interview über markus Evangelium!?

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1 Antwort

Also, als Nicht-an-irgendeinen-Gott-Gläubiger will ich versuchen, das Mk.-Evangelium ein klein wenig zu interpretieren:

Es ist anerkanntermaßen das älteste der vier kanonischen, um 70 n. Chr. entstanden (weit weg vom Todesdatum des Jesus). Nach altkirchlicher Tradition wurde dieses Evangelium von einem Johannes Markus nach den Lehrvorträgen des Petrus in Rom verfasst. In der moderneren Forschung wird als Autor allerdings ein unbekannter Heidenchrist angenommen, der weder Palästina aus eigener Erfahrung kannte, noch direkte Verbindung zu den Augenzeugen und Mitkollegen des Jesus hatte. 

Als Quellen standen dem Verfasser ein vermutlich schriftlicher Passionsbericht, Sammlungen von Streitgesprächen (Mk 2,1-3,6) und diffusen Gleichnissen (Mk 4) sowie unklare mündliche Überlieferungen über die "Taten" Jesu zur Verfügung. Der Textverlauf ist von der Taufe Jesu durch Johannes (Mk 1, 9) bis zur Ankündigung der Auferstehung aus dem, obwohl von grimmigen Wächtern bewachten, aber leeren Grab (Mk16, 7f.).

Die Bedeutung dieses Evangeliums ist nach christlichem Verständnis nicht die lückenlose Darstellung der Biografie des malträtierten Gottessohnes, sondern die Darstellung ihrer angeblichen Gegenwartsbedeutung für die christlichen Gemeinden. Deshalb ist der Tod Jesu der eigentliche Mittelpunkt dieses Evangeliums. Markus will begründen, warum Jesus sterben musste (z. B. Mk 3,6; 8,31; 9, 31, 10,33). 

Außerdem will er begründen, warum die Gemeinschaft der Menschen mit Jesus nur im Tod, mit seinen Leiden und mit seiner barbarischen Kreuzigung möglich ist (man bedenke: nur eine Einigung im Tod oder am Folterinstrument mache die Gemeinschaft möglich - bitte denkt an die vielen Diskussionen hier zum "Sinn des Lebens", zu "freiem Willen" u. ä. Quark)!!). Dazu gibt es ein sog. "Geheimnismotiv", das begründet, warum Jesus während seines Erdenwirkens in Verborgenheit tätig war. 

In dem Evangelium gibt es auch eine sehr deutliche Kritik an den Jüngern Jesu (z. B. in Mk 1,23-24 und 3,11). Dort erklärt Markus, dass nur Dämonen den Jesus als ihren Herrn anerkennen, während seine heiß geliebten Jünger nichts begreifen und durch die Ankündigung von Leiden und Auferstehung (Mk 8,31 ff.) immer mehr in Missverstehen und Entfremdung gegenüber ihrem "Herrn" (Jesus) getrieben wurden. 

Erst unter dem Kreuz will der (man höre und staune) heidnische Hauptmann als erster Mensch das göttliche Wesen des Jesus erkannt haben (Mk 15,39).

Ist doch immer wieder interessant zu erkennen, dass es damals schon verdammt beschwerlich war, "ihn" als "Erretter" zu betrachten - wovor und wovon, weiß keine christliche "Sau"!

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