Ideale und Ziele der Kindererziehung in der BRD?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Durch die 68er Bewegung wurde die "deutsche" Erziehung ziemlich durcheinandergebracht. Die neue Strömung "antiautoritäre" Erziehung zu "freien" Kindern stellte alles in Frage und schaffte Raum für diverse Änderungen bis hin zur heutigen Verwöhnerziehung unter Leistungs- und Rollendrill, die wieder ähnlich stark sind, wie zur Nazizeit aber anders funktionieren.

Danke für deine Antwort.

Meine Frage bezieht sich insbesondere auf Empathie und Mitgefühl: Glaubst du, dass Empathie und Mitgefühl in der Erziehung eine Priorität sind? Will man Kinder dazu erziehen, dass sie verstehen, wie der andere sich fühlt?

0
@Yoss313

Heute würde ich das mit "Nein" beantworten. In den Zwischenjahren, nach antiautoritär, haben sich zumindest manche darum bemüht.

1

Tja, stellten "die 68er" nicht auch Fragliches in Frage, den "Muff von tausend Jahren"?

Ich erspare mir jetzt das Wortspiel mit dem "Tausendjährigen Reich"...

0
@earnest

Ich weiß, worauf sich der Muff von tausend Jahren bezieht.

Die 68 haben Alles in Frage gestellt und sind auch weit übers Ziel hinausgeschossen, aber sie haben notwendige Reformen in Gang gesetzt, zu denen es ohne sie so schnell nicht gekommen wäre.

der Kapitalismus schafft es nur, alle Bewegungen wieder auszurichten.

1
@Quaeror

Sicherlich haben "wir" nicht ALLES in Frage gestellt, sondern schwerpunktmäßig "nur" Innen- und Außen-Politik, den Vietnamkrieg und - allem voran - das fossile deutsche Bildungs-System:

"Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren !"

pk, immer noch überzeugter Alt-68er !

1

Vorab zu deiner Frage: diese "Strömungen" sind nicht 1933 vom Himmel gefallen (Schon mal von Sparta gehört? Von Rom? Dschinghis Khan? Amerikanischen Ureinwohnern? Hollywood?), und haben sich 1945 nicht in Luft aufgelöst.

Man kann alles übertreiben. Jemandem absichtlich Schmerzen zuzufügen, um ihn "abzuhärten" ist falsch. Ihm unvermeidliche Schmerzen zu ersparen aber auch.

Man kann nicht laufen lernen ohne hinzufallen!

Der Versuch, alles "besser" zu machen, hat tatsächlich zu einer "verzärtelten" Gesellschaft geführt, die vor lauter Selbstmitleid kaum noch zu echtem Mitgefühl mit anderen fähig ist.

Die Überzeugung, dass man aufhören darf zu funktionieren, wenn irgendwas schiefläuft, ist genau so daneben wie der Zwang, sich im Zuge der "Pflichterfüllung" kaputt zu machen.

Wir haben das "rechte Maß" verloren - schon lange vor dem Dritten Reich! Und bis heute nicht wiedergefunden. (Vielleicht hatten wir es auch nie.)

Einen randalierenden Dreijährigen anzuschreien, ist grausame Kinderquälerei, dafür verhungern Teenager später freiwillig, weil sie nicht gelernt haben, mit negativen Gefühlen umzugehen.

Bei jeder kleinen Rangelei im Kindergarten wird ein Riesentheater veranstaltet, später werden Jugendliche mit (heimlichem) Mobbing in den Selbstmord getrieben.

Alle sollen Abi machen - aber im Lesen, Schreiben, Rechnen werden die Schüler immer schlechter.

Was du auch ausgelassen hast: 1933 bis ´45 wurden keine Egoisten erzogen, sondern "Kameraden". Sicher brauchen wir nicht über die damalige Definition von "die Herrenrasse gegen den Rest der Welt" diskutieren, aber Teamwork wurde seither immer weiter abgeschafft.

Heute wechselt man Menschen wie Klamotten. Und es sind nicht nur die "bösen Arbeitgeber", die keine Mitarbeiter mehr fest anstellen, es sind gerade die Durchschnittsbürger, die Freunde, Partner, Umfeld entsorgen, sobald erste "Abnutzungserscheinungen" auftreten.

Was aber anscheinend aus dem Dritten Reich geblieben ist, ist der Drang, alles in schwarz und weiß, gut und böse, richtig und falsch einzuteilen, statt zuzugeben, dass wir vor lauter grau oft nicht wissen, woran wir sind...

Was du auch ausgelassen hast: 1933 bis ´45 wurden keine Egoisten erzogen, sondern "Kameraden". Sicher brauchen wir nicht über die damalige Definition von "die Herrenrasse gegen den Rest der Welt" diskutieren, aber Teamwork wurde seither immer weiter abgeschafft.

Was bedeutet für dich "Kameraden"?

Denkst du, das das positiv war?

0
Einen randalierenden Dreijährigen anzuschreien, ist grausame Kinderquälerei, 

Bist du der Meinung, dass Anschreien ein effizientes Mittel ist, um einen randalierenden Dreijährigen zur Ruhe zu bringen?

Genau um solche Fragen geht es mir nämlich: kann es sein, dass manche Leute einfach nie gelernt haben, was bei welchem Alter eine adäquate Reaktion ist, besonders im Zusammenhang mit Kleinkindern...

d.h man hat Müttern beigebracht, Säuglinge schreien zu lassen und Kleinkinder anzuschreien oder zu schlagen, statt den Müttern beizubringen, sich in die Kinder einzufühlen und die Kinder effizient zu beruhigen.

Und so entsteht dann eine ganze Gesellschaft, die es nicht schafft, sich in jemand anders einzufühlen...

0
@Yoss313

Ich denke, dass du in einer Zuckerwattewolke feststeckst, in der man alles mit Reden und Tiefenverständnis lösen kann. Wer ohne "Grenzen" erzogen wird, springt aus dem Fenster, rennt auf die Straße, spielt mit dem Herd.

"Du hast Nachbars Katze ertränkt? Mensch, super, dass du dich so für Biologie interessierst! Und nein, Katzen sind keine Goldfische, aber das begreifst du bestimmt, wenn du es noch 50 mal testest..."

Auch die besten Eltern können ihre Kinder nicht 24/7 komplett
kontrollieren, und einsperren in Gummizellen ohne Gefahrenpotenzial kommt wohl auch nicht in Frage...

Und dummerweise versteht kein krabbelndes Kleinkind ein gelächeltes "Nein, mein Schatz, das ist ge- fäääähhhhr-lich!".

Kameradschaft bedeutet für mich, sich bewusst zu sein, dass man nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern Teil einer Gruppe ist. Der Familie, der Klasse, der Fußballmannschaft.

Und zu begreifen, dass Gemeinschaften nicht durch den Star in ihrer Mitte stark sind, sondern durch ihre Bereitschaft, sich zu unterstützen, sich auch mal zu verzeihen und persönlich zurückzustecken.

1
@DODOsBACK

Also nach meiner Erfahrung schreit ein Kleinkind noch mehr, wenn man es anschreit, aber es beruhigt sich schnell, wenn man freundlich mit ihm redet.

Manchmal hilft alles nichts, dann muss man einfach Nerven haben, das Geschrei 5 Minuten lang auszuhalten.

Aber Anschreien ist bei Kleinkindern kein konstruktiver Beitrag zur Beruhigung.

Was nicht heisst, dass man nicht Nein sagen soll und keine Grenzen setzen soll.

Aber man kann das Nein auch freundlich, mit einen Lächeln sagen...

Ich finde eben interessant, dass viele Leute das nicht zu wissen scheinen...

0

Im Dritten Reich wurde kein Teamwork gelehrt sondern Kadavergehorsam und Unterordnung unter eine Ideologie. Wenn du das glaubst, was du hier behauptest und nicht nur agitierst, solltest du dich mal mit alten Menschen unterhalten, die diese Zeit erlebt und darüber reflektiert haben, so wie meine Eltern z.B. oder entsprechende Texte lesen.

2
@Quaeror
Im Dritten Reich wurde kein Teamwork gelehrt sondern Kadavergehorsam 

Die neuere Forschung besagt, dass Ausführende im "Dritten Reich" durchaus viel Freiheit hatten und eigene Kreativität einbrachten, dass Befehle tw. auch kontrovers mit Befehlsgebern diskutiert oder bei der Ausführung autonom von Ausführenden geändert wurden

So sehr "Kadavergehorsam" wie das heute erzählt wird, scheint es nicht gewesen zu sein. 

0
@Yoss313

Und auf diese "Änderung" hin wurden sie dann standtrechtlich erschossen.

0
@Quaeror

Hast du schon mal eine Autobahn benutzt? Wie konntest du nur! Hat die nicht Hitler "erfunden"? Teufelswerk!

Unter Kameradschaft verstehe ich nicht, gemeinsam Schwächere zu verprügeln, weil der Oberstwaldmeister es befohlen hat.

Für mich bedeutet es, zu seinen Freunden zu stehen, ihnen zu helfen, und auch mal auf eigene Vorteile zu verzichten. Zu begreifen, dass man nicht der Mittelpunkt der Welt ist, sondern nur ein kleiner Teil davon, der auf andere angewiesen ist.

Es bedeutet, dass man auch mal den Abwasch macht, obwohl ein anderer dran wäre, dass man nicht ins Kino geht, wenn der beste Freund jemanden zum Quatschen braucht, und dass man nicht denjenigen für das verlorene Spiel verantwortlich macht, der den entscheidenden Elfmeter verursacht oder verschossen hat.

Kadavergehorsam ist was ganz anderes - aber da sind wir wieder beim "graufreien" Schwarz-Weiß-denken...

0
@Quaeror

Nein, nein, das stimmt nicht.

Neuere Forschung scheint zu belegen, dass z.B. die Wehrmacht in ihrer Ideologie eben nicht auf Kadavergehorsam ausgerichtet war, sondern auf Resultate.

d.h. man konnte Befehle autonom abändern, wenn die Situation es erforderte, aber das Resultat musste erfolgreich sein.

Man wurde nicht verurteilt, weil man nicht gehorcht hatte, sondern weil man keinen Erfolg hatte. 

In ihren Prozessen haben sich die Verbrecher des nazi-Regimes als Ausrede immer auf den "Befehlsnotstand"  berufen. Mittlerweile ist das ziemlich gründlich widerlegt...

0
@DODOsBACK

Aber die "Kameradschaft" der NS-Zeit ging einher mit starker Ausgrenzung von "anderen", aber vor allem mit unglaublicher Enthemmung zu Grausamkeit.

Wenn du dir die Analysen der Massenerschiessungen anschaust (Aufzeichnungen der Ausführenden), haben dort die Mitglieder der "Einsatztruppen" u.ä. ja aus "Kameradschaft" freiwillig, ohne jeden Zwang, Frauen und Kinder erschossen.

1
@Yoss313

Das mag richtig sein, aber der Kadavergehorsam führte dann dazu dass, die Strafe die Leiter höher ging, wer wusste, dass etwas falsch ist, aber gehorchte, wurde nicht bestraft. Das "Selberdenken und handeln" galt grundsätzlich nur für höhere Ränge.

0
@DODOsBACK

Was du unter "Kameradschaft" beschreibst, hatte nichts mit dem Umgang in der Naziideologie zu tun.

0

Das hört sich ja sehr nach Nazi-Nostalgie auf deiner Seite an Dodosback...

0

Bis heute, guck dich doch um, es gibt genug Irre, die da herumlaufen 

Schau dir mal die Geschichte des Buches Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind von Johanna Haarer an:

" Auch nach 1945, bis in die 70er Jahre fand sich Haarers Buch in einer entschärften Fassung in fast jedem Haushalt der Bundesrepublik.[12] Nach 1945 wurde das Buch unter Weglassung von „deutsche“ im Titel und einigen Retuschen veröffentlicht. Es gab häufige Neuauflagen, zuerst im kirchlich-evangelischen Verlag Lätare, Nürnberg 1949,[13] ab 1951 ohne die härtesten NS-Begriffe beim Carl-Gerber-Verlag, Nürnberg,[14] dort zuletzt eine angeblich „Völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage“ im März 1996.

Die Publikation erreichte bis 1987 eine Gesamtauflage von ca. 1,2 Millionen.[15] Noch in den 1960er Jahren diente es als Lehrbuch in Berufs- und Fachschulen, z. B. bei der Ausbildung von Hauswirtschaftslehrerinnen, die dieses „Wissen“ dann wiederum ihren Schülerinnen andienten."

https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Haarer

Das waren noch Zeiten - als alles noch seine natürliche Ordnung hatte.

Nix mit Homo-Ehe und neumodischem Schweinkram.

1
@earnest

;-) Aber im Ernst, earnest, ich habe einige dieser Erziehungsprinzipien noch am eigenen Leibe erfahren müssen...

1
@andreasolar

Das glaube ich Dir aufs Wort.

Aber schau doch mal, was trotzdem aus Dir geworden ist...

;-)

1
@andreasolar
ich habe einige dieser Erziehungsprinzipien noch am eigenen Leibe erfahren müssen...

Wie sah das konkret bei dir aus?

0
@Yoss313

Naja, z.B. ließ meine Mutter mich lange "brüllen" (mein Vater schaltete derweil sein Hörgerät ab), Körperkontakt (trösten, kuscheln) war extrem selten.

Erziehung zu Mitgefühl gegenüber anderen war allerdings vorhanden, weil meine Mutter sehr gläubig war.

1

Die Strömungen waren lange noch gültig.

Für meinen Stiefvater war es selbstverständlich, dass ich selbst als Jugendlicher noch den nackten Hintern versohlt bekam. Das ist keine zehn Jahre her!

Das kann ich dir leider nicht zuverlässig beantworten, weil es in der BRD (wie auch in anderen Ländern) in meinen Augen üble Leitziele gab, aber auch Gegenströmungen. Da ist es schwierig mit dem Generalisieren.

Dass hierzulande, wie andernorts, solche Leitziele bis weit in die Adenauerzeit hineinreichten, ist eine Binsenweisheit.

Ich kann aber sagen, dass wir Jungs schon "damals" über die alten Sprüche (mehr oder weniger O-Ton Hitler) lachten, nach denen wir hart wie Kruppstahl und zäh wie Hosenleder wären. Das galt insbesondere nach einem "Versagen" beim Sport.

Auch Sprüche wie: "Gelobt sei, was hart macht" und: "Ein deutsches Mädchen raucht nicht" wurden von uns auf die Schippe genommen. (Eine Freundin pflegte Letzteres zu sagen, wenn sie sich ein Fluppe nach der nächsten anzündete.)


-edit: eine Fluppe

0

Wenn ich noch einen persönlichen Satz hinzufügen darf: Mein posthumer Dank an dieser Stelle an Herrn K., meinen Sport- und Deutschlehrer, einen alten Nazi.

Er hat mir sehr viel beigebracht.

Allerdings selten das, was er mir beibringen wollte.

Ihm wurde allmählich von seinem Umfeld beigebracht, dass Kasernenhof- und Nazizeit vorbei waren.

1

tut mir leid, war nicht meine zeit.


BRD ist übrigens eine abkürzung, die uns durch die DDR "verliehen" wurde..


Kein Problem, wenn du die Antwort nicht weisst, weil du dich mit der Frage und der Geschichte nie auseinandergesetzt hast.

Aber warum machst du dir dann die Mühe, eine Antwort zu verfassen, in der steht, dass du es nicht weisst?

Wenn du nicht geantwortet hättest, wäre es auch OK gewesen...

2

Schön, dass wir das jetzt von mir wissen.

P.S.: Ich habe übrigens "BRD" gesagt, ohne dass die bösen Ossis dafür verantwortlich gewesen wären.

1

Was möchtest Du wissen?