In welcher Form findet eine Testamentseröffnung statt?

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1 Antwort

Hallo,

alle Testamente müssen bei dem Nachlassgericht abgeliefert werden.

Dabei hat jedermann, der in Besitz eines Testamentes des Erblassers ist, die Pflicht, dieses Schriftstück unverzüglich nach dem Tod des Erblassers bei dem Nachlassgericht abzugeben. Zuständiges Nachlassgericht ist dabei in aller Regel das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser zuletzt seinen Wohnsitz hatte. Eine Ausnahme besteht nur in Baden-Württemberg, wo nicht die Amtsgerichte, sondern die Notare für die Nachlassangelegenheiten zuständig sind.

Wer ein Testament absichtlich nicht bei Gericht abliefert, macht sich strafbar und setzt sich unter Umständen Schadensersatzansprüchen aus. Erfährt das Gericht, dass ein Beteiligter ein Testament zurückhält, so können des weiteren empfindliche Zwangsgelder festgesetzt werden.

Ist das zuständige Gericht also in Besitz eines Testamentes, sei es weil dieses abgeliefert wurde oder weil es sich ohnehin in amtlicher Verwahrung befand, so hat das Gericht, ohne dass von Betroffenen ein Antrag gestellt werden müsste, das Testament zu eröffnen. Diese Testamentseröffnung erfolgt regelmäßig durch das Nachlassgericht ohne Hinzuziehung von Erben oder sonstigen Beteiligten. Wer durch das Testament in seinen Rechten betroffen ist, erhält automatisch ein vom Nachlassgericht anzufertigendes Eröffnungsprotokoll nebst einer Kopie des Testaments.

Wird ausnahmsweise vom Gericht ein Termin anberaumt, dann wird das Testament in Anwesenheit der Beteiligten eröffnet und ihnen verkündet. Die Eröffnung eines Testamentes wird dann in nicht öffentlicher Sitzung durch den Rechtspfleger des zuständigen Nachlassgerichts vollzogen. Auf Verlangen wird jedem Beteiligten das Testament in diesem Eröffnungstermin zur Einsichtnahme vorgelegt. Über den Termin wird vom Nachlassgericht eine Niederschrift angefertigt.

Schließlich kann sich jeder, der ein Interesse daran hat, in dem Eröffnungstermin eine beglaubigte Abschrift des Testaments vom Gericht aushändigen lassen. Eine solche Abschrift des Testamentes kann unter Umständen bei nachfolgenden Verhandlungen mit Banken oder Versicherungen hilfreich sein und in Zusammenhang mit dem Eröffnungsprotokoll den Erben in den Verhandlungen als Berechtigten legitimieren. Zuweilen bestehen die Kreditinstitute jedoch auf der Vorlage eines Erbscheins.

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Kommentar von sinari
22.06.2016, 00:15

Danke für deine umfassende Antwort.Falls es nicht zuviel verlangt ist,möchte ich noch gerne erfahren,wie ich mit dem Eröffnungsprotokoll weiter verfahren soll.Ich bin in dieser Hinsicht leider völlig unbedarft.Ich selbst habe noch Keines erhalten-mein Bruder schon?

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