In zweiter Reihe parken des Fahrzeug mitschuldig an Unfall?

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5 Antworten

In der StVO findet man folgende Vorschrift:


§ 3 Geschwindigkeit

(1) Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.

Gegen diese Vorschrift hast du offenbar verstoßen, sonst wäre es nicht zu dem Unfall gekommen. Du bist also mit nicht angepasster Geschwindigkeit gefahren.

Außerdem findet man in der StVO noch folgende Vorschrift:


§ 17 Beleuchtung

(...)
(4) Haltende Fahrzeuge sind außerhalb geschlossener Ortschaften mit eigener Lichtquelle zu beleuchten. Innerhalb geschlossener Ortschaften genügt es, nur die der Fahrbahn zugewandte Fahrzeugseite durch Parkleuchten oder auf andere zugelassene Weise kenntlich zu machen; eigene Beleuchtung ist entbehrlich, wenn die Straßenbeleuchtung das Fahrzeug auf ausreichende Entfernung deutlich sichtbar macht.

Gegen diese Vorschrift hat möglicherweise der andere verstoßen, nämlich dann, wenn er an einer Stelle hielt, an der sein Fahrzeug nicht durch die Straßenbeleuchtung auf ausreichende Entfernung deutlich sichtbar war und er sein Fahrzeug auch nicht durch Parkleuchten oder auf andere zulässige Weise kenntlich gemacht hat.

"Halten in zweiter Reihe" hingegen sehe ich hier nicht (oder gab es dort einen Parkstreifen?) 

Im Übrigen darf man innerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich überall auf der Fahrbahn halten bzw. parken, wo es nicht ausdrücklich durch Verkehrszeichen oder durch allgemeine Vorschriften der StVO verboten ist (z.B. scharfe Kurve, unübersichtliche Straßenstelle, usw.). War also dort ein ausdrückliches Haltverbot durch Verkehrszeichen oder war dort das Halten bzw. Parken durch allgemeine Vorschriften der StVO (siehe insbesondere § 12 Abs. 1 und 2) verboten?

Wer nun in welchem Verhältnis zur Haftung herangezogen werden könnte, dass lässt sich einigermaßen gut an den für das jeweilige Fehlverhalten angedrohten Verwarnungs- bzw. Bußgeldern ablesen:

"Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit mit Sachbeschädigung" kann mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro geahndet werden (BKat-Nr. 8.2)

"Haltendes mehrspuriges Fahrzeug nicht oder nicht wie vorgeschrieben beleuchtet oder kenntlich gemacht mit Sachbeschädigung" kann mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von ebenfalls 35 Euro geahndet werden (BKat-Nr. 77.1)

Es ist also mit einer Haftungsquote von 50 : 50 zu rechnen. Das bedeutet: Du erhältst von der gegnerischen Haftpflichtversicherung 50 % deines Schadens ersetzt und der andere bekommt von deiner Haftpflichtversicherung 50 % seines Schadens ersetzt.

Und (was bei einer Haftungsteilung für die Versicherungen immer so schön ist ): Beide Versicherungen können (und werden) den Schadensfreiheitsrabatt herabsetzen. Ein Unfall - zwei verschlechterte Schadensfreiheitsrabatte .. :-)


Ceterum censeo novum configuration esse delendam.

Das wird auf eine Teilschuld hinauslaufen.

Unbeleuchtet auf dem Fahrstreifen zu stehen ist eine vermeidbare Gefährdung -  an der Stelle hätte aber auch genausogut jemand stehen können, der vor 30 Sekunden einen Unfall hatte und die Unfallstelle noch nicht sichern konnte, ein ebenfalls unbeleuchtetes Tier (selbst in Berlin dringen Wildschweine bis tief ins Stadtgebiet vor...), ein umgestürzter Baum oder sonst irgendetwas, das in einer nicht perfekten Welt durchaus mal auf der Straße stehen oder liegen kann - und das hättest Du bei Deinem Tempo dann genauso erwischt.

Für die Prozentsätze der Schuldanteile müsste ich wild raten - das lass ich lieber.

WIe bronkhorst schon sagte, beide trifft eine Teilschuld.

Der der ohne Licht auf der Fahrspur sein Auto anhält/parkt.

Das sieht so aus, als würde dem andere die Hauptschuld und Dir eine Mitschuld zugesprochen bekommen.

Du musst Deine Fahrweise eben so anpassen, dass Du Hindernissen, ob beleuchtet oder unbeleuchtet, ausweichen kannst.

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