In wie fern ist John Lockes Staatstheorie noch heute aktuell bzw. wo machen sich seine Beobachtungen heute in unserer Gesellschaft/Staatsformkenntlich?

2 Antworten

Grosse Teile von Lockes Werk sind mit Sicherheit auch heute noch mustergültig -wenn auch die Argumentation wahrscheinlich heute geringfügig anders ausfiele.

Locke war auch Theologe: Die Gleichheit aller Menschen und ihrer Naturrechte (Recht auf Leben, Freiheit, Würde und Eigentum) begründet er daher nicht moralisch, sondern biblisch. Das würden die meisten Menschen heute wohl anders sehen.

Seine zentrale Argumentation bleibt davon aber unberührt: Er postuliert, dass die Menschen in dem Augenblick, als sie sesshaft geworden sind, all diese grundlegenden Naturrechte möglichst weitgehend erhalten wollten -in Form seines berühmten "Gesellschaftsvertrages". Die Gleichheit der Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen unter den Bedingungen einer Gesellschaft macht eine Abwägung von individuellen- zu gesamtgesellschaftlichen Interessen nötig: Bei Locke sind die Rechte auf Freiheit und Eigentum des einzelnen bspw. durch dieselben Rechte der anderen eingeschränkt. -All das würden wir heute ohne zu zögern wieder unterschreiben.

Diesen fairen Interessensausgleich herzustellen: Das ist aus Sicht Lockes der einzigste Berechtigungsgrund einer Regierung! Er weiss auch schon um die Versuchung der Mächtigen, ihre Macht zu Gunsten ihrer selbst und ihres "Establishments" an sich zu reissen und fordert daher eine Gewaltenteilung zur gegenseitigen Kontrolle. Eine Regierung, welche trotzdem keine Zustimmung seitens ihrer Bürger geniesst oder die genannten Naturrechte nicht beschützt, ist aus seiner Sichtweise illegetim und berechtigt (bzw. moralisch verpflichtet) die Bürger zum Widerstand und zum gewaltsamen Sturz der Regierung. -Auch diesem feinen Unterschied zwischen "illegal" und "illegetim" nebst Widerstandsrecht würden wir heute nach diversen geschichtlichen Dikaturen und Unrechtsregimen sicher beipflichten. (Dass das einem Claus Schenk Graf von Stauffenberg anno 1944 wenig genutzt hat und einem neuerlichen Claus Schenk Graf von Stauffenberg irgendwann in der Zukunft auch nichts nutzen wird: Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis gab es immer schon, invalidiert seine Thesen ja aber nicht).

Wenig bekannt ist, dass Locke (wiederum basierend auf theologischer Argumentation) einen schonenden Umgang mit den Ressourcen der Erde verlangte: Man dürfe der Natur nicht mehr verderbliche Sachen entnehmen, als man selbst verbrauchen kann. -Diese These dürfte heute auf unserem überbevölkerten Planeten sicherlich noch mehr Relevanz haben, als 1690!

Wo wir heute eher ein Fragezeichen hinmachen würden, sind seine Thesen zur Sklaverei (=unter bestimmen Bedingungen wie verlorenen Kriegen erlaubt) oder dem Anhäufen unbegrenzten Besitzes durch einzelne (=erlaubt, wenn es keine verderblichen Sachen sind, also: Geld, Gold, Ländereien, ..)

In Summe ist Locke aber auch heute noch nach über 300 Jahren erfrischend modern. Schaut man sich durch seine Theorien hindurch einige unserer sogenannten "Demokratien" und deren grundlegende Probleme an, dann müssten viele Regierungen noch heute Nacht gestürzt werden.. :-)

Allerdings kann man auch andersherum argumentieren: Gerade weil Lockes Thesen grösstenteils inhaltlich immer noch objektiv richtig sind, aber in der realen Welt dermassen wenig Beachtung finden, könnte man auch fatalistisch und resigniert sagen, dass sie heute leider kaum noch relevant sind (=aber sein sollten). Das ist sozusagen eine philosophische Betrachtung..

Locke war Vertreter des Empirismus  gilt als Begründer des Liberalismus.  In seiner Staatsphilosophie propagierte er die Gewaltenteilung und sah es als Pflicht der Regierung das Eigentum, Freiheit und Leben der Bürger des Staates zu schützen. Locke beeinflusste im Endeffekt die Verfassungen nahezu aller liberalen Staaten. Er hat die Grundlagen der heutigen demokratischen Systeme mit geschaffen. Diese wurden dann, im Laufe der Zeit, weiterentwickelt. Also, die von ihm entwickelte Gewaltenteilung ist heute Grundlage jeder Demokratie. In jedem demokratischen Land, müßte es zu  seinem Ehren, in jeder Stadt, eine John Locke Straße geben. Zusätzlich wäre ein John Locke Gedenktag, als nationaler Feiertag in jeder Demokratie wünschenswert. So nebenbei erwähnt.

Die von Locke aufgegriffene Theorie des Gesellschaftsvertrags stammt bereits von Epikur. Über Pierre Gassendi ist der Epikureismus an Hobbes gekommen (während dessen Frankreichaufenthalt) und dann in der engl. Aufklärung weiterentwickelt worden, in deren Folge Locke ein wichtiges Glied war. Das ist dann von David Hume und Adam Smith weiterentwickelt worden und dann von den sogenannten Utilitaristen.

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@berkersheim

Ich stimme dir zu aber

....ich schrieb: mit geschaffen nicht geschaffen. 

Zitat: Er hat die Grundlagen der heutigen demokratischen Systeme mit geschaffen.

....ich schrieb: propagierte nicht entwickelte alleine

Zitat:....er propagierte die Gewaltenteilung

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