Indien kolonisierung?

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3 Antworten

Ich möchte Dir das anhand der kolonialen Präsens Portugals in Indien darstellen, da ich mich damit besser auskenne als bei der britischen. Portugal entdeckte den Seeweg nach Indien (Vasco da Gama, 1498). Um diesen Seeweg und gleichzeitig auch die damit verbundenen Handelsmöglichkeiten zu sichern, wurden die Fürstentümer an der Malabar- und Koromadelküste erobert oder vassaliert, damit Portugal von dort die Möglichkeit bekam, Gewürze nach Europa zu schaffen und diese dort auf den Märkten zu verkaufen. Gleichzeitig wurde Goa zur Hauptstadt des "Estado da India" ernannt, wo der Sitz des Vizekönigs bzw. Generalgouverneurs war, der über ALLE Überseegebiete herrschte, vor allem in Asien und bis zur Errichtung des Vizekönigreiches von Brasilien auch der einzige Vizekönig des Imperiums blieb. 1961 erst verlor Portugal Goa, Diu und Daman an Indien. Die Beziehungen sind aber bis heute sehr fruchtsam: Indien gehört zu den wenigen asiatischen Ländern, die starke diplomatische Beziehungen zu Portugal hat und viele Inder tragen portugiesische Nachnamen, oftmals Bischöfe und Geistliche, aber auch viele Katholiken, da sich die Portugiesen oftmals dort assimilierten.

Wirtschaftlich war das Indien-Abenteuer für Portugal groß, denn die Faktoreien an den Küsten lagerten die Gewürze, die regelmäßig auf der "Carreira da India", der Indienroute, abgeholt wurden. Goa nannte man auch das Rom des Ostens, es muss in seiner Spitzenzeit eine der schönsten Städte der Welt gewesen sein. Ich hoffe, Dir mit diesem geschichtlichen Abriss ein wenig geholfen zu haben?



warum haben sie kolonien nach indien geschickt?



Haben die Briten das denn getan? Nein!

Gewiss gab es viele Briten in Indien. Aber wenn man mal genau hinsieht: die meisten waren staatliche Verwaltungsfachleute, die die britische Oberherrschaft geleitet und durchgeführt haben, und Kaufleute, die ihre Geschäfte vor Ort abgewickelt haben - und auch Geistliche, die den christlichen Glauben verbreiten wollten.

Im Grunde haben aber die Inder ihre regionale Verwaltung einschließlich ihrer lokalen Fürsten undauch ihre gesellschaftliche Schichtung beibehalten können. Inder, die gesellschaftlich aufsteigen wollten, haben sich englische Bildung angeeignet, z. T. in England studiert und dann ebenfalls in britischen Verwaltungsdiensten gearbeitet - was die Zahl der benötigten Briten immer relativ klein hielt. Die britische Armee in Indien bestand, von den hohen Offizieren abgesehen, fast nur aus einheimschen Sikhs und Gurkas.

Als Indien und die Unabhängigkeit entlassen wurde, sind zwar die in der Verwaltung arbeitenden Briten in ihre Heimat zurückgekehrt, aber es gab keine große Abwanderung von britischen Kolonisten, weil es sie nur in geringer Zahl gab. Dagegen sind viele Inder, die Gefallen am britischen Lebensstil gefunden hatten, nach Großbritannien eingewandert.

MfG

Arnold






Die Europäischen Staaten haben in Indien (und überall sonst) Kolonien errichtet, um sich den Zugang zu Rohstoffen, Absatzmärkten für die Produkte der heimische Industrie und den Zugang zu wichtigen Verkehrswegen zu sichern.

Eine Kolonie ist kein unabhängiges Gebilde, sondern hängt politisch und wirtschaftlich erheblich vom Mutterland ab. Es war für die Europäer schlicht günstiger, Rohstoffe aus Kolonien zu beziehen, als von unabhängigen Staaten. Denn eigenständige Staaten wollen im Außenhandel Geld erwirtschaften, in Kolonien gibt's die Rohstoffe aber zum Nulltarif für das Mutterland.

Das hat aber keineswegs immer funktioniert. Die deutschen Kolonien z.B. waren bis auf einige geringfügige Ausnahmen Zuschussgeschäfte.


Kommentar von Jgarritsen
01.05.2016, 13:45

Sehr ausführlich, danke :)

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