Indien = größte Demokratie?

7 Antworten

Natürlich ist Indien eine Demokratie. Denn es wird regelmäßig gewählt (und der Wahl­verlierer räumt dann auch die Ämter), es gibt keine gesetzliche Dis­krimi­nie­rung, es gibt ein mehrstufiges Gerichtssystem, das Land bekennt sich zu Menschen­­rech­ten etc.

Wie wir alle wissen, ist die Praxis oft bescheiden: Die sozialen Unterschiede sind groß, die Kaste bestimmt teilweise die Aufstiegsschancen, Frauen werden in der Ge­sellschaft marginalisiert, und die Politik ist haarsträubend korrupt. All das sind aber nur Trends, man kann durchaus Gegenbeispiele finden (der Korruptionsgrad wech­selt z.B. sehr stark zwischen den Bundesstaaten). Der aktuelle Premier­minister, Nar­endra Modī, hat übrigens als minderjähriger Teeverkäufer auf der Straße ge­arbeitet, bevor er sich der Politik zuwandte.

Menschenhandel gibt es sogar in Deutschland, Bunga-Bunga in Italien, Kinder­arbeit in Rumänien, Sexismus in Schweden und Korruption allüberall. Wenn das strikte Aus­schluß­gründe wären, dann gäbe es weltweit keine einzige Demokratie.

In Russland wird auch gewählt!

Wenn man Indien Demokratie nennt, sollte man auch Russland Demokratie nennen.

Indien hat praktisch die gleichen Probleme wie Russland. Zusätzlich führen Maoisten und Separatisten Bürgerkriege in mehreren indischen Bundesstaaten.Warum diese ungleiche Medienpräsenz/Behandlung? Mit dem ständigen Prädikat, die größte Demokratie der Welt. Das könntest du ja thematisieren.

Den Rest kanst du ja in meiner Antwort lesen, wenn du magst.

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@Niconasbeznas

Daß ausgerechnet der nationalistische Forenpole eine Lanze für Rußland bricht grenzt ja schon an Realsatire! Wer hat sich denn Ostpolen unter den Nagel gerissen? Und das Massaker von Katyn ist bekannt? Dazu Jahrzehnte Knechtschaft unter den Sowjets. Merkst Du es noch?

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@Henryettex

Pöbeln kannst du. Aber wenn du schön pöbelst, dann wenigstens zum Thema!

Im übrigen war das dt.Medienkritisch/indienkritisch! Nicht prorussisch!

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Indien ist eine Demokratie, aber vielleicht die mit den größten Schwierigkeiten. Das liegt ganz wesentlich an der Bevölkerungszahl.

Deshalb sollte man es besser nicht als "größte Demokratie" bezeichnen, sondern als den größten demokratischen Staat.

Dazu, wie man das begründen kann, hast du bereits sehr gute Anregungen bekommen.

Wenn man Indien Demokratie nennt, sollte man auch Russland Demokratie nennen.

Indien hat praktisch die gleichen Probleme wie Russland. Zusätzlich führen Maoisten und Separatisten Bürgerkriege in mehreren indischen Bundesstaaten.Warum diese ungleiche Medienpräsenz/Behandlung? Mit dem ständigen Prädikat, die größte Demokratie der Welt. Das könntest du ja thematisieren.

https://www.tagesschau.de/ausland/indien-journalistin-ermordet-101.html

In Indien ist die Journalistin Gauri Lankesh vor ihrem Haus erschossen worden. Sie engagierte sich vor allem gegen die Regierungspartei BJP. Intellektuelle beklagen eine zunehmende Intoleranz gegenüber Andersdenkenden unter Premier Modi. Die Angreifer kamen auf einem Motorrad und feuerten mehrfach...Nur wenige politische Morde werden aufgeklärt

Ob der Anschlag im Zusammenhang mit neuen Recherchen der Journalistin oder ihrer Gegnerschaft zur BJP oder extremistischen Hindu-Gruppen steht, das ist bislang unklar. Zwar fordern auch Bundesminister der BJP jetzt schnelle Ermittlungen, doch viele politische Morde werden in Indien nicht aufgeklärt.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/indien-think-tank-sudheendra-kulkarni-anschlagAm

Am Pranger in der größten Demokratie der Welt: Der Angriff von Hindu-Aktivisten auf den Chef eines Think tanks ist ein Anschlag auf die verfasste Freiheit Indiens. Salman Rushdie spricht von "alarmierenden Zeiten".

https://www.freitag.de/autoren/hreinhardk/die-groesste-korruptions-demokratie-der-welt

Die groesste Korruptions-Demokratie der Welt!

Wahl in Indien? Indien wird gern als groesste Demokratie der Welt bezeichnet, als leuchtende Alternative zum autokratischen Regime in China gelobt. Doch haben Inder ueberhaupt eine Wahl?

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/maoisten-guerrilla-buergerkrieg-in-indien-1982781.html

Die Anschläge und Massaker, die Maoisten in Indien verüben, erschüttern das Land bis in höchste Regierungskreise.

In den letzten zehn Jahren habe ich schätzungsweise vier Jahre in Indien verbracht. Einen Maoistenanschlag habe ich noch nie erlebt, mit der Terrorangst wird hier aber genausoviel Schindluder getrieben wie in Europa.

Es stimmt, daß es im Land aktuell starke autoritäre Tendenzen gibt, und seit Modīs Wahl­sieg wird das merk­lich schlimmer. Die föderale Struktur mit den relativ selb­stän­di­gen Unions­staaten setzt dem aber Grenzen. Modī ist es außerdem noch nicht ge­lungen, die höchsten Gerichte zu korrumpieren. Die ethnische, religiöse und sprach­­liche Vielfalt des Landes setzt seinen Allmachtsansprüchen enge Grenzen. Politische Opposition existiert, und gewinnt auch gelegentlich eine Wahl. Allerdings ist durch die selbstverschuldete Implosion der Kongreßpartei ein Vakuum ent­stan­den, das Modī mit seiner BJP perfekt ausgenützt hat.

Daß Modī zum Dauerherrscher auf Lebenszeit wird, ist daher nicht anzunehmen. Oppositionskandidaten können auch frei kandidieren, ohne offiziell oder halboffiziell daran gehindert zu werden. Ich rechne zwar damit, daß Modī 2019 wiedergewählt wird, aber Verhältnisse wie in Rußland mit 20 Jahren Putinismus sind hier nicht vorstellbar (Indira Gandhī hat es versucht und ist gescheitert), weil Parteivorsitzende keine absolute Macht über innerparteiliche Konkurrenten haben.

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@indiachinacook

Nicht in allen Bundesstaaten Terror. Poltisch und Religiös motivierte Morde sehr wohl. Diese Demokratie ist genauso kritikwürdig wie die russisch. Was wäre wohl los in westl. Medien, wenn Christen Moslems massakriert würden, wie gelegentlich Hindus in Indien das tun. Im übrigen, so eine Idiolgie Putismus ist mir entgangen. Wie heißt übrigens die Hinduideologie wegen der in Indien gemordet wird? Da wird im Westen mit zweierlei Maß gemessen.

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Ich finde es gut, dass du Indien mit Russland vergleichst. In der Tat ist vieles ähnlich, aber es gibt dort immer wieder durch Wahlen veranlasste Regierungswechsel und nicht den einen starken Mann, der das politische Leben bestimmt.

Vergleiche es aber einmal mit Deutschland. Gibt es hier keine politischen Anschläge? Sind die NSU-Morde aufgedeckt worden oder haben sich die Täter selbst kenntlich gemacht?

Gibt es wirklich keine Korruption in Deutschland? Wieso bekommen nach dem Dieselskandal amerikanische Kunden eine größere Entschädigung als deutsche?

Haben wir in Deutschland etwa noch nie "alarmierende Zeiten" gehabt?

Bei allen gravierenden Schwächen wird man weder Deutschland noch Indien die Bezeichnung Demokratie absprechen können.

Indien deswegen als "größte" Demokratie zu bezeichnen, ist trotzdem missverständlich. Indien ist eine Demokratie, aber vielleicht die mit den größten Schwierigkeiten. Und das liegt ganz wesentlich an der Bevölkerungszahl.

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@Fontanefan

Viele Aspekt, die du anschreibst. Ich beschränke mich auf das Wesentliche. Da wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen in den westlichen Medien. Das hast du ja auch angedeutet.

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