Stimmt es, dass es einen Mangel an qualifizierten Ingenieuren gibt?

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7 Antworten

Dazu muss man sich nur einmal verdeutlichen wie dieser „Mangel“ zustande kommt und wer ihn propagiert – ergo: wem er nützt.
Doch der Reihe nach:
Vor 4 Jahren wurden die Einstiegsgehälter für die hierzulande dringend benötigten Ingenieure aus dem Ausland angepasst.
Als so knappe Ware hatte sich deren Wert aber nicht etwa verteuert:
http://www.sueddeutsche.de/karriere/zuzug-auslaendischer-fachkraefte-jetzt-reicht-auch-ein-durchschnittsgehalt-1.1320155
Genau diese Tatsache allein zeigt bereits, dass es mit dem „Mangel“ nicht so weit her sein kann.

Bei der Suche nach der Quelle des „Fachkräftemangels“ unter Ingenieuren
tauchen immer wieder die gleichen Protagonisten auf.
Die Bundesagentur für Arbeit stellt Daten über offene Stellen und arbeitslose Ingenieure zur Verfügung. Aus diesen Daten „errechnet“ der VDI (rein wissenschaftlich versteht sich) zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft IW) die Zahl der offenen Stellen.
Schauen wie uns diese „Berechnung“ näher an.
Da – so argumentiert der VDI auf Basis einer Umfrage – der BA nur jede siebte Ingenieursstelle gemeldet wird, muss folglich die Zahl der offenen Stellen mit dem Faktor 7 multipliziert werden.
Nun (und nicht etwa vorher) wird diese „errechnete“ Zahl mit der
Anzahl der arbeitslos gemeldeten Ingenieure verglichen und es ergibt sich
Richtig! – eine Lücke, die als Fachkräftemangel durch die Pressestuben und Medien in Deutschland tobt.
Wer sich umfassend informieren will – bekommt auch objektive Berichte, die aber überaus auffällig nicht nur in der Unterzahl sind, sondern auch noch zu später Stunde laufen wie die ARD-Reportage:

(Der Arbeitsmarktreport - das Märchen vom Fachkräftemangel | ARD Reportage vom 21.07.2014 )

Demnach hat der VDI seine „Berechnungsgrundlage“ mittlerweile von 7 auf 5 reduziert. Natürlich ohne Begründung.

Reicht aber immer noch für eine „Fachkräftelücke“.

In einem sehr interessanten Streitgespräch in der Wirtschaftswoche

Gehen Deutschland die Ingenieure aus?

vom 22. November 2014

http://www.wiwo.de/erfolg/management/streitgespraech-fachkraeftemangel-gehen-deutschland-die-ingenieure-aus-/10979356.html

wurden die Positionen zu diesem „Mangel“ deutlich oder noch besser entlarvt.

Was ist seither daraus geworden?

Nicht zuletzt motiviert von dem „Mangel“ haben überdurchschnittlich viele junge Leute eines Jahrgangs ein Ingenieurstudium aufgenommen:

http://bildungsklick.de/pm/94962/arbeitslosigkeit-unter-ingenieuren-und-naturwissenschaftlern-nimmt-zu/

Mit dem Ergebnis, dass „der Arbeitsmarkt aber trotz guter Konjunktur nicht in der war Lage, das zusätzliche Arbeitskräfteangebot aufzunehmen.“

Wen das mit den vielen Zahlen, mit der BA, dem VDI, dem IW oder dem DIW noch immer nicht überzeugt hat, dem sollte aber Folgendes zu denken geben:

Man stelle sich vor, dass in der Wüste Jemand nach Wasser ruft, weil er durstig ist. Dann aber das Wasser ablehnt, weil es nicht spritzig ist.

Würde man dem noch abnehmen, dass er durstig ist?

Mit dem „Fachkräftemangel“ ist das ganz ähnlich.

Wenn es ihn gibt, Ingenieure aber abgelehnt werden, weil sie „zu alt“ sind – dann kann es nicht so weit her sein mit dem Mangel.

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Naja es gibt immer einen Mangel an qualifiziertem Personal, denn es gibt immer viel weniger "gute" Leute je höher die Anforderungen werden.

Qualifizierter Ingenieur wird man ja auch nicht über Nacht, das braucht Jahre der Vorbereitung, Ausbildung, praktischer Tätigkeit und ein vernünftigen Kopf sollte auch nicht fehlen.

Ja es stimmt. Das gleiche kannst du auch sagen für Mangel an "guten" Menschen allgemein.

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Es gibt einen Mangel an qualifizierten Ingenieuren, die für ein bestimmtes Gehalt arbeiten wollen. :-)

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Kommentar von ProfFrink
16.02.2016, 21:46

Ich kenne auch die Kehrseite der Medaille. Ich habe ein bestimmtes Gehaltsniveau überschritten und werde als hochqualifizierter Ingenieur permanent davon abgehalten mich mit der Technik zu befassen. Stattdessen muss ich mich mit Angeboten, Ausschreibungen und Terminplänen beschäftigen. Mein Vorgesetzter hat mich sogar mal in sein Zimmer zitiert und mir klipp und klar zu verstehen gegeben, dass ich mich nicht mit technischen Weiterentwicklungen zu befassen habe. Dazu sei ich zu teuer. - Ich frage mich wie lange eine technologie-export-orientierte Nation sich soetwas noch leisten kann.

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ein Mangel im Sinne von "viele dringend zu besetzende freie Stellen" nicht

ein Mangel im Sinne "tausende Stellen, die die Wirtschaft gerne mit Fachkräften besetzen würden, die billiger sind" ja, natürlich

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Kommentar von haku7
17.02.2016, 12:03

Wieso nur "tausend", die Aussage kann man sicher auf alle Arbeitnehmer ausweiten.

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Gute Ingenieure werden immer gesucht.

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Nein,gibt es nicht.Aber ausländische Ingenieure sind billiger als hier in Deutschland promovierte.

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Kommentar von swissss
16.02.2016, 21:15

und was hat das mit Mangel zu tun. das wäre eher das Gegenteil

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Kommentar von emib5
16.02.2016, 21:25

Und deutsche Ingenieure mit Bachelor-Abschluss sind i. d. R. auch billiger als promovierte Ingenieure. Die meisten mit Master aber auch...

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Gute Ingenieure werden von vielen Firmen gesucht

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