Immanuel Kant - Mündigkeit und Pädagogik

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Die Textstelle von Immanuel Kant stammt aus der 1784 erschienenen Abhandlung „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ und Kant meint darin – auf die damalige Zeit bezogen - , ein großer Teil der Menschen bleien zeitlebens unmündig, nur wenigen sei es gelungen, sich durch eigene geistige Entwicklung aus Unmündigkeit zu befreien und sichere Schritte auszuführen.

Kant mißtraut in dem Texte einem bloßen politisch-gesellschaftlichen Umsturz. Eine Revolution in dieser Bedeutung setzt er nicht mit dem Erreichen echter Mündigkeit gleich. Daher handelt es sich genaugenommen gar nicht um einen Rückfall in eine Unmündigkeit, sondern einen Mangel an Aufklärung und Voranschreiten zu echter Mündigkeit. Was fehlt, wird im Text in einer allgemeinen Umschreibung genannt: eine „wahre Reform der Denkungsart“.

Unter Unmündigkeit versteht Kant das Unvermögen (die Unfähigkeit), sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Der unmündige Mensch folgt ohne selbständiges Denken anderen Menschen, Gruppen, Einrichtungen und Einflüssen von außen. Autoritäten werden nicht in Frage gestellt.

Meines Erachtens ist der Ausdruck „neuen Vorurteile“ sehr allgemein. Vorurteile sind vor einer näheren Erfahrung und Kenntnis schon vorhandene Meinungen, die nicht kritisch reflektiert und nicht durch Beschäftigung mit der Sache selbst, Beschaffung von Informationen und eigenes Nachdenken überprüft werden.

Wenn nicht auch die Denkweise, sich von fremden Einflüssen steuern zu lassen, ohne Leitung der eigenen Vernunft, geändert wird, lassen sich Menschen nach einer Revolution leicht weiterhin von Vorurteilen bestimmen. Nur inhaltlich sind die Vorurteile eventuell anders („neue Vorurteile“ statt der alten Vorurteile). Faulheit (bequeme Trägheit) und Feigheit (Mangel an Mut) können weiterhin vorhanden sein. Möglicherweise werden sogar nur Autoritäten ausgetauscht, das Grundmuster unkritischen Folgens aber nicht wirklich beseitigt.

Kant hält für Aufklärung und einem Freiwerden von Vorurteilen das Selberdenken für zentral. Wenn Menschen nicht selbst denken, nicht die eigene Vernunft gebrauchen, bleiben sie im Zustand der Unmündigkeit.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das ist eine zurecht ausgezeichnete Antwort von @ Albrecht und sei froh, dass er sehr plausibel analysiert undd vor allem im Schlussdrittel einfachen Wortschatz bemüht. Ich für mich habe einen Begriff total gelöscht = Faulheit/ bequeme Trägheit. Ich bitte zu schreiben = Anstrengungsvermeidungstendenz. In Lernprozessen geht die Rede von Mündigkeit , nach Kant weitreichender als Vortragserfahrung, Mut und Sprachvermögen. Die gesamte Sprachkompetenz ist gemeint, und bei Kant auch das "Vorfeld" = die geistige Leistung.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Man fällt in die Unmündigkeit zurück, weil die Menschen es lieben, unmündig zu sein. Keiner will selber denken, sondern ebendies jemand anderen überlassen. So hast du weniger Probleme, weil du dir eben weniger Gedanken machst.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Unmündig bedeutet auflehnerisch! Naja ist ganz einfach, die probleme die durch eine revolution beseitigt werden-> werden beseitigt-> dafür treten gleich neue auf! In dem Sinne, gibt es nur die unmündigkeit, da eine revolution kein Dauerzustand ist!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ddeerr
15.10.2011, 22:08

Ich frage da aber nochmal meinen Prof nach! Gute Frage!

0

Was möchtest Du wissen?