Sind die "Selbstbetrachtungen" des Mark Aurel nur ein philosophisches Werk oder gibt er auch tagebuchähnliche Infos preis?

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2 Antworten

Die „Selbstbetrachtungen“ des Marcus Aurelius (Marc Aurel/Mark Aurel) bestehen fast ganz aus philosophischen Gedanken. Eine Vielzahl an Gedanken ist in dem Werk aufgezeichnet. Sie bilden keine fortlaufende systematische Darlegung.

Die Aufzeichnungen sind an sich selbst gerichtet. Nirgendwo wendet sich Marcus Aurelius ausdrücklich an ein Lesepublikum. Die in altgriechischer Sprache verfaßten Aufzeichnungen waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt und sind später veröffentlicht worden, in 12 Bücher eingeteilt worden und haben einen Titel (Τὰ εἰς ἑαυτόν) erhalten.

Das erste Buch hat eine Sonderstellung, da Marcus Aurelius darin in einem zusammenfassenden Rückblick aussagt, welchen Personen er gute Eigenschaften, Tugenden/Vortrefflichkeiten und Lebenseinstellungen verdankt. Sein Vater, seine Mutter sowie andere Familienangehörige, Lehrer und Freunde werden erwähnt, die ihm so etwas vermittelt haben, durch prägende Einflüsse, Vorbild, Erziehung, Unterricht, Gespräche, Zusammenleben. Es sind auf diese Weise eine Reihe (auto)biographischer Angaben enthalten.

Informationen über Tagesereignisse sind nicht enthalten. Marcus Aurelius schreibt nicht, was er an einem Ort an einem bestimmten Tag erlebt hat. Er schreibt Gedanken und Gefühle allgemeiner Art nieder. Ein Selbstgespräch findet statt, mit Vorsätzen/Maximen, Selbstermahnungen und Reflexionen. Es kommt höchstens in Frage, das Werk als eine Art geistiges/philosophisches Tagebuch aufzufassen. Marcus Aurelius schreibt an einer Stelle (3, 14) von seinen kleinen Erinnerungshilfen/Notizen (ὑπομνημάτιά σου [hypomnematia sou]).

Geschrieben hat Marcus Aurelius das Werk innerhalb ungefähr des letzten Jahrzehnts seines Lebens. An einer Stelle (2, 2) spricht er von sich selbst als altem Mann (γέρων εἶ [„Du bist alt“/ „Du bist ein alter Mann“]). Marcus Aurelius vermerkt beim Übergang vom ersten zum zweiten Buch, dies im Land der Quaden am Gran (τὰ ἐν Κουάδοις πρὸς τῷ Γρανούᾳ.) und beim Übergang vom zweiten zum dritten Buch, dies in Carnuntum (τὰ ἐν Καρνούντῳ.) geschrieben zu haben, wobei jeweils nicht ganz eindeutig ist, ob das Vorausgegangene oder das Nachfolgende gemeint ist, also das erste oder zweite Buch bzw. das zweite oder dritte Buch.

Außer im ersten Buch, wo er sich rückschauend über seine Herkunft und Erziehung äußert sind seine Bücher "Splitter" philosophischer Gedanken, keine konkreten Tagesbezüge.

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