Iinwiefern unterscheidet sich die römische Verfassung der Republik von der Verfassung des Prinzipats?

2 Antworten

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Auch in der Kaiserzeit gab es weiterhin Konsuln und einen Senat. Nur hatte der Kaiser praktisch die alleinige Macht und mit der Prätorianergarde auch seine eigene militärische Privattruppe, während es nach der republikanischen Verfassung verboten war, Militär innerhalb des Pomerium einzusetzen.

Die republikanische Verfassung war aber bereits seit den Zeiten der Bürgerkriege in sehr wackeligem Zustand gewesen, so dass Leute wie Gaius Marius schon sieben Mal zum Konsul gewählt wurden, obwohl das in früheren Jahrhunderten undenkbar gewesen wäre.

Eine Ergänzung: Während der Republik lag die alleinige Macht praktisch beim Senat. Das bedeutete, die Konsuln, auch die Volkstribunen mussten ihre Gesetzesvorhaben dem Senat zur Genehmigung vorlegen. Wer das nicht machte, z.B. Tiberius und Gaius Gracchus, geriet in höchste Lebensgefahr, beide Gracchen wurden denn auch bei einem Aufstand der Senatoren getötet.

Die Senatsherrschaft wurde in der Krisenzeit der Republik, ca. ab 100 v.Chr., nach und nach untergraben (Marius‘ und Cinnas Schreckensherrschaft, Sullas Diktatur). Nach der Wiederherstellung der Senatsherrschaft wurde aber klar, dass der Senat mit den ständigen Aufständen in Rom nicht fertig wurde.

Im 1. Triumvirat zwischen Pompeius, Crassus und Caesar (60 v. Chr.) wurde die Senatsherrschaft praktisch wieder außer Kraft gesetzt. Im Staate hatte jetzt das Triumvirat das Sagen. Als sich Pompeius wieder dem Senat annäherte und zusammen mit ihm Caesars Macht, die auf seinem Heer im Gallischen Krieg basierte, eliminieren wollte, entfesselte Caesar den Bürgerkrieg und wurde nach seinen Siegen gegen das Senatsheer Diktator des römischen Reiches.

Der Versuch der Republikaner Brutus und Cassius, durch die Ermordung Caesars 44. V. Chr. die Senatsherrschaft und damit die Republik wiederherzustellen, scheiterte in zwei Schlachten bei Philippi 42 n. Chr. Vorher hatten Antonius, Octavian und Lepidus das 2. Triumvirat geschlossen (43 n. Chr.) Damit war die Senatsherrschaft endgültig beseitigt.

Die Entwicklung führte sodann, infolge der Entzweiung zwischen Ovtavian und Antonius, zum 2. Bürgerkrieg, den Octavian gewann (Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr.), und schließlich zum Prinzipat des Octavian, der sich Augustus nannte.

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@Haldor

Das ändert aber nichts daran, dass die vormals demokratischen Institutionen auch im Kaiserreich weiterhin bestanden - bis zum Ende des Imperium Romanum. Die Brüder Gracchus wurden von der Fraktion der Optimaten ermordet, denen ihre Reformanstöße deutlich zu weit, weil zu Lasten des vermögenden Adels und Patriziats gingen. Darin und weniger ihrem legeren Umgang mit der gesetzgeberischen Tradition sehe ich den eigentlichen Grund für ihre Ermordung.

Aber ich finde es immer wieder schön, auch heute noch Menschen zu finden, die sich mit dieser überaus spannenden Geschichte des alten Rom beschäftigen.

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@Altersweise

Ja, richtig! (Das "demokratisch" bei den Institutionen würde ich allerdings in Frage stellen). Durch die Verstöße gegen die Tradition (Der Senat musste vorher "konsultiert" werden) haben die Gracchen die Senatoren, d.h. die Optimaten unter ihnen, schwer in Rage gebracht, denn die Tradition hatte bei den Römern einen enormen Stellenwert. Als noch mehr passierte, gegen den Willen der Senatsmehrheit, war die Geduld der Senatoren am Ende.

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