Input zum Thema Psychologie Studium?

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5 Antworten

Ich habe selbst Psych. studiert (und mit Einser Diplom beendet) , allerdings war das Studium früher nicht so verschult wie heute. Und auf meiner Uni wurde auch nicht der Schwerpunkt auf Mathematik und Statistik gelegt. Ich kam also mit meinem Mathehass noch ganz gut klar. Ich habe mich gleich im zweiten Semester einer kleinen privaten Arbeitsgruppe angeschlossen, wo wir zusammen lernten (und feierten). Und da waren gute Mathematiker drin, die mir dann auch viel erklärten. Bei vielen Sachen hatte ich schlicht vergessen, dass ich die in der 11. Klasse schon gelernt hatte. Stichwort: Punktwolke.

Heute empfinde ich das Studium, wie ich es von Praktikanten mitbekomme, als extrem verschult. Und ich habe eher den Eindruck, dass Psychologiefunktionäre ausgebildet werden.

Das, was man sich unter Psychologie vorstellt, wird eher im Theorieteil der guten Psychotherapiezusatzausbildung gelehrt.

Wenn hier in manchen Antworten steht, dass man gut auswendig lernen muss, gruselt es mich immer und ich denke, dass ich einer anderen Generation angehöre.

Ich kann mich noch erinnern, dass ein Prof, für klinische Psychologie gerne fragte: "Was ist das Ich bei Freud?" Wenn man dem mit angelerntem Wissen  und auswendig gelernten Definitionen kam, hatte man Glück, wenn er gelangweilt sagte: "ja ja das steht im Buch." Meistens aber war das der Beginn des Untergangs und er prüften einen auf 5. Oder er fragte: "Was ist Ganzheit?" Wenn man dann so blöd war und brav sagte: "Ganzheit ist mehr als die Summe seiner Teile" war auch das der Beginn des Untergangs. Natürlich hat sich das bei den Studierenden, die ihn länger kannten, rumgesprochen. Aber Studenten, die ihn nicht so kannten und von einer anderen Uni kamen, und die Dummheit begingen, ihm Buchdefinitionen zu sagen, fielen unweigerlich durch.

Ein anderer Prof in einem anderen Fach "Entwicklungspsychologie" oder "Testtheorie" liebte es, wenn man ihn wörtlich zitierte.

Es ist also immer hilfreich, die Vorlieben und Abneigungen der jeweiligen Prüfer auf dem Kasten zu haben.Jedenfalls hat die Unipsychologie wenig damit zu tun, was in dem Schulfach gelehrt wird. So habe ich einer Schülerin der 13, Klasse bei einer Hausarbeit über Psychoanalyse geholfen und ihr eine glatte 5 eingefahren. LOL. Die Lehrerin hatte halt selbst keine Ahnung.

und ich denke mal die eigene Psyche, ob man noch alle Tassen im Schrank hat, wird vermutlich auch getestet. 

Nicht während des Psychstudiums, nein .

Das ist erst wichtig bei der Ausbildung zum Psychotherapeuten. Aber auch hier ist die Frage, was "alle Tassen im Schrank" bedeutet, wichtig. Man spricht da von "belastbar", aber "belastbar" heißt nicht, dass man alle Lasten tragen kann, sondern dass man sich auch wehren kann, Lasten aufgeladen zu bekommen. 


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Kommentar von tommy40629
07.11.2016, 15:55

Heute, wo das Diplom fast tot ist, wird an den Unis kein Tiefsinn mehr verlangt.

Auswendig lernen und die Dinge einfach anwenden und leider leider ist auch keine Zeit, dass man sich tiefgründiger mit der Materie befasst.

30 Punkte pro Semester sind wirklich hart. Zwischen zisch Vorlesungen und Übungsgruppen entscheidet man sich dann ganz schnell nur noch das zu lernen, was für die Klausur wichtig ist.

Man hört sehr oft vom Diplomern, dass das früher nicht so war.

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Kommentar von Sotoben
07.11.2016, 15:58

Vielen Dank für die Infos. Hm, leider hört sich die Einschätzung auch sehr negativ an. Verumtlich muss ich die Sache doch noch mal überdenken.

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Ich würde es nochmal anders aufziehen:

Unbedingt von der oftmals anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie mit Psychiatrie und Psychotherapie verabschieden.

Früher gab es zahlreiche Jobs im klinischen Bereich, das Studium sah bis Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre vollständig anders aus, dann gab es eine radikale Reform der Rahmenordung durch die KMK, auch bedingt durch sich ankündigende, ebenfalls radikale Änderungen in der Sozial-. und Gesundheitspolitik, wie auch durch sich zunehmend verändernde Anforderungen und andere Nachfragen am Arbeitsmakt (es wurden hier erstmals "Wünsche" der Wirtschaft / von (künftigen) Arbeitgebern mit einbezogen). Die Einführung des PsychThG 1999 trug dann ebenfalls nochmals dazu bei, dass die beruflichen Perspektiven sich verschoben haben.

Heute finden die meisten Psychologen in den Branchen Consulting, Personal und Organisation und Marktforschung wie natürlich in der universitären und außeruniversitären, auch industriellen Forschung ihre Jobs. Sich von Anfang an auf den klinischen Bereich zu fixieren oder sogar das Berufsziel Psychotherapeut zu haben DIS-qualifiziert für ein Psychologiestudium, da die Chancen NICHT in den Bereich zu kommen um ein Vielfaches größer sind, als dass man es schafft. Insofern bitte mit diesem Berufswunsch gleich Medizin studieren!!!

Weiterhin sich klarmanchen, dass es sich um ein mathematisch-naturwissenschaftliches Fach handelt. Es geht v.a. um messtheoretische Probleme, Experimantaldesigns und statistische Vorhersagemodelle. Und hier auch noch ein Hinweis: es werden keine Statistiken erstellt und ausgewertet, das ist in der Soziologie zu finden. In der Psychologie ist der Hintergund ein völlig anderer, analog zur Physik. Man benötigt mathematisch zu formulierende Vorhersagemodelle, die man dann mit in Experimenten erhobenen Daten auf ihre Gültigkeit abgleichen kann. Größtenteils finden hier probabilistische / statistische Modelle (hier wieder größtenteils das Allgemeine Lineare Modell) Anwendung.

Psychologie hat viele Bereiche, in denen man Zusammenhänge und Theorien und Modelle usw. erstmal verstehen muss (auch die einzelnen psychologischen Fächer und Ansätze (Paradigmen) verknüpfend), dann muss man viele Details auswendig lernen und auch in der Regel pauken, wie man zu diesen gekommen ist (also Studien insbes. Experimente bimsen). Dazu muss man selbst in der Lage sein, Verstandenens und Gelerntes eigenständig einer methodenkritischen Betrachtung zu unterziehen ("Wie prüfen Sie diese Hypothesen? Entwickeln Sie einen statistischen Versuchsplan! Welche alternativen Versuchsdesigns und Auswertungsmodelle gäbe es? usw.").

Auch Enttäuschungen in Bezug auf die Inhalte sind vielfach die Regel:
Erwartung: ich lerne tolle Sachen wie Täterprofile erstellen, Gespräche führen, Lügner erkennen, Menschen helfen, Probleme zu lösen, Menschen zu therapieren usw. -- Realität: ich studieren ein experimentell ausgerichtetes mathematisch-naturwissenschaftliches Fach und beschäftige mich den ganzen Tag mit Erlernen des mathematischen und sonst methodischen Handwerkszeugs und mit großen Mengen an empirisch prüfbaren Theorien und Modellen, die ich vorher niemals mit Psychologie in Verbindung gebracht hätte (und das, was ich für Psychologie gehalten habe, kommt gar nicht vor), hinzu kommen noch Grundlagen wie Wissenschaftstheorie aber auch Neurophysiologie, Genetik und Neuroanatomie usw.

Ohne Affinität zu naturwissenschaftlichem Denken und Interesse an (vorwiegend experimenteller) Forschung wid das Studium interessens- und damit motivationstechnisch hart - und führt meistens zum Studienfachwechsel (die beliebtesten Wechselfächer sind Soziale Arbeit und teilw. Medizin). 

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Ich habe mich gegen das Psychologiestudium entschieden - zwar würde es mich von der Materie her seeehr interessieren, aber bei uns ist es wohl der grösste Studiengang. Es hat sooo viele Studenten, dass die Vorlesungssäle und die zusätzlichen Übertragungsräume überlaufen. Es fallen bei uns immer mindestens ein Drittel der Studenten am Ende des zweiten Semesters durch, das auch weil die Anforderungen ziemlich hoch sind, weil man ja eben auch zu viele Studenten hat. Einen Job zu finden ist ebenfalls nicht sehr leicht, wenn es jedes Jahr so viele Abgänger hat.

Alles ist nicht spannend, das ist in keinem Studium so, darum sollte man es sich gut überlegen worauf man Wert legen möchte beim Studium.

ich studiere jetzt Germanistik in einem kleineren Jahrgang, nach meiner Erfahrung lernt man in diesen kleinern Umfeldern besser, je grösser, desto unpersönlicher und desto weniger kommt man dem Fach wirklich nahe.
- das ist aber meine Meinung.

Du solltest natürlich etwas studieren, das dir gefällt - darauf solltest du in erster Linie achten, daher kann ich dir schlecht raten, was du tun sollst.

Die oben genannten Argumente haben mich zu meiner Entscheidung bewogen, und ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung.
viele meiner Freunde, die Psychologie studieren raten eher davon ab.

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Kommentar von tommy40629
07.11.2016, 15:43

Mit 30% Durchfallern seid Ihr richtig gut.

An der Heinricht-Heine Uni sind früher in Mathe 70% teilweise 90% der Leute durch die Klausuren gefallen. Jetzt wurden die Richtlinien so umgestaltet, dass seit 2015 noch mehr Studenten durchfallen.

Aktuell halten 2 Dozenten Einführungsvorlesungen, die erst brechend voll (rund 300 Leute) sind, am Semesterende sitzen dort keine 30 Studenten mehr. Wir waren 2012 ca. 20 Überlebende.

Und das fand alles unter guten Richtlinien statt. Seit 2015 ist damit Schluss.

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Kommentar von Dahika
07.11.2016, 15:45

Einen Job zu finden ist ebenfalls nicht sehr leicht, wenn es jedes Jahr so viele Abgänger hat.

Jein.   Natürlich muss man schon einen Einer-Abschluss anstreben, das ist klar. Aber momentan und in den nächsten paar Jahren auch wird eine ganze Generation von Psychologen aus dem Dienst ausscheiden. Ich kann mich erinnern, dass, als ich mich um eine Stelle (in einer Beratungsstelle - eine Praxis wollte ich nie - ) bewarb, gab es mit mir 90 andere Bewerberinnen.

Vor fünf Jahren suchten wir eine/n weitere/n Psychologin/en  und es trudelten klägliche 8 Bewerbungen ein. Und davon waren fünf unbrauchbar: zu schlecht, zu alt, ehemalige weltreisende Hippies...

Die meisten Psychologen mit therap. Ambitionen wollen halt in die freien Praxen.

Ich nicht. Soviel arbeiten wollte ich halt nicht.

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Kommentar von Sotoben
07.11.2016, 15:54

Hm, dass lässt mich jetzt tatsächlich stark nachdenklich werden. Mich interessiert bei der Psychologie auch eher die Materie an sich also, was tun Menschen, wieso tuen sie genau das, was läuft da im Hirn ab, in wie weit kann man einen Menschen "lesen", was gibt es für Störungen/Krankheiten etc. Das es da auch so extrem viel Konkurenz im Studium und Job gibt, hätte ich nicht gedacht. Das zeichnet natürlich wenig Zukunftspotential ab. Oh weia, da muss ich mir wohl doch einen Plan B suchen. :/ Aber trotzdem erstmal Danke für die ehrliche Meinung. ^^

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hab selbst 3 semester psychologie studiert an einer fernuni. fand es auf jedenfall sehr interessant, bin nur an mangelnder eigeninitiative gescheitert °~°

wie du schon sagst ist mathe nicht zu unterschätzen. ich war überrascht wie groß der anteil im ersten semester ist. statistik klingt erstmal nicht schlimm, aber da wurd man doch mit recht komplexen formeln konfrontiert, meiner meinung nach. war überhaupt nicht mein ding.

und ja, englisch ist natürlich auch wichtig für die ganze fachliteratur oder einzelne artikel. man sollte auf jedenfall gerne bücher welzen ^^

auch so das grundverständnis für biologie sollte vorhanden sein. was so die neurologischen sachen angeht.

und dass die eigene psyche getestet würde ist mir neu. nicht umsonst gibt es doch das vorurteil/klischee, dass psychologie-studenten meist selbst einen an der klatsche haben und versuchen über das studium sich selbst zu heilen xD

achja, je nach uni kann der schwerpunkt variieren. mit dem studium an der fernuni könnte man z.b. nicht gleich therapeut werden, sondern eher in die forschung gehen. mach dich also schlau, wozu dich das studium genau qualifiziert.

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Kommentar von Sotoben
07.11.2016, 15:28

Alles klar, vielen vielen Dank für die Hilfe. Das mit dem Psycho Test war nur meine eigene Vermutung, aber besser wenns das nicht gibt, ich hab manchmal auch ganz schön einen an der Waffel. ^^ Darf ich dich noch fragen ob du einen NC brauchtest und wenn ja welchen?

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Ein Tipp zum Studium schon mal vorweg:

Bei den normalen Studenten, die wirklich lernen müssen und kein fotografisches Gedächtnis haben ist ein Faktor extrem wichtig.

Ob man das Studium schafft hängt mit bis zu 50%, vielleicht sogar mehr, von den Dozenten ab, die die Vorlesung gestalten.

Haben die keine Lust, dann wird es wirklich schwer, für normale Studenten. Vor allem die Klausuren sind dann sehr hart und für eine 4 muss man sich quasi totarbeiten.

Wie kann man das umgehen? Keine Ahnung, vielleicht gibt es Fakultäten, wo die Dozenten gern lehren.

Zu Deiner Frage:

Wir konnten das im Mathestudium als Nebenfach wählen.

Mein Kumpel aus dem Mathestudium hat es als Nebenfach gewählt.

Mein Wissen sind SEINE Erfahrungen!

Du hast Recht, das Englisch sehr wichtig ist, denn man muss viel mit englischer Fachliteratur arbeiten.

Statistik sollte man auch mögen und können, es kommt auch Wahrscheinlichkeitsrechnung dran, ist aber Abiturlevel.

Und man muss in kurzer Zeit sehr viel Wissen im Kopf behalten können:

Also man muss echt gut auswendig lernen können.

Man bekommt für die einzelnen Module relativ wenige CP-Punkte, man hat also relativ viele Module pro Semester, um auf seine 30 CP's pro Semester zu kommen, wenn man das Studium in der Regelstudienzeit schaffen möchte.

Wir beide mussten im Nebenfach 24 CP schaffen, die ich mit 4x6 CP recht schnell drin hatte, 4 Semester. (Wie gesagt, im NEBENFACH, eh hier welche rumunken, dass ich in 4 Semestern nur 24 CP schaffte)

Es hat Psychologie nach 6 Semestern immer noch im Nebenfach, weil die CP's so mickrig sind, mit 3 und 4 CP's. Aber der Aufwand die paar CP's zu erhalten ist recht hoch. 

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