Interpretation noch nie gemacht, wie?

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1 Antwort

Mir kam der Text für einen Buchausschnitt etwas seltsam vor, weshalb ich kurzerhand mal den ersten Satz gegoogelt habe. Das ist kein Ausschnitt aus einem Buch, sondern ein Ausschnitt aus der Zusammenfassung eines Buches von Friedrich Dürrenmatt, die du hier finden kannst: http://www.dieterwunderlich.de/Durrenmatt_versprechen.htm

Bei einer Interpretation ist es immer wichtig zu wissen, was man interpretiert und wann es ungefähr geschrieben wurde, um gewisse Symboliken darin zu erkennen. Das sollte auch immer direkt in der Einleitung der Interpretation stehen. Eine gute Interpretation ist schließlich eine gute Analyse.

Danach folgt man eigentlich einer Art "Kochrezept". Zuerst die sprachliche Analyse: Welche Erzählperpektive (auktorial, neutral, personal) wird verwendet? Schafft das Distanz oder Nähe zum Leser? (In diesem Fall wird das Geschehen sehr neutral und fast schon emotionslos erzählt) Das Erkennen dieses erzähltechnischen Instruments macht es leichter, gewisse Passagen zu interpretieren, da der Erzähler praktisch seine "Meinung" miteinbringt – und diese Stimme gilt es in einer Interpretation auseinanderzunehmen.

Sprachlich könnte man auch noch schauen, in welcher Zeitform das geschrieen wird, und nach Dingen wie Konjunktiv (ausgedrückte Möglichkeiten), indirekten Reden, rhetorischen Fragen usw Ausschau halten. Hier würde ich dieses "erklärt sie"/"sagte sie" herausstreichen, die die Aussagen des Mädchens klar in Frage stellen und ihre Glaubwürdikgeit anzweifeln. Hier finde ich auch den Satzbau ganz interessant, der sehr kurz und abgehackt mit teils unvollständigen Sätzen ist ("Nichts geschah."). 

Inhaltlich sind natürlich die Hauptfiguren und das Thema des Textes zu identifizieren. Hautpfigur ist ganz klar Mathäi, der sich Sorge um Annemarie macht. Das Ende des Textes zeigt aber, dass er sich nicht aus väterlicher Liebe Sorgen um sie macht. Auch geht es in dem Text um einen Mörder, an dem Mathäi interessiert zu sein scheint. Das ist ein Widerspruch, der meiner Meinung nach eindeutig in die Analyse und Interpretation gehört.

Was für Charakterzüge kannst du also aus dem Text für Mathäi festmachen? Es spricht doch für sich, dass er beobachtet, wie sie zur Waldlichtung läuft, wohlwissend dass sie "dem Mörder" begegnet war, aber nicht einschreitet. Gleichzeitig verfolgt er sie aber die erste Hälfte des Textes. Die Puppe, auf die Annemarie am Ende des Textes sieht, finde ich da ein schönes Symbol, da sie gespielt wird, wie eine Puppe ;) Der Schreck am Ende zeigt nur, dass sie sich ihres Handelns nicht bewusst wahr, und die Mutter, die erkennt das Spiel von Mathäi ganz klar.

Wer ist außerdem der mysteriöse H. den Mathäi überzeugt? Obwohl namenlos hat er scheinbar die Position des Staatsanwalts inne, aber Mathäi muss ihn überzeugen einen Mörder zu fassen, also macht er seinen Job irgendwie nicht richtig.

Glaube, wenn du das alles irgendwie einbaust, dann dürftest du für den kurzen Text mehr als genug Interpretation zusammenbekommen ;)

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Kommentar von mirtta
20.11.2016, 20:00

Ich danke dir seeeehr 🙏🏻🙏🏻
Jetzt verstehe ich es ^^

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