"In Mecklenburg, zum Beispiel, leben viele Wölfe." Darf das paarige Komma bei "zum Beispiel" stehen oder ist es falsch?

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5 Antworten

Ein Einschub kann es nur sein, wenn der Satzteil, der eingeschoben wird, nicht an dieser Stelle im Satz stehen darf.

Das ist wohl der schwierigste Teil der Kommasetzung, weil man hier, ohne den Satzbau des Deutschen vollkommen durchdrungen zu haben, oft nur nach Sprachgefühl gehen kann. 

§ 78 kann man sowieso vergessen. Da haben die Verfasser des Regelwerks kurz ihr Dogma abgestreift, um alle vorhergegangenen Regeln über den Haufen zu werfen.

Allein vom Schriftbild kann ich dir sagen, dass die Kommas komplett unüblich wären. Es gibt auch keine ausdrückliche Vorschrift im Regelwerk zur Verwendung paariger Kommas an dieser Stelle. Weshalb die Verwendung folglich falsch sein muss. Du brauchst nicht nach einem Grund suchen, warum man es nicht machen darf.

Letztlich ist die Frage nach falsch und richtig oder optional aber unnötig. Bei der Kommasetzung verfährt jeder, wie er lustig ist. Man muss nur einige Bücher und Zeitungen durchblättern und sie mit den Regelungen zu Infinitivphrasen vergleichen.

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Man muss zum Beispiel wohl oder übel als Adverbiale betrachten, eine andere Zuordnung kommt mir nicht in den Sinn.

Ich versuche mal, auf die Komplexität der Situation einzugehen.

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Viele Wölfe leben zum Glück in Mecklenburg.

Es leben zum Glück viele Wölfe in Mecklenburg.

Zum Glück leben viele Wölfe in Mecklenburg.

In Mecklenburg leben zum Glück viele Wölfe.

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Viele Wölfe leben mit großer Vorsicht in Mecklenburg.

Es leben viele Wölfe mit großer Vorsicht in Mecklenburg.

Mit großer Vorsicht leben viele Wölfe in Mecklenburg.

In Mecklenburg leben viele Wölfe mit großer Vorsicht.

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Viele Wölfe leben unbekümmert in Mecklenburg.

Es leben viele Wölfe unbekümmert in Mecklenburg.

Unbekümmert leben viele Wölfe in Mecklenburg.

In Mecklenburg leben viele Wölfe unbekümmert.

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Viele Wölfe leben heutzutage in Mecklenburg.

Es leben heutzutage viele Wölfe in Mecklenburg.

Heutzutage leben viele Wölfe in Mecklenburg.

In Mecklenburg leben heutzutage viele Wölfe.

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Viele Wölfe leben zum Beispiel in Mecklenburg.

Es leben zum Beispiel viele Wölfe in Mecklenburg.

Es leben viele Wölfe zum Beispiel in Mecklenburg.

Zum Beispiel leben viele Wölfe in Mecklenburg.

In Mecklenburg leben zum Beispiel viele Wölfe.

In Mecklenburg zum Beispiel leben viele Wölfe.

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Man kann schon Muster erkennen. Allerdings hängt es von der Art des Adverbiales ab, wo es stehen darf und wo nicht. Deshalb müsste man zum Beispiel erst einmal zuordnen und schauen, ob es Vergleichliches gibt. Oder ob es sich überhaupt um ein Adverbiale handelt.

So kann man nicht wirklich sagen, ob sich zum Beispiel an seiner natürlichen Stelle im Satz befindet.

Die Kommata scheinen mir dem Satz eine etwas andere Bedeutung zu geben.

Wie scho Almalexian sagte, erhält der Einschub durch die Abtrennung mehr Gewicht. Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass die Kommata den Einschub zu einem (abgekürzten) Nebensatz erheben, etwa im Sinne von

In Mecklenburg - um nur ein Beispiel von vielen zu nennen (und ich beschränke mich aus Platz- oder Zeitgründen auf dieses eine) - ...

wenn auch in der Gewichtung weit weniger stark als diese längere Ausführung.

Um das zu beurteilen, müsste ich die Intention des Autors wissen. Und auch das Zielpublikum, das er sich vorstellt.

Die Kommata sind optional.

Als Einschub können Sie gesetzt werden, müssen aber nicht. ^^

Ich hoffe, ich konnte dir helfen; wenn du noch Fragen hast, kommentiere einfach. 

LG Willibergi 

Kekstasse 02.07.2016, 10:38

Die Sache mit den Einschüben ist ja leider so 'ne herrlich uneindeutige Geschichte in der deutschen Rechtschreibung. ^^'

Wir haben in der amtlichen Regelung einmal den §77: "Zusätze oder Nachträge grenzt man mit Komma ab; sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit paarigem Komma ein." Und führt dann als mögliche Fälle (1) Parenthesen, (2) Appositionen, (3) mehrteilige Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben, (4) nachgestellte Erläuterungen, die häufig mit also, besonders, das heißt, das ist, genauer, insbesondere, nämlich, und das, und zwar, vor allem, zum Beispiel oder dergleichen eingeleitet werden, (5) Wörter oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes Wort angekündigt werden, (6) nachgetragene Infinitgruppen oder entsprechende Wortgruppen und (7) nachgetragene Partizip- oder Adjektivgruppen an.

Nach meiner Ansicht trifft keiner dieser Fälle auf mein Beispiel zu (auch nicht (4)!).

Aber dann haben wir ja noch den wunderbar schwammig formulierten §78: "Oft liegt es im Ermessen des Schreibenden, ob er etwas mit Komma als Zusatz oder Nachtrag kennzeichnen will oder nicht." Dies betrifft u.a. Gefüge mit Präpositionen und entsprechende Wortgruppen oder Wörter. Würdest du sagen, mein Beispiel fällt in diese Kategorie?

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Willibergi 02.07.2016, 11:29
@Kekstasse

"Würdest du sagen, mein Beispiel fällt in diese Kategorie?"

Ja, definitiv.

"zum Beispiel" ist eine mit einer Präposition eingeleitete Wortgruppe.

LG Willibergi

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ja das geht das ist ein eingeschobener nebensatz oder so idk wie man das nennt aber ich weiß definitiv dass es geht :)

Kekstasse 02.07.2016, 10:58

Es ist eine eingeschobene Wortgruppe (genau genommen eine Präpositionalgruppe). ;)

Bei denen ist leider nicht ganz eindeutig geklärt, wann sie mit optionalem Komma abgetrennt werden dürfen und wann nicht. ^^'

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bekind 02.07.2016, 11:01
@Kekstasse

ok wie man es nennt habe ich mir aus meiner schulzeit nicht gemerkt aber ich habe ganz sicher gelernt dass man es so schreiben kann. :)

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PWolff 02.07.2016, 12:12

ich kann mich eines kommentars nicht enthalten der zum thema hat dass mir die ironie aufgefallen ist die darin besteht dass in einem beitrag zu einer diskussion über kommasetzung jegliche interpunktation ausgelassen wird abgesehen von einem emoticon

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bekind 02.07.2016, 13:22
@PWolff

ich habe früher so sehr auf meine rechtschreibung online geachtet aber mittlerweile ist mir das irgendwie egal geworden

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Kann man auch so schreiben. Der Teil klingt dann beim Lesen bzw. Aussprechen etwas betonter.


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