Interpretation von Karl Marx' Religionskritik?

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2 Antworten

Grüß Dich Bina01!

Ich finde, das Marx hier die Sache nicht ganz richtig trifft. Religiös sein kann man durchaus auch ohne Christ, Jude oder Moslem oder auch ohne Anhänger anderer Religionen zu sein, die Gott oder Götter verehren. Man nennt das Freireligiosität. Die gab es zu seiner Zeit schon.

Wikipedia

"Durch die Betonung von Werten wie Freiheit, Vernunft und Duldsamkeit bilden die Freireligiösen eine kritische Anfrage an die christlichen Kirchen. Unter dem Motto „Frei sei der Geist und ohne Zwang der Glaube“ verwerfen Freireligiöse jede Art von dogmatischer Bindung und Hierarchie. Dementsprechend gelten die von dem Kirchenhistoriker E. M. Wilbur entwickelten Grundsätze:

- völlige geistige Freiheit in der Religion statt Bindung an Dogmen und Bekenntnisseuneingeschränkter 


- Gebrauch der Vernunft in der Religion statt Berufung auf äußere Autorität und Überlieferung 

- großzügige Duldsamkeit verschiedener Religionsansichten und Gebräuche statt Beharren auf Einheitlichkeit in Lehre, Brauchtum und Verwaltung."

Wogegen sich Karl Marx richtete war das Christentum. 

Diese Religion in seinem Dogmatismus, seiner Lehre und seinem Missionierungsgebaren, widerte ihn an. Das Christentum als Glaube  ist eine dogmatische und unwissenschaftliche Deutung unerklärlicher Dinge des Seins durch den Menschen, ist also Menschenwerk. Das gilt auch für andere Religionen, die einen Gott oder Götter verehren

Das meint Karl Marx mit dem obigen Satz. 

Er irrt aber in folgendem:

Ist dieser Glaube erst einmal internalisiert ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Internalisierung\_(Sozialwissenschaften)

... wirkt er im Menschen und induziert Verhaltensweisen, die mit den vermittelten Normen und Werte seiner geglaubten Religion selbstverständlich massive Auswirkungen in der Lebensgestaltung hat. Denn dann ist nur gut, was geglaubt wird, was dagegen gerichtet ist wird als schlecht und verwerflich angesehen und ausgeblendet. Das prangert Karl Marx auch an.

Es gehört zu den größten psychischen Leistungen, sich Internalisierung zu entziehen. 

Insofern macht Religion sehr wohl den Menschen. 

Im Sinne von allgemein verstandener Religiosität unabhängig von Gott und Göttern, erweitert es den Menschen und hilft ihm seine Persönlichkeit zu entwickeln. Im anderen Falle engt es den Menschen geistig ein, manipuliert ihn und ist mit Freiheitsverlust verbunden (im Handeln und Denken). Die Säkularisierung hat das aber heute schon im Christentum abgemildert.

Das jetzt noch näher zu erklären würde den Rahmen hier sprengen, wäre aber trotzdem eine spannende Angelegenheit mit garantiertem Aha-Effekt!

Herzlichen Gruß

Rüdiger

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Kommentar von vonGizycki
01.06.2016, 22:22

Hinzugefügt:

Es gehört zu den größten psychischen Leistungen, sich solch religiöser Internalisierung zu entziehen (Indoktrination).

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Kommentar von danhof
02.06.2016, 08:04

Ich habe Marx nie gelesen, aber wenn ich das lese:

"Das Christentum als Glaube ist eine dogmatische und unwissenschaftliche Deutung unerklärlicher Dinge des Seins durch den Menschen"

weiß ich schon Bescheid. Dieser eine Satz ist falsch, wie er falscher nicht sein kann. Besonders, wenn man vom Christentum ausgeht.

Das ist, als würde ich sagen, "Autofahren tun die Leute nur, weil sie alle Angst vorm Fliegen haben". Der Zusammenhang ist da überhaupt nicht gegeben. Gott hat uns Verstand geschenkt. Und die Neugierde, den Forscherdrang. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit unwissenschaftlicher Deutung zu tun. Gott ist Gott und Wissenschaft ist Wissenschaft.

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Ich interpretiere das so: der Mensch hat die Religion erfunden und nicht die Religion den Menschen. Was mich aber überrascht ist aber, dass Marx selber gläubig war?!

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Kommentar von Susii01
01.06.2016, 21:49

war er nicht...er war gebürtiger jude und konvertierte danach zum Evangelischen Christentum....nacg mehrfacher antisemitischer Anfeindungen verlor er seinen Glauben

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