ein Zusammenschließen zu größeren Kampfeinheiten. Der Vorstoß der Hunnen aus Innerasien nach Europa löste Wanderungsbewegungen aus.

ein Buch mit einer Übersicht zu Deutungen:
Alexander Demandt, Die Spätantike : römische Geschichte von Diokletian bis Justinian 284 – 565 n. Chr. 2., vollständig bearbeitete und erweiterte Auflage, München : Beck, 2007 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 3, Teil 6 ), S. 579 - 608

S. 586: „Die Dekadenzerscheinungen der Spätantike lassen sich weder bestreiten noch verallgemeinern. Der auf heidnischer Seite von Ammianus Marcellinus, auf christlicher von Johannes Chrysostomos und Salvian erhobene Vorwurf des Sittenverfalls ist die letzte Strophe eines Klageliedes, das bereits mit Cato maior anhebt und sich durch die Jahrhunderte hinzieht. Es trägt wenig zur Erkenntnis der besonderen Lage der Spätantike bei. Ergiebiger sind die Nachrichten für einzelne Lebensbereiche.“

S. 587: „Von einer dekadenten „Zeit“ kann man bezüglich der Spätantike nicht reden, an Vitalität war kein Mangel. Die Interessen und Aktivitäten verlagerten sich, und diese Verschiebung führte zu einem Aufblühen all dessen, was für das Mittelalter kennzeichnend ist, und zu eine Abwelken dessen, was für die Antike typisch war. Nur in diesem eingeschränkten Sinn kann von Dekadenz in der Spätantike gesprochen werden.“

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@Albrecht

Sehr gute Darstellung, eine perfekte Antwort - DH!

Demandt ist auch eines der besten Werke, das man hier zur Einführung zitieren kann.

Ein weiteres wichtiges Argument gegen die Dekadenztheorien ist noch, dass der Zerfall des Imperiums zunächst nur im Westen erfolgte, genau dort wo die gemanischen Heere einfielen. Im Osten zerfiel es erst rund 200 Jahre später, als arabische Heere einfielen (Demandts Buch endet vorher).

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