Inkasso Abzocke ... Urteil von 1967... noch aktuell?

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4 Antworten

  • Inkassovergütung muss auch nicht bezahlt werden, verstößt gegen die Schadensminderungspflicht des Gläubigers (§ 254 BGB). Rechtsanwalt oder Mahnverfahren sind günstiger und effektiver.
  • Kontoführungsgebühren müssen in der Tat nicht bezahlt werden.
  • Unterlasse Brieffreundschaften mit Inkassounternehmen, die leben von der Unwissenheit der Bürger und bewegen sich rechtlich auf dünnem Eis.
  • Eine widersprochene Forderung darf nicht weiter angemahnt werden, das Inkassobüro muss diese an den Gläubiger zurück geben, es sei denn das Inkassobüro ist gleichzeitig eine Anwaltskanzlei.

Zahl die Hauptforderung zzgl. Verzugszinsen und evtl. Mahngebühren (2,50 € pro Brief) an den Gläubiger. Ist dir eine vollständige Zahlung nicht möglich, so vereinbare leiste eine Anzahlung und vereinbare Ratenzahlung mit dem Gläubiger - nicht mit dem Inkassobüro.

Wieso machst du überhaupt eine Brieffreundschaft mit denen? Die Inkassokosten würde ich im übrigen auch nicht bezahlen. Die sind nach Meinung einiger Gerichte nicht erstattungsfähig. Das ist keine rechtliche Garantie aber doch eine gute Grundlage. Auch sind gewonnene Urteile wegen ausschließlich Inkassogebühren nicht bekannt oder nicht zu finden.

Ich würde maximal einmal kurz reagieren. Beispiel "Ich weise die Kontoführungsgebühren zurück. Im RVG gibt es keinen Posten Kontoführungsgebühren und sie sind auch kein Kreditinstitut unter der Aufsicht der BaFin. Für eine einfache Textdatei auf einem Computer bezahle ich nichts. Wenn Sie dies weiterhin einfordern empfehle ich Ihnen eine Klage. Die Inkassokosten werde ich nach Durchsicht einiger Urteile nun ebenfalls nicht zahlen. Siehe zum Beispiel AG Dieburg, 20 C 646/12: Die Geltendmachung von sog. Inkassokosten im Wege des Schadensersatzes verstößt regelmäßig gegen die Schadensminderungspflicht."

Man muss ehrlicherweise sagen, dass es am Richter liegt. Folgt er der Argumentation der anderen Richter, dass in deinem besonderen fall das Einschalten eines Inkassos gegen die Schadensminderungspflicht verstößt oder tut er das nicht. Und lass dich nicht mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verwirren. Das führen Inkassos gerne an, das hat aber im Grunde keine Bedeutung. Wenn man sich an etwas halten sollte, dann an das BGH. Dieses hat eindeutig gesagt: Inkassobüros müssen sich an der Schadensminderungspflicht messen lassen. Dass sich das dann so auswirkt, dass am Ende Gerichte argumentieren, dass Inkassokosten nicht mehr erstattungsfähig sind, ist die logische Konsequenz.

Statt eine neue Rechnung zu verlangen mache einfach eine Gegenrechnung auf. Überweise das Geld direkt an den Gläubiger (nicht ans Inkasso) und schreibe im Verwendungszweck "Nur Hauptforderung + Zinsen + Briefporto" o.ä.

rainerendres 04.07.2013, 09:46

Probem bei Ihm ist das die HF unstrittig ist und er nicht in voller Höhe bezahlen kann

Sein score ist auch im grünen Bereich

Die Inkassofirma weiß das und quetscht Ihn Gebührentechnisch aus

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mepeisen 04.07.2013, 09:52
@rainerendres

Auch dann verbietet sich eine Brieffreundschaft. Einfach selbst eine Ratenzahlung ansetzen. Beispiel "Ich beginne eine Ratenzahlung in Höhe von XX€. Die Zahlungen sind zuerst auf die Hauptforderung, dann auf Briefporto und Zinsen zu verrechnen. Wenn das nicht gewünscht wird, haben Sie die Annahme des Geldes zu verweigern. Diskussionen oder Verhandlungen sind von meiner Seite unerwünscht." Natürlich die Ratenzahl so gering wie möglich halten. Damit das schnell beglichen ist und die Gegenseite vor vollendeten Tatsachen steht.

Eine Ratenzahlung muss die Gegenseite nicht zustimmen. Sie kann weiter auf die sofortige Bezahlung bestehen. Dann kann sie die weiteren Wege einschlagen. Wenn aber am Ende rauskommt, dass nicht mehr möglich war für den Schuldner, wird der Richter unangenehme Fragen stellen. Auf jeden Fall beginnt man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten mit der Tilgung der Hauptforderung, die sollte einfach so schnell wie möglich weg, um der Gegenseite den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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rainerendres 04.07.2013, 10:31
@mepeisen

Evtl wäre es sogar besser er zahlt zweckgebunden was er kann direkt an den GL und wartet auf den Mahnbescheid und widerspricht den Märchengebühren - bei Ihm wären das immerhin insgesamt lt anderem Threadh schlappe 600 (!) €uronen die er einsparen kann - Da spielen die Kosten des MB kaum eine gr Rolle

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mepeisen 04.07.2013, 17:00
@rainerendres

Habe gerade das andere gelesen. Wenn sowieso bereits Raten gezahlt wurden, einfach stur weiter machen. Die offene Rate so schnell wie möglich nachzahlen. Da ist wirklich viel im Argen. Die Inkassogebühren betragen das doppelte dessen, was laut RVG-Tabelle möglich wäre.

@Milano. Also. Ich würde hier gar nicht weiter mit denen diskutieren. Ich würde so schnell wie möglich die fehlende Rate nachzahlen. Sehe zu, dass du das hinbekommst. Danach würde ich denen schreiben. Beispiel:

"Hallo. Ich weise die Kontoführungskosten zurück. Sie stehen nicht unter Aufsicht der BaFin. Ich weise die Inkassogebühren zurück. Das Fordern von Inkassogebühren im Wege des Schadensersatzes verstößt regelmäßig gegen die Schadensminderungspflicht. Zudem haben Sie keinerlei Begründung für die Berechnung der Inkassogebühren abgegeben (Siehe §11a RDG). Für eine Einigungsgebühr gibt es keinen Grund. Es wurde hier kein Streit beigelegt. Die bezahle ich nicht und ein diesbezügliches Schuldanerkenntnis zu unterschreiben, verweigere ich. Dazu bin ich nicht verpflichtet. Da ich sehe, dass Sie hier im mittleren dreistelligen Bereich unberechtigte Gebühren bei mir erheben wollen, behalte ich mir weitere Schritte vor. Der BDIU wurde bereits informiert. Ich werde weiterhin Raten zahlen. Sie sind ebenfalls an diese Ratenzahlung gebunden."

So würde ich es formulieren. Wichtig: Wirklich stur weiterzahlen. Du musst eh noch einiges abbezahlen. Man kann nun in aller Ruhe die Reaktion abwarten und dann überlegen, wie man weiter vorgeht. Irgendwann im Herbst, wenns draussen stürmt, kann man sich mal hinsetzen und die Gegenrechnung machen.

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Ich denke, da ist alles gesagt, und man muss auch nicht weiter diskutieren. Da kommen jetzt nur noch die üblichen, vorgefertigten Bettelbriefe.

Urteile, in denen Inkasso-Kontoführungskosten akzeptiert werden, sind fast alle uralt (mindestens vor 2000), von fehlenden Abwehrversuchen mal abgesehen. Ganz allgemein hat sich das Anwaltskosten-Äquivalent als Grenze für vom Schuldner zu zahlende Inkassokosten durchgesetzt, mit zunehmender Tendenz, die gar nicht mehr anzuerkennen.

Laufende Kostenforderungen nur für einen Datenbankeintrag beim Inkasso sind demnach kaum noch durchzusetzen.

Ich würde da gar nichts mehr zurück schreiben, sondern abwarten und ggf. dem Mahnbescheid widersprechen.

Vorgerichtliche Inkassogebühren sowie Kontoführungsgebühren sind meistens nicht durchsetzungsfähig ( sofern der Schulldner über diesen Sachverhalt in Kenntnis ist )

Aber was erwartest Du ?

Warum sollte ausgerechnet ein Inkassounternehmen inkassounfreundliche Gerichtsurteile posten ?

Wenn jemand ohne Murren die die nicht durchsetzungsfähigen Inkassogebühren plus die Einigungsgebühr zahlt dann zahlt er auch die nicnt durchsetzungsfähigen Kontoführungsgebühren

Man versucht maximalen Profit einzufahren

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