In katholischer Kirche bleiben trotz Beitritt in freikirchlicher Gemeinde?

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7 Antworten

Hallo.

Es gibt zwei Aspekte, die zu beachten sind:


Öffentlich-Rechtliche Perspektive

Ein Konfessionswechsel ist unter Umständen eine öffentlich-rechtlich wirksame Handlung, nämlich dann, wenn eine beteiligten Religionsgemeinschaften den Status einer Körperschaft des öffentlichen Recht (KdöR) hat. Die römisch-katholische Kirche ist eine KdöR. Ob die freikirchliche Gemeinde, für die Du Dich interessierst, Körperschaftsstatus hat oder nicht, hängt davon ab, ob sie zu einem Gemeindebund gehört, welcher als KdöR anerkannt ist. Die etablierten freikirchlichen Gemeindebünde (Bund Freier evangelischer Gemeinden; Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden; etc.) haben in der Regel den Körperschaftsstatus, obwohl sie faktisch von manchen der damit verbundenen Rechte (Erheben von Körperschaftssteuer, Erteilen von Religionsunterricht, Eröffnen von theologischen Fakultäten) keinen Gebrauch machen.  Da freie Gemeinden jedoch zur Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen (und teilweise auch wieder verschwinden) kann es aber auch sein, dass die Gemeinde, zu keinem Gemeindebund mit Körperschaftsstatus gehört. Das musst Du daher am besten den zuständigen Pastor oder Prediger der freikirchlichen Gemeinde fragen. Falls die Gemeinde, für die Du Dich interessierst, Körperschaftsstatus hat, wirst Du dort normalerweise erst eintreten können, wenn Du zuvor auf demEinwohnermeldeamt aus der katholischen Kirche in öffentlich-rechtlicher Hinsicht ausgetreten bist.


Kirchenrechtliche Perspektive

Dein Vorhaben hat aber nicht nur öffentlich-rechtliche Bedeutung, sondern auch kirchenrechtliche Folgen, die davon unabhängig sind. Wenn Du die freikirchliche Gemeinde nicht nur gelegentlich (z.B. aus ökumenischer Freundschaft heraus) besuchst, sondern wirklich dazu gehören willst, weil Du Dich mit den Lehren und Praktiken der freikirchlichen Gemeinde mehr identifizieren kannst, als mit dem katholischen Glauben und vor allem, ist ja davon auszugehen, dass Du einige Bestandteile des katholischen Glaubens ablehnst. Wenn Du Dich in der freikirchlichen Gemeinde nochmal Taufen lässt, leugnest Du damit z.B. öffentlich die Gültigkeit der katholischen Taufe, usw... Nach CIC (Codex Iuris Canonici) 751 ist dies als "Häresie" (= Irrlehre) definiert. Nach CIC 1041 zieht öffentliche Häresie als "Tatstrafe" die Exkommunikation nach sich. Exkommunikation bedeutet nicht, dass Du aus der Kirche ausgeschlossen bist (das ist nach katholischer Lehre gar nicht möglich), sondern nur, dass Du vom Empfang der Sakramente und dem wahrnehmen bestimmter Mitgliedsrechte bis auf weiteres ausgeschlossen bist. Du dürftest aber z.B. weiter in katholische Gottesdienste gehen (nur halt nicht an der Kommunion teilnehmen) und caritative Einrichtungen der Kirche würden Dich, falls Du bedürftig bist, auch trotzdem versorgen.

Die Exkommunikation würde erst dann aufgehoben, wenn Du Dich wieder dem katholischen zuwendest und z.B. die Wiedertaufe bereust. Außerdem gilt die Exkommunikation bei Todesgefahr nicht.

Kurz: Du kannst nicht zugleich Katholik und Mitglied einer freien Gemeinde sein. Das eine schließt da andere aus.

was mich wunder ist, das man in einer Freikirche noch mal getauft würde

die katholische Kirche sagt, man kann nur einmal getauft werden, also würde sie im Umkehrtschluss eventuell die freikirchliche Taufe anerkennen.

wobei ich weiss, das die kath.Kirche evangelische und orthodoxe Taufen anerkennt, freikirchliche weiss ich jetzt gar nicht

theoretisch gehen beide Mitgliedschaften schon, aber Kirchensteuerpflichtig wärst du in der katholische Kirche, und besuchen würdest du die anderen Gemeinde?

fände ich jetzt moralisch schwierig, aber ich habe schon deinen Kommentar gelesen, ...lange Geschichte ...

eigentlich nehme ich an, das du dich aber kurz über lang für eine Kirchenzugehörigkeit entscheiden würdest

Bodesurry 06.08.2017, 11:13

Die Frage wegen der Taufe kann ich Dir leicht beantworten. 

In der Regel wird man in der katholischen Kirche als Baby/Kleinkind durch die Taufe in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen. Durch das Weihwasser soll das Kind rein gewaschen werden von allen Sünden und so für das Himmelreich "gesichert" werden.

Dieses Denken haben die Freikirchen nicht. Sie stellen das Kleinkind unter Gottes Segen. Den Entscheid, ob jemand getauft werden möchte, soll die Person dann fällen, wenn sie bewusst den Schritt in die Nachfolge Jesus gehen möchte. Weihwasser gibt es nicht.  

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Theoretisch ist es egal - jedenfalls für die katholische Kirche. Trittst Du aber aus der katholischen Kirche aus, so brauchst Du in Folge dessen keine Kirchensteuer mehr bezahlen, was zur Folge hat, dass von Deinem Brutto mehr Netto übrig bleibt.

Mondmayer 05.08.2017, 17:55

Naja, viele Entscheidungen sollte man nicht vom Geld abhängig machen.

In der einen Gemeinde fühle ich mich wohl und ich denke, dass sie mir hilft in meinem Glauben voranzukommen, doch gleichzeitig weiß ich nicht ob ich aus der katholischen Kirche wirklich austreten möchte. Ist auch hier nicht wichtig, lange Geschichte.

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JTKirk2000 05.08.2017, 18:56
@Mondmayer

Ich bin als Kind und Jugendlicher in der evangelischen Kirche aktiv gewesen, erkannte aber während der Leserunde in der "jungen Gemeinde" einige Differenzen zwischen der Bibel und der evangelischen Kirchenlehre, insbesondere da, wo es mir persönlich schon immer wichtig war. 

Später, als Erwachsener fand ich zu einer anderen Kirche, wo diese Differenzen nicht einmal ansatzweise so stark vorhanden sind (lediglich in Bezug auf die in der Bibel als geistige Gaben bezeichneten Eigenschaften gibt es da offenbar noch eine Differenz, aber da bin ich weit besser dran als bei jeder anderen mir bekannten christlichen Konfession). Als ich mich in dieser anderen Kirche taufen ließ, trat ich kurz darauf aus der evangelischen Kirche offiziell aus. 

Das hatte für mich nichts mit dem Geld zu tun, sondern war allein schon eine Glaubens- und Gewissensentscheidung. Und natürlich macht es auch einen Unterschied in Bezug auf das liebe Geld, aber das sehe ich für mich bei meinem damaligen Kirchenaustritt nicht als maßgeblich an.

Ist auch hier nicht wichtig, lange Geschichte.

Wie Du meinst.

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Wenn du dich in deiner Freikirche taufen lässt, wird das bei einer seriösen Gemeinde nicht geschehen, solange du noch Mitglied in der RKK bist oder dich zumindest verpflichtest, dort auszutreten.

Manche schicken dann dem Bischof einen Brief samt Taufbestätigung und der ist eigentlich verpflichtet dich auszuschließen. Das geschieht, um sich die Verwaltungsgebühren zu ersparen.

Ja klar das ist kein Problem. 

Ich bin auch Mitglied einer freien evangelischen Gemeinde. Bin aber in der Reformierten Kirche angemeldet und bezahle daher auch an diese Kirchensteuer. Aber ich mache das bewusst, da ich finde, dass die Kirchen gute Dinge machen. 

Dann verlang die katholische Kirche und die Freikirche den 10. Teil deiner Einkünfte für sich! Kannst du das finanziel leisten? 

Mondmayer 05.08.2017, 16:59

Die katholische Kirche wird von der Kirchensteuer bezahlt ...

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Schoggi1 05.08.2017, 22:17

quatsch...das verlangen die nicht... das geben des 10. Teils ist IMMER Freiwillig! NIEMAND wird dazu gedrängt...gezwungen oder kontrolliert.... 

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In erster Linie mußt du dich nach dem Willen Gottes ausstrecken.

Lies Gottes Wort unter Gebet und und wenn du wirklich ein 'Kind Gottes bist, wirst du wissen, was zu tun ist.

http://www.bibelpraxis.de/index.php?article.876

lg

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